Ukraine-Krieg und Corona-Krise fegen die Klima-Debatten für lange Zeit von der Tagesordnung

#FridaysforFuture & Co. haben ein Problem. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Das hätten sich Greta Thunberg und ihre Mitstreiter von Fridays for Future wohl noch vor rund zwei Jahren nicht ansatzweise vorstellen können. Eine Pandemie und ein Krieg in Europa haben die Bemühungen den Kampf gegen die Klimakrise mit aller Entschlossenheit zu führen wohl um Jahre zurückgeworfen, nachdem sich die junge Schweden und die Mitstreiter in ihrem Gefolge bis Anfang 2020 noch auf so einem guten Weg wähnten.

Selbst zur Bundestagswahl im Herbst 2021 fühlten sich Klimaaktivisten noch befugt der neuen Bundesregierung ihre Vorstellungen vom Klimaschutz per Forderung aufzwingen zu dürfen. Und es sah ja auch vielversprechend aus, schließlich waren nicht nur die Grünen ein Bestandteil der neuen Bundesregierung in Berlin, sondern es bekannten sich auch die anderen Partner der Ampel-Koalition zu deutlich mehr Engagement gegen den Klimawandel.

Jetzt, rund ein halbes Jahr später, sieht die Welt plötzlich völlig anders aus. In Anbetracht brennender Städte in der Ukraine und Millionen von Flüchtlingen aus Osteuropa beschäftigt die Mehrheit der Menschen in diesen Breiten wieder anderes. Der Klimaschutz droht für Jahre von den Tagesordnungen der weltweiten Zusammenkünfte wichtiger Entscheider gefegt zu werden, wenn er es nicht sogar schon längst ist.

Über die Bedeutung und die Berechtigung der Forderungen von Umweltaktivisten haben wir auch hier im Blog in den vergangenen Jahren immer wieder kontrovers diskutiert. Die einen hielten die Klimabewegung allgemein, und Thunberg im speziellen, für anmaßend, weltfremd und in ihrem Vorgehen für fehlgeleitet. Die anderen wünschten sich mehr Entwicklungen in diese Richtung, freuten sich über den sich ausweitenden Einfluss dieser Bewegung.

Inzwischen ist selbst Fridays for Future auf die veränderten Gegebenheiten angesprungen, protestierte jüngst gegen den Krieg in der Ukraine, statt sich mit Klimafragen als Headliner auf Demos in die Öffentlichkeit zu begeben. Die Welt ist halt eine andere geworden.

Und statt den neuen Bundeskanzler mit Hungerstreik in Sachen Klimapolitik erpressen zu wollen, wie das noch im Herbst bei einigen der Fall war, kommt man inzwischen mit Forderungen in Sachen Umweltschutz nur noch schwer in die Öffentlichkeit. Die Corona-Pandemie und der Angriffskrieg Putins haben die Weltlage auf den Kopf gestellt und Fridays for Future & Co. schwer aus der Bahn geworfen.

Plötzlich erscheint die Klimadebatte irrelevant. Andere Dinge kommen auf die ersten Plätze einer jeden politischen Tagesordnung und in den öffentlichen Debatten. Die Protestplakate der Klimakämpfer sind längst aus unserem Alltag verschwunden. Es wird über Aufrüstung und Militärtaktiken diskutiert.

Selbst Gesundheitsminister Karl Lauterbach und RKI-Chef Lothar Wieler schaffen es in diesen Zeiten nicht mehr, sich mit ihren Corona-Appellen Gehör zu verschaffen, so wie das bis in den zu Ende gehenden Winter hinein bei uns in Deutschland noch der Fall war. Dabei sind die Corona-Pandemie und der Klimawandel ja noch nicht ansatzweise gestoppt. Irre Zeiten!

 

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9 Kommentare

  1. #1 | Emscher-Lippizianer sagt am 16. März 2022 um 12:13 Uhr

    Jetzt können die gewaltbereiten Nachwuchs-RAF'ler ja mal in die Ukraine gehen und Russenpanzer, die nicht korrekt mit AdBlue betrieben werden, ausschalten.

  2. #2 | Burger sagt am 16. März 2022 um 12:31 Uhr

    Sorry, aber der Artikel spielt ein großes Problem gegen ein anderes aus, ich spüre darin eine gewisse Schadenfreude gegenüber Thunberg & Co. Obwohl bei beiden Themen im worst case die Unbewohnbarkeit der Welt droht – verschuldet durch unverantwortlich handelnde Menschen. Da fände ich persönlich Beiträge konstruktiver, die beide Themen verbinden, z.B. – erneuerbare Energien machen uns ein Stück weit unabhängig von russischem Gas/Öl usw. Das wären sozusagen 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen….

  3. #3 | ZeroZero sagt am 16. März 2022 um 12:52 Uhr

    Naja, Öl & Gas werden teurer. Der Staat will unanhängiger von Ressourcen werden. Kann im Endeffekt der Umwelt und dem Klima zugute kommen.

  4. #4 | Robin Patzwaldt sagt am 16. März 2022 um 13:24 Uhr

    @2: "ich spüre darin eine gewisse Schadenfreude gegenüber Thunberg & Co."

    Also eines kann ich zusichern: Ich würde viel lieber über Klimaschutz diskutieren als über Aufrüstung und Krieg. Es ist schade, dass das Thema aktuell völlig von der Tagesordnung gerutscht ist. Von Schadenfreude kann daher bei mir überhaupt keine Rede sein, auch wenn ich hier im Blog in der Vergangenheit vieles an Greta Thunberg schon öffentlich kritisiert habe.

  5. #5 | Bochumer sagt am 16. März 2022 um 14:18 Uhr

    Mmhhhh… die brauchen gar nicht mehr demonstrieren, denn mittlerweile könnte ja der Dümmste Autofahrer des Landes verstanden haben, dass wir mit der endlichen Ressource sehr unangenehme Systeme stützen. Es braucht also Unabhängigkeit: Eneuerbare Energie.

    Hat er aber nicht…

  6. #6 | Lehmbruck sagt am 16. März 2022 um 15:45 Uhr

    Ich stelle eher das Gegenteil fest: Der Krieg zwingt uns, unabhängig von fossilen Energieträgern aus Russland zu werden, damit wir Putins Kriegskasse nicht weiter finanzieren. Da ein Großteil unserer Öl-, Gas- und Kohleimporten aus so genannten lupenreinen Demokratien stammt, müssen wir also insgesamt unseren fossilen Energieverbrauch senken. Kurzfristig zeigt unsere Bereitschaft, persönlichen Verzicht zu üben durch langsameres und selteneres Fahren mit kleineren Autos, Heizung runterdrehen etc , wie ernst es uns wirklich damit ist, zugunsten der Freiheit zu verzichten. Und zwar echter bürgerlicher Freiheit mit Verantwortung, nicht Fridays for Hubraum. Auch als Atomkraftgegner muss man nun weniger dogmatisch denken; auch wenn man prinzipiell Kernkraft ablehnt, kann sie ein notwendiges Übel als Brückentechnologie bilden, sprich Laufzeitverlängerung. Langfristig müssen politische Lösungen her, um unseren Wohlstand zu erhalten – also die jahrelang systematisch ausgebremste Transformation zu erneuerbaren Energien und elektrischer Mobilität (in Individual- und öffentlichen Verkehrsmitteln) muss unsere neue Wachstumsindustrie werden. Weil sie genau dies erkannt haben und weil sie osteuropäische Aktivistinnen in ihren eigenen Reihen haben, die genau diesen Zusammenhang längst erkannt haben, zeichnet sich längst ab, dass die Fridays for Future sich auf dem Pfad befinden, dass wir uns unsere Freiheit jetzt erarbeiten müssen, um sie vor ihren Feinden in den Rentierökonomien zu schützen – allen voran Russland, aber auch in den islamischen Ölländern des Nahen Ostens. Denn Putin oder Chamenei können ihr eigenes Bürgertum im Land nur so lange unterdrücken, wie ihnen allein der Zugriff auf die Bodenschätze ihre staatsterroristische Herrschaft finanziert.

  7. #7 | Wolfram Obermanns sagt am 16. März 2022 um 17:38 Uhr

    Die Klimadebatte wird weiter geführt werden. Allerdings weniger in der deprimierend unterkomplexen Weise, die es bislang vorherrschend war. Wir werden da eine Entwicklung weg von der Einfalt erleben.
    Habecks geopolitischer Einwurf zu Diktatur, Rohstoffen und Energiepreisen ist ein erstes Schritt hin, zu einer zielführenden nicht nur CO2-Emissions-Export-Umweltpolitik.
    Klimapolitik wird auch viel mehr als bislang eine Innovationsdebatte bedeuten. Wer sich bisher neben Lastenfahrrädern völlig unkritisch als innovativ ablichten lassen konnte, wird in Zukunft eher belächelt werden.
    Natürlich sicherte die Qualität der Diskussion auch einfachen Gemütern hohe Aufmerksamkeitswerte und diese Leute werden versuchen auch weiterhin Beachtung zu finden. Das wird ihnen beim Boulevard auch gelingen, aber nicht auf den Foren, wo die Entscheidungen fallen.
    Alles wird gut.

  8. #8 | SvG sagt am 16. März 2022 um 18:51 Uhr

    @ 7; Wolfram Obermanns:"Natürlich sicherte die Qualität der Diskussion auch einfachen Gemütern hohe Aufmerksamkeitswerte…"
    Damit meinen Sie aber nicht R.Claydermann-Precht, den Posterboy der Halbakademiker-*/innen?

  9. #9 | Berthold Grabe sagt am 17. März 2022 um 15:19 Uhr

    Die Herausforderungen des Klimawandels bleiben, ob die Anstrengungen zurückgeworfen wurden bleibt abzuwarten, vielleicht wird nun vor allem die hohe Subventionitis zurückgefahren mit begrenzten ökologischen Wirkungen.
    Wenn etwas deutlich wurde, dann doch vor allem das der Klimawandel eben auch ein einträgliches massives Geschäfts- und Karrieremodell jenseits von Markt und Leistung darstellt.
    Vielleicht ist nur die kostenträchtige Hysterie raus aus dem Thema, zumal die Folgen des Krieges schon zu Korrekturen in der Ökopolitik führen, völlig zu Recht.

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