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Wann wehren sich die Schalke-Fans gegen diese Darbietungen ihrer Mannschaft?

Die Fans in Gelsenkirchen sind emotional. Archiv-Foto: Michael Kamps

Wir kommen auch hier im Blog einfach nicht darum herum diese heikle Frage zu stellen: Was ist eigentlich mit dem FC Schalke 04 los?

An diesem Wochenende verloren die Gelsenkirchener ihr Heimspiel gegen den über viele Jahre hinweg nur mitleidig als ‚graue Maus‘ angesehenen VfL Wolfsburg mit 0:2, verharrten damit bei drei mageren Pünktchen nach acht Spielen der Saison 20/21. Seit Januar gelang den Knappen kein einziger Sieg in der Bundesliga mehr. Einfach desaströs, diese Bilanz.

Dass die Königsblauen in dieser Saison keine Spitzenmannschaft in der Fußball-Bundesliga darstellen würden, das war den Fans und Verantwortlichen schon vor Saisonstart klar. Dazu war das zweite Halbjahr der Spielzeit 2019/20 einfach schon durchgängig viel zu schlecht, verhalf dem Revier-Klub letztendlich nur die vergleichsweise starke Vorrunde mit 30 eingefahrenen Punkten am Ende zum Klassenerhalt.

Doch dass es so übel weitergehen würde, wie es dann seit September der Fall war, das hatten wohl nur große Pessimisten vermutet. Und das besonders Schlimme daran: Die Leistungen auf dem Platz werden trotz ständiger Beteuerungen der Verantwortlichen einfach nicht besser.

Gegen Wolfsburg war das Spiel für einen neutralen Zuschauer einmal mehr kaum mitanzuschauen. Für einen im Kern so leidenschaftlichen Verein wie den FC Schalke 04 ist dies ein besonders erschreckendes Armutszeugnis.

In den vergangenen Jahrzehnten erlebten die Gelsenkirchener bereits so manche Krise, stiegen auch schon ab. Ich persönlich erinnere mich auch noch an Zeiten, als ich mit Freunden im riesigen, spärlich gefüllten Parkstadion Zweitligaspiele auf Schalke anschaute. Aber so emotionslos, so traurig und auch ratlos, habe ich den Verein in Gänze noch nie gesehen.

Eine Mannschaft ohne Leidenschaft, ein Trainer ohne Esprit und frische Ideen, eine Vereinsführung ohne Charisma und Führungsstärke. Das Station aufgrund der Corona-Pandemie gruselig still, keine Spieler mit einer entsprechenden Persönlichkeit. Den mächtigen Clemens Tönnies in die ‚Wüste‘ geschickt. Nicht einmal die Volksseele kocht hier noch.

Selbst nach längerer Überlegung fällt einem kein Grund ein, wie der Umschwung geschafft werden soll. Die Kassen sind bekanntermaßen zudem leer.

Erschreckend, wie schnell man vom selbsternannten Champions League-Kandidaten zu einem logischen Anstiegskandidaten mutieren kann.

Und das Umfeld auf Schalke? Es ist ungewöhnlich still!

Aus der Nachbarschaft betrachtet, rührt sich kaum Protest, kein Widerstand. Schockstarre scheint der Status der Stunde in Gelsenkirchen zu sein.

Das mag auch daran liegen, dass Corona die Situation der gesamten Liga drastisch verändert hat, von Ultras und anderen sehr engagierten Fangruppen derzeit grundsätzlich nicht viel zu hören ist. Im wahrsten Sinne des Wortes…

Doch fragt man sich: Wo bleibt eigentlich der ‚Fanaufstand‘ auf Schalke? Wo ist der Einfluss der Fans, in der vielleicht gefährlichsten Situation für den Verein seit Jahren?

Klar, es ist aktuell schwer sich zu organisieren, wenn der Stadionbesuch seit Monaten schon nicht möglich ist. Auch fällt es schwerer sich Gehör zu verschaffen, wenn andere Themen die Öffentlichkeit beschäftigen. Und doch wäre es gerade in diesen Tagen wohl so nötig wie lange nicht.

So geht Schalke schleichend einem sportlichen und wirtschaftlichen Untergang entgegen. Noch ist Zeit etwas zu ändern, sich dagegen zu wehren. Die Mannschaft tut es bisher offenbar nicht. Bleibt derzeit nur die Hoffnung, dass zumindest das Umfeld es irgendwann tut, bevor es zu spät ist…

 

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9 Kommentare zu “Wann wehren sich die Schalke-Fans gegen diese Darbietungen ihrer Mannschaft?

  • #1
    Christian

    Zum Artikel: Die Kassen sind zwar leer, aber es ist nicht lehrreich. 🙂

    Warum hört man nichts aus dem Umfeld?
    Nun mein Eindruck ist, die meisten Schalker (mich eingeschlossen) haben schon
    lange mit diesem Thema abgeschlossen. Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass
    viele Dauerkarten gekündigt wurden und die meisten auch nicht mehr in die Arena
    gehen würden, wenn die Zeiten wieder normal wären. Schalke wird das Jahr 2021
    nicht überleben, auch wenn man sportlich nicht absteigen sollte. Die Verbindlichkeiten
    werden sich nicht mehr bedienen lassen und Großsponsoren wie Gazprom werden
    vermutlich auch über ihr Sponsoring nachdenken. Da ist aufgrund sinkender Einnahmen
    auch sparen angesagt und 20 Mill p.a. für einen Bundesliga 17. passen da nicht ins Bild.
    Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass sich NRW im Wahljahr 2021zu einer weiteren
    Bürgschaft hinreißen lässt. Die gesamten Verbindlichkeiten werden sich aktuell im Bereich
    von geschätzt 240 Millionen Euro bewegen und das ist kaum mehr finanzierbar.
    Über die Qualität des Kaders müssen wir nicht mehr reden, da sehe ich keine großen
    Transfererlöse mehr.
    Und am Ende bleibt ein Verein ohne Zuschauereinnahmen, mit sinkendem Sponsoring
    und einem üppigen Fixkostenblock. Den kommenden Weg haben Vereine wie RWO, RWE
    oder Duisburg schon vorgezeichnet.

  • #2
  • #3
    Hollis Brown

    Lieber Herr Patzwald! Bezüglich Ihrer Frage in der Überschrift möchte ichso etwas wie einen Erklärungsversuch wagen: Ich kann mich noch sehr gut an ein Champions League Achtelfinal-Hinspiel 2014 gegen Real Madrid erinnern, in dem Schalke mit 1:6 deklassiert worden ist. Habe das Spiel damals live im Fernsehen gesehen: Wenn Real Madrid nicht so schludrig mit seinen Torchancen umgegangen wäre, hätte das Spiel auch gut 0:12 ausgehen können. Die Leistung der Schalker Mannschaft an diesem Abend war unterirdisch. Beim Stand von 0:6 für Real Madrid erzielt dann Klaas-Jan Huntelaar in den ersten Sekunden der Nachspielzeit mit einem Sonntagsschuss das "Ehrentor" für die Schalker, und wird von der Fankurve dafür abgefeiert, als hätte man gerade eine Deutsche Meisterschaft gewonnen. Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Wahnsinn gerne auf YouTube angucken: https://www.youtube.com/watch?v=l9ilw2wohmY. Das läuft dort unter dem Titel: "Mythos vom Schalker Markt". Noch irgendwelche Fragen? Glücklicherweise hat der FSV Mainz 05 heute ja dafür gesorgt, dass die Bundesligatabelle jetzt die richtige Reihenfolge ausweist.

  • #4
  • #5
    Thomas

    WIE IST ES ÜBERHAUPT MÖGLICH GEWESEN EINEM VEREIN MIT CIRCA 200 MILLIONEN SCHULDEN DIE LIZENZ ZU ERTEILEN????? ANDERE MUSSTEN MIT LÄCHERLICHEN 4,5 MILLIONEN SCHULDEN ABSTEIGEN(DYNAMO DRESDEN) ZUM BEISPIEL, WIE KANN DAS SEIN???? KEINER WILL UNTERKLASSIG SPIELEN ABER ZWEIERLEI MASS KANN AUCH NICHT RICHTIG SEIN!!!!!!!

  • #6
    Heinrich Thüer

    Na ja, dass der ehemalige Boss, Clemens Tönnies, vor einem halben Jahr seinen Hut genommen hat, dieses überraschende Großereignis sollte man wohl besser nicht in die Liste der Gründe für die tiefste Schalker Krise seit vielen Jahrzehnten aufnehmen, wie Robin Patzwaldt dies tut, eher wohl, dass Tönnies die 15 Jahre davor den Aufsichtsrat geführt und Schalke mit leidenschaftlichem Engagement an den Abgrund geführt hat. Die nun an einer neuen Geschäftsstruktur arbeitenden Betriebswirte des Schalker Vorstandes können froh sein, dass kein Publikum ins Stadion und es keine Mitgliederversammlungen geben darf. Aber dass die Revolte der Basis auf Schalke kommt, und nicht nur auf leisen Sohlen wie bei einer DK-Kündigung, da bin ich sicher. Es brodelt bereits ordentlich, da genügt ein Blick in die einschlägigen Medien. Vielleicht sollten auch die Ruhrbarone das mehr als bisher abbilden.

  • #7
    JP

    Ein Teil der bornierten Schalker Fan-Gemeinde hat doch durch das intolerante Tönnies-Bashing die Situation erst herbeigeführt. Statt wie 1000 Freunde zusammenzustehen, wurde ein kleiner sprachlicher Fauxpas von Ideologen und C-Promis zum Rassismus-Skandal aufgeblasen. An dieser Stelle wurde leider die Chance vertan, klare Kante zu zeigen. Die Rechnung bekommen wir jetzt.

  • #8
    thomas weigle

    "Tasmanisch schlechtes Schalke" überschreibt heute die NW den Spielbericht aus GE. Tasmania Berlin schaffte damals zwei Siege, am 1. und am 33. Spieltag. Leider schaffte Tas doch noch disenzweiten Sieg. ich hatte mich schon gefreut, etwas einmaliges gesehen zu haben: Einen Tasmania Sieg in der Bundesliga, denn ich verfolgte den 2:0 Sieg der Berliner gegen den KSC live mit ca 80.000 Zuschauern im Olympiastadion im August 65. BTW: Schalke war 64/65 eigentlich abgestiegen, wurde aber zum 2.Mal in der Vereinsgeschichte durch Aufstockung der Liga vom Sturz in die 2.Klasse, die damalige Regionalliga West bewahrt. Das erste Mal war das Ende der 40er der Fall als man aus der damaligen Oberliga West hätte absteigen müssen. V.a. die Kassierer der 17 Regionalligavereine hatten sich unisono in schönster Vorfreude auf den Besuch der populären Knappen gespitzt.

  • #9
    Torsten Kaiser

    Früher hat man Schalker den Verein und vor allem die Mannschaft unterstützt, gerade dann wenn es nicht lief. Die heutigen Fans überbieten sich nur noch gegenseitig im Beleidigen von den eigenen Leuten. Sie tun ach so schlau, aber springen über jedes Stöckchen was ihnen die Medien in Form von Hetzberichten anbieten. Wie wäre es mal an Selbstkritik bei uns Fans? Wär mal was anderes… Wenn man da schon nicht den Arsch zu in der Hose hat, könnte man wenigstens den Mund halten, von Unterstützung wenigstens der Mannschaft (siehe FC-Fans gegen Union) gar nicht zu reden

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