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Geht’s noch? NRW-Grüne instrumentalisieren Tochter von „NSU“-Opfer

In Glaube, Sitte, Heimat | 51 Kommentare | Von Martin Niewendick

Joachim Gauck Foto: Matthias Hiekel

Ist den Grünen eigentlich alles egal? Der Partei des nationalen Heimatschutzes scheint ihr Antikommunismus und ihr Hang zur Selbstdarstellung wichtiger zu sein, als ihrer pseudo-linken Rethorik auch nur in Ansätzen gerecht zu werden. Und was haben sie getobt. Erinnert sich noch irgendjemand an die Sarrazin-Debatte? Einen Rassisten haben sie ihn geheißen. Untragbar, menschenverachtend. Wochenlang zogen sie durch Talkshows und Schlagzeilen, überboten sich im Bashing des ehemaligen Bundesbankers. Ja, da konnte man mal wieder punkten, mal wieder herausstellen, wer die Speerspitze des „neuen“, des multikulturellen, offenen Deutschlands ist.

Und jetzt das. An dieser Stelle sollen die unsäglichen Positionen unseres neuen Linken-Jägers Joachim Gauck, der von den Grünen unterstützt wird, nicht nochmal in Gänze wiedergekäut werden. Sie sind, neuerdings, sattsam bekannt. Wie die Grünen NRW meldeten, wird ihr Landesverband mit einer 17-köpfigen Delegation zur Gauck-Wahl nach Berlin reisen. Mit im Gepäck: Eine „Gamze Kubasik, die zweifelsohne großes Leid erfahren musste“. Wer ist die Frau? „Sie ist die Tochter des von dem Nazi-Trio ermordeten Unternehmers Mehmet Kubasik.“ Warum fiel die Wahl auf sie? „Der Bundespräsident ist Repräsentant aller hier lebenden Menschen und deshalb sollte auch eine Bürgerin wie Gamze Kubasik  (…) an seiner Wahl beteiligt werden.“

Sagt mal, geht’s noch?! Da instrumentalisieren die Grünen allen Ernstes die Tochter eines Opfers der Nazi-Mörderbande aus Zwickau, um den Mann ins Amt zu hieven, der da einst sagte:

„Die Menschen in Europa (…) sind allergisch wenn sie das Gefühl haben, das was auf dem Boden der europäischen Aufklärung, und auch auf dem religiösen Boden Europas gewachsen ist, wenn das überfremdet wird“.

Nun sind dies nicht die Worte eines Rassisten, wie Sarrazin einer ist. Es sind aber auch nicht die Worte eines Mannes, dem Blut-und-Boden-Denken fremd und „der Islam“ unverdächtig ist. Wieso sonst hantiert jemand mit den Vokabeln „Überfremdung“, oder “der Fremde, das Fremde, der Andersartige“, wie 2010 in der Süddeutschen?

Kubasiks Vater wurde genau wegen derlei Rethorik ermordet (Hier hilft auch ein Blick in das „Manifest“ des Massenmörders von Oslo, Anders Breivik). „Die und Wir“, das kann nicht gutgehen. Wie also kommen die Grünen darauf, ausgerechnet eine Gamze Kubasik zu diesem vordemokratischen Spektakel zu schleifen? Es waren doch gerade die Grünen, die im Falle des „NSU“ und auch beim Norwegen-Massaker am lautesten auf die „islamkritische Szene“ einschrien. Was aber bitte ist Gauck anderes als „islamkritisch“? Und den soll sie wählen? Der Hang zur Selbstinszenierung scheint zu überwiegen, und dass sich Frau Kubasik konsequenterweise gegen Gauck entscheidet, verbietet wahrscheinlich die Delegationsdisziplin.



51 Kommentare und 1 Ping(s) zu »Geht’s noch? NRW-Grüne instrumentalisieren Tochter von „NSU“-Opfer«

  1. #51 | Pascal sagt am 27. Februar 2012 um 22:33

    Die Grünen sind eine bisweilen widerlich moralisierende, pseudolinke und doch erzkonservative Partei aus Homöopathen und verrückten Katzenfrauen. Das Vorweg. Den Artikel finde ich trotzdem miserabel.

    Aber:

    Die Kategorie der Fremdheit ist überhaupt kein grundlegendes Problem. Gauck hat ja recht, wenn er sagt, dass die USA eine andere Art haben, mit dem “Fremden” umzugehen, weil es eben einen erheblichen Teil des amerikanischen Mythos ausmacht, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft alle Amerikaner sind. “Fremd” ist in dem Zusammenhang ja überhaupt nicht wertend und die Kategorie des Fremden kann nicht aus der Welt geschaffen werden, es darf vielmehr keine Rolle spielen, ob jemand fremd ist oder nicht, wie es keine Rolle spielen darf, welche Hautfarbe oder welches Geschlecht jemand hat.

    Das Problem besteht da, wo es Dinge gibt, die nicht verhandelbar sind, Rechte für Frauen und Homosexuelle, überkommene patriarchalische Familienstrukturen, Antisemitismus, Säkularität etc. Dass das kein biologisches Problem sondern ein Problem von Mentalitäten und großteils ungebildeter Gesellschaftsschichten (ungebildet in gewissen Belangen, das gibt es alles auch unter Studenten), ist allen außer Sarrazin und seinen treusten Lesern klar.

    Das Gauck-Zitat oben ist durchaus problematisch, wobei er aber geschickt formuliert. Zum einen pathologisiert er die Ablehnung des Fremden direkt (“allergisch”), zum anderen schreibt er “Boden der europäischen Aufklärung, und auch auf dem religiösen Boden Europas”. Also erstmal nicht Blut und Boden sondern Hirn und Boden. Dass er die Tatsache, dass der entscheidende Unterschied zwischen den Vorstellungen der Islamisten und denen eines aufgeklärten Euorppäers aus einem zähen Kampf mit der Kirche entsprangen übergeht, das kann man ihm übel nehmen.

    Trotzdem: Wulffs lichtester Moment war der, in dem er sagte, der Islam gehöre zu Deutschland. Ansonsten war er ein farbloser Opportunist. Da bevorzuge ich doch jemanden, mit dem ich nicht immer einverstanden bin, dessen Substanz sich jedoch nicht in Schwiesohngesicht, Schwiegersohnfrisur, Schwiegersohnbrille, Schwiegersohntonfall und Schwiegersohnehegattin erschöpft.

    Und wird Gauck hier eigentlich als “Linken-Jäger” bezeichnet, weil er die Ergüsse der großen und kleinen Wulffs aus dem realsozialistischen Freizeitpark DDR verwaltet hat?

    Im übrigen zeugt es nicht gerade von gutem journalistischen Stil, das verwendete Zitat nicht zu belegen und dann im nächsten Absatz einen Link einzufügen, der wie ein Beleg wirkt, aber keiner ist. Den zitierten Satz gibt es hier:

    http://www.youtube.com/watch?v=-_woXlCSmIw

  2. #52 | Arnold Voß sagt am 29. Februar 2012 um 12:11

    @ Pascal

    “Das Gauck-Zitat oben ist durchaus problematisch, wobei er aber geschickt formuliert. Zum einen pathologisiert er die Ablehnung des Fremden direkt (“allergisch”), zum anderen schreibt er “Boden der europäischen Aufklärung, und auch auf dem religiösen Boden Europas”. Also erstmal nicht Blut und Boden sondern Hirn und Boden. Dass er die Tatsache, dass der entscheidende Unterschied zwischen den Vorstellungen der Islamisten und denen eines aufgeklärten Euorppäers aus einem zähen Kampf mit der Kirche entsprangen übergeht, das kann man ihm übel nehmen.”

    Danke für diese treffende Analyse. Und genau das nehme ich ihm übel, denn er weiß es besser. Aber er ist eben Pastor und diese Eigenschaft wird er nie mehr wieder los. Deswegen hat er, und da bin ich anderer Meinung als sie, Pascal, auf dem Präsidentenstuhl eines säkularen Staates nichts zu suchen.

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