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#WM2018: Mit England und Belgien scheiden die Teams mit der attraktiveren Spielanlage aus

Der WM-Pokal. Foto: Robin Patzwaldt

Die Fußball Weltmeisterschaft 2018 in Russland hat nach knapp vier Wochen Turnierverlauf inzwischen also ihr großes Finale gefunden. Frankreich gegen Kroatien lautet das Endspiel, das am Sonntag weltweit die sportinteressierte Öffentlichkeit in ihren Bann ziehen wird.

Sicherlich grundsätzlich eine durchaus würdige Begegnung, doch mit Belgien und England sind, zum Bedauern vieler Fußballfreunde, die beiden attraktiver spielenden Teams in den beiden Halbfinalspielen jeweils auf der Strecke geblieben. Garantiert kein Zufall!

Als am Dienstag die Franzosen knapp und etwas glücklich die Belgier ausschalteten, beschwerten sich am Ende einige Belgier schon unmittelbar nach Abpfiff der Begegnung über die eher auf Zerstörung angelegte Spielweise der Franzosen. Diese seien schlicht darauf aus gewesen die Belgier an ihrem Spiel zu hindern, hätten selber hingegen kaum eigene Spielzüge und Akzente im Offensivbereich vorgetragen. Eine Taktik, die, sei die Kritik auch leicht übertrieben, am Ende aufging.

Mit 1:0 rangen schließlich die in erster Linie auf ihre Defensive bedachten Franzosen ihren Kontrahenten nieder. Entscheidend hierfür war am Ende, einmal mehr bei diesem Turnier, eine einzige Standardsituation. Die zuvor offensiv so begeisternd auftretenden ‚Roten Teufel‘ fanden schlicht und einfach kein geeignetes Mittel gegen die besonders konzentriert zu Werke gehende Abwehr der ‚Grande Nation‘.

Einen ähnlichen Verlauf nahm dann auch das zweite Halbfinalspiel am Mittwoch. Die Engländer agierten hier zunächst klar überlegen, hätten zur Halbzeit bereits deutlich höher als nur mit 1:0 führen können. Doch brachten sie den Ball einfach kein zweites Mal über die Linie. Die Kroaten hingegen waren in der Offensive lange Zeit kaum zu sehen, lieferten bis zur 60 Spielminute ihr eindeutig unattraktivstes Spiel des gesamten Turniers ab.

Erst der zu diesem Zeitpunkt sehr glückliche Ausgleich zum 1:1 erweckte dann den Kampfeswillen des vermeintlichen Außenseiters zum Leben. Je länger das Spiel lief, je weniger kamen die Engländer plötzlich mit ihren Kontrahenten zurecht. Eigene Torszenen brachten die ‚Three Lions‘ gegen Ende des Spiels kaum noch zu Stande. Das 2:1 für die Kroaten in der notwendigen Verlängerung fiel demzufolge nicht mehr wirklich überraschend, so dass der Spielausgang im Rückblick schon in Ordnung ging.

Festzustellen bleibt, dass auch hier mit den Engländern letztendlich das über weite Phasen der Begegnung attraktiver und offensiver spielende Team das unglückliche Scheitern kurz vor der großen Titelchance durch eine Finalteilnahme hinnehmen musste.

Damit setzte sich in beiden Halbfinalspielen abermals eine Tendenz fort, die viele Beobachter schon in der Vorrunde ausgemacht und mehrheitlich bedauert hatten: Defensiv orientierte Mannschaften bereiteten den offensiver agierenden Kontrahenten vermehrt Probleme.

Etliche Spiele der WM 2018 wurden nur knapp durch einzelne Standardsituationen entschieden. Grundsätzlich, bei aller Vorfreude auf das Finale am Sonntag, nicht gerade eine Entwicklung, die die Herzen der Fußballfans auf aller Welt höher schlagen lassen dürfte.

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15 Kommentare zu “#WM2018: Mit England und Belgien scheiden die Teams mit der attraktiveren Spielanlage aus

  • #1
    Arnold Voss

    Das Endspiel war schon: Frankreich gegen Belgien. Für mich eindeutig die beiden besten Mannschaften des ganzen Turniers.

  • #2
    uk

    Bei allem Respekt vor den Leistungen der Engländer: So überragend offensiv waren sie auch in den vorherigen Spielen nicht, auch gegen Schweden und Kolumbien waren die Standards die größte Qualität. Ein Fazit von Russland 2018: Das Niveau rückt immer näher zusammen, die Spiele waren alle sehr eng. Solche Dinge wie Standards und gute Organisation sind entscheidend. Der alte Berti Vogts-Spruch „Der Star ist die Mannschaft“ passte gut zur WM.

  • #3
    Walter-Stach

    Arnold,
    sehe ich auch so.
    Und jetzt wünsche ich mir Frankreich als Weltmeister, weil die Franzosen rundherum und in jeder Beziehung den besten Fußball geboten haben und bei ihnen absichtliche, z.T. bösartige Fouls nicht fester Bestandteil ihres Spieles sind.

  • #4
    Helmut Junge

    Ich habe die Marseillaise sowieso immer gern gehört.
    Bismarck soll sie sogar gesungen haben.
    https://www.nrz.de/kultur/tonwalzen-dokumentieren-wie-bismarck-die-marseillaise-sang-id6303471.html?displayDropdownTop=block&displayDropdownBottom=none

  • #5
    discipulussenecae

    "Defensiv orientierte Mannschaften bereiteten den offensiver agierenden Kontrahenten vermehrt Probleme."

    Damit haben Sie Recht! Aber Fußball ist eben ein Spiel, das sich taktisch weiterentwickelt – und das macht ihn ja auch so spannend. Wer hätte denn z. B. gedacht, daß der gute alte (!) Ballbesitz-Fußball so schnell überholt sein würde? Und Weltklasse Trainer, die Weltmeister werden wollen, müssen nun eine neue Offensiv-Taktik ersinnen. Auch deshalb ist Fußball ja eigentlich ein ganz einfaches Spiel …

  • #6
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @discipulussenecae: Absolut. Und diese Tendenz hat sich zuletzt ja auch schon in der Bundesliga gezeigt. Immer mehr Teams konzentrieren sich auch dort darauf sich erst einmal hinten rein zu stellen und auf Konter zu lauern, statt selber das Spiel zu machen. Häufig auch dort mit Erfolg. Attraktiver macht das das Spiel jedoch leider nicht. Eher im Gegenteil.

  • #7
  • #8
  • #9
    Ke

    Wenn Ballbesitzfussball zum Selbstzweck mutiert und den Drang in Richtung Tor komplett aufgibt, muss er sich nicht wundern, wenn er in eine evolutionäre Sackgasse endet.
    Fernschüsse, Flanken, Lupfer, Dribblings, Doppelpässe etc sieht man doch kaum noch. Diese plötzlichen Aktionen gab es in der Anfangsphase noch.
    Jetzt dominieren die Könige des 5m Sicherheitsquerpasses mit 90% Passquote.

  • #10
    Walter-Stach

    Ke

    Fernschüsse gab es bei dieser WM reichlich.
    Und Flanken, Lupfer, Dribblings , Doppelpässe ?Auch davon habe ich Viele registriert.

    Ich erinnere z.B. an den Franzosen Mape( richtig geschrieben?), der doch so manches Mal in großartiger Manier Lupfer, Dribblings, Doppelpässe mit seinen Kollegen vorgeführt hat.

    Offensiv spielen , ohne gleichgewichtig (!!) defensiv spielen zu können und zu wollen?

    Es kommt doch darauf an, daß eine Mannschaft gleichermaßen a.) Beides kann und Beides zeigt und b.) in der Lage ist, von Fall zu Fall, vor allem auch während eines Spieles, sich schwergewichtig taktisch (!) mehr offensiv oder mehr defensiv zu verhalten.

    (Die DFB-Auswahl ist doch deshalb gescheitert, weil sie das eben nicht konnte -oder nicht wollte?- oder….?)

    "Die" Franzosen haben dieserhalb im Laufe der WM bewiesen, daß sie das von mir Beschriebene
    am besten können!

    Warten wir ‚mal ab, ob und inwieweit sie taktisch während des Endspieles agieren werden.

    Ke
    Und noch eine Anmerkung:
    Beide Endspielmannschaften haben im Turnier doch nachdrücklich und wirkungsvoll demonstriert, daß für sie der sog. Ballbesitzfußball (a la Barcelona, a lo Guardiola) -unter anderem immer wieder
    belegt durch eine hohe Passquote- eine überholte Taktik ist.

    Robin,
    ich habe den Eindruck , daß viele Menschen -ich meine damit nicht Dich-, die sich nur dann und wann ein Fußball-Spiel ansehen, z.B. alle 4 Jahren die Spiele während einer WM, von jedem Spiel primär ein großes Spektakel erwarten – beiderseits bedingungslose Sturmläufe, permanente Tricksereien mit dem Ball -als Selbstzweck- und, und, und – während diejenigen Fans, für die der Fußball-Sport ihr lebenlang Bestandteil ihres Alltages ist, von "ihrem" Spiel mehr erwarten, z.B. taktische Finessen, taktische Flexibiliät, konsequentes Einhalten der Vorgaben des Trainers und Letzteres von jedem Spieler über die gesamte Spielzeit "durchgezogen" wird, selbstverständlich (!)auch von den Spielern, die mehr der Durchschnitt über die allerhöchste technische Qualitäten verfügen -insofern für mich vorbildlich Ronaldo, aber eben auch die Stars in der französischen Mannschaft.

    Robin,
    deshalb war ich auch nicht von den Halbfinal-Spielen enttäuscht. Für mich (!) waren z.B. "die" Franzosen im Vergleich zu "den" Belgiern die (etwas ?) bessere Mannschaft, u.a. deshalb, weil ihre taktische Ausrichtung und ihre taktische Disziplin überragend waren -bei überdurchschnittlichen Leistungen im Spiel mit dem Ball -technisch, läuferisch-eben auch im Vergleich mit "den" Belgiern, die im übrigen für mich von Anfang -neben Kroatien – einer der sog. Geheimfavoriten waren und die mich ganz und gar nicht enttäuscht haben, auch nicht in ihrem Halbfinale gegen Frankreich.

    Aber…
    "die Geschmäcker" sind nun ‚mal verschieden, auch dann, wenn es gilt, über
    den Genuss eines Fußballspieles zu befinden -und das ist doch gut so.

  • #11
    Walter-Stach

    Helmut

    Du wirst ja am Sonntagnachmittag ca. 16.55 Uhr die Möglichkeit haben, erneut die Marseillase zu hören.
    Leider, jedenfalls nach meiner Erinnerung, wird die Nationalhymne des Weltmeisters nach dem Spiel nicht zu hören sein, ansonsten, so hoffe ich es jedenfalls…………..!!!

    PS
    Ich erinnere mich daran, daß wir hier bei den Ruhrbaronen -anläßlich…..???- schon ‚mal unsere jeweiligen Meinung über die "schönste " Nationalhymne ausgetauscht haben – Text? Melodie? Beides?
    Die Marseillase war dabei stets in engerer Wahl, jedenfalls aufgrund ihrer Melodie -und nur bedingt, wenn überhaupt- nach dem Text, aber auch "unsere" Hymne sowie die russische, die
    die britische (oder die englische?), die der USA -und, und….?

    Im Gegensatz zu mir -unmusikalisch- singt meine Frau jeweils vernehmlich mit, wenn "unsere"
    Hymne, wenn die Marseillase , wenn die britische Hymne gespielt werden, so auch vor jedem WM Spiel. Und das wird am Sonntag 16.55 Uhr nicht anders sein, wenn die Marseilase erklingt.

  • #12
    Helmut Junge

    Robin, der Ballbesitzausschuß hat für die Zukunft beschlossen, daß nicht mehr wie bisher die Zahl der Tore in der Hauptsache für das Spielergebnis entscheident ist, sondern die Zeit des Ballbesitzes das Ergebnis mitentscheiden soll. Über das genaue Verhältnis dieser beiden Spielwerte wird noch entschieden.

  • #13
    Ke

    #12 H Junge
    Ebenso erhält das Team, das die höchste Passquote pro Halbzeit hat, einen Elfer am Ende jeder Halbzeit.

    Nach einem Beschluss der EU wird es dann noch Regelungen für die Chancengleichheit geben.
    Sprints über 30km/h werden mit Freistoss bestraft.
    Spieler >180cm dürfen maximal 20cm hoch springen.

  • #14
  • #15
    Klaus Lohmann

    Das Einzige, was am Sonntag nicht passieren darf, ist ein 1:0 für die Baguettes und dann lange nix mehr an Toren. Da packt den Franzmann dann gleich wieder die Fall-, Wehklag-, Liege-, Ballwegschlag- und Diskutiersucht, um nicht einfach nur Zeit, sondern gleich ganze Ewigkeiten zu schinden. War gegen Belgien so mit das Schlimmste, was ich seit langem in diesem Bereich sehen musste… Wir sind eben nicht mehr in Ihren 90ern, Monsieur Deschamps!

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