Kaum Hoffnung für Alu-Werk

Norsk Hydro muss seine Hoffnung auf eine schnelle Rettung seiner Aluminiumhütte in Neuss aufgeben. Die Politik in Berlin kann sich nicht auf eine schnelle Entlastung der stromintensiven Industrien einigen. Dabei stellt sich das Haus des neuen Wirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg hinter die Forderung der Industrie.

Bei einem Treffen mit dem Betriebsrats von Hydro Deutschland sicherten Vertreter des Ministeriums ihre Unterstützung zu. Die Industrie erhofft sich eine Rückvergütung der im Strompreis enthaltenen CO2-Abgaben. Die Unterstützung von Guttebberg hilft Hydro und den anderen Groß-Stromverbrauchern nicht, denn zuständig für die CO2-Abgaben ist das Bundesumweltministerium. Und dessen Hausherr Sigmar Gabriel hat bereits klargestellt, dass er keine Rückzahlung an Hydro & Co will.

Damit lösen sich die Hoffnungen der rund 650 Beschäftigten von Hydro in Neuss auf einen schnellen Rettungsplan in Luft auf. Das Unternehmen wollte über eine Entlastung bei den CO2-Abgaben und einen neuen Stromvertrag von RWE die Grundlage für eine zukunftsfähige Produktion in Deutschland schaffen. Von RWE liegt ein Angebot vor; ohne ein Entgegenkommen von Gabriel ist der aber aus Sicht von Hydro wertlos.

Derzeit lohnt sich die Aluminium-Produktion in Deutschland nicht, da der Preis für den Werkstoff um mehr als die Hälfte auf 1300 Dollar eingebrochen ist. Das Hydro-Werk in Neuss benötigt ein Preisniveau von 2500 Dollar, um rentabel zu arbeiten.

Um die Verluste zu begrenzen fahren die die Arbeiter der Aluminiumhütte die Produktion zurück. Für die meisten Arbeiter wurde Kurzarbeit vereinbart. Findet sich kein Zukunftskonzept für das Werk, dann könnte die Produktion komplett eingestampft werden.

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4 Kommentare

  1. #1 | David Schraven sagt am 3. März 2009 um 00:38 Uhr

    Tscha. F….

  2. #2 | S. Meyer sagt am 3. März 2009 um 09:51 Uhr

    In einer solchen Situation fragt man sich wirklich, welche Industriezweige „systemrelevant“ sind. Deutschland hat seit Jahrzehnten damit zu kämpfen, dass Stahlhütten geschlossen wurden und die Rohstoffe aus dem Ausland zugekauft werden mussten – mit nur wenig Einflussmöglichkeit auf den Marktpreis.

    Ressourcenknappheit, mal strahlendes Material und sonstige Nebenwirkungen inbegriffen.

    Eigentlich wäre jetzt die Zeit umzudenken. Stahl, Aluminium und weitere Güter dieser Art sind gerade bei einer Industrienation von elementarer Wichtigkeit. Die unsinnige Verteuerung durch hohe Energiekosten bringen mit Sicherheit keinerlei Erfolg, denn produziert wird anderswo unter deutlich schlechteren Bedingungen für die Umwelt.

    Anscheinend rettet man jedoch lieber Autobauer die Stahl und Aluminium für Ihre Karossen dann von irgendwo importieren, da in Deutschland keiner mehr produziert.

  3. #3 | T.G. sagt am 4. März 2009 um 05:42 Uhr

    Es ist schon beinahe Wahnsinn, welches Geschehen in der deutschen Politik zu sehen ist.
    Der Gedanke eines grünen Deutschland ist zwar bemerkenswert, jedoch nutzt es nicht,
    wenn wir bald nur noch Hirte auf der Weide sind.
    Gerade die Arbeitnehmer der Industrie sind die Kunden die neue Fahrzeuge und Konsumgüter erwerben.

    Jedoch hat es die SPD/Grüne immer schon auf die „umweltschädigende“ Sparte abgesehen.
    Ganz egal ob diese Weltführer in der Emmisionabgabe sind.
    Hauptsache deren Geldtasche ist prall gefüllt und ohne jede Sorge.

    Da können sich schon einige Tausend Arbeitnehmer mit dem Gedanken befassen sich bei dem größten Arbeitgeber Deutschlands anzumelden und zu hoffen, das es eine Zukunft ohne soziale Hilfe gibt.

  4. #4 | Arnold Voss sagt am 4. März 2009 um 11:38 Uhr

    Krisenzeiten mit großen konjunkturellen Einbrüchen/ Schwankungen sind immer Zeiten des Umbruchs und der Neupositionierung. Der mittel- bis langfristige Bedarf für einen so wichtigen Werkstoff wie Aluminium ist gesichert, aber nicht an welchem Standort die Produktion dauerhaft möglich ist. Deswegen schließen sich Umstrukturierungsüberlegungen über das, was für den deutschen und europäische Produktionsmix (noch) systemrelevant ist und die angemessene Reaktion/Subvention auf kurzfristige Imput-Output-Veränderungen nicht aus.

    Sektoren die hier langfristig sinnvoll produzieren verdienen kurzfristige Hilfen. Die die das nicht können müssen ohne staatliche Hilfe ums Überleben kämpfen. Schaffen sie es, dann gehen sie gestärkt aus der Krise hervor. Schaffen sie es nicht,dann werden die dort Entlassenen (Bereitschaft und Fähigkeit zur Umschulung vorausgesetzt) über kurz oder lang bei den Betrieben unterkommen, die hier eine realistische Zukunft haben.

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