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Trainerdiskussion auf Schalke – Manager Horst Heldt unter Druck

S04-Trainer Jens Keller. Quelle: Wikipedia; Foto: DerHans04; Lizenz: CC

S04-Trainer Jens Keller. Quelle: Wikipedia; Foto: DerHans04; Lizenz: CC

Da ist sie mal wieder, die scheinbar endlose Trainerdebatte beim FC Schalke 04! Nach der jüngsten 1:2-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach vom Wochenende spekulieren breite Teile der Medien erneut laut über die drohende Entmachtung von Cheftrainer Jens Keller in Gelsenkirchen.

Nach den Misserfolgen der letzten Woche ist die Tatsache an sich auch nicht wirklich überraschend. Keller hatte in Schalke im zurückliegenden Jahr allerdings auch nie die Gelegenheit in Ruhe und kontinuierlich zu arbeiten. Sein Posten stand seit Amtsantritt Ende 2012 scheinbar alle paar Wochen wieder zur Diskussion. Dabei sind seine fachlichen Qualitäten weitestgehend unbestritten. Es sind schlicht Ausstrahlung und Charisma an denen es dem 43-jährigen Ex-Stuttgarter mangelt. Dies hätte aber eigentlich schon bei seinem Amtsantritt bei den Schalker Verantwortlichen bekannt sein müssen. Sollte Jens Keller also nun ausgerechnet daran scheitern, dann sind in der Angelegenheit wohl auch Manager Horst Heldt und Clemens Tönnies irgendwie mit im Boot.

Vor diesem Hintergrund verwundert allerdings die Tatsache, dass lt. einigen ‚Springer-Medien‘ aktuell der in Bremen im letzten Sommer entlassene Thomas Schaaf als der Top-Kandidat für eine mögliche Keller-Nachfolge auf Schalke gehandelt wird dann schon sehr.

Ausgerechnet Schaaf, der ebenfalls als wenig offen gegenüber den Medien und sogar recht ‚knurrig‘ gilt, soll es dann in Zukunft besser machen? Wo läge denn da der Unterschied?

Klar, Thomas Schaaf ist als Cheftrainer in der Bundesliga deutlich erfahrener als Jens Keller. Aber ansonsten? Ein Medienprofi, jemand mit großer Ausstrahlung ist auch er nicht. Und Fußball im königsblauen Gelsenkirchen hat zudem wohl auch eine ganz andere Bedeutung als im, bei allem Respekt, doch eher beschaulichen Bremen. Würde der ruhige Schaaf in das emotionale Revier passen?

Über ein Jahrzehnt erfolgreiche Arbeit in Bremen ist sicherlich ein Trumpf in seiner Bewerbungsmappe. Aber ist er letztendlich dort nicht (auch) am Ende an seiner introvertierten, wenig Optimismus verbreitenden Ausstrahlung gescheitert?

Wäre ein Trainer Schaaf auf Schalke daher nicht vielleicht sogar noch stärker gefährdet mit seiner Persönlichkeit Schiffbruch zu erleiden als ein Jens Keller? Denn während Keller sich in den letzten Monaten zumindest spürbar um mehr Lockerheit und Zugänglichkeit, auch gegenüber den Medienvertretern, bemüht hat, kann man das vom etablierten ehemaligen  Bremer Meistercoach so wohl nicht erwarten.

Bei Thomas Schaaf wüsste man also ebenfalls schon vor einer eventuellen Verpflichtung genau was man mit ihm bekommt. Und ist es wirklich das was der FC Schalke nun bräuchte?

Macht aber alleine diese Tatsache einen solchen Trainerwechsel denn nicht zumindest erneut sehr, sehr riskant? Ich denke schon! Und genau das kann in der aktuellen Situation doch eigentlich so gar nicht im Sinne der Königsblauen sein. Die Schalker bräuchten einen Trainer der neben seinem Fachwissen auch Ausstrahlung, Optimismus und Perspektive mit ins Revier brächte.

Vor diesem Hintergrund kann man Horst Heldt und Kollegen wohl nur raten sich eine Trennung von Jens Keller wirklich ganz genau zu überlegen bevor man sie dann in den nächsten Tagen oder Wochen dann vielleicht tatsächlich realisiert. Der Trainermarkt ist im Winter bekanntlich klein. Wäre es nicht vielleicht besser einen solchen Schritt, so man sich denn für eine Trennung von Keller entscheidet, erst nach Saisonende zu vollziehen und sich hierfür dann die Dienste eines wirklich gut nach Schalke passenden Cheftrainers zu sichern?

Und sollte tatsächlich der Trainer nun im Winter noch gewechselt werden, dann ist dies wahrscheinlich auch der letzte Versuch für Horst Heldt, dessen Schicksal ja eigentlich schon jetzt, wenn es in diesem Geschäft denn fairer zuginge, direkt mit dem von Jens Keller verknüpft sein müsste, nachdem es auch ihm in den letzten Jahren nicht gelungen ist eine wirklich überzeugende Lösung für das Traineramt beim FC Schalke 04 zu etablieren.

Aber irgendwann kommt dann eben auch ein Horst Heldt nun nicht mehr darum herum sich der eigenen Verantwortung gegenüber dem Club und seinen Fans zu stellen.

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5 Kommentare zu “Trainerdiskussion auf Schalke – Manager Horst Heldt unter Druck

  • #1
    Jörg Reiners

    Seit einiger Zeit ist Schalke04 mehr auf Wirkung und Fassade denn auf Erfolg und Statik ausgerichtet. Da soll ein gänzlich überflüssiges „Schalke-Tor“ gebaut werden. Da wird stets das Marketing überarbeitet. Da werden die Fans regelmäßig mit überarbeiteten Internetauftritten, die immer mehr zu Werbeplattformen der Sponsoren verkommen, malträtiert. Da wird nur noch Schönsprech und Konjunktiv angewandt. Fakt ist, daß die Spieler aus der zweiten Reihe ihre Chance zur Profilierung nicht nur nicht genutzt, sondern gänzlich vermasselt haben. Fest steht, daß Heldts Einkaufspolitik schwer nachvollziehbar ist und eher ökonomischen als sportlichen Kriterien zu folgen scheint. Und trotz aller durchaus vorhanden sein mögenden Qualität desTrainers Jens Keller im Sporttheoretischen ist es ihm nicht gelungen, eine Spielphilosophie erkennbar werden zu lassen. Wer dauerhaft in internationalen und nationalen Wettbewerben erfolgreich beiteiligt sein möchte, darf sich nicht länger mit zweitklassigem Denken und Handeln hervortun. Wenn Fußball auf Schalke auf Dauer nur noch zur Zufriedenheit von Gläubigern und Banken und Wirtschaftsprüfern, nicht aber zur Freude der Fans praktiziert wird, werden die Verantwortlichen es in der Tat schaffen, den legendären Schalke-Nimbus erodieren zu lassen. Auf Schalke muß Fußball wieder gelebt werden. Da müssen Fußballverrückte hin. Calmund als Manager. Rangnick als Trainer. Huub als Sachverständiger in den Aufsichtsrat.

  • #2
    Paul

    Ich glaube, dass nur noch Lothar Matthäus hilft. Thomas Schaaf wird wie Frank Neubarth scheitern.

  • #3
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Paul: Lothar? Echt? Na auf den wäre ich persönlich jetzt nicht unbedingt gekommen… 🙂 Aber ok. Warten wir es mal weiter ab.

  • #4
    TuxDerPinguin

    Schalkes Schulden sind eine Zeitbombe.
    wenn man so weitermacht und der Erfolg ausbleibt, werden größere Einschnitte nötig sein. Ich prophezeie eine lange Durtststrecke dann.

    Besser, man backt jetzt finanziell erstmal kleinere Brötchen und versucht sich ein Konzept zu geben, weil das ist das, woran es in Schalke mangelt. Da wird viel Geld verbrannt und Transfers scheinen mir völlig willkürlich zu verlaufen.
    Schalke müsste jedes Jahr locker Platz 3 erreichen, so viel Geld steckt dadrin…

    bevor man also die Trainerfrage stellt, sollte man erstmal die Konzeptfrage stellen. Und dann kann man gucken, ob man mit dem Trainer und nen abgemagerten Kader nen kleinen Neustart machen kann. Man hat genug junge gute Spiele. Hätte dann 2 oder 3 Jahre nix mit den vorderen Plätzen zu tun. Käme aber gesünder raus und könnte es den Dortmundern (oder Gladbachern?) nachmachen und sich oben festsetzen.

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