Tokus Malokus

WDR: Eingang zum Funkhaus Wallrafplatz Foto: Raimond Spekking Lizenz: CC BY-SA 4.0

Nachdem der umstrittene Journalist Georg Restle die Leitung von Monitor abgegeben hat und vom WDR nach Kenia geschickt wurde, bestand die Hoffnung, dass sich nun an der Ausrichtung des Magazins, das sich besondere Verdienste um die Förderung des Antisemitismus und der deutsch-russischen Freundschaft erworben hatte, etwas ändert. Mitnichten.

Während in Deutschland Juden von muslimischen Antisemiten auf offener Straße bedroht, beleidigt, angespuckt, geschlagen oder ihnen sogar das Rückgrat gebrochen wird, macht Monitor sich darüber Sorgen, dass jiddische Worte wie „mauscheln“, „Ische“, „Geschacher“ oder „Mischpoke“ im Alltag verwendet werden. Das sei Ausdruck eines „versteckten Antisemitismus“.

Da bleibt mir sozusagen der Qualler weg. Das ist nicht nur schofel, das ist schmonzes, machulle, seibel. Die Seegers und Ischen von Monitor sitzen da in ihren Kabuffs in der Kabache am Appellhofplatz und sind echte Laumalocher. Keine Zerche von nix. Und ausbaldowern können sie auch nix.  

Sonst wüßten sie nämlich, dass zum Beispiel im Münsterland das Masematte, ein Mischung aus Jiddisch, Rotwelsch, Romanes und Plattdeutsch, von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt wurde. Im 19. Jahrhundert als Geheimsprache der Unterschicht entwickelt, konnten sich Arbeiter, Viehhändler, Hausierer, Bettler und Kleinkriminelle darin unterhalten, ohne dass die Obrigkeit oder die reichen Poahlbürger sie verstehen konnten. Hochburg waren die Münsteraner Arbeiterviertel, selbstbewusst Klein-Muffi genannt, weil es dort oft zum Himmel muffte. Weder die Trostverklicker noch die Mispel hatten dort was zu suchen. Mittendrin lag der Hubertiplatz, der in der Zeit der Weltwirtschaftskrise Treffpunkt für Kommunisten war und deshalb „Roter Platz“ genannt wurde. Auch das benachbarte Kuhviertel mit seinen Gassen „Tasche“, „Lappen“, „Brink“ und „Ribbergasse“ („Tasche, Lappen, Ribbergasse – Messerstecher erster Klasse“ warnten die Münsteraner Bürger) waren Masematte-Territorium. 

Als die Nazis Münster übernahmen, war Schluss mit Masematte. Da ging es nicht nur gegen die Sprache und die Worte, sondern auch gegen die Sprecher. Sie wurden als „Asoziale“ oder Kriminelle verfolgt, eingesperrt und viele von ihnen zwangssterilisiert.

Heute ist Masematte eher Jugend- und Studentensprache und jeder, der nach Münster zieht, lernt schnell, was jovel, schofel, maimeln und poofen bedeuten. Besondere Ironie: Es gibt im Münster den regelmäßigen Antifa-Treff mit dem schönen Masematte-Namen Pien Kabache, wo man sich gepflegt einen anschickern kann.

Jiddische Vokabeln jetzt als Antisemitismus zu verkaufen und damit das Werk der Nazis zu vollenden, ist da wirklich Chuzpe und man sollte die schlörige Mischpoke am Appellhofplatz ordentlich vermacken für den Schmonzes, den die Tickmänner von Monitor da verbreiten. Echt tofelig.

 P.S. Wer in das Münsteraner Milieu von hochnäsigem Bürgertum, katholischer Strenge und proletarischem Widerstand näher eintauchen will, lese Joseph Winklers Roman „Der tolle Bomberg“ oder „Weihrauch und Pumpernickel: ein westpfählisches Sittenbild“ von Otto Jägersberg.

Autorenseite: Ludger Wess
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