Wohnungsnot: Bauen, bauen, bauen

Wohnungsbau Foto: Andrew Dunn Lizenz: CC BY-SA 2.0


Die Hausbesetzungen am Wochenende in Berlin haben die Diskussion um Wohnungsnot neu entfacht. Gegen Wohnungsnot hilft allerdings nur der Bau neuer Wohnungen.

Für den Stadtplaner und Ökonomen Richard Florida sind die hohen Immobilienpreise einer der Hauptgründe, warum der Lebensstandard vieler Menschen schrumpft: Die Einkommenszuwächse, so sie vorhanden sind werden von den hohen Mieten und Hauspreisen aufgezehrt. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind Mieter aufgrund der steigenden Mieten von Armut deutlich stärker betroffen als Immobilienbesitzer. Es gibt also gute Gründe, mehr Häuser zu bauen. Doch neben der guten Auslastung der Bauindustrie, die zu höheren Preisen führt, gibt es drei Faktoren, die das verhindern. Die gute Nachricht: Alle drei lassen sich ausschalten.

Die Energiesparverordnung (EnEV) macht bauen teurer und Häuser wartungsintensiver. Die steigenden Preise stehen dabei schon lange nicht mehr in einem vernünftigen Verhältnis zur eingesparten Energie. Sie verursachen mehr Kosten, als später durch den geringeren Energieverbrauch  eingespart werden. Das gilt sowohl bei Neubauten und besonders für renovierte Altbauten. Schon lange fordern Mieterverbände deshalb, das Energiesparmaßnahmen nur in der Höhe auf die Mieten umgelegt werden dürfen, in der Mieter Energie sparen. Eine Entrümpelung  der EnEV würde bauen und renovieren billiger machen.

Immobilienbesitzer und Anwohner sind häufig Neubaugegner. Die Besitzer befürchten einen Wertverlust ihrer Immobilien, wenn in der Nähe Neubauten entstehen, Anwohner fürchten Baulärm und Unbequemlichkeiten. Natur- und Umweltschutz sind, wie aktuell in Dortmund, wo Immobilienbesitzer Neubauten  auf einem Parkplatz verhindert wollen, für sie gute Gründe, ihre egoistischen Motive als Sorge um das Allgemeinwohl darzustellen, was ihnen in der Öffentlichkeit zu einem hohen Sozialprestige verhilft. Wären sie ehrlich und würden sagen, dass es ihnen vollkommen egal ist ob neuen Wohnungen entstehen und sie sich nur für den Wert ihrer Immobilien interessieren, wäre dem kaum so. Soll mehr gebaut werden, müssen Klagemöglichkeiten und das Mitspracherecht der Bürger eingeschränkt werden. Sonst stimmen, wie bei der Frage der Bebauung des ehemaligen Flughafens Tempelhof, diejenigen, die eine Wohnung haben, dagegen, das andere künftig ebenfalls eine Wohnung besitzen. Wer damit nicht klar kommt, das Städte verdichtete Räume sind, auf deren Fläche viele Menschen auf kleiner Fläche leben, sollte aufs Land ziehen.

Politik und Verwaltungen besitzen zu viele Möglichkeiten in die Detailplanung einzugreifen. Baugenehmigungen müssen einfacher und schneller erteilt werden. Die Politik muss das Baurecht entrümpeln. Es muss schneller gebaut werden können und natürlich auch höher. Nur so können schnell neue und auch preiswerte Wohnungen entstehen.

Jede neue Wohnung, egal zu welchem Preis sie auf den Markt kommt, mildert die Wohnungsnot. Aber es fehlen vor allem preiswerte Wohnungen. Kein Problem, Bauherrn kann vorgeschrieben werden, dass sie auch anteilig Sozialwohnungen errichten müssen. Manchmal machen Regeln auch Sinn. Im Gegenzug kann man dann ja die in Mode gekommenen Milieuschutzsatzungen abschaffen. Moderne Gesellschaften sind nicht starr, sie verändern sich. Wer versucht das aufzuhalten, wird scheitern. Milieuschutzsatzungen erhalten preiswerte Wohnungen für Zahnärzte und Lehrer, die Vermieter werden sie fast immer dem Hartzerpaar vorziehen.

Öffentliche Wohnungsbaugesellschaften sollten zudem nicht privatrechtlich organisiert sein. Das mindert die demokratische Kontrolle. Sie sollten nicht als Aktiengesellschaften oder Gesellschaften mit beschränkter Haftung geführt werden, sondern als Eigenbetriebe der Kommunen oder Länder.  Private Rechtsformen sind für private Unternehmen, greift die  öffentlichen Hand auf sie zurück, besteht die Gefahr von undurchsichtigen Strukturen.

Lässt sich so die Wohnungsnot schnell beenden? Nein, bauen dauert seine Zeit. Aber man kann diese Zeit verkürzen. Und das sollte die Politik schnell tun. Und die Medien sollten aufhören, jeden Hausbesitzer zum Naturschützer zu adeln. Es ist vollkommen in Ordnung, seine eigenen Interessen zu verfolgen – nur niemand sollte so blöd sein und darauf reinfallen, dass es dabei um die Interessen der Allgemeinheit geht.

Dir gefällt vielleicht auch:

28 Kommentare

  1. #1 | Angelika sagt am 22. Mai 2018 um 12:48 Uhr

    Warum leben heutzutage so viele Menschen in so großen Wohnungen/Häusern? Wo früher vier oder mehr Personen leben konnten, leben heute oft nur Singles, Paare, Vater-Mutter-1 Kind-Familien. Wenn nicht so große Wohnungen/Häuser gebaut werden, dann wird es doch billiger (Bau, Heizkosten usw.).
    Warum wird nicht mehr mit (hochwertigen, langlebigen) Einbauschränken gebaut, die in der Wohnung verbleiben, wenn die Besitzer/Mieter ausziehen? Beim Umzug (heute oft wegen beruflicher Flexibilität erforderlich) nimmt man dann nur Couch, Tisch, Sessel, Bett usw. mit, das mühselige Zerlegen und Zusammenbauen von Schränken entfällt, der Umzugswagen kann kleiner sein usw.).
    Warum müssen die Leitungen alle unter Putz sein? Im Nachbarland NL ist es nicht so und Reparaturen sind dort kostengünstiger.
    Warum redet man noch immer viel zu unkritisch über Wärmedämmung (Schimmel, Brandgefahr)?
    Warum sehen so viele Neubauten so gleich aus? Helle Schuhschachteln mit Fenstern (klar, auch Türen …), Vor'gärten' mit ganz viel Kies und zwei immergrünen Gewächsen. Alles 1000x gesehen, alles langweilig. So langweilig, dass ich bei Häusern aus der Gründerzeit und gar bei Jugendstilfassaden inzwischen in Verzückung gerate.

  2. #2 | der, der auszog sagt am 22. Mai 2018 um 16:23 Uhr

    In keinem Land Europas wohnen die Menschen so gerne zur Miete wie in Deutschland. Dabei könnte wohnen so günstig sein. Man muss eigentlich nur bereit sein, Wohneigentum zu erwerben und selber darin zu wohnen. My Home is my Castle. 70% der Briten wohnen in ihren eigenen 4 Wänden. In Italien und Spanien sind es sogar 80%. In Deutschland sind es noch nicht einmal 50%. Zu einem Teil ist diese Misere historisch bedingt. Nach dem zweiten Weltkrieg fehlte mehr als 20% des Wohnbestandes. Statt den Erwerb von Wohneigentum stärker zu fördern wurde erst einmal der soziale Wohnungsbau gepimpt mit Zuschüsse, Bürgschaften und skurrilen Abschreibungsmodellen.

    Zur Miete wohnen ist für viele Menschen in Deutschland ein Luxus, den sie auch bereit sein sollten zu bezahlen.

  3. #3 | ke sagt am 22. Mai 2018 um 16:28 Uhr

    Bauen und nochmals bauen? Warum?

    Das Thema Nachhaltigkeit wie unter #1 raubt mir auch viel Zeit. Warum sind wir alle angeblich so nachhaltig, schmeißen aber unsere Möbel alle paar Jahre weg, tapezieren, legen Laminat ….
    Dann die vielen Klamotten aus dem Ramschladen. Jäger und Sammler. Dafür braucht man natürlich Platz. Jedes Kind braucht sofort ein eigenes Zimmer. Leben wie in den 70er Jahren. Das ist heute fast schon ein Fall für das Jugendamt.

    Ja, wir müssen die Bauvorschriften reduzieren und günstiger bauen.
    Ja, wir müssen verdichtet bauen. Warum keine Hochhäuser in den Städten, wenn Menschen unbedingt in Boom-Towns leben wollen, aber gleichzeitig nicht mehr zahlen können/wollen.

    Es kann doch nicht sein, dass der Staat einerseits Wohnraum in den Boom-Towns subventioniert und andererseits in den schwachen Regionen Leerstände bekämpft. Hier muss eine Regionalförderung stattfinden.
    Warum muss bspw. im geplanten Musterfeststellungsgesetz das Landgericht in Bonn sein?
    http://www.haz.de/Nachrichten/Wirtschaft/Deutschland-Welt/SPD-pocht-auf-Verbraucherklage
    Dort gibt es doch heute schon deutlich zu wenig Wohnungen und noch weniger geeignete Verkehrswege. Hier könnte der Staat bei eigenen Instituten etc auch besser verteilen.

    Ein weiterer Punkt sind natürlich Wohnungen, die nur temporär genutzt werden. Hier müssen die Vorteile gegenüber einem Hotel durch Steuern minimiert werden bzw. bei Vermietungen von Privatwohnungen als Hotelersatz entsprechende Auflage wie beim Hotel geschaffen werden.

    Mietpreisbremsen etc. werden nicht helfen.
    Wie viele Wohnungen sind nicht auf dem Markt, weil Besitzer keine Lust auf Mieterärger haben?

    Natürlich möchte kein Besitzer den Wert der Immobilie durch neue Bebauung in der Nachbarschaft sinken lassen. Das ist nachvollziehbar.

    Dortmund weist immer noch große Bauflächen aus (z.B. Brechten). Ich mag diese Landschaftszerstörung nicht und halte sie auch für überflüssig.

    Dann haben wir noch das Thema, dass sich viele Menschen in D aufhalten, die das Land verlassen müssten. Durch effizientere Verfahren könnte der Druck auf dem Wohnungsmarkt insbesondere im Niedrigpreissegment auch reduziert werden.

  4. #4 | coonabarabran sagt am 22. Mai 2018 um 17:43 Uhr

    "Gegen Wohnungsnot hilft allerdings nur der Bau neuer Wohnungen", meint der Autor. Nein, das tut es nicht, und so eine Plattitüde aus dem Meinungs-Mainstream hätte ich hier nicht erwartet. Das Problem ist vielschichtiger, der Kommentar #1 spricht eins davon an: Wir wohnen immer "größer". Sicher ist die EnEV ein Kostentreiber und führt zu Einheits-Häuser-Schachteln. Preistreiber Nummer eins sind aber die spekulativ überhöhten Grundstückspreise und die Baukosten an sich (ohne den Dämmwahn). Bei letzteren gilt das marktwirtschaftliche Prinzip von Angebot und Nachfrage, was hier im Blog ja so gerne hochgehalten wird. Und das muß dann ja irgendwie refinanziert werden, da sind selbst Mieten von 15 EUR/m² bestenfalls kostendeckend.

    Und daß das Bauplanungsrecht Kosten und Zeitbedarf in die Höhe treibt, ist ein Märchen, was schon auf dem Kongreß des Bundesbauministeriums im März letzten Jahres von den Fachleuten widerlegt wurde. Das trifft allenfalls auf schlecht vorbereitete Bauherren und unfähige, lahmarschige Bauämter zu.
    Siehe hier: https://www.bmu.de/buendnis-wohnen/
    Einfach mal einlesen.

    Im übrigen: In den letzten zwei Jahrzehnten wurden soviel Wohnungen neu gebaut, daß man die halben Niederlande darin unterbringen könnte.
    Siehe hier: http://www.verbietet-das-bauen.de/grosse-koalition-der-bauwuetigen/

  5. #5 | Arnold Voss sagt am 22. Mai 2018 um 18:30 Uhr

    @ dda # 2
    "Zur Miete wohnen ist für viele Menschen in Deutschland ein Luxus, den sie auch bereit sein sollten zu bezahlen."
    Die Mieter bezahlen die Häuser die ihnen am Ende ihrer Zahlungen trotzdem nicht gehören. Wessen Luxus ist das also? Der der Mieter oder der der Vermieter?

  6. #6 | Arnold Voss sagt am 22. Mai 2018 um 18:36 Uhr

    @ coonabarabran # 4

    Es ist garnicht so kompliziert. Erst wenn jeder, ob Familie, Wohngemeinschaft, Single oder Paar eine Wohnung, ob zur Miete oder als Eigentum, nach seinen/ihren Bedürfnissen hat, gibt es keine Wohnungsnot mehr. Wie und wo auch immer die zustande kommen.

  7. #7 | der, der auszog sagt am 22. Mai 2018 um 20:16 Uhr

    @Arnold (#5)

    Die Mieter bezahlen natürlich nicht die Häuser in denen sie leben, sondern die Hauseigentümer, die den Preis für ein Haus entweder bar auf den Tisch legen oder einen Kredit aufnehmen, den sie meist über Jähre abstottern, mit allen damit verbundenen Risiken und Konsequenzen. Was du meinst, Arnold, ist Miete. Mieter bezahlen Mieten und das ist ein ganz gewaltiger Unterschied, denn Eigentum verpflichtet weit stärker als ein Mietvertrag.

  8. #8 | Arnold Voss sagt am 23. Mai 2018 um 02:59 Uhr

    Ein Mietshaus ohne Mieter ist nicht finanzierbar. Es sind die Mieter, die den Kredit des Miethausbesitzers zurückbezahlen, wer sonst. Er nimmt ihn nur auf. Bei den seit vielen Jahren steigenden Bodenpreisen und dem niedrigen Zinsniveau der letzten Jahre geht das Risiko des Vermieters gegen Null.Was meinst du, wieso sich in den letzten Jahrzehnten das frei flotierende weltweite Kapital massenhaft auf den Mietwohnungsbau/Kauf gestürzt hat.

  9. #9 | Ke sagt am 23. Mai 2018 um 04:59 Uhr

    #8 A Voss:
    Die letzte Weltwirtschaftskrise hat gezeigt, dass der Immobilienmarkt keine Einbahnstraße ins Investorenglück ist.
    Ich würde nicht in Mietwohnungen investieren, da kenn ich zu viele Menschen mit schlechten Erfahrungen.
    Bauen mit festem Lebensmittelpunkt passt auch nicht in die moderne Gesellschaft.

    Wie viele Menschen leben fürs überdimensionierte Haus, statt in einer Wohnung zu leben. Wenn's abbezahlt ist, kommen die grossen Reparaturen.

    Das Kapital ist da und stürzt sich zurzeit auf alles , was der Geldwertvernichtung der Notenbanken irgendwie entgegengesetzt werden kann.

  10. #10 | Michael sagt am 23. Mai 2018 um 07:07 Uhr

    " … die Hauseigentümer, die den Preis für ein Haus entweder bar auf den Tisch legen oder einen Kredit aufnehmen, den sie meist über Jähre abstottern, mit allen damit verbundenen Risiken und Konsequenzen. "

    Hier werden die Härten des Vermieters im Kapitalismus thematisiert. Den Beitrag habe ich mit Tränen der Rührung in den Augen gelesen.

  11. #11 | Klaus Lohmann sagt am 23. Mai 2018 um 10:23 Uhr

    @#4: "Das trifft allenfalls auf schlecht vorbereitete Bauherren und unfähige, lahmarschige Bauämter zu." Sie haben noch die Abzocker unter den Baufirmen und Architekten vergessen. Und Sie glauben, alle diese wären in der Minderzahl??? Naiv.

  12. #12 | Klaus Lohmann sagt am 23. Mai 2018 um 10:30 Uhr

    Vor einem Ruf nach dem "Bauboom Teil 18 – der Wahnsinn baggert weiter" gilt es zunächst, den Mangel an Fachkräften im Bauhandwerk abzustellen. Momentan blockiert sich eine ganze Branche selbst, weil angehende und junge Meister von Großbetrieben mit überdurchschnittlichen Gehältern geködert werden und nach deren Abwandern komplette Kleinbetriebe ohne ihren Meister dichtmachen müssen oder vor lauter Aufträgen nicht mehr zum Aus- und Weiterbilden kommen.

    Ohne ein Umdenken in der verkrusteten Berufs- und Ständestruktur wird das hier nix mit Bauboom, das merkt z.Zt. jeder Vermieter, wenn er nur mal ein Bad sanieren will.

  13. #13 | Arnold Voss sagt am 23. Mai 2018 um 11:09 Uhr

    @ ke #9

    Das gilt höchstens für Kleinbesitzer/Investoren. Für den Rest sind diese Ausfallerscheinungen einkalkuliert. Und sie sind, trotz immer wieder erzählter Geschichten von Mietnomaden u.ä. statistisch ein minimaler Prozentsatz. Der massenhafte Verkauf von öffentlichen/genossenschaftlichen Mietwohnungen war der größte politische Fehler der letzten Wohnungsbaujahrzehnte und allen war klar, was das für die Mietwohnungsmarkt bedeuten würde.

  14. #14 | Klaus Lohmann sagt am 23. Mai 2018 um 11:25 Uhr

    @#13 Arnold Voss: Und wie man am Beispiel Hannibal in Dortmund-Dorstfeld sehr drastisch vor Augen geführt bekommt, fallen den Kommunen jetzt diese mittlerweile durch schiere Gier kapputtgewirtschafteten und "verheuschreckten" Objekte wieder voll auf die Füße.

  15. #15 | Walter Stach sagt am 23. Mai 2018 um 15:09 Uhr

    Da das "Wohnen" -das Verlangen der Menschen, "nach einem Dach über dem Kopf", zu den Grundbedürfnissen der Menschen gehört, kann die Befriedigung dieses Grundbedürfnisses in einer "Marktwirtschaft", die sich als eine soziale versteht, nicht dem freien Markt, dem freien Spiel der Kräfte von Angebot und Nachfrage, ausschließlicht gesteuert über den Preis, überlassen werden.
    Zu streiten wäre also nicht über das Ob eines entsprechenden staatlichen Engagements, sondern über das Wie -über die Förderung des Wohnungsbaues ( steuerliche Anreize, Subventionen -sh. die Förderung des sog. sozialen Wohungsbaues,, planungs- bauordnungsrechtliche Vorgaben) und über staatliche Regularien , die das Mietverhältnis betreffen -Höhe der Miete? Kündigungsschutzrechte zu Gunsten der Mieter?

    Dass dieser Streit umso heftiger geführt wird, umso mehr die Nachfrage das Angebot an Wohnungen -jedenfalls in bestimmten Segmenten-übersteigt, liegt nahe.
    Und das in diesem Streit jeder der Streitbeteiligten interessensgericht, je nach seinen individuellen Erfahrungen, je nach seiner gesellschaftspolitischen Grundeinstellung argumentiert, ist ebenso nahe liegend.

    In diesem Sinne meinerseits nur 2 konkrete Anmerkungen:
    1.
    Es hat auf kommunaler Ebene zwei besonders gravierende Fehlentscheidungen gegeben -bzw. die gibt es immer noch:
    Erstens:
    Der massenhafte Verkauf von Mietwohngebäuden durch die Kommunen bzw. durch Gesellschaften, in denen die Kommune(n) Mehrheitsgesellschafter waren bzw. noch sind an Private, und das seitens der Kommunen ausschließlich unter dem Aspekt des höchstmöglichen Erlöses für sie .

    Zweitens:
    Die völlig Trennung der Kommunen von "ihren" Wohnungsbaugesellschaften und/oder deren "Weiterführung" ausschließlich durch Private -Unternehmen, Investoren.
    Mittlerweile zeichnet sich eine Rekommunalisierung ab;die ich nicht nur für begrüßenswert halte, weil damit die Kommune das Angebot an sog. sozial-gefördertem Wohnraum dirket beeinflussen kann, sondern auch, weil mit einer solchen Gesellschaft -als GmbH. organisiert-, die Stadt direkt auf dem Grundstückmarkt tätig werden kann und so -beispielsweise- die Innenstadtgestaltung als Grundstückseigentümer ganz wesentlich (mit-) bestimmen kann.

    2.
    Derzeit, so scheint mir, wird der öffentlichen Diskurs und werden die parteipolitischen Entscheidungen , die das Thema " Neubauten für Mietwohnungen" betreffen, dominiert von den Interessen privater Investoren, die nicht wissen wohin mit ihrem Kapital, von privaten Grundstücksbesitzern, die ihre Grundstücke zum höchstmöglichen Preis veräußern können, und von den Baufirmen, die trotz Leistungsengpässe, dauerhaft an einer höchstmöglichen Nachfrage nach ihren Produkten/Dienstleistungen interessiert sind.

    Und unter dieser Dominanz leiden u.a. :

    Bewährte (!) bauplanungs- und bauordnungsrechtliche Anforderungen an " den Bauherrn"-bis hin zu gesundheitssichernden Normen, bis hin zu Brandschutzvorschriften- nach dem Motto:
    "Weg damit" -bauverhindernd.

    Anforderungen an die Außengestaltung großer Mietkomplexen in den Städten ("schreckliche" Mietskasernen wie in der unmittelbaren Nachkriegszeit oder wie in der DDR ).

    Anforderungen ökologischer Art mit Blick auf den für mich unverantwortlich hohen Verbrauch an Freiflächen -Acker, Wiesen, Feldern.

    Das Alles "totzuschlagen" mit dem Verweis auf die aktuelle Wohungsnot, ist zwar erklärlich, rechtfertigt dieses "Totschlagen" allerdings m.E. ganz und gar nicht, wenn Politik, wenn Wohnugspolitik, wenn kommunale Wohnungspolitik mehr sein will als nur das Bemühen um die unverzügliche Lösung eines Problemes -unter vielen- , und zwar unter der Vorgabe, den einfachsten Weg zu gehen, und das ist nun 'mal derjenige, der alle dabei zu bedenkenden Fragen auszublenden versucht -"nach uns die Sintflut"-,

  16. #16 | Arnold Voss sagt am 23. Mai 2018 um 15:47 Uhr

    Der aktuelle Wohnungsengpass, der sich in bestimmten Städten zu einer veritablen Wohnungsnot aufschaukelt, ist zu einem grossen Teil durch Politik und Investoren gemacht. Es ist halt ein Riesengeschäft erst potentielle Bauflächen zu reduzieren und genehmigte Bebauungen auf Investorenseite spekulativ zu verzögern, um dann in einer so produzierten Unterversorgung über den so manipulierten "Markt" über viele Jahre unbehelligt und gnadenlos abzukassieren.

  17. #17 | Walter Stach sagt am 23. Mai 2018 um 17:01 Uhr

    Arnold,
    ich bin der Auffassung, daß es bezogen auf die hier diskutierte Problematik primär nicht auf Systeme ankommt, sondern auf die handelnden Akteure.

    Es geht lediglich darum, das Personal zu haben ( zu finden), das sich nicht ausschließlich dem eigenen Wohlergehen verpflichtet fühlt, sondern auch dem Wohlergehen der Gemeinschaft, in der sie leben, z.B. in der kommunalen Gemeinschaft, und die zugleich fähig und willens , die insofern kompetent sind, sich mit der Gesamtproblematik " Mietwohnungen" zu befassen, überörtlich, aber vor allem Ort -in der Politik, in der Administration- , um die drängenden Probleme lösen zu können, lösen, und zwar nicht nach dem Motto "Nach uns die Sintflut", sondern in einem dauernden, schwierigen Abwägungsprozess zwischen den schnellsten, den effektivsten, den effizientes Problemlösungen in Sachen Mietwohungen einerseits und anderseits den von mir u.a. angesprochenen Aspekten städt. Flächen- und Bauplanung, notwendigen bauordnungsrechtlichen Aspekten – u.a.im Interesse der Gesundheit der Hausbewohner-, aber auch hinsichtlich ökologischer Probleme infolge eines weiterhin m.E. unverantwortlich hohen Verbrauches an Freiflächen und nicht zuletzt mit Blick auf stadtgestalterische Anforderungen an jeden "Mietwohnungskomplex" und mit Blick auf z.B. Anforderungen an einen Fassadengestaltung, die die Bezeichnung " Gestaltung" verdient.

    Wenn "wir" über diesbezügliche Sünden in der Vergangenheit nachdenken, vor allem, wenn wir hier darüber diskutieren, wie sich diese Sünden jetzt und hier, heute und morgen vermeiden lassen, dann sollte m.E. weniger über ein anderes System, über andere Prozesse, über andere Normen nachgedacht werden, sondern darüber, ob "man" und wie "man" am ehesten, am besten das dafür "richtige Personal" findet.
    Und da ich in unterschiedlichen Funktionen mit regionalen baulichen Großprojekten zu tun hatte, aber auch vor Ort mit dem Wohnungsbau, weiß ich insofern aus der Praxis wo von ich rede; denn egal, wie der jeweiligen " Laden" verfaßt war, es sind immer dann in der Sache vertretbare Entscheidungen zustandegekommen, wenn alle, zumindest diejenigen, die meinungs- und argumentationsstark waren, sich darauf eingelassen haben, alle entscheidungsrelevanen Gesichtspunkte aufzunehmen, kontrovers zu diskutieren und nicht von vornerein einige als derzeit nicht relevant auszuklammern. Einfach, bequem und im Miteinander stets freundlich können solche Willensbildungsprozesse bekanntermaßen nie sein, eben auch dann nicht, wenn es um den Wohnungsbau in der Kommune geht.

    Arnold,

    kann es sein, daß " wir" vor Ort eben auch oder sogar vornehmlich deshalb im Bereich des Wohnungsbau gravierende Mißstände wahrnehmen und m.E. derzeit dabei sind, neue zu produzieren, weil die Akteure bei der Problemlösungen stets den für sie einfachen, bequemen Weg gesucht haben und weiterhin suchen; konfliktscheu einhergehend mit weitgehender Intransparenz des jeweiligen Willensbildungs- und Entscheidungsprozesses?
    Wenn da etwas "dran sein sollte", dann….??
    Ja, dann muß ich leider konstatieren, nicht ansatzweise realistische Mglichkeiten zu sehen, wie "man" das ändern könnten. Und das wiederum würde bedeuten, daß letztendlich doch für all diejenigen, die derzeit im öffentlichen wie im privaten Sektor dabei sind, das
    akute "Mietwohnungsproblem" zu lösen, das Motto gelten dürfte : Nach uns die Sintflut!

  18. #18 | Daniel Fuhrhop sagt am 24. Mai 2018 um 13:41 Uhr

    Der Artikel liest sich wie der Pressetext eines Neubau-Lobbyverbandes, wozu leider Bau-, Architektur- und sogar Mieterverbände zählen. Wenn Bauen wirklich gegen Wohnungsmangel helfen würde, hätten wir schon lange keine Probleme mehr: In den letzten 25 Jahren wurden über 7 Millionen Wohnungen neu gebaut, obwohl die Einwohnerzahl nur um knapp 2 Millionen stieg – eigentlich hätten wir durch die Neubau-Wohnungen Platz für 12 Millionen Menschen, wenn, ja wenn wir noch wohnten wie in den 1990ern (als Deutschland auch nicht arm war), und die Wohnfläche pro Person nicht stetig stiege auf inzwischen über 45 Quadratmeter pro Person! Es wird Zeit, die Lösung in der Art zu suchen, wie wir wohnen, und dazu gibt es genug Möglichkeiten, etwa die Förderung von gemeinsamen Wohnformen, die Förderung von Untermiete (etwa durch "Wohnen für Hilfe"), Hilfe für Umzugswillige (etwa Prämien und Beratung für diejenigen, die sich verkleinern oder Wohnungen tauschen wollen) und vieles mehr. All das müssten eigentlich sogar diejenigen begrüßen, die nicht so neubaukritisch sind, denn es macht Sinn, unsere vorhandenen Häuser besser zu nutzen, durch Zusammenrücken unsere Stadtviertel zu beleben und unsere Grünflächen zu schonen.

  19. #19 | Stefan Laurin sagt am 24. Mai 2018 um 13:48 Uhr

    @Daniel Fuhrhop: Die Menschen sollten möglichst selbst entscheiden wie sie leben wollen. BRW: Vieles was in den 50ern und 60ern gebaut wurde sollte abgerissen werden, vieles findet keine Mieter mehr und wenn die Menschen mehr Platz haben, ist das eine gute Sache. Sie wollen das bauen verbieten? Das ist ihr gutes Recht – am Ende ist es aber nicht mehr als plumpe PR und die Hoffnung als Freak in irgendeine Talkshow eingeladen zu werden.

  20. #20 | Daniel Fuhrhop sagt am 24. Mai 2018 um 14:02 Uhr

    @19 Lieber Herr Laurin, natürlich kann ich nicht von Ihnen erwarten, dass Sie sich gründlich mit meinen Argumenten beschäftigt haben, die gegen Neubau sprechen, daher ist Ihre harsche Herabwürdigung des Themas Bauverbot als "plumpe PR" verzeihlich – allerdings sollte es Ihnen zu denken geben, dass selbst der Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung in seinem Umweltgutachten 2016 einen "Netto-Null-Flächenverbrauch" forderte, was faktisch nahezu einem Stopp des Neubaus gleichkommt. Viele Argumente dafür wurden bereits von anderen Kommentatorinnen genannt, etwa der Flächenverbrauch von derzeit etwa 66 Hektar am Tag in Deutschland oder auch die schlechte Ökobilanz des Bauens, wenn man sie (nach Vorbild der Schweiz) ganzheitlich betrachtet, also auch Energie für Abriss und das Bauen selbst berücksichtigt. Auf welche Weise sich das große Ziel des Flächensparens mit dem ganz persönlichen Ziel des Platzsparens verbinden lässt, dass muss in der Tat jeder selbst entscheiden, da bin ich ganz Ihrer Meinung. Doch wir dürfen von Politik und Verwaltung fordern, dass Sie diejenigen Wohnwünsche erkennen und fördern, die mit einer Verkleinerung einhergehen, etwa den Umzug in eine kleinere Wohnung und all die obengenannten Beispiele.

  21. #21 | Stefan Laurin sagt am 24. Mai 2018 um 14:20 Uhr

    @Daniel Fuhrhop: Flächen werden nicht verbraucht, Flächen werden nur temporär verschieden genutzt. Auch wenn sich die Größe der Erdoberflächen in geologischen Zeiträumen ändert ist sie in menschlichen Zeiträume nahezu fix. Ab und an wird was weggeschwemmt, anderswo erhebt ich ein Vulkan aus dem Meer. Das wars auch schon.

  22. #22 | Walter Stach sagt am 24. Mai 2018 um 14:51 Uhr

    Arnold,
    aus irgend einem Grunde firmiert mein Beitrag -17- unter dem Pseudonym OMO.
    Warum? Weiß ich nicht.
    Richtigstellung erst jetzt, weil erst soeben bemerkt.

  23. #23 | Robin Patzwaldt sagt am 24. Mai 2018 um 14:53 Uhr

    @Walter: Der Beitrag wurde schon mit dem Kürzel 'Omo' eingegeben. Ich erinnere mich daran, dass ich ihn freigeschaltet habe. Ich ändere es eben, wenn Du es warst….

  24. #24 | Walter Stach sagt am 24. Mai 2018 um 16:19 Uhr

    O.K.
    Robin

  25. #25 | Angelika sagt am 25. Mai 2018 um 11:02 Uhr

    #20 #21
    Doch, es werden Flächen verbraucht. Und zwar in dem Sinne, dass die bebauten Flächen in weitem Umfang versiegelte Flächen sind, nicht begrünte Flächen. Wo eine Brachfläche mit Wildpflanzen (wichtig für Wildbienen, andere Insekten, diese wichtig für die Vögel) war, da steht dann ein Mehrfamilienhaus samt soundsoviel Garagen und das bisschen Dachbegrünung auf den Garagen, die wasserdurchlässige Pflasterung der Garagenzufahrten, die Balkonpflanzen, die Hecke neben dem gemeinschaftlichen Grillplatz gleichen den Verlust nicht aus.

  26. #26 | thomas weigle sagt am 25. Mai 2018 um 14:31 Uhr

    Dumm halt,@Stefan Laurin, dass das "temporäre Nutzen" von Flächen so große und negative Auswirkungen für unsere und einige kommende Generationen hat( schon bereits in der Vergangenheit), auch wenn es in Bezug auf das Alter der Erde nicht mal eine Minute oder deren zwei ausmacht.
    Jedenfalls hat es die Menschheit geschafft, das Bild de Erde schneller zu verändern als es die Natur geschafft hat, bspw. durch die Abholzung der Wälder. Im Gegensatz zu Italien wurde in D. bereits vor Jahrhunderten vom Mainzer Heiligen Stuhl verfügt, dass nur so viel abgeholzt werden darf wie nachgepflanzt wird, reichsweit war es dann im 19.Jahrhundert so weit. Diese Nachhaltigkeit fehlt heute leider auf vielen Gebieten.

  27. #27 | Walter Stach sagt am 26. Mai 2018 um 13:38 Uhr

    "In deutschen Städten wachsen die Gettos"
    Bericht "SPIEGELonline" -HIGHLIGTS-

    Wenn "Bauen, Bauen, Bauen" gefordert wird, und zwar vornehmlich im sog. sozialen Wohnungsbau, dann kann das nicht "bedingungslos" , sozusagen " um jeden Preis" geschehen -wörtlich und bildlich gemeint-.
    Dieser halb geschehene "Sünden der Vergangenheit" werden nicht nur optisch durch viele Menschen tagtäglich als städtebauliches Ärgernisse registriert – riesige, uniformer Wohn-"silos", sondern bilden die Quelle für die Gefühlswelt vieler dort lebender -leben müssender- Menschen -Hartz IV-Bezieher, Sozialhilfeempfänger, Kleinstrentner mit oder ohne sog. Migrationshintergrund-, die sich von der Mehrheitsgesellschaft aussortiert, an den Rand gedrängt, abgehängt fühlen -fühlen müssen.
    Über Konsequenzen für das Wie des Miteinander der Menschen in diesen Gettos und über deren "gesamtgesellschaftliche" Auswirkungen über die Stadtgrenzen hinaus wird tagtäglich berichtet und kommentiert.

    Da ich unter -17 – so nebenbei auf diese Problematik hingewiesen habe, schien mir der Hinweis auf den einschlägigen Beitraq bei Spiegel-online angebracht.

    Ich kann nur darauf hoffen, daß die für das OB und für das Wie des Bauens in den Kommunen Verantwortlichen sich weder " wegen des Zeitdruckes angesichts der Fakten ", noch wegen des Druckes parteipolitischen Populismus aus allen politischen Lagern, noch wegen "anschwellenden medialen Getöses" davon abhalten lassen, alle Konsequenzen, alle Folgen des "Bauens, Bauens, Bauens" zu bedenken und alle Vor- und Nachteile der von ihnen zutreffenden und zu verantwortenden Entscheidungen mit der gebotenen Sorgfalt abzuwägen.
    "Noch mehr Gettos" , wie oben umschrieben?
    Kann niemand wollen, auch nicht unter dem Druck eines zumindest in den Großstädten bestehenden Mangels an "preiswerten" Mietwohnungen.
    -sh.auch der HInweis von Thomas Weigel zur sog. Nachhaltigkeit-.

  28. #28 | Ke sagt am 14. Juli 2018 um 19:18 Uhr

    Und im roten Dortmund hat man auch Angst vor neuen Wohnungen.
    Eigentlich sind wir alle total sozial. Jetzt ist der Parkplatz des Drittwagens halt wichtiger als das Dach übern Kopf für Menschen.
    https://www.focus.de/regional/dortmund/dortmund-posse-um-120-neue-wohnungen-in-wambel-angst-vor-sozialem-brennpunkt-und-parkplatzmangel_id_9255779.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.