Journalisten bloggen das Revier

  1. 11 März 2010

    Paralympics II: Von älteren Herren und harntreibenden Mitteln

    doping-hofschlaeger-pixelio

    Nach der Einführung “Paralympics I” von heute morgen gibt es nun meinen ersten Beitrag im Vorfeld der Spiele, von denen ich hier vermutlich täglich berichten werde und die am morgigen Freitagabend um 18 Uhr Ortszeit (Samstagnacht, 3 Uhr MEZ) beginnen. Es geht um Doping im Behindertensport und um die Probleme, die sich hiermit ergeben. Dopen auch behinderte Sportler? Natürlich ja. Vermutlich aber weniger, als nichtbehinderte Hochleistungssportler. Dafür gibt es für Behindertensportler weitere Möglichkeiten, die Chancen illegal zu verbessern. Der Versuch einer Annäherung.

    Vor acht Jahren war der Schock groß, als bei den Winterspielen in Salt-Lake-City ein deutscher Langläufer positiv auf ein Steroid getestet wurde. „Deutscher Gold-Läufer wegen Doping suspendiert“ titelte Spiegel-Online, beim Kölner Stadt-Anzeiger war „Paralympics-Star Thomas Oelsner positiv gestet“. Der fünffache Paralympics-Sieger ist der bis heute einzige Behindertensportler, der bei Winter-Paralympics positiv getestet wurde.

    Obwohl es in der Folge Zweifel an seiner Schuld gab, Oelsner Sabotage vermutete und mehrere ihn stützende rechtsmedizinische Gutachten angefertigt wurden, sperrte ihn das Internationale Paralympische Komittee für zwei Jahre. In Turin war der Thüringer 2006 aber schon wieder dabei und auch in Vancouver wird der inzwischen 39-Jährige in fünf Wettbewerben an den Start gehen.

    Nach dem positiven Test schmiss Oelsner damals sein kurz vor dem Abschluss stehendes Geografie-Studium, beendete seine zehn Jahre andauernde Beziehung und zog sich komplett zurück. Jetzt gibt Oelsner als Werbekaufmann an der FH Schmalkalden Fortbildungskurse, ist längst wieder glücklich vergeben und auch sportlich zurück in der Spur. Doch noch immer nimmt er keine offenen Getränke mehr an, lässt Trinkgurte und sein Essen niemals unbeaufsichtigt zurück. Der positive Dopingtest wird ihn nie wieder verlassen, er ist der erste und zumindest bislang noch der einzige positive Fall bei Paralympischen Winterspielen.

    Mittlerweile ist der Fall Thomas Oelsner beim deutschen Behindertensportverband DBS als unglückliche Episode abgehakt. Delegationsleiter Karl Quade glaubt kurz vor den paralympischen Spielen, dass Doping im Behindertensport „weitestgehend kein Thema ist“. Im Sommer gebe es zwar die Gewichtheber, von denen bei den vergangenen drei Spielen insgesamt 19 Athleten überführt wurden. „Ansonsten haben wir aber keine Probleme.“

    Unterstützt wird Quades Ansicht durch eine vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft geförderte Studie der Uni Münster. Sie schrieb nach einer ausgewählten Befragung von einem Dutzend Trainern, Funktionären und Sportlern, dass Doping im Behindertensport „hauptsächlich ein Problem der Aufklärung“ zu sein scheint. Ob es sich beim Doping im Behindertensport auch um „bewusste Versuche der Leistungssteigerung“ handelt, konnte jedoch nicht geklärt werden. (Zusammenfassung der Studie als PDF)

    Die Kontrollen an Behinderten von 1984 bis 2008 hat im vergangenen Jahr Mario Thevis vom Kölner Doping-Labor mit drei Kollegen aufgearbeitet (leider nicht frei online verfügbar, die Zusammenfassung gibt es HIER). Sein Fazit für die Fachzeitschrift “Medzinische Klinik”: Es zeigen sich zahlreiche Parallelen zu nichtbehinderten Sportlern. Anabole Steroide, Diuretika, Kortikoide und Stimulanzien sind bei behinderten Sportlern schon gefunden worden. Allerdings sind inzwischen auch die Kontrollen zumindest zum Großteil mit denen der nichtbehinderten Athleten zu vergleichen. In Vancouver zum Beispiel sollen gut 400 Kontrollen an den etwa 600 Athleten vorgenommen werden.

    Auch die Quote von Epo-Kontrollen liegt – zumindest international – mit zehn bis 15 Prozent etwa gleich hoch wie bei den Nichtbehinderten. Besonderheiten gibt es nur bei der Durchführung der Kontrollen. Manche behinderten Athleten dürfen eine Vertrauensperson zur Kontrolle mitnehmen und blinde Sportler bekommen Hilfe beim Ausfüllen des ADAMS-Abmeldesystems im Internet.

    In Deutschland führte die NADA im Jahr 2009 insgesamt 276 Trainingskontrollen bei rund 220 behinderten Kadersportlern durch, wie sie auf Nachfrage bekanntgab (der Jahresbericht erscheint im Mai). Zusätzlich nahm der DBS 84 Wettkampfkontrollen. Bei den 360 Tests sind laut Behindertensportverband fünf Athleten mit positiven Kontrollen aufgefallen. Allesamt ältere Herren aus den Sportarten Tischtennis und Sitzball, alle fünf mit dem Wirkstoff Hydrochlorothiazid, der in harntreibenden Diuretika enthalten ist und als Maskierungsmittel auf der Dopingliste steht.

    Auffallend oft jedoch werden bei behinderten Sportlern positive Kontrollen wieder zurückgenommen, weil die Sportler Ausnahmegenehmigungen besitzen. So finden die Dopingfahnder vergleichsweise häufig Diuretika oder Beta-Blocker, die bei Querschnittgelähmten medizinisch notwendig sind. Einen Betrug mit unnötig erteilten Ausnahmegenehmigungen hält Thevis für unwahrscheinlicher als bei Nicht-Behinderten, schließlich könne man bei Behinderten in den allermeisten Fällen deutlich erkennen, ob die Behandlung gerechtfertigt sei.

    Doch auch wenn Doping bei behinderten Sportlern anscheinend weniger verbreitet zu sein scheint als im Hochleistungssport der Nichtbehinderten: Jürgen Kosel, Chefarzt der Behinderten, würde für keinen seiner Athleten die Hand ins viel beschriebene Feuer legen. Schließlich gibt es für Behindete noch andere Möglichkeiten des Betrugs. So können Querschnittsgelähmte beim so genannten Boosting einen Adrenalinausstoß provozieren, der Studien zufolge fünf bis zehn Prozent Leistungszuwachst bringt. Beispielsweise mit einer übervollen Blase oder bewusst zugefügten Verletzungen in gelähmten Körperteilen. Nachzuweisen ist diese lebensgefährliche Art des Betrugs nicht, weshalb niemand weiß, wie stark sie verbreitet ist.

    Konkreter ist das Problem der Klassifizierung. Bei der Einteilung in die verschiedenen Behinderungsklassen verführt die Möglichkeit, sich behinderter zu machen, als man eigentlich ist. So habe es schon Fälle gegeben, bei denen ein angeblich stark sehbehinderter Athlet nach dem Wettkampf mit dem Auto nach Hause fuhr, erzählt DBS-Arzt Kosel. Mittlerweile seien aber die Regeln verschärft und die Probleme der Klassifizierung weitestgehend im Griff. Dennoch kämen Proteste von Konkurrenten gar nicht mal so selten vor. Solche Betrügereien sind nunmal – genau wie klassisches Doping – nie auszuschließen.

    Dass auch der Behindertensport nicht frei ist von professionellen Dopern, legt der Fall des ehemaligen spanischen Radprofis Javier Ochoa nahe. Ochoa, der als Kletterspezialist unter anderem eine schwere Etappe der Spanien-Rundfahrt gewonnen hatte, stieg nach einem Unfall im Jahr 2001 auf das Handbike um und gewann bei den Spielen 2004 und 2008 drei Goldmedaillen. Ende vergangenen Jahres wurde Ochoa von der spanischen Polizei befragt, weil er in Verbindung mit dem Walter S. Viru stand, der zentrale Figur eines Dopingnetzwerks sein soll.

    Der Beitrag ist in gekürzter, unverlinkter Form unter anderem bei ZDFonline erschienen.

    Das Foto ist von S. Hofschlaeger / pixelio.de

  2. 11 März 2010

    Paralympics I: Und ab geht’s, hinauf nach Whistler …

    wintersport-pixelio

    Ab heute startet bei den Ruhrbaronen eine aller Voraussicht nach tägliche Berichterstattung zu den Paralympischen Spielen. Ich fliege am morgigen Freitag von Frankfurt nach Vancouver, sehe mir dort die Eröffnungsfeier an und fahre dann hoch ins Skigebiet nach Whistler, wo ich bis zum Ende der Spiele bleibe. Die Reise wird mitfinanziert durch ein Stipendium der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände ABDA (Pressemitteilung hierzu) und des Deutschen Behinderten Sportverbandes DBS. Das zur Info, damit alle aufschreien, falls ich nicht kritisch genug berichte.

    Und: Ich freue mich über Anregungen. Ein grobes Programm ist zwar geplant, so folgen in den nächsten Tagen Artikel zum Doping im Behindertensport und zum Alltag von Behindertensportlern. Und einige Medienanfragen sind auch schon eingegangen. Aber es ist Luft für mehr und ich versuche, bei den Ruhrbaronen so transparent und kommunikativ wie möglich zu arbeiten. Je mehr mitmachen, desto besser wird hier die Berichterstattung und Information, desto weniger relevante und interessante Themen werden außen vor gelassen.

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  3. 11 März 2010

    Die Westentaschen-Westerwelle aus der Stadt am Fluss

    Hannelore Kraft will Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen werden. Das ist keine so gute Idee. Denn Inhalte wie Inszenierung sind ein Katastrophe

    Aus den Lautsprechern dröhnte preisgünstige Stimmungsmusik: „Olé, wir fahren zum Puff nach Barcelona, olé, olé!” Ein paar Meter weiter stand der damalige Vorsitzende der NRW-SPD und genoss die Mitt-August-Sonne. Weltmännisch saugte Franz Müntefering an seinem Zigarillo, als ihm die frisch gekürte Landtags-Kandidatin des Kreisverbandes Mülheim an der Ruhr vorgestellt wurde. „Hallo Franz”, sagte Hannelore Kraft schüchtern-devot, „ich bin die Neue”. Münte nickte wortlos.

    Von der Partei nominiert worden sei sie „zur allgemeinen Überraschung”, verkündet Kraft heute, gut zehn nach diesem historischem Treffen am Rande des „Hippenfests” der SPD Mülheim-Saarn. Auch sie selbst habe sich kaum Chancen ausgerechnet, für den Landtag kandidieren zu dürfen, plaudert die Vorsitzende der NRW-SPD offenherzig auf ihrer Webseite. Offenbar konnte sie ihr kleines Glück kaum fassen.

    Frank und frei: Bei dem Gedanken, Kraft könnte demnächst das bevölkerungsreichste Bundesland regieren, rufe auch ich eher eher „Oje” denn „Olé” aus. Sie erscheint mir ganz die als die Alte, also also wie „die Neue”.

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  4. 8 März 2010

    Das Problem von SPD-Kraft heißt Ex-SPD-Clement

    kraftDie Spitzenkandidatin der SPD für die Landtagswahl in NRW, Hannelore Kraft, hat sich zu Hartz IV geäußert. Im Spiegel-Interview. Sie sagt, gut ein Viertel der Leute kriege sowieso keinen Job mehr, deswegen sollen die für einen Appel und einen Ei auf ihre Hartz-IV-Kohle anschaffen gehen. Alten Leuten vorlesen und so einen Krams. Mein Gott, welch ein Dejavu.

    Mir hat mal ein Kumpel die Geschichte von einem Interview mit Hannelore Kraft erzählt. Es ging um dies und das. Kraft wollte vor allem nichts mehr zu der Linkspartei sagen, wurde unwirsch und wiederholte andauernd: "Fragen sie mich nach Inhalten." Offenbar hat der Spiegel genau das jetzt gemacht. Er hat nach Inhalten gefragt.

    Und es kommt raus, was alle schon immer wussten. Hannelore Kraft ist so mäßig. So mittelmäßig. Es ist wie das Drehbuch für einen schlechten Gag: Zunächst reden sich alle wuschig über einen möglichen Erfolg bei einer Auftragsvergabe, sagen wir Häuser sollen gebaut werden, der Sekt wird schon mal kalt gestellt für die Party danach und dann sagt einer, aber wir sind doch eine Versicherung, wir bauen gar keine Häuser. Dann schaut noch einer auf das Verfallsdatum der Pullen und stellt fest, das Zeug ist auch schon lange faul. Dumm gelaufen. Die Laune ist versaut. Und dann geht noch der Auftrag an die Konkurrenz. Tusch.

    Ungefähr so läuft das auch bei Kraft.

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  5. 6 März 2010

    Der letzte Rebell wird 56

    Aus gegebenem Anlass: ein Songtext, dessen Urheber ich bin. Bitte verzeihen Sie das rumpelnde Versmaß:

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  6. 4 März 2010

    Post von Horn

    post-von-hornMit Urich Horn hat nun ein weiterer ehemaliger WAZ-Top-Redakteur ein eigenes Blog gestartet: Bei "Post von Horn" geht es um Medien und Politik.

    Erst Alfons Pieper mit "Wir in NRW", nun Ulrich Horn mit "Post von Horn": Immer mehr ehemalige WAZ-Redakteure entdecken das Medium Blog für sich. Horn war von 1989 bis 2003 Landeskorrespondent der WAZ in Düsseldorf und bis zu seinem Ausscheiden 2008 Reporter der WAZ-Zentralredaktion. "Im Augenblick epxerimentiere ich noch mit dem neuen Medium", sagt Horn. Über Medien und Politik wird es in seinem Blog gehen: "Aber bis weit in den Sommer hinein werde ich mich wohl vor allem mit der Landespolitik beschäftigen."

    Bei einem Mann mit so viel Erfahrung und so guten Kontakten wie Ulrich Horn dürfen wir uns auf viele spannende Geschichten freuen. Willkommen im Club!

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  7. 26 Februar 2010

    Lasst uns Google Adsense angreifen

    attackIn der vergangenen Nacht war ich in Düsseldorf und hatte einen seltenen Einblick in die Internet-Abrechnungen eines großen Westdeutschen Verlages. Dieser Verlag, der hier anonym bleiben soll, betreibt eine verdammt große Nachrichtenseite. Eine der größten Deutschlands.

    Aber egal. Ich habe da etwas gesehen, worüber ich zuerst lachen musste, so richtig laut mit Schenkelklopfen. Dann musste ich ungläubig nachsehen, ob das auch wirklich stimmt, was ich da gesehen habe. Es stimmte. Seither denke ich nach.

    Ich hatte Einblick in das Intimleben eines Konzerns. Unfreiwillig, zufällig, aus Versehen. Ich habe die Google-Abrechnungen gesehen. Was der Laden so kriegt, dafür dass er seine Seiten mit Adsense vollklotzt.

    Was schätzen Sie? Was zahlt Google für Werbeeinblendungen auf eine Internetseite, die laut IVW zwischen sieben und zehn Mio. Visits im Monat hat?

    Sagen sie jetzt eine Zahl, sagen wir im Abrechnungsmonat November. Das ist einer der Werbeumsatzstärksten Monate im Jahr.

    Merken Sie sich diese Zahl. Holen Sie tief Luft. Und werfen Sie jetzt einen Blick auf die ungeschminkte Realität.

    Es waren: UNTER 15.000 Euro. (Genauer kann ich leider nicht werden, es war viel weniger)

    Ich meine: wir reden hier über eine Seite, bei der gut vier dutzend Onliner schaffen. Und diese Mannschaft macht bei Google unter 15.000 Euro Umsatz. Das ist nichts. Das ist ein Furz.

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  8. 14 Februar 2010

    Letztes Update: Dresden: Gedenken, Trauern und Demonstrieren

    dresden_nazifreiZum 65. Jahrestag der Bombardierung Nazi-Dresdens ist die Situation vor Ort heute grob in dreieinhalb Lager einzuteilen: Die Junge Landsmannschaft Ostdeutschland samt Verbündeten ruft „Gegen Bombenkrieg, Terror und Vertreibung“ auf die Straße. Dagegen protestiert das Bündnis „Dresden Nazifrei“ und will diesen „Trauermarsch“ unterbinden und in Teilen auch die Aktionen der Stadt Dresden kritisieren, daher das Motto „Keine Versöhnung mit Deutschland. Gegen jeden Geschichtsrevisionismus. Deutsche Täter/innen sind keine Opfer. Naziaufmarsch verhindern“. „Erinnern und Handeln für Dresden“ heißt es von Seiten der Kommune plus Anhang, Aktionsform ist hier vor allem die beliebte Menschenkette mit Lichtern. Im Folgenden hier ständige Updates vom Tage. Außerdem der Hinweis auf den taz-Liveticker und auf den Livestream des Dresdner uhunabhängigen Radios ColoRado. Sowie den Dresden-Twitter.

    04.00 Uhr: Die Busse erreichen wieder die Heimatorte. Ein kurzer Kommentar: Gegen 17 Uhr spielte sich die Situation noch ein wenig fast künstlich hoch, als die Polizei die Blockierer (s. Foto) rund um den Bahnhof Neustadt wiederholt zum Räumen aufforderte, dies aber nur peu á peu geschah. Da die Erlaubnis für den Marsch der Rechten nur bis zu genau dieser Zeit galt, aber diese Gruppe ja auch wieder irgendwie vom Bahnhof weg musste, ohne auf die Linken zu treffen, war die Polizei schwer gefragt, nun erst recht keine Übergriffe zuzulassen. Kurze Zeit später erklärten sich die Gegendemonstanten dann zu den Siegern des Tages: Der Marsch sei verhindert worden. Und wenn das Geleiten einiger rechter Gruppen durch die Polizei zum Bahnhof Neustadt, direkt neben den Gegendemonstrationen auf einer Parallelstraße, nicht als Marsch gilt, dann stimmt das wohl auch einfach.

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  9. 13 Februar 2010

    Dresden - es geht um die Opfer - immer

    Die tausenden Kinder, Frauen und Männer von Dresden waren so unschuldig wie die Toten von Sheffield oder Guernica. Es geht darum, Krieg zu verhindern. Nicht Opfer zu Tätern zu machen, oder Täter zu Opfern. Aus diesem Grund sind wir gegen Faschisten.

    Wie wichtig es ist, sich rechtzeitig Gedanken über Bombenkrieg zu machen, zeigt auch der Angriff bei Kunduz. Es war nicht mutig, Menschen aus der Luft zu töten und nachher beten zu gehen.

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  10. 11 Februar 2010

    Doping-Verdacht ohne Folgen

    Heute gehen Meldungen durch die Nachrichten, dass die Welt-Anti-Doping-Agentur laut Kommunikationsdirektor Mark Adams 30 Sportler an der Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Vancouver hindern will. Sie seien im Vorfeld positiv gestestet worden. Angeblich soll es gegen 20 Uhr MESZ auf einer Pressekonferenz Neuigkeiten geben. Auch sollen in Zukunft Listen erstellt werden, auf denen Athleten die Namen ihrer Ärzte, Manager und Betreuer angeben müssen, damit das dopende Umfeld besser verfolgt werden kann. Hat das IOC in Sachen Doping dazugelernt? Vielleicht. Betrachtet man die Doping-Anschuldigungen der letzten Tage, vor allem durch Recherchen von ARD und ZDF ans Tageslicht geholt, kann aber auch ein anderer Eindruck entstehen. Denn obwohl sich die Ermittlungen der Turiner Winterspiele bis heute ziehen und tausende Seiten Ermittlungsakten zusammen gekommen sind – Sportler werden offenbar kaum bestraft.

    30 italienische Polizisten umstellen im Dunkeln zwei Häuser österreichischer Sportler, Räume werden durchsucht, Säcke voller Beweismaterial abtransportiert. Die Szenen aus San Sicario und Pragelato, wie aus einem Kriminalfilm, immer wieder werden sie im Fernsehen gezeigt. Die Botschaft: Hier wird aufgeräumt, Polizei und Sport arbeiten zusammen, die Betrüger werden bestraft.

    Heute, knapp vier Jahre nach der spektakulären Turiner Doping-Razzia stehen in Wien tausende Seiten Ermittlungsakten im Schrank: Zur Blutbank Humanplasma und zum österreichisch-europäischen Doping-Geflecht. Dutzende Namen von Sportler sind an die Öffentlichkeit gekommen. Es gibt Geständnisse, eingeleitete und eingestellte Verfahren. Und es gibt, noch einmal verschärft durch die Doping-Dokumentationen von ARD und ZDF (in den nächsten Tagen noch in den Mediatheken zu finden), schwere Anschuldigungen gerade auch gegen erfolgreiche deutsche Wintersportler.

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  11. 6 Februar 2010

    “Wir haben gute Chancen, unser Ziel zu erreichen”

    Live von der Landesdelegierten-Konferenz der NRW-Grünen: Ein Interview mit Volker Beck, dem ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der grünen Bundestagsfraktion, über Koalitionsaussagen und -perspektiven seiner Partei.

    Herr Beck, die SPD ist Wunschpartner der NRW-Grünen, eine Jamaika-Koalition mit FDP und CDU schließt Ihre Partei aus, Schwarz-Grün nicht unbedingt. Ist das eigentlich eine klare Koalitionsaussage? Ja, denn wir sagen, was wir inhaltlich wollen. Dafür werden wir kämpfen. Ich hoffe auf eine eigenständige Mehrheit für Rot-Grün.

    Ist diese Hoffnung wirklich realistisch? Die schwarz-gelbe Mehrheit ist futsch, die FDP befindet sich im Sinkflug. Wir haben gute Chancen, unser Ziel zu erreichen.

    Und wenn nicht: Was ist dann mit der Linken, was ist mit Rot-Grün-Rot, insbesondere nach den Erfahrungen in Hessen? Die SPD in Hessen hat Management-Fehler gemacht. In NRW ist die Situation politisch ganz anders.

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  12. 6 Februar 2010

    Update: Projekt schwarz-grün: Landesdelegiertenkonferenz in Essen

    gruene_fraktionnrwJürgen Rüttgers hat's gut, Angela Merkel hat's gut: Rechts und links nur willige Juniorpartner, und wer das nicht ist, also Die Linke, treibt ihnen ebenjene geradezu ins Himmelbettchen. Heute und morgen also Landesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90 / Die Grünen in Essen. Kann sich die Koma- sorry Klimakanzlerin auf gut aufgestellte und - im Gegensatz zur FDP - regierungsfähige Koalitionspartner freuen? Dazu die nächsten Stunden live und mit Updates aus der Messehalle West der Gruga.

    17.00: Inzwischen redet Barbara Steffens, verheiratet mit einem CDU-Regierungspräsidenten, zum Thema "Soziales NRW: Für Gerechtigkeit und Zusammenhalt" und sagt (in dem Sinne): "Wer soziale Kompetenz in NRW mit der SPD gleichsetzt, hat nichts verstanden." Und um kurz nach vier ging folgendes aus einem Interview mit Renate Künast für "Bericht aus Berlin" über die Ticker: “Eigentlich haben wir politisch die größten Schnittmengen mit der SPD, aber wir können nicht darauf warten, dass die SPD dann immer hinreichend groß ist, und eines ist sicher: der Machtinstinkt der Grünen ist groß.“ S.a. hier. Die Details hier wiegen schon nicht mehr so schwer wie die strategische Ausrichtung, aber es wird weiter tapfer freundlich gestritten. (Letztes Update)

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  13. 1 Februar 2010

    Und jetzt mit Bewegungssimulation…

    rodenbuecherEs geht mal wieder um die Rettung der Welt - ach was, wahrscheinlich wird die ganze Milchstraße sauer, wenn nicht schnell gehandelt wird. Und deswegen wurde ein Verein gegründet. Er nennt sich "Die solidarische Moderne."

    An Bord: Die bekannten Retter der Welt, ohne die wir wahrscheinlich schon seit Jahrzehnten nicht mehr leben würden: Elmar Altvater, Franz Alt, Andrea Ypsilanti - dazu ambitionierte Hinterbänkler wie der Dortmunder SPD-Abgeordnete Marco Bülow, der natürlich ganz unrebellisch für die Netzsperren stimmte, oder aufstrebende Linkspartei-Talente wie Katja Kipping und noch ein paar andere. Die haben einen Gründungsaufruf für eine Solidarische Moderne geschrieben. Der Tenor: Es ist grauenhaft, alles. Und es wird immer schlimmer: "Die Probleme unserer Welt sind offenkundig: von den ökologischen und wirtschaftlichen Grenzen des bisherigen ressourcenvernichtenden Wachstums bis zum gravierenden Gefälle zwischen individueller Reichtumsanhäufung und um sich greifender Armut, von der alltäglichen Missachtung der Menschenrechte bis zu vielen neuartigen Konflikten und Friedensgefährdungen. "

    Aber wie gut, dass es noch gute Menschen gibt, die sich um einen neuen Politikansatz sorgen und ein Crossoverinstitut gegründet haben - eben die solidarische Moderne: "Die Zeit ist reif für neue Ideen. Das Institut Solidarische Moderne sucht nach ihnen: offen für Neues, vernetzt im Denken, kollektiv im Handeln. Fragend schreiten wir voran – und wir werden Antworten finden, die eine andere Republik, eine andere Gesellschaft, eine andere Welt möglich machen, hier und jetzt, vor unseren Augen, gemeinsam. Dabei wollen wir nicht unter uns bleiben. Wer die Solidarische Moderne mitgestalten will, ist herzlich willkommen!"

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  14. 30 Januar 2010

    Nacktscanner - wir sollten etwas für unsere Würde tun.

    nacktscanner

    Norbert Hense, Piratenpartei-Mann oder zumindest Sympathisant, hat eine Online-Petition gegen den Nacktscanner gestartet. Er will nicht, dass der Bundestag diesen Eingriff in unsere Würde erlaubt. Wenn bis zum 23. Februar mehr als 49.999 Menschen die Petition mit unterschreiben, muss sich der Petitionsausschuss des Bundestages mit diesem Anliegen befassen. Wir unterstützen die Petition. Denn auch wir bei den Ruhrbaronen finden, dass der Nacktscanner ein nicht hinnehmbarer Eingriff in die Würde des Menschen ist und damit gegen das Grundgesetz verstößt. Hier ein Beitrag dazu: Unsere Würde ist antastbar.

    Die Petition lautet:

    Der Deutsche Bundestag möge sich dafür aussprechen keine Ganzkörperscanner (auch Nacktscanner genannt) an deutschen Flughäfen zuzulassen.

    Begründung:

    Der Einsatz von Nacktscanner ist ein tiefer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Flugreisenden und ein Angriff auf die Menschenwürde die durch Artikel 1 des Grundgesetzes besonders geschützt ist.

    Wer mitzeichnen will, muss hier klicken.

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  15. 25 Januar 2010

    Liberalismus als Karikatur

    In den 90er Jahren war die FDP kaum mehr als eine Clownstruppe und der Liberalismus nahe dem Tod. In den vergangenen Jahren überzeugte liberales Gedankengut immer mehr Wähler. Viele von ihnen werden mittlerweile daran zweifeln, dass die Wahl der FDP die richtige Entscheidung war.

    14,6 Prozent – die Bundestagswahl 2009 brachte die FDP nicht nur zurück in die Regierung sondern bescherte der Partei auch ihr bestes Bundestagswahlergebnis aller Zeiten.

    Man kann getrost davon ausgehen, dass kaum ein FDP-Wähler sich die Mühe gemacht hat, das Programm der FDP zu lesen. Aber die Wähler hatten eine Vorstellung davon, was liberal ist wie SPD-Wähler eine Idee davon haben, was sozial ist und CDU Anhänger wie konservative Politik aussieht. Und nicht alle FDP-Wähler waren Steuerberater, Hotelbesitzer oder Apotheker.

    Liberale Politik, werden sich die meisten gedacht haben, setzt auf den Markt und will die Eingriffe des Staates zurückfahren. Liberale Politik steht für einen Sparkurs bei den öffentlichen Ausgaben, für Subventionsabbau, für mehr wirtschaftlichen Freiheit, die nur mit der Bereitschaft zu mehr persönlichem Risiko zu haben ist und für eine Politik, welche die Bürgerrechte schützt, nach Möglichkeit ausbaut und die persönliche Freiheit der Bürger verteidigt.

    Und ja klar, weniger Steuern wären schön, aber an die dürfte kaum ein FDP-Wähler vor der Wahl geglaubt haben. Krise und so. Ein einfacheres Steuersystem und keine höheren Belastungen hätten den meisten gereicht.

    Die FDP hat ihren Wahlerfolg den Menschen zu verdanken, die eine vage Idee davon hatten, was liberale Politik ist - und nicht wenige von ihnen hat die FDP innerhalb weniger Monate tief enttäuscht.

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  16. 24 Januar 2010

    Helmut Schmidt zu Afghanistan

    Morgen will die SPD-Spitze mit dem Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt über die Afghanistan-Politik der Genossen reden. Ich denke Schmidt will auch da raus. Lieber heute als morgen. Hier ein Paar Zitate von ihm aus dem Jahr 2007:
    In Afghanistan geht es in erster Linie um Menschen, die unter dem 11. September des Jahres 2001 gelitten haben, das heißt um die Bekämpfung von al-Qaida und nicht der Taliban. Das Argument, Menschen in Not mit dem Einsatz von Waffen zu helfen, hat es bis 1990 nicht gegeben. Es hat immer das Argument gegeben, ihnen finanziell und handelspolitisch beizustehen. Entwicklungshilfe ist ein gutes Konzept, das seit Kriegsende gegolten hat. Das Völkerrecht verbietet die militärische Intervention in einem souveränen Staat, wie schwach oder stark er innerlich auch sein mag. Uns stellt sich nicht die Aufgabe, Afghanistan davon abzubringen, Mohn anzubauen. Eine zivile Gesellschaft aufzubauen ist kein Grund, dort einzugreifen. Der Grund für die Intervention war ausschließlich al-Qaida; und inzwischen ist al-Qaida nach Pakistan gezogen. Sollen wir demnächst auch dort einmarschieren?

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  17. 24 Januar 2010

    Nacktscanner - unsere Würde ist antastbar

    Ich vermisse in der Diskussion um die Einführung der Nacktscanner an den Flughäfen einen Punkt, der mich persönlich wütend macht.

    Foto: Flughafen Dortmund

    Was habe ich verbrochen, dass ich mich vor unterbezahlten Hilfskräften nackig machen soll?

    Ich bin ein durchschnittlicher, weißer Deutscher. Ich bin kein Terrorist und ich will keiner werden. Ich finde unseren Staat im Prinzip super-besser jedenfalls als alles was es sonst auf der Welt so gibt. Vielleicht nicht ganz so toll, wie Norwegen, aber knapp dahinter. Ich habe nichts verbrochen.

    Wieso soll ich mich also nackt betrachten lassen?

    Mich ärgert es jetzt schon, wenn die privaten Wachdienste am Flughafen in meine Taschen schauen. Das sind irgendwelche Vögel. Die haben keine hoheitlichen Rechte und Pflichten. Das sind keine Polizisten, das sind unterbezahlte Wachdienstler.

    Wieso dürfen die in meine Sachen schauen.

    Ich war mal in Düsseldorf so ziemlich alleine im Sicherheitsbereich. Da wollte einer der Hiwis in meine Klamotten gucken. Ich hab ihn gefragt, welchen Verdacht er gegen mich hat. Auf dem Bildschirm beim Durchleuchten sei doch nichts zu sehen gewesen, was den Schluss nahe legt, dass ich Terrorist wäre. Er hat mir gesagt, die Hilfskräfte müssten in eine bestimmte Menge Taschen je Stunde schauen, das sei so vertraglich festgelegt. Und wenn wenige Leute da wären, müssten sie halt in jede Tasche, also auch in meine, schauen. Egal ob da was auf dem Bildschirm zu sehen ist oder nicht.

    Ich habe gefragt, was passiert, wenn ich mich weigere, weil es keinen Grund gibt, in meine Tasche zu sehen und in meine Privatsphäre einzugreifen.

    Dann würde ich zu einer Körperuntersuchung weggebracht, hat der Hiwi gesagt. Da müsste ich mich dann ausziehen und man könne mir in den Arsch sehen.

    Aha. Ich hab ihn dann in meine Tasche sehen lassen.

    Ich kann also gezwungen werden, zu akzeptieren, dass irgendwer ohne Verdacht und ohne hoheitliche Befugnisse in meine Privatsphäre eingreift. Ich soll das normal finden.

    Ich finde das ärgerlich.

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  18. 23 Januar 2010

    Verfrühter politischer Nachruf auf Oskar Lafontaine

    Ich kann mich erinnern, als Oskar Lafontaine damals hinschmiss, da war er SPD-Chef und Finanzminister. Ein paar Tage später saß mein Onkel auf unserer Terrasse in Bottrop und hat fast geweint, mit Tränen in den Augen saß er da.

    Er kam sich verraten vor, verlassen, alleine gelassen mit all den Clements dieser Welt, die mit den Stimmen der Arbeiter an die Macht kamen, um danach Aufsichtsräte von Gazproms und Zeitarbeiters Gnaden zu werden.

    Mein Onkel hat also geweint, oder sagen wir fast geweint. Oskar war weg. Mein Onkel hat Oskar im Wahlkampf geholfen. In jedem Wahlkampf in dem Oskar mitgemacht hat. Er hat für ihn Plakate geklebt und hat Wahlkampfautos gefahren. Er war an Wahlständen hat dort diskutiert und Flyer verteilt. Er hat an Oskar geglaubt.

    Mein Onkel war stolz, wenn Oskar kam nach Bottrop, dann waren die Marktplätze voll. Da reichte es aus, eine Notiz in der Zeitung zu bringen, und die Menschen kamen, sagt mein Onkel. Nicht ganz wie bei Willy, aber fast. Bei Peer Steinbrück oder Hannelore Kraft, müssen persönliche Einladungen verschickt werden, mit Rückantwortschein und der Mahnung um Erscheinen. Und dann kommen doch zu wenig. Die SPD geht in Bottrop in Säle, die mit Wandverhängen verkleinert werden können, falls zu wenige Leute erscheinen.

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  19. 23 Januar 2010

    Kraft: Parteisoldatin ohne Perspektive

    Schwarz-Gelb verliert in den Umfrage seine Mehrheit. Die SPD gewinnt dazu - und doch wird Hannelore Kraft davon nicht profitieren

    Immer wieder gibt es Menschen in Parteien, die einen sehr undankbaren Job haben: Sie müssen mit viel persönlichem Einsatz ihre Partei in einer Zeit stabilisieren, in der sie keine Machtperspektive hat. Sie legen mit ihrer Arbeit und mit ihrer persönlichen Niederlage die Grundlage für spätere Sieger. Hans-Jochen Vogel war so jemand. Und Hannelore Kraft ist auch so jemand: Schwarz-Gelb im Bund macht einen so erbärmlichen Job, dass sich auch der gutwilligste Wähler dieser Koalition nur vor Grauen schütteln kann und auch in NRW sieht es nicht gut aus: Komplettausfälle wie Uhlenberg, Sommer und Müller-Piepenkötter und der schmierige Kampf gegen kritische Medienvertreter lassen die Erfolge der Rüttgers-Regierung wie den Bau neuer Hochschulen oder die Reformen im Bereich der Landesverwaltung verblassen. OK, auch unter Kraft ist die SPD in NRW nicht gerade eine sprühende Innovationsmaschine mit vielen Ideen geworden sondern nur der langweile Haufen der sie immer war, aber offensichtlich trauen ihr immer mehr Menschen zu, das Land zumindest halbwegs skandalfrei zu führen: Bei der gestern vom WDR veröffentlichten Umfrage kommt die SPD auf 32 Prozent und die Union nur noch auf 36 Prozent. Die Mehrheit für Schwarz-Gelb ist weg und sie wird nicht wiederkommen. Vor allem die plumpen Versuche der Bundesregierung die unangenehmen Nachrichten erst nach der NRW-Wahl zu verkünden nutzen nichts - die wenigsten Menschen schätzen es, wenn man sie für dumm verkauft will. Aber für Kraft wird das nicht reichen: Sie wäre in NRW auf eine Linkspartei angewiesen, mit der die SPD nicht kooperieren kann: Antisemiten, Trotzkisten, Stalinisten - was sich in diesem integranten Haufen alles so tummelt, kann keine Partner der SPD sein. Krafts einzige Regierungsperspektive ist die große Koalition - SPD, Grüne und FDP in NRW, das ist zwar theoretisch denkbar, wäre aber sehr schwierig. Die mangelnde Perspektive wird den Aufstieg der SPD stoppen. NRW könnte Schwarz-Grün werden.

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  20. 22 Januar 2010

    Afghanische Wirrungen bei der SPD

    Ein alter Hut wird nicht neu, auch wenn man ihn verkehrt herum aufsetzt. Die SPD und Frank-Walter Steinmeier eröffnen mit der heutigen Afghanistankonferenz in Berlin die Debatte um eine neue Afghanistanstrategie der SPD.

    Bild: US Army

    Die Diskussion der Genossen fußt jedoch auf einem morschen Balken, dem Strategiepapier Steinmeiers aus einer Zeit als der noch Minister war und was zu sagen hatte.

    Unter Punkt zwei der Strategie steht:

    „2. Ein Neuanfang mit der neuen afghanischen Führung Der neue Präsident muss das Ergebnis legitimer Wahlen sein. Und fest steht: Ein einfaches. “Weiter So“ darf es nach der Wahl in Afghanistan nicht geben. Von Beginn an müssen wir von der neuen Regierung entschlossene Schritte beim Grundrechtsschutz, bei Bekämpfung von Korruption, Misswirtschaft und organisierter Drogenkriminalität einfordern. Stärker als bisher muss die Int. Gemeinschaft geschlossen darauf drängen, dass korrupte Elemente aus ihren Ämtern entfernt werden. Dazu muss unsere Hilfe wo nötig an eine strenge Konditionalität gebunden werden.“

    Lesen die Genossen keine Zeitung oder schauen kein Fernsehen? Wie kann man dieses Papier als Grundlage für die heutige Diskussion nehmen? Die beschriebene Premisse ist nämlich schon von der afghanischen Realität erledigt. Der neue Präsident in Afghanistan ist der alte. Korruption, Misswirtschaft und Drogenkriminalität sind weiterhin Teil der afghanischen Administration unter dem glücklosen Hamid Karzai. Dessen Wiederwahl war zudem noch offener Betrug.

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  21. 22 Januar 2010

    Kreativwirtschaft: Don’t Believe The Hype…

    Christoph M. Schmidt, Wirtschaftsweiser und Präsident des RWI, hält nicht viel davon, dass das Ruhrgebiet im Moment auf Kreativwirtschaft setzt. Er geht davon aus, dass das Ruhrgebiet erst wieder ein starker Wirtschaftsstandort werden muss, bevor es mit der Spaßindustrie klappen kann.

    Nach Ansicht von Schmidt braucht man auch für diese Aufgabe Kreativität, aber eben die Kreativität der Ingenieure, Techniker und Intellektuellen. Man braucht dafür Bildung, Forschung und Investitionen. Und nicht unbedingt neue Theater.

    Schmidt sagt, wenn man harte Fakten im Revier geschafft hat, dann klappt's auch mit der Kreativwirtschaft - und zwar automatisch. Es geht um "Substanz", bevor man die "schönen Seiten des Lebens genießen" kann.

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  22. 20 Januar 2010

    SPD NRW - Zwischen Matschie und Ypsilanti

    Nach der Landtagswahl am 9. Mai könnte es für eine rot-rot-grüne Mehrheit an Rhein und Ruhr reichen. Doch die Sozialdemokratie verweigert eine klare Aussage über ihre einzige realistische Koalitions-Option. Denn Hannelore Kraft, Chefin der NRW-SPD, fürchtet die »Kraftilanti«-Falle – und tappt genau deswegen hinein.

    Gebetsmühlenartig wiederholt Hannelore Kraft ihr Credo: »Wir suchen die Auseinandersetzung mit der LINKEN, nicht die Zusammenarbeit!« Von dieser Sprachregelung weicht die Partei- und Fraktionschefin der NRW-SPD keinen Deut ab. Wird die sozialdemokratische Spitzenkandidatin also gegebenenfalls darauf verzichten, sich nach der Landtagswahl im Mai 2010 zur Ministerpräsidentin küren zu lassen? Oder wird sie doch auf die Stimmen der LINKEN setzen, wenn es gilt, das Ruder im bevölkerungsreichsten Bundesland zu übernehmen?

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  23. 18 Januar 2010

    Gorny: “Berlin ist langsam satt…”

    Dieter Gorny Dieter Gorny ist als Direktor der Kulturhauptstadt RUHR.2010 für den Bereich Kreativwirtschaft verantwortlich. Der Gründer des Musikkanals VIVA erklärt im Interview, warum das Dortmunder U keine Museum werden darf, es im Ruhrgebiet genung Konzerthäuser gibt und welche Chancen die legendäre Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet hat

    Kreativquartiere in Dinslaken, Dorsten und Unna – Ist das nicht wieder die typische Kirchturmpolitik, die wir im Ruhrgtebiet seit Jahrzehnten kennen und bei der es nur darum geht, dass jeder etwas vom Kuchen abbekommt? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, sich auf die drei Quartiere im Revier zu konzentrieren, die wirklich die Chance haben, sich weiter zu entwickeln: Essen-Rüttenscheid, das ViktoriaQuartier in Bochum am Bermudadreieck und das Klinik- und Kreuzviertel in Dortmund in der Nähe des Dortmunder U? Ja und nein. Erstens: Dinslaken ist eine Ausnahme. Dort geht es darum, über das Vehikel Kreativquartier eine Diskussion zwischen den verschiedenen Interessengruppen, den Planern, der Politik und der Wirtschaft, über die Entwicklung eines urbanen Quartiers anzustoßen. Da geht es auch um das Selbstverständnis als Stadt, und diese Diskussion hat in Dinslaken viel bewegt. Unna wird kein Kreativquartier im herkömmlichen Sinn, sondern eine Bildungs- und Weiterbildungsstätte. Der Ort, das alte Durchgangslager in Massen, ist so skurril, dass man damit etwas machen muss. Dort kann man kontemplativ über Zukunft nachdenken. Wir werden dort Kongresse veranstalten, aber planen keine Ansiedlung von Unternehmen.

    Ursprünglich sollten sich dort aber Künstler ansiedeln. Die Idee ist leider nicht realisierbar. Wir mussten einsehen, dass so etwas an diesem Standort entweder gar nicht oder nur mit sehr hohen Subventionen möglich gewesen wäre. Bei den von Ihnen genannten Quartieren sieht das alles anders aus: Sie haben so zentrale Lagen, dass man aus ihnen etwas machen kann. Aber wir sind immer noch in der Vorbereitungsphase.

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  24. 7 August 2009

    Mohamed war ein Prolet…

    . . . und noch ein paar Fußballgeschichten, weil es gleich wieder losgeht!

    Für mehr als 30 Millionen Euros soll Traditionsclub und Viertligist Rot-Weiß Essen nun endlich doch ein neues Stadion bekommen kick. Ein Steinwurf entfernt vom alten Georg-Melches Stadion fällt deshalb am Samstag, High Noon, der feierliche symbolische Startschuss für die neue rot-weiße Spielstätte. Eine der letzten Amtshandlungen des scheidenden OB Wolfgang Reiniger (CDU). Immerhin ist das neue Stadion mit vier Tribünen geplant und damit gegenüber dem bisherigen Traditionsbau (3) klar im Vorteil. Klar im Nachteil sind Fußballtraditionalisten im Essener Norden. Statt Georg Melches - dem für die meisten vor allem nur noch rätselhaften Namen des Cluburvaters kick - soll die neue Arena laut "derwesten" einen Namenssponsor aus der Wirtschaft bekommen…

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  25. 7 Juli 2009

    Ein Hoch auf DPA, die wissen alles!

    Der Tusch des Tages geht heute mal an die DPA, denn: die wissen alles. Und zwar vor allen anderen. Heute um 9.12 Uhr flatterte eine Agenturmeldung in die angeschlossenen Redaktionen. Nicht wirklich interessant, aber es ist schließlich Sommerpause im Fußball. "Ergebnisse und Tabelle des Concacaf-Gold Cup" in den USA. Gruppe A aus Columbus, Kanada und El Salvador trennen sich 0:0, Jamaika und Costa Rica trennen sich 1:1, zur Pause führte Jamaika. Doch seit kurz nach zehn gibt es eine andere, eine Eilmeldung auf DPA ...

    Foto: Ruhrbarone beim Abnehmen des "Tusch des Tages"  (flickr.com)

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  26. 4 Juli 2009

    Auf die befreite Tour!

    Die große Schleife ist für mich immer noch die Orangina im Dorfbistro. Sommeraugen, die sich nur langsam gewöhnen an den Schattenraum hinter der Markise. Der Fernseher klebt wie ein Spinnennetz an der Zimmerecke, bringt 20 Tage Sirenenhupe mit Schluckauf, Tourfunk. Gleich beginnt die 96. Tour de France - eine Hymne, trotz allem!

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  27. 1 Juli 2009

    Wer gegen wen? Wie die Funzelliga startet

    Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Im Frühjahr wurde die Einführung der Funzelliga vom außerordentlichen DFB-Funzeltag in Düsseldorf abgenickt. Und morgen, Donnerstag 2. Juli um 11 Uhr ist es soweit. Die Liga stellt - natürlich live - den Spielplan für die beiden ersten Funzelligen vor, die am Freitag, 7. August mit dem "obligatorischen Freitagspiel" starten. Und wetten, dass zum Auftakt Magaths Schalke auf Ex-Magaths Wolfsburg trifft?!

    Abb: ruhrbarone.de

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  28. 28 Juni 2009

    Das Lokal-Pokal-Derby

    Ende Mai schlug Niederrheinligist VfB Speldorf den Traditionsclub Rot-Weiß-Essen, qualifizierte sich damit für die erste Hauptrunde im DFB-Pokal. Auf der Homepage der Mülheimer hieß es schon: "Vielleicht kommt Bayern, vielleicht kommt Schalke, vielleicht Dortmund!" Nun: Es ist viel leichter. Zweitligist Rot-Weiß-Oberhausen gastiert in der "Blötte" . Und das ist mal ein lokales Pokalderby! Die Stadien liegen 14 Kilometer auseinander, zwischen den Geschäftsstellen kaum fünf Kilometer.

    Aber: Achtung Speldorfer vor Oberhausen! Nach zwei Jahren Aufbauarbeit,

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  29. 12 Juni 2009

    Zehn Geschichten über Klaus Steilmann

    Grafik: ruhrbarone, Foto: klick

    "Der schönste Tag in meinem Leben", war für Klaus Steilmann natürlich der 11. Dezember 1992 - um zwanzig nach neun. Die SG Wattenscheid hatten den VfL Bochum durch zwei Tore von Suleyman Sané besiegt. Sowieso eine gute Spielzeit für Steilmann. Am Ende der Saison stieg Bochum ab. Und Wattenscheid schaffte als 14. den Klassenerhalt.

    Den zweitbesten Tag Steilmanns Leben war dieser gewonnene Grand ohne vier, im März 1984. Manchmal ärgert er sich noch heute, nicht Re gesagt zu haben.

    Seine beste Tat, verriet der Textilunternehmer nur engsten Vertrauten,  war die Verpflichtung von Michael "Ata" Lameck für seinen Betrieb und die Klaus Steilmann Traditionsmannschaft. weniger weil Lamek ein ganz passabler Mittelfeldspieler ist, mehr weil…

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  30. 9 Juni 2009

    Zur Sprache des Fußballs

    Es begann mit einer Abseitsstellung. Mitspieler Sul. war schon wieder unzufrieden mit der Schiedsrichterentscheidung, zeterte und meckerte, wollte sich gar nicht mehr beruhigen. Der Referee zückte die gelbe Karte. Spieler Sul. war immer noch auf Touren und kommentierte die Verwarnung mit einer abwertenden Handbewegung. Also nestelte der Schiri nach der roten Karte, zeigte sie Sul. und sagte zum zornigen Feldspieler: "Das ist eine Missbilligung". Das konnte Sul. natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Er konterte: "Bist selber eine Missbildung". Verließ aufreizend langsam das Spielfeld. Buhrufe beider Mannschaften. Da sage noch einer, die Sprache des Fußballs ist international.

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  31. 6 Juni 2009

    Dinge, für die die Finanzkrise leider zu spät kam

    Die Finanzkrise ist Mist. Menschen müssen kurz arbeiten, oder gar nicht mehr. Länder gehen Pleite. Banken, Versicherungen und Konzerne sowieso. Dazu feiert Vater Staat ein Comeback, durch das selbst Martin Schulz (SPD) aus Würselen ein bisschen wie Barack Obama klingt. Die Finanzkrise hat aber auch guten Seiten: Wettbüros, die so tun, als wären sie Banken, finden wir jetzt doof. Genauso künstliche Palmeninseln vor Dubai, das fernöstliche Hochhauswettrüsten, den Rhein für Hochseedampfer ausbaggern. Doch für manche Dinge kommt die Finanzkrise zu spät. Heute: Die Siemens cookingLounge.

    Abbilddungen: ruhrbarone

    In der Bayern München Spielstätte von Fröttmaning direkt neben einer Mülldeponie, diesem Stadion am Ende der Welt, das seine Außenhaut wie ein Chamäleon verfärben kann und doch nur aussieht wie…

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  32. 4 Juni 2009

    Der Bilderbuchtorwart

    Manuel Neuer hat sich jemand ausgedacht. Der Fußballgott? Ein Forscher? Vielleicht die Fügung. "Der Junge" (Werner Hansch) ist der perfekte Torhüter. Auf Jahrzehnte unbesiegbar. Ein Jahrhunderttalent. Und jetzt wollen ihn die Bayern. Natürlich. Eine Hommage aus gegebenem Anlass.

    Grafik: ruhrbarone.de

    Manuel Neuer ist Ian Thorpe unter den Fußballtorleuten. Hände wie Bratpfannen, Finger wie Bratwürste. Statt Arme Adlerschwingen. Ein Schrank von Kerl. An Neuer ist kein Vorbeikommen, wenn er sich groß macht, breit, wenn er auf die Stürmer zuhüpft, aufrecht, zögernd, wie ein Riesenochsenfrosch. Neuer hat Fäuste wie Diamant, eine Sprungkraft wie Spiderman. Dazu Herz, Gemüt, Zähne, ein Grinsen.

    Manuel Neuer hat gejubelt und geweint mit Schalke. "Der Junge" (Werner Hansch) aus Gelsenkirchen-Buer hat noch die Eurofighter siegen sehen und die Meisterschaft flöten gehen. Wenn er sich freut,



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  33. 22 Mai 2009

    Finale Trainerdiskussion

    "Noch zwei Siege, dann ist der Drops gelutscht." (Felix Magath)

    Ich mochte Schalkes Trainer Fred Rutten, das Rudi-Völler-Double, der sich nicht nur der Bundesliga übervorsichtig näherte. Ich habe mit ihm einmal in der Arena warme Curry-Suppe aus einem Glasfläschchen gesaugt, als er mich fragte, "waas is daas". Ich anwortete: "Suppe. Rutten: "Ah, Schuuppe." Es ist wirklich schade, dass er gehen musste - vor allem deshalb: Mein Lieblingstrainer war für einige Monate nicht mehr der farbloseste, vorsichtigste, ja, langweiligste seiner Zunft.

    Marcel Koller hat in dieser Saison nur zwei Fehler gemacht: Er hat sich nach Fankritik dazu breit schlagen lassen, einen Fanschal zu tragen, der nicht zu ihm passte. Wenigstens ließ er sich nicht auf den albernen Trainingsanzug und Fußballschuh-Nummer ein! Und er hat…

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  34. 23 April 2009

    Demo vorm Derby

    Foto: Ruhrbarone

    Schalke oder Dortmund? Morgen fällt die Entscheidung im Museumsderby. Und zwar in Düsseldorf. In der Messe tagt der außerordentliche Bundestag des Deutschen Fußballbundes und die 260 Delegierten werden in geheimer Wahl entscheiden, wo das Deutsche Fußballmuseum hin kommt: Neben die Schalke-Arena? Oder auf das Gelände am Dortmunder Hauptbahnhof. Viel kommt an auf die Performance der Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer und Frank Baranowski. Aber noch mehr auf die Stimmung der Abstimmer.

    Da die nicht beteiligten Landesverbände - wie etwa der Bayrische Fußballverband - ihren Delegierten freie Hand lassen bei der Entscheidung pro Gelsenkirchen oder pro Dortmund, ist der Ausgang ziemlich offen. Und was den Gelsenkirchener Bemühungen die Suppe versalzen könnte, hat nichts mit dem Fußballmuseum, dem Standort Schalke, mit Finanzierung oder Präsentation zu tun. Sondern mit dem anderen großen Thema des DFB-Bundestags.

    Beschlossen werden soll dort nämlich



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  35. 27 März 2009

    (Update) Es gibt nur ein…

    . . . Rutti Völler (klick)

    Der FC Schalke sucht bekanntlich händeringend noch einen neuen Trainer-Manager, oder beides. Nach DFB-Mann Oliver Bierhoff (Absage), VW-Mann Felix Magath (Absage), China-Mann Olli Kahn (kicker meldet gerade: auch Absage!), haben sie sich jetzt an Nationalheld, Ex-Bundestrainer und Leverkusens Manager Rudi Völler herangemacht. Für den professionellen Fleischbeschauer Clemens Tönnies passe "Rudi Völler zu 100 Prozent". Stimmt, Herr Tönnies! Vor allem optisch.

    Montage: Ruhrbarone…

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  36. 20 März 2009

    Kahn weniger geil?

    Oliver Kahn ein Schalker? Vereinsboss Clemens Tönnies geil auf den Titan. Nicht ganz. Den Ruhrbaronen wurde nun folgendes, peinliches Fotodokument zugespielt. Der damalige Bayern-Keeper würgt den Hals von Schalkes Stürmer Sören Larsen (klick).

    Zwei Jahre ist das her. Und vor acht Jahren tat Kahn das gleiche (klack) mit einer Eckfahne im HSV-Stadion. Der Anlass dürfte auf Schalke bekannt sein. Und nun? Wird es nun doch nichts mit dem Mega-Deal, dem Titan auf Schalke? Rätselhaft ist Schalke.…

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  37. 20 März 2009

    Geil auf Kahn

    Oliver Kahn ist genau der richtige Manager auf Schalke. Denn er ist längst einer. Nein, nicht Manager. Aber Schalker. Insgeheim. Die Ruhrbarone-Bildergalerie beweist das.

    Wie anders sind die wiederholten Zusammenstöße ausgerechnet mit Schwarz-Gelben Trikotträgern aus Dortmund zu erklären, ob Andreas Möller, Heiko Herrlich oder Stephan Chapuisat? Und was brauchen sie im Berger Feld! In schwierigen Zeiten! Wenigstens der Olli weiß, wie man mit den lästigen Konkurrenten im Osten umspringt.

    Kein Wunder dass Ausichtsratschef Clemens Tönnies sich gestern nach dem Gespräch mit Kahn in ausgesprochen wuschiger, läufiger, ja, spitzer Laune der Presse zeigte. Kahn sei ein geiler Typ", Schalke ein "geiler Club" und in zwei, drei Wochen werden sie sich wieder zusammen setzen. Das gestrige Treffen von Rheda-Wiedebrück war übrigens so welt- und revierbewegend, dass…

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  38. 9 März 2009

    Ausgemüllert

    Als ich ihn das letzte Mal gesehen haben, es war Ende Januar, da hatte Schalke Manager Andreas Müller die Sache schon hinter sich gelassen. Zum Rückrundenauftakt wurde die Sportpresse ins runderneuerte Schalke-Museum geladen. Müller verdrückte sich lange in einen Tunnel mit Videoaufnahmen aus Schalker Tagen. Besonders intensiv, fast regungslos besah er sich den Film über die Eurofighter, seinen UEFA-Pokal-Sieg; - glühte sein Gesicht hinterher ein wenig?

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  39. 27 Februar 2009

    Schottische Notiz: Motherwell, Fir Park

    Vor einem Jahr lag ein Blumenberg vor dem Fir Park, Motherwell. Erst im Frühjahr hatte das Team wieder Tritt gefasst. Ihr Mannschaftskapitän Phil O'Donnell war Ende Dezember 2007 auf dem Spielfeld  zusammengebrochen und im Krankenwagen verstorben, mit 36. Heute sind die Motherwell-Spieler eher Jahrgang 1989. O'Donnells Neffe spielt im Sturm. Auf den Kindertrikots im Fanshop steht Phil. Und auch das Spielfeld neigt sich Richtung Haupttribüne - dem O'Donnell-Stand.

    Diesen Winter überlebte dann die Rasenheizung nicht. Mehr Sand als Gras. Zu Gast ist Celtic Glasgow. Für sie geht es um die Tabellenführung, für Motherwell ums Kasse machen. Hinterm Tor überragt eine zweistöckige Tribüne das Stadion. Nur zu den Schlagerspielen gegen die zwei Großclubs aus Glasgow wird…

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  40. 11 Februar 2009

    Antideutsche Fußballgedanken

    Die Antideutschen sind bekanntlich junge, ziemlich obskure Menschen, die meinen, der Kapitalismus würde sich nur durch immer mehr Kapitalismus überwinden lassen, weshalb sie aus Prinzip für England, USA und für Israel sind, die einzige westliche und marktwirtschaftliche Demokratie im Nahen Osten. So weit habe ich es verstanden. Doch was haben die eigentlich gegen Deutschland? Herrschen nicht auch hier  Marktwirtschaft und Demokratie? Anders gefragt: Warum dürfen wir nicht teilhaben an der Entfesselung der globalen Marktkräfte auf dem Siegeszug zum Kommunismus? Doch vielleicht habe ich es jetzt begriffen - durch Fußball: Denn nirgendwo auf der Welt war und ist es so schwer für den Kick. Auch Leibesübungen sind auf dem deutschen Sonderweg. Immer noch.

    Foto: ruhrbarone.de

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