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Wettbewerbsverzerrung? – Der BVB macht sich angreifbar…. schon wieder!

Mats Hummels ist ein Führungsspieler beim BVB. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Dass es hin und wieder vorkommt, dass ein selbsternannter Meisterschaftsanwärter gegen einen Abstiegskandidaten verliert, so wie Borussia Dortmund am Mittwoch gegen den FSV Mainz 05 (0:2), ist für Fußballfreunde Teil des Deals. Es wäre doch auch langweilig, wenn im Vorfeld einer Begegnung immer schon feststünde wer am Ende den Sieg davontragen wird.

Dass es dann ab und zu auch mal das eigene Team trifft, sich ein Spiel in eine Richtung entwickelt, die einem persönlich nicht gefällt, ist dann nur normal. So gesehen gilt es auch für die Anhängerschaft des BVB auch zu ertragen, dass ihre Mannschaft am 32. Spieltags der Saison 2019/20 die Lachnummer der Nation war.

Nun könnte man das jüngste Ergebnis des BVB im Ruhrgebiet ja eigentlich auch schnell abhaken, denn die Dortmunder sind seit dem vergangenen Wochenende bekanntlich schon fix für die kommende Champions League-saison qualifiziert. Zudem ist die Meisterschaft an der Spitze doch auch schon wieder einmal vorzeitig zu Ungunsten der Borussen entschieden, wenn diese fatalen Rückschläge beim BVB nicht in unschöner Regelmäßigkeit auftauchen würden. Ja, schlimmer noch: …wenn der Klub nicht immer wieder auf unschöne Art und Weise durch plötzliche Nichtleistungen im eigenen Stadion während des Saisonendspurts massiv auf den Abstiegskampf Einfluss nehmen würde. In diesem Jahr sehr zum Leidwesen von Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf.

Es ist leicht zu erklären, dass eine Mannschaft, wenn ihre Saison sportlich weitestgehend ‚gelaufen‘ ist, in ihren Leistungen ein paar Prozent nachlässt. Beim BVB ist das schon seit Wochen zu beobachten. Streng genommen lief nach der 0:1-Niederlage gegen den direkten Meisterschaftskonkurrenten FC Bayern München nicht mehr viel.

Zwar siegte der Revierklub in den folgenden Spielen noch gegen Paderborn (6:1), Hertha BSC (1:0) und Fortuna Düsseldorf (1:0), doch gingen Spielwitz und Einsatzwille dabei schon augenfällig zurück. Die Darbietungen waren irgendwann so mau, dass Coach Luciuen Favre sich bereits erste Fragen nach dem Charakter seiner Mannschaft gefallen lassen musste. Favre sah, wenig überraschend, keinen Spannungsabfall, lobte seine Mannschaft sogar regelmäßig für das Gezeigte. Alles andere hätte ja auch gegen seine Arbeit gesprochen, denn der Trainer ist letztendlich für sein Team und seine Darbietungen verantwortlich.

Nun, am gestrigen Mittwoch konnte man die Fortsetzung des Negativtrends dann nicht mehr leugnen. Mit einer indiskutablen Leistung war die Heimpleite gegen die zuvor akut abstiegsgefährdeten Mainzer nur folgerichtig. Kein Kampf, kein Aufbäumen nach dem Rückstand. Dieser Auftritt war eines Top-Teams nicht würdig.

Schlimmer noch: Der BVB griff mit diesen 90 Minuten sogar aktiv in den Abstiegskampf ein. Der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung machte unmittelbar nach dem Abpfiff die Runde.

Besonders sauer werden sie in Bremen und Düsseldorf ob des Gesehenen gewesen sein. Mit einem Sieg der Mainzer in Dortmund hatten dort sicherlich die Wenigsten gerechnet. Mainz ergatterte beim 2:0-Erfolg gegen den Tabellenzweiten Punkte, die bei der Frage der Endplatzierungen im Tabellenkeller von vorentscheidender Bedeutung gewesen sein dürften. Fünf bzw. sechs Punkte liegen die Mainzer nun plötzlich vor der Konkurrenz. Ein Vorsprung, der zwei Spieltage vor Saisonende kaum noch aufholbar erscheint.

Der Auftritt der Dortmunder erinnerte dabei fatal an die Darbietungen im Saisonendspurt 2012/13 und 2017/18. Damals unterlagen die Schwarzgelben im Saisonfinale ebenfalls völlig unerwartet gegen die Abstiegskandidaten Hoffenheim (1:2 am 34. Spieltag) und Mainz (1:2 am 33. Spieltag) in der eigenen Arena, was seinerzeit ebenfalls unerwarteten Einfluss auf den Abstiegskampf in der Liga nahm. Alles nur ein Zufall?

Einiges deutet darauf hin, dass genau diese Charakterschwäche des Dortmunder Kaders einer der Gründe dafür ist, warum es seit Jahren nicht mehr klappen will mit einem Gewinn der Meisterschaft. Dem BVB-Kader fehlen da häufiger mal ein paar entscheidende Prozent an Entschlossenheit und Gier.

Klar, der FC Bayern verliert auch hin und wieder mal überraschend ein Spiel. Aber auf diese besonders kritikwürdige Art und Weise? Meiner Beobachtung nach haben die Münchener da häufig die entscheidenden Prozente mehr an Charakter.

Will der BVB also nicht nur seltener zum Gespött des Landes werden, sich der Kritik der Wettbewerbsverzerrung aussetzen und dadurch zugleich sich selber auch etwas Gutes tun, zum ernstzunehmenden Meisterschaftsanwärter werden, hier kann er ansetzen.

Und wer ist für diese Arbeit in erster Linie zuständig? Richtig, der Trainer!

 

 

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6 Kommentare zu “Wettbewerbsverzerrung? – Der BVB macht sich angreifbar…. schon wieder!

  • #1
    rwetroja

    Der Trainer ist letztendlich verantwortlich? Da macht man es sich aber einfach. Letztendlich ist der Spieler Angestellter des Vereins und hat "Leistung" zu bringen. Frage an den Autor: Wie bringt man denn 11 Gehaltsmillionäre denn mal so aus dem Gelenk zur Räson? Kann der Trainer dann alle Low Performer einfach mal so rausschmeißen oder fallen ihm die Medien sowie Vorstand und Manager in den Rücken? Wo ist denn die "Arbeitseinstellung" der Spieler im Vergleich zum Arbeiter am Band?

    Also immer schön den Ball flach halten. Die Spieler werden niemals sanktioniert, egal was sie sich erlauben, schon gar nicht so das es weh tut. Im "schlimmsten" Fall wechseln sie zum nächsten Verein.
    Also: Söldner sind da wo die Kasse klingelt…da muß man realistisch sein´.

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @#1: Aber natürlich ist letztendlich immer der Trainer für die Darbietungen der Mannschaft verantwortlich. Wer denn sonst? Es ist der Job des Trainers die Spieler im Kader in Bestform zu bringen/halten, sie zu einer Einheit zu formen, die besten aufzustellen und die jeweils erfolgsversprechende Taktik festzulegen. Hat er damit auf Dauer keinen Erfolg, verbessert sich die Leistung der Mannschaft nicht, wird der Coach ausgetauscht und ein ’neuer Impuls‘ gesetzt. So ist das Geschäft. Und das nicht nur im Sport.

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  • #4
    rwetroja

    Nein, so ist es nicht, das ist zu einfach. Es ist das Konstrukt aus Vorstand, Manager, Trainer und Spielern. Ansonsten macht man es sich sehr einfach. Na klar ist der Trainer für das Training verantwortlich und für die Ausrichtung der Mannschaft auf ein Spiel. Aber für das Auftreten auf dem Platz ist ganz allein der Spieler verantwortlich. Die Möglichkeiten die Arbeitsweise des Spielers auf dem Platz zu beeinflussen, sind abgesehen von Auswechseln nahe Null. Der Spieler weiß das und das ihm nichts passiert. Deswegen kommt es ja zu solchen Spielen.

    Was wäre denn gewesen wenn er die drei oder fünf (derzeitige Auswechselregelung) schlechtesten raus genommen hätte? Hätte es deiner Meinung nach "einen Ruck" durch die Mannschaft gegeben?

  • #5
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @#4: Soetwas muss man langfristig sehen. Ich würde eine Mannschaft oder einen Trainer niemals aufgrund eines Spiels bewerten. Negative Ausrutscher hat jeder einmal. Es dürfen nur nicht zu viele werden. Und es muss eine gute Entwicklung zu erkennen sein. Wenn das nicht mehr passt, sollte man handeln. Auf allen Positionen, die es betrifft. Wenn der Torwart zu oft patzt, oder der Manager die Transfers auf Dauer nicht hinbekommt, wird er ja auch ersetzt. So ist halt das Geschäft.

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