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Wie verträgt sich das Kohlekraftwerk ‚Datteln 4‘ mit den ‚grünen‘ Zielen der Bahn?



In den letzten Tagen bin ich im Fernsehen mehrfach über einen Werbespot der Deutschen Bahn AG gestolpert. Darin wird dem Zuschauer nahe gelegt, dass der Kauf einer Bahncard eine gute Tat ist, da der dann bei einer Bahnfahrt benötigte Strom (zumindest der für alle Nutzer einer solchen Karte) purer Ökostrom sei.

Das machte mich stutzig. Als Anwohner des im Bau befindlichen, und juristisch noch immer höchst umstrittenen,  E.On Kraftwerksneubaus ‚Datteln4‘ weiß ich aus der Vergangenheit, dass dieses zukünftig gerade auch für den Bahnstrom eingeplant ist und wird. Und hier würde Kohlestrom in großem Umfang produziert, und keinesfalls ‚Ökostrom‘. Dass die Kohle für Datteln überwiegend aus Südamerika importiert werden würde macht die Sache sicherlich auch nicht ‚grüner‘.

Daher frage ich mich, liebe Vertreter von E.On und der Deutschen Bahn, wie geht das eigentlich zusammen?

Natürlich, die Rede ist in dem TV-Spot ja geschickter Weise nicht davon, dass sämtlicher im Bahnverkehr verwendeter Strom ‚Ökostrom‘ ist. Man kann sich denken, wenn man den Spot etwas kritisch hinterfragt, dass wenn von ‚Bahncard‘ die Rede ist, natürlich auch nur der Teil des Stroms gemeint ist, welcher tatsächlich von Bahncard-Kunden anteilig verbraucht wird.

Aber würde dass dann im Umkehrschluss nicht gleichzeitig heißen, dass quasi alle ‚Nicht-Bahncard‘-Inhaber bei der Bahn dann derzeit mit ‚unsauberem‘ Strom fahren?

Dazu natürlich kein Wort in dem Spot… Schon irgendwie geschickt gemacht.

Das Kraftwerk 'Datteln 4'. Foto: Dieter Wirdeier

Das Kraftwerk ‚Datteln 4‘. Foto: Dieter Wirdeier

Also, liebe E.On und Bahnrepräsentanten, klärt mich doch bitte mal auf! Wie verträgt sich zum Beispiel der geplante, zukünftige Betrieb eines riesigen Kohlekraftwerks wie ‚Datteln 4‘ mit Euren hochtrabenden Plänen den Ökostromanteil zukünftig weiter massiv auszubauen?

In einer Pressemeldung der Bahn dazu von Ende März 2013 heißt es vielversprechend:

„…Die Deutsche Bahn (DB) baut ihren Vorteil als klima- und umweltfreundliches Verkehrsmittel weiter aus: Ab 1. April werden rund fünf Millionen BahnCard- und Zeitkarten-Inhaber in den ICE-, Intercity- und Eurocity-Zügen der DB mit 100 Prozent Ökostrom unterwegs sein. Die Kosten für dieses Angebot trägt die DB. Auch alle im bahn.corporate registrierten Geschäftsreisenden fahren dann im Fernverkehr der DB CO2-frei. Mindestens 75 Prozent aller Fahrten im Fernverkehr innerhalb Deutschlands werden somit ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien durchgeführt. …

Allen Nutzern dieser Angebote garantiert die DB, dass die benötigte Strommenge für die zurückgelegten Fahrten aus 100 Prozent erneuerbaren Energien beschafft wird. Durch den direkten Bezug von Strom aus erneuerbaren Quellen verhindert die DB, dass bei diesen Fernverkehrsfahrten CO2 überhaupt erst entsteht. Die Berechnung wird von einer unabhängigen Prüforganisation überprüft. Die dafür erforderliche Ökostromlieferung stellt DB Energie sicher – und zwar zusätzlich zu den Vergrünungszielen in der Bahnstromversorgung. Mit der Vergrünung des Fernverkehrs zum 1. April wird der Ausbau des erneuerbaren Energie-Anteils am Bahnstrom noch einmal deutlich beschleunigt. Das Ziel, den Anteil bis 2020 auf mindestens 35 Prozent zu erhöhen, wird damit bereits Ende 2015, also rund fünf Jahre früher, erreicht. …“

Wie passen der Werbespot, die ‚grünen‘ Zukunftsziele der Bahn und die Planungen rund um den Kraftwerksbau ‚Datteln4‘ in der Realität hier zusammen??? Kann mir da bitte mal jemand helfen?

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10 Kommentare zu “Wie verträgt sich das Kohlekraftwerk ‚Datteln 4‘ mit den ‚grünen‘ Zielen der Bahn?

  • #1
    Stefan Laurin

    Wenn die Bahn auf „Grünen Strom“ setzen würde, stünden die Züge doch bei jeder Flaute 🙂

  • Pingback: Links anne Ruhr (07.05.2013) » Pottblog

  • #3
    Kess

    Der Klimalügendetektor hat vor einer Weile dazu was geschrieben:

    „…..Ein paar Cent pro Fahrkarte fließen in einen Fonds, aus dem „innovative Projekte zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland“ unterstützt werden sollen. Sonderlich viel hat der anscheinend noch nicht bewirkt, denn die Bahn nennt auf ihrer Website ein einziges gefördertes Projekt: 500.000 Euro flossen demnach in das Enertrag-Hybridkraftwerk im uckermärkischen Prenzlau, das Windkraftspitzen puffern und so das Stromnetz stabilisieren kann. Das Werbebudget zur „grünen BahnCard“ beträgt ein Vielfaches….“
    http://www.klima-luegendetektor.de/2013/04/05/die-grune-bahncard-millimeterstein-furs-klima/

  • #4
    Stefan Laurin

    @Kess: Arbeiten sie für den „Lügendedektor“ auch als PR-Berater?
    http://kess-service.de/kess-consult/referenzen.html

  • #5
    AnonymousCoward

    Für die Behauptung, man verbrauche Ökostrom, spielt es ja keine Rolle, wo dieser erzeugt und tatsächlich verbraucht wird. Man tauscht einfach dem Namen nach den etwas billigeren Normalstrom von Datteln 4 gegen etwas teureren Ökostrom von irgendwo auf den europäischen Strombörsen. Dafür benötigt man halt die entsprechenden Erzeugungskapazitäten und die liefert dann u.U. Datteln 4.
    Praktisch kann die Bahn mWn z.T. auch gar nicht über Ökostrom betrieben werden, da nur Wasserkraftwerke neben konventionellen Kraftwerken in der Lage sind, die 110kV Hochspannung zu liefern, die das Bahnnetz versorgt, nicht aber Solar- und Windkraftwerke. DB kann also tatsächlich nur nominell Ökostromkapazitäten entsprechend ihres Normalstromverbrauches kaufen oder tauschen, aber nicht wirklich verbrauchen.

  • #6
  • #7
    littlemoondog

    viele Menschen wollen den grünen Strom nur die wenigsten wollen dafür bezahlen. Es wird immer mehr Energie gebraucht und verbraucht, warum? das wird kaum hinterfragt , es wird oftmals mit Fingern auf Stromkonzerne gezeigt und kritisiert-do wo sind die Lösungsansätze?

  • #8
    Walter Stach

    Robin,
    Die Bahn fährt mit „Strom aus erneuerbaren Energien“.
    Die Bahn fährt „pünktlich“.
    Die Bahn ist „kundenfreundlich“ -vor allem, wenn sich Züge verspäten
    und man auskunftsuchend im Bahnhof,auf den Bahnsteigen herumrennt-.
    Die Bahn ist……………………

    ja,so ist das, wenn die Bahn Werbung macht -nicht ägern, nicht ‚mal wundern, versuchen, es als Satire zu begreifen.

    Und zur Energiewende im allgemeinen?
    Solange die Vorstandsvorsitzenden von E.on,RWE u.a. unmittelbaren Zugang zur Kanzlerin haben, solange Kohlefunktionäre -bzw. ehmalige-wie der heutige SPD-Fraktinsvorsitzende in NRW Norbert Römer, wie der IGBCE Vorsitzende Vasiallitis zu den wichtigsten Personen im unmittelbaren Umfeld von MP Kraft gehören und solange viele andere die Seilschaft zwischen Politik und Kohle-Energiewirtschaft bilden -sh.Schwarzbuch von Greenpace-wird es die technisch und ökonomisch machbare und ökologisch nach wie vor dringend gebotene Energiewende mit einem kompletten Ausstieg aus der Kohleverstromung in absehbarer Zukunft in Deutschland nicht geben.

  • #9
  • #10
    KClemens

    Bei dieser Werbung frage ich mich immer, wer schiebt oder zieht all die Fahrgäste, die im gleichen Zug sitzen aber keine grüne Bahncard haben?

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