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Waldorfschule: Versteinerte Erziehung

Cover der Ausgabe 4/2011 des Magazins „Skeptiker“ (Ausschnitt)
Cover der Ausgabe 4/2011 des Magazins „Skeptiker“ (Ausschnitt)

Im Dezember 2012 gibt es in Deutschland 234 Waldorfschulen, die nach der von Rudolf Steiner entwickelten Waldorfpädagogik unterrichten. Sie versprechen freieres und ganzheitliches Lernen mit „Kopf, Herz und Hand“ als Alternative zur öffentlichen Schule. Doch ist die Waldorfschule wirklich frei? Von unserem Gastautor André Sebastiani.

Cover (Ausschnitt) der Ausgabe 4/2011 des Magazins „Skeptiker“, dort Erstveröffentlichung im Print


Anthroposophie

Die Waldorfpädagogik ist mit der Anthroposophie Rudolf Steiners (1861–1925) untrennbar verbunden. Steiner entwickelte sein pädagogisches Konzept auf der Basis seiner anthroposophischen Lehre. Die Anthroposophie, die „Weisheit vom Menschen“ (griech. ánthropos=Mensch; sophίa=Weisheit), bezeichnet die ganzheitliche, „kosmologische“ Anschauung des Menschen und behauptet, eine Anleitung zu dessen Selbst- und Welterkenntnis zu liefern.

Nach Steiner ist die Anthroposophie eine „Geisteswissenschaft“, eine wissenschaftliche „Ergänzung zu den Naturwissenschaften. Sie will dem materiellen Wissen die unsichtbaren geistigen Aspekte hinzufügen“[i]. Neben der materiellen Welt, auf die die herkömmlichen Naturwissenschaften beschränkt sind, gibt es nach anthroposophischer Vorstellung noch eine geistige kosmische Welt, die unseren Sinnesorganen verborgen bleibt. Die Anthroposophische Gesellschaft Frankfurt schreibt auf ihrer Homepage: Alles im Kosmos und unserer Welt ist Materie und Geist! Wo Materie ist, ist immer auch Geist. Geist ist das Primäre, der Ursprung, aus dem alles Materielle entstanden ist.[ii] Mensch und Kosmos sind darüber hinaus gleichartig, oder, wie Klaus Prange treffend formuliert: „Der Mensch ist im kleinen ein Kosmos, der Kosmos im großen ein Mensch. Welt, Natur, und Geschichte sind ein genaues Pendant des Menschen, der Mensch deren Synthese en miniature.“ (2000, S.64) Die Anthroposophie will die „Geistorgane“ des Menschen schulen, um ihn zum Zugriff auf die geistige Welt und damit zu höheren Erkenntnissen zu befähigen.

„Der Mensch ist keine physikalische, biologische und chemische ‚Maschine‘, in der alles materiell abläuft, sondern ein ,Wesen‘, das nur vorübergehend, – also im Leben -, einen menschlichen Körper trägt. In diesen sind eingeschlossen eine unsterbliche Seele und ein ewiger Geist, so dass der Mensch, Körper, Seele und Geist ist. Der Körper zerfällt mit dem Tode, Seele und Geist bleiben erhalten und leben in der geistigen Welt des Kosmos weiter, nicht anonym, sondern konkret als eine Individualität, als persönliches ICH. Unser ICH ist ein Geistwesen.

Durch diese, im menschlichen Leib eingeschlossene Geistseele kann der Mensch auf Höheres zurückgreifen, wenn er sie schult. Rudolf Steiner war ein Mensch, der diese neuen Geistorgane ausgebildet hatte, und sie waren ihm dadurch Träger für seine umfangreichen geistigen Fähigkeiten. Menschen mit derartigen Fähigkeiten nennt man Universalgelehrte oder ,Eingeweihte‘“. (Anthroposophische Gesellschaft Frankfurt)

„Wissenschaft“ für Eingeweihte

Steiner verknüpft mystische Vorstellungen und im Wortsinn okkulte (=geheime, verborgene) Wahrheiten mit einer Lehre, die er bemerkenswerterweise in den Rang einer Wissenschaft erhebt. Der „Eingeweihte“ gelangt durch die „Schauung“ geistiger kosmischer Welten, die normalen Menschen verborgen bleiben, zu absoluten Wahrheiten. Diese Wahrheiten sollen darüber hinaus durch den anthroposophischen Weg der Erkenntnis wissenschaftlich überprüfbar sein. Der „Eingeweihte“ ist dadurch zugleich Seher, Priester und Wissenschaftler. (vgl. Giese 2008, S.40 ff.)

Der Anspruch der Wissenschaftlichkeit hält einem kritischen Blick jedoch nicht stand. Die durch Schauung der geistigen Welten gewonnenen Erkenntnisse sind für Außenstehende nicht überprüfbar, weil die entsprechenden geistigen Organe zur Erkenntnis nicht ausgebildet sind. Dadurch macht sich die Anthroposophie immun gegen äußere Angriffe. Doch Steiner geht noch einen Schritt weiter; er schreibt:

„So wird auch das Erkennen zu einem Vorgang in der Wirklichkeit. Fragen offenbaren sich in der Welt, Antworten offenbaren sich als Wirklichkeiten; Erkenntnis im Menschen ist dessen Teilnahme an dem, was sich die Wesen und Vorgänge in der geistigen und physischen Welt zu sagen haben.“ (Steiner 1975, S. 225, zitiert nach Prange 2000, S. 65)

Dieses Zitat erscheint sehr rätselhaft. Offenbar meint Steiner damit, dass der Vorgang des Erkennens einen Rückschluss auf die Wirklichkeit erlaubt. Dadurch, dass ich mir etwas geistig vorstelle (es erkenne), nehme ich als Mensch teil an dem, was in der „geistigen und physischen Welt“ vor sich geht. Es wird dadurch real. Hier liegt Steiners gedanklicher Kurzschluss. Nicht, weil ich mir einen Baum vorstellen kann, gibt es Bäume; sondern meine Vorstellung hält der Überprüfung an der Wirklichkeit stand. Jeder kann hinaus in die Welt gehen und sinnlich erfahren, dass es Bäume gibt. (vgl. Prange 2000, S. 66) Steiner schreibt jedoch: „Die Ideen-Bilder haben doch nur eine Berechtigung, wenn sie auf eine solche geistige Wirklichkeit, die der sinnenfälligen zugrundeliegt, hindeuten.“ (a.a.O. S. 123, zitiert nach Prange 2000, S.66) Im Klartext heißt das, dass es Kobolde und Feen wirklich gibt, weil ich sie mir vorstellen kann. Steiner schließt vom Schein auf das Sein. (vgl. Prange ebd.)

Wie soll aber eine solche Erkenntnis wissenschaftlich sein, wenn sie doch schon durch ihre bloße Existenz wahr ist? Bis zum heutigen Tage behaupten Anthroposophen allen Einwänden zum Trotz, Wissenschaft zu betreiben[iii]. Dabei ist ihre Lehre nicht über Steiners Schauungen hinausgelangt. „Insofern stellt die Geistesforschung Steiners ein Kuriosum dar; es dürfte sich hier um die einzige Disziplin mit wissenschaftlichem Anspruch handeln, die schon bei ihrer Geburt am Ende war.“ (Prange 2000, S. 36)

Steiner sieht Dämonen, Geister, Riesen, Elfen, Engel – die Liste ließe sich endlos verlängern – also tatsächlich als real existierende Wesen an (vgl. Grandt 2008, S. 26ff). Jetzt könnte man meinen, dass derlei Vorstellungen unter Anthroposophen fast 100 Jahre später längst überholt sind. Doch dem ist nicht so. Im anthroposophischen Flensburger Hefte Verlag finden sich Titel wie „Was die Naturgeister uns sagen – Im Interview direkt befragt“, „Neue Gespräche mit Naturgeistern“, oder „Gespräche mit Bäumen 1“[iv].

Auch die in Waldorfkreisen beliebte Fachzeitschrift Erziehungskunst hat eine feste esoterische Rubrik. Auf ihrer Homepage finden sich Artikel wie „Ohne Elementarwesen läuft nichts[v] oder „Für viele Kinder sind Elementarwesen real[vi], in dem die Waldorflehrerin Katharina Dreher-Thiel im Interview sagt, dass „es die Naturgeister in der ätherischen Welt tatsächlich gibt. Das wusste nicht nur Steiner. Viele Menschen früherer Kulturepochen, bei uns bis ins 15., 16. Jahrhundert, konnten Naturgeister wahrnehmen. Mit beginnender Neuzeit und rationalistischer Denkweise verschwand diese Fähigkeit mehr und mehr. Wie in einem kollektiven Gedächtnis ist die Erinnerung an die Wesen der Ätherwelt in den Märchen und Sagen der Völker bewahrt. Heute scheinen die Wahrnehmungsfähigkeit für die ätherische Welt und das Interesse für Naturgeister wieder zuzunehmen.“ (a.a.O.)

Auch für die Waldorfpädagogik ergeben sich aus dieser Erkenntnistheorie und ihren Ergebnissen Konsequenzen. Es stellt sich die Frage wie naturwissenschaftlicher Unterricht mit anthroposophischer Weltanschauung in Einklang gebracht werden kann; dazu später mehr (s. Kapitel „Anthroposophische Entwicklungspsychologie“). Ziel der Waldorfpädagogik ist es, Menschen durch Erziehung zu befähigen, sich selbst und ihre schicksalhafte Bestimmung zu erkennen und dabei den Kosmos mit seinen verborgenen Wahrheiten zu entschlüsseln.

Lehrer und Klasse bilden eine Schicksalsgemeinschaft. Das Schicksal hat dem Lehrer seine Klasse zugespielt und er ist der Erfüllungsgehilfe des kosmischen Schicksals seiner Schüler. Dass der Lehrer dem Schicksal bei der Zusammensetzung seiner Klasse unter Umständen kräftig nachhilft, werde ich an späterer Stelle noch zeigen.

In der öffentlichen Wahrnehmung scheinen die okkulten, mystischen Grundlagen der Waldorfpädagogik entweder wenig bekannt oder nicht von Interesse zu sein. Die Waldorfschulen haben im Allgemeinen ein gutes Image. Vielen scheinen sie eine gute Alternative zum Staatsschulwesen zu sein. Spätestens seit dem PISA-Schock sind die vermeintlichen oder tatsächlichen Defizite der Staatsschulen in den Schlagzeilen. Während sich um die öffentlichen Schulen kontroverse Diskussionen um Themen wie das sogenannte Turboabitur nach zwölf Jahren, die Zukunft der Hauptschule oder den Ausbau von Ganztagsschulen spinnt, die bereits in mehrere Reformen in den Bundesländern mündeten, ist es um die Waldorfschulen seltsam still.

Drachenformel

Wie bereits ausgeführt ist der wissenschaftliche Anspruch der Anthroposophie nicht haltbar. Erstaunlicherweise beharren die Anthroposophen dennoch darauf, Wissenschaft zu betreiben. Dahinter steckt ebenso Methode, wie hinter der Praxis, das anthroposophische Fundament und anthroposophische Inhalte der Waldorfschule zu verschweigen.

Ich habe mehrere Veranstaltungen und Infoabende in Waldorfschulen besucht. Das Wort „Anthroposophie“ fiel dabei nie. In dem was an Inhalten und Methoden vorgestellt wurde, war anthroposophisches Gedankengut eindeutig erkennbar, allerdings gut versteckt hinter schönen Vokabeln. Die „ganzheitliche Sicht auf das Kind“, wurde ebenso ins Feld geführt, wie „das Lernen mit Herz, Hand und Verstand.“ Auf direkte Nachfrage, ob der Unterricht anthroposophisch geprägt sei, erhielt ich die ausweichende Antwort, dass Anthroposophie nicht gelehrt würde, also kein Unterrichtsfach sei. Auch viele Waldorfeltern kennen nach meiner Beobachtung den (noch näher zu erläuternden) Zusammenhang zwischen Waldorfpädagogik und Anthroposophie nicht.

Aufschluss über dieses Versteckspiel gibt die Biografie ihres Begründers. Rudolf Steiner will von einem nicht namentlich genannten Lehrmeister in die Geheimwissenschaften eingeweiht worden sein. Dabei will er Anweisungen erhalten haben, wie mit den Naturwissenschaften und Vorbehalten der Öffentlichkeit umzugehen sei:

„Wie sollte er den Drachen der modernen Naturwissenschaften zähmen und ihn vor das Gefährt der Geist-Erkenntnis spannen? Und vor allem, wie sollte er den Stier der öffentlichen Meinung besiegen? Auf die Fragen seines Schülers antwortete der ‚Meister‘ dem Sinne nach: Wenn du den Feind besiegen willst, so beginne damit, daß Du ihn zuerst begreifst. Du wirst nur dann Sieger über den Drachen werden, wenn Du in seine Haut schlüpfst.“ (Hemleben, zitiert nach Prange 2000, S. 51)

Besser kann man Steiners Strategie kaum beschreiben. Dies erklärt auch die inhaltlichen Differenzen, die sich zwischen öffentlichen und internen, an seine Anhänger gerichteten, Reden und Schriften zeigen. In der Öffentlichkeit gab Steiner den exakten Wissenschaftler, blieb dabei aber meist unkonkret und oberflächlich. Intern ließ er sich kultisch verehren, gab sich als Universalgenie und führte seine Ideen sehr viel detaillierter aus. (vgl. Prange 2000, S. 51f)

Trotz – oder gerade wegen – dieses Versteckspiels stellen sich einige Fragen: Ist die Waldorfschule ohne Anthroposophie überhaupt denkbar? Hat sich die Waldorfpädagogik ein Stück von ihrem Ursprung emanzipiert? Im Folgenden versuche ich zu zeigen, welche anthroposophischen Vorstellungen sich heute in Waldorfschulen finden lassen:

Karma

Zur Anthroposophie gehört die Vorstellung von Reinkarnation und Karma. Das Karma eines jeden Menschen ist durch vorhergegangene Inkarnationen positiv oder negativ geprägt. Psychische oder physische Störungen lassen sich aus der Perspektive der anthroposophischen Menschenerkenntnis karmisch erklären. So stellt Steiner die Frage nach dem Grund für Friedrich Schillers schlechte Gesundheit und seine häufigen Krampfanfälle, um gleich selbst eine Antwort zu geben:

„Was liegt karmisch bei einem Menschen aus früheren Erdenleben vor, der in dieser Weise an Krämpfen leiden muß? – Krämpfe sind, wenn sie ins menschliche Leben eingreifen, ungemein hinweisend auf das menschliche Karma. Wenn man vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus mit ernster, verantwortlicher wissenschaftlicher Untersuchung an Krampferscheinungen herangeht, so findet man immer, da liegt beim Menschen ein bestimmtes Karma vor, Ergebnisse von Taten, Gedanken und Gefühlen früherer Erdenleben“[vii]

Nicht etwa eine der zahlreichen schweren Erkrankungen Schillers, wie Tuberkulose oder eine nicht auskurierte Rippenfellentzündung, sind also für das Leiden des Dichters verantwortlich, sondern schlechtes Karma, das Steiner auch über hundert Jahre nach Schillers Tod noch diagnostizieren zu können vorgibt.

Für den anthroposophischen Erzieher ergeben sich aus dieser steinerschen Erkenntnis weitreichende Konsequenzen. Er ist gefordert, das Karma der ihm anvertrauten Schüler zu erkennen und richtig zu deuten, um ihren Lebensweg entlang ihrer karmischen Bestimmung zu führen und zu beeinflussen. Arbeitet man gegen das Karma des Kindes, so kann dies zu schweren Krankheiten, bis hin zum Tod führen und sogar darüber hinaus das nächste Leben karmisch belasten. Steiner glaubt also, Einfluss auf das karmische Schicksal zu haben. Darin liegt ein großer Unterschied zur indischen Karmalehre der Hindus, die bestrebt sind, den Dingen ihren Lauf zu lassen.

Steiner gibt 1924 in einem pädagogischen Kurs ein Beispiel für die praktische Anwendung der Karmalehre:

„Ein Kind, das mit den Fersen auf den Boden auftritt, zeigt in dieser kleinen Eigenschaft des körperlichen Sichoffenbarens, daß es fest im Leben drinnen steckte in seiner vorhergehenden Inkarnation, daß es sich für alles interessierte im vorhergehenden Erdenleben. Man wird daher bei einem solchen Kinde darauf sehen müssen, daß man womöglich die Dinge aus dem Kinde herausholt, denn es steckt viel drinnen in Kindern, die mit der Ferse stark auftreten. Dagegen Kinder, die trippeln, mit der Ferse kaum auftreten, die haben in flüchtiger Weise das vorherige Erdenleben vollbracht. Man wird sehen müssen, daß man viel in ihrer Nähe macht, damit sie eben auch viel nachmachen können.“ (Steiner GA 311, S.29, zitiert nach Zander, 2007)

Für Zander (2007) ergibt sich durch das Konzept des Karmas in der Waldorfpädagogik eine Bandbreite von Problemen, wie er in seinem monumentalen, 1800 Seiten umfassenden, wissenschaftlichen Standardwerk „Anthroposophie in Deutschland“ beschreibt. Es besteht die Gefahr, dass das beim Schüler erkannte Karma zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung (engl. self-fulfilling prophecy) wird. Wieweit dem selbstbestimmten Karma gegengesteuert werden darf, bleibt offen. Die Zuschreibung von Karma unterminiert den Einfluss von gesellschaftlichen und biologischen Faktoren der Erziehung. Darüber hinaus entsteht eine Spannung zwischen individuellem Karma und dem jahrgangsweise festgelegten verbindlichen Lehrplan. (vgl. Zander 2007, S. 1408)

Kulturstufen

Der Lehrplan der Waldorfschulen ist stark geprägt von Steiners Theorie der Kulturstufen. Der Mensch vollzieht in seiner Entwicklung die Entwicklungsgeschichte der Menschheit nach. Bei Grosse liest sich das so: „Im zehnten Jahre ist das Kind ,Germane‘, dann ,Grieche‘; dann absolviert es die Wanderung vom Osten bis ans Mittelmeer und wird als Zwölfjähriges ein Römer, im dreizehnten Jahr ein Ritter und Klosterbruder, ein Columbus, der Amerika entdeckt, und zieht als Vierzehnjähriger mit Napoleon nach Russland und ist mit der Geschlechtsreife in seiner Gegenwart angekommen“

Aus dieser, für Außenstehende willkürlichen Zuordnung von historischen Epochen zu Altersstufen der Kinder, folgt die curriculare Einteilung von Unterrichtsinhalten in Abstimmung mit der Entwicklungsstufe des Kindes (s. Anthroposophische Entwicklungspsychologie). Steiner selbst hat zahlreiche Korrelationen festgelegt. „So hat er Märchen und Sagen den unteren Klassen und animistisches Denken dem Alter bis zur vierten Klasse zugeordnet (GA 300a, 100f.), für ihn war klar, daß ,vor dem 10., 11. Jahr… selbstverständlich die Geschichte nur in Form der Erzählung, des Biographischen getrieben werde‘ (GA 301, 133), das Nibelungenlied in die zehnte Klasse gehöre (GA 300b,23)(…)“ (Zander, 2007, S. 1410), und so weiter.

Nicht unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle, dass Steiner davon ausgeht, dass die Menschheit ihren Ursprung in Atlantis hat. Die Atlantier waren demnach eine hochentwickelte Rasse, mit unvorstellbaren geistigen und technischen Fähigkeiten. Er berichtet von schwebenden Fahrzeugen, in denen die Atlantier schwebten und davon, dass man die Lebensenergie der Pflanzen in technisch verwertbare Energie umsetzen konnte. (vgl. Zander, 2007, S. 642) Wenn man dem Verband der Freien Waldorfschulen folgt, soll die Lehre von Atlantis nicht mehr Unterrichtsinhalt sein, andererseits musste ein SWR-Fernsehteam an einer Stuttgarter Waldorfschule anscheinend nicht lange suchen, um die Atlantislehre in einem Epochenheft zu finden.[viii]

Steiner war stark beeinflusst von der noch recht neuen Evolutionstheorie Darwins. Er teilte auch einige der damals populären sozialdarwinistischen Positionen, z.B. Haeckels, ohne jedoch eugenische Anteile in seine Lehre zu übernehmen. Aus heutiger Sicht war Steiner ganz klar ein Rassist. Er ordnet die Rassen in eine Fortschrittsgeschichte, nach der die schwarzen Afrikaner eine „degenerierte“, „zurückgebliebene“ Rasse darstellten. Auch Indianer sind eine „degenerierte Menschenrasse“ im „Hinsterben“. (vgl. Zander, 2007, S. 631) Bis heute versucht man von anthroposophischer Seite, dieses Thema, z.B. durch spätere humanistische Äußerungen zu relativieren.[ix] Steiner hat seine Rassentheorie jedoch nie widerrufen; einzelne Schriften sind vor einigen Jahren der Indizierung durch die Bundesprüfstelle nur dadurch entgangen, dass der Verlag der Steinerschriften sich verpflichtete, diese durch eine entsprechend kommentierte Neuauflage zu ersetzen.[x] Man kann nur hoffen, dass sich Steiners Rassenlehre heute nicht mehr an Waldorfschulen wiederfindet.

Temperamentenlehre

Steiner integriert in sein pädagogisches Konzept die 1903 entwickelte Lehre der vier Temperamente: Choleriker, Melancholiker, Phlegmatiker und Sanguiniker. Jeder Mensch, so glaubt er, hat ein dominantes Temperament und nachgeordnete Anteile der anderen Temperamente. Jedem Temperament werden Charaktereigenschaften zugeordnet. So ist der Choleriker leicht reizbar und nach Steiner vom Ich-Leib beherrscht. Dadurch ist der Choleriker sehr selbstbewusst. (vgl. Kayser/Wagemann, 1991, S. 15) Steiner dazu weiter: „Die Säuglinge mit ihrem Zappeln – gerade wenn sie gesund sind zappeln sie viel – sind alle cholerisch. Das cholerische Kind aber behält etwas zurück vom Toben und Wüten des ganz kleinen Kindes. Dadurch lebt in dem cholerischen Kinde, dem acht-, neunjährigen Knaben oder Mädchen, drinnen immer noch der kleine Säugling weiter. Dadurch ist dieses Kind cholerisch, und man muss versuchen, dieses cholerische Kind dadurch zu behandeln, dass man das „kleine Kind“, das darinnen ist, allmählich zur Ablähmung bringt.“ (Steiner, TB604, S. 121)

Die Temperamentenlehre hat bis heute Einfluss auf die Zusammensetzung von Waldorfklassen. Klassenlehrer sind dazu angehalten, bei der Auswahl der Kinder ihrer Klasse auf die Temperamente zu achten, sodass sich die „Schicksalsgemeinschaft“, wie Steiner sie nennt, entwickeln kann. (s. Klassenlehrer) Auch eine festgelegte Sitzordnung, die die Temperamente der Kinder berücksichtigt, ist vorgesehen. (vgl. Zander, 2008, S. 1409)

Die Temperamentenlehre geht auf die Viersäftelehre (Humoralpathologie) nach Hippokrates zurück und ist rund 2500 Jahre alt. Vermutlich übernahm Steiner diese Lehre aber aus seinem unmittelbaren zeitlichen Umfeld. In der Pädagogik und in der Psychologie gilt die sehr starre Temperamentenlehre im Grunde schon seit ihrer Formulierung durch Steiner als überholt. (Zander, a.a.O.)

Anthroposophische Entwicklungspsychologie – Lehre von den Körperhüllen

Werden die Kinder nach der Waldorfpädagogik durch die Temperamentenlehre gewissermaßen horizontal kategorisiert, so erfolgt durch die Lehre von den Körperhüllen eine vertikale Kategorisierung.

Steiner verknüpfte sein pädagogisches Konzept mit seiner älteren, theosophischen Anthropologie der Körperhüllen. Diese Hüllen umgeben die „Wesensglieder“ des Menschen. Die Fragestellungen die aus pädagogischer Sicht hinter diesem Konstrukt der Körperhüllen stecken sind dieselben, wie die klassischen Fragestellungen der Entwicklungspsychologie: Was kann ein Kind zu welchem Zeitpunkt und was nicht? Welcher Entwicklungsschritt bedingt den nächsten?

In der Anthroposophie wird meist die siebenteilige (manchmal auch eine neunteilige) Hüllenanthropologie angewendet:

„1. Physischer Leib

  2. Lebensleib [gleich Ätherleib]

  3. Astralleib

  4. Ich als Seelenkern

  5. Geistselbst als verwandelter Astralleib

  6. Lebensgeist als verwandelter Lebensleib

  7. Geistesmensch als verwandelter physischer Leib“ (Steiner, zitiert nach Zander, 2007, S. 573)

Nach der Geburt ist jedoch erst der physische Leib geboren, die höheren Wesensglieder sind noch von Hüllen umgeben, die nach und nach abgestreift werden. Diese Abstreifung geschieht in Jahrsiebten. Bis zum siebten Lebensjahr ist der Mensch bloß „Physischer Leib“, bis ab dem siebten Lebensjahr, genauer: nach dem Zahnwechsel, der „Ätherleib“ geboren wird. Mit vierzehn Jahren kommt der „Astralleib“ zur Welt und mit einundzwanzig das „Ich“. Die drei höchsten Stufen entwickeln sich (auch in Siebenjahresschritten) durch die Vergeistigung des Menschen. Jedenfalls sofern er sich denn den geistigen Welten zuwendet, andernfalls verkümmern sie.

Der Fokus der Waldorfpädagogik liegt folglich auf den ersten drei Hüllen, die ich im Folgenden näher beschreibe, denn die Geburt des „Ich als Seelenkern“ erfolgt erst mit 21 Jahren und damit nach dem Ende der Schulzeit. Die Unterrichtsinhalte und die didaktische Darreichungsform hängen stark von den Eigenschaften ab, die Steiner den einzelnen Wesensgliedern zuschreibt.

1. Physischer Leib (0-7 Jahre):

Während des ersten Jahrsiebts, also während der gesamten Kindergartenzeit bis zum ersten Schuljahr, ist der Mensch in erster Linie von seiner Körperhülle umgeben. In dieser Zeit ahmt das Kind nach, was es in seiner Umwelt vorfindet. Was noch nicht angelegt ist, soll mit Fantasie ergänzt werden – deshalb haben anthroposophische Puppen auch keine aufgemalten Gesichter. Bei den seelenlosen Fabrikpuppen wird die Fantasie dementsprechend nicht angeregt, was der kindlichen Entwicklung schadet.

Eltern und ErzieherInnen sollten ein gutes Vorbild sein. Dem wird niemand widersprechen wollen. Steiner meint jedoch, dass nicht nur tatsächliche Handlungen, sondern auch Gedanken auf das Kind wirken. Man soll im Umgang also nicht nur vorbildlich handeln, sondern auch vorbildlich denken. Besonders schlechte, z.B. unzüchtige Gedanken können der Gesundheit des Kindes laut Steiner schweren Schaden zufügen. Haben also Vater, oder Mutter (oder im schlimmsten Fall beide), Lust auf Sex, so reicht dies, um seinen Kindern Schaden zuzufügen – Eltern mögen sich an dieser Stelle bitte kritisch selbst überprüfen. (vgl. Giese, 2008, S.65f)

Steiner glaubt, dass Kinder in diesem Alter noch keine bildliche Vorstellungskraft besitzen und nicht fühlen können, denn dies sind die Eigenschaften des Ätherleibs, der noch nicht geboren ist:

„Bis zum Zahnwechsel können Eindrücke, die an den Ätherleib kommen sollen, diesen ebenso wenig erreichen, wie das Licht und die Luft der physischen Welt den physischen Leib erreichen können, solange dieser im Schoße der Mutter ruht.“ (Steiner, zitiert nach Prange, 2000, S.91)

Ohne bildliche Vorstellung kann man aber schlecht Lesen und Schreiben lernen. Deshalb wird Lesen und Schreiben an Waldorfschulen frühestens zum Ende der ersten Klasse, häufig auch erst in der zweiten Klasse, gelehrt. Stattdessen übt man mit den Kindern Formenzeichnen, um die Motorik der Hand zu schulen. Es ist jedoch längst keine Ausnahme, dass Kinder mit Eintritt in die Grundschule, aller anthroposophischer Entwicklungspsychologie zum Trotz, bereits Lesen und Schreiben können. Kritiker bemängeln auch, dass man leistungsstarke Kinder im Schuleintrittsalter an Waldorfschulen systematisch unterfordert.

2. Ätherleib (7-14 Jahre)

Der Ätherleib wird mit ungefähr sieben Jahren, nach dem Zahnwechsel geboren und in den folgenden Jahren ausgebildet. Mit den Zähnen beginnen beim Kind die „Bildekräfte“ zu wirken. Das Kind ist in diesem Alter nach anthroposophischer Vorstellung noch nicht in der Lage, begrifflich zu denken. Stattdessen soll der Lehrer oder die Lehrerin durch Bilder und geistige Vorstellung wirken. (vgl. Giese, 2008, S. 65) So plausibel es klingt, dass das Lernen, gerade in den unteren Klassenstufen, vor allem anschaulich sein sollte, so abwegig erscheint es, Kindern die Fähigkeit abzusprechen, Sachverhalte kognitiv zu verstehen.

Die Naturwissenschaften kommen daher in Waldorfschulen bis zur neunten Klasse praktisch nicht vor. Zwar stehen auch Chemie und Physik ab der 7., bzw. 8. Klasse auf dem Lehrplan, sie sollen aber anfangs eher Erlebnischarakter haben, d.h. Experimente werden (durch den Lehrer) durchgeführt, die naturwissenschaftlichen Hintergründe aber nicht gelehrt. Naturwissenschaften sind so reiner Anschauungsunterricht. Anstatt den Kindern beispielsweise etwas über den Aufbau von Pflanzen beizubringen, liegt der Fokus eher darauf, sich Pflanzen anzusehen um diese schön zu finden, sie vielleicht zu zeichnen, oder Geschichten über Pflanzen zu hören. Nichts gegen Geschichten, oder den künstlerischen Umgang mit der belebten Natur, dies sind sicherlich wichtige Unterrichtsinhalte, die sich auch an Staatsschulen finden. Aber die naturwissenschaftliche Perspektive kommt deutlich zu kurz.

Großen Wert legt Steiner in dieser Lebensphase auf die unbedingte Autorität des Klassenlehrers: „Der Ätherleib gewinnt seine Kraft, wenn seine geregelte Phantasie sich richten kann nach dem, was sie sich an den lebenden oder dem Geiste vermittelten Bildern und Gleichnissen enträtseln und zu seiner Richtschnur nehmen kann. (…) Wie für die ersten Kinderjahre Nachahmung und Vorbild die Zauberworte der Erziehung sind, so sind es für die jetzt in Rede stehenden Jahre: Nachfolge und Autorität.“ (Steiner, zitiert nach Prange, 2000, S. 92)

Hier geht es um unbedingten Gehorsam und Identifikation mit dem Lehrer. Die Entwicklung der eigenen Urteilskraft, wie sie beispielsweise ein Kernanliegen der neueren Sachunterrichtsdidaktik ist (vgl. Kahlert, 2009), ist nicht vorgesehen, stattdessen sollen die Schüler manipuliert werden: „Es handelt sich nicht darum, daß das Kind über alles sofort ein Urteil bildet, sondern daß es zwischen dem 7. und 15. Jahre das, was es aufnehmen soll, aufnimmt aus Liebe, aus Autorität zum Erzieher.“ (Steiner, zitiert nach Prange, 2000, S. 127)

Anthroposophen meinen auch, von den Zähnen auf die Bildekräfte schließen zu können. Der Anthroposoph und Waldorfpädagoge Grosse sagt: „Was uns im Zahngebiet entgegen kommt, sind ganz offensichtlich die Äußerungen von Bildekräften ganz differenzierter Natur; es lässt sich daher von den Zähnen auf die Bildekräfte selbst zurückschließen.“ (zitiert nach Prange, 2008, S. 94) Beispielsweise schreibt Grosse über einen leistungsschwachen Schüler: „Die Zähne sind gelblich-bräunlich, die Schneidezähne schief gestellt und stark gezackt, die Zahnbildung kümmerlich, im Gaumenfeld des Oberkiefers sowie auf der Innenseite des Unterkiefers wachsen außerhalb der Zahnbögen einige Zähne in sich. Der kariöse Zustand ist schrecklich. Der Gesamteindruck ist chaotisch, schwächlich, der Aufbau fundamental gestört“ (ebd.) Zwei Sachverhalte werden nebeneinandergestellt, ein kausaler Zusammenhang behauptet und das Ergebnis als Menschenkunde verkauft. Man gibt vor, eine ganzheitliche Sicht auf das Kind zu haben, dabei operieren anthroposophische Lehrer mit Projektionen, Zuschreibungen von Charaktereigenschaften und Schicksalen, die sie aus geistigen Welten ableiten, die niemandem außer ihnen zugänglich sind. Man verbindet also willkürlich physiognomische Gegebenheiten wie Zähne und Zahnstand mit Eigenschaften, wie z. B. einem unterentwickelten räumlichen Vorstellungsvermögen.

3. Astralleib (14-21 Jahre)

So wie Steiner die Geburt des Ätherleibes an den Zahnwechsel koppelt, hängt für ihn die Geburt des Astralleibes mit der Geschlechtsreife zusammen. Erst jetzt darf der Waldorfunterricht wissenschaftlichen Charakter haben. „Kulturkritik“ ist aber laut Steiner nicht statthaft. Man könnte auch von einem Verbot kritischen Denkens sprechen, denn zur Kultur zählt alles vom Menschen geschaffene, wie Wissenschaft, Kunst, Musik, Pädagogik, Politik, Wirtschaft, Technik, gesellschaftliches Zusammenleben, usw. (vgl. Giese, 2008, S. 68)

In diesen Vorstellungen über kindliche Entwicklungsstufen liegt der eigentliche Grund für die stark musisch/künstlerische Ausrichtung des Waldorfunterrichts, die häufig mit der Waldorfpädagogik assoziiert wird. Sie stellt den Versuch dar, Verstand und Kritikfähigkeit der Kinder möglichst wenig anzusprechen, um ihnen in ihrer Entwicklung keinen Schaden zuzufügen.

Betrachtet man die Ausführungen bis hierher, so scheinen die Fundamente der Waldorfpädagogik auf Treibsand gebaut. Alle grundlegenden anthroposophischen Konzepte sind wissenschaftlich widerlegt, viele waren es schon bei ihrer Formulierung durch Steiner. Wie ist das Lernen an Waldorfschulen nun konkret organisiert?

Der Klassenlehrer als Künstler, Priester und höchste Autorität

Der Klassenlehrer hat an Waldorfschulen eine ungemein mächtige Rolle. Es ist seine Aufgabe, jeden einzelnen Schüler, sein Karma und sein kosmisches Schicksal zu erkennen um dann aus den Einzelindividuen eine Schicksalsgemeinschaft zu formen. Dazu Prange: „Als erstes gilt, dass der Lehrer nicht nur Schüler hat, sondern er ist ihr Schicksal, so wie zweitens das Schicksal ihm eben diese Kinder in die Hand gegeben hat, damit beide eine Schicksals- und Werdegemeinschaft bilden, indem sie aufeinander zugehen und zusammen wachsen. (2000, S. 18)

Der Klassenlehrer wählt sich also vor Beginn der ersten Klasse seine Schüler aus, bzw. nach anthroposophischer Lesart versucht er zu erkennen, welche Schüler ihm das Schicksal zugeteilt hat. Ein wenig transparenter und für Außenstehende nicht nachvollziehbarer Vorgang. Möglich ist dies, weil sich die privaten Waldorfschulen ihre Schüler im Gegensatz zur staatlichen Schule aussuchen dürfen. Jedenfalls dann, wenn es mehr Anmeldungen als Schulplätze gibt, wenn nicht, hat das Schicksal ohne den Klassenlehrer entschieden.

Die Sitzordnung wird vom Lehrer auf der Grundlage der Temperamente (s.o.) festgelegt, der Unterricht findet vor allem frontal statt, weil Steiner der Erzählung und der bildhaften Darstellung, die häufig über sehr aufwendige Tafelbilder erfolgt, als wesentliche Unterrichtsmethoden vorsieht.

Die Klassengemeinschaft mit dem Klassenlehrer ist an Waldorfschulen auf acht Jahre angelegt. In diesen acht Jahren sind die Schüler stark vom Klassenlehrer abhängig, seiner Autorität müssen sie sich unterordnen. Oft scheint dieses Prinzip auf der Beziehungsebene auch gut zu funktionieren, wie viele Beispiele belegen. Funktioniert es jedoch nicht, sind acht Jahre für einen Schüler ein kaum zu überblickender Zeitraum.

Der Klassenlehrer unterrichtet während dieser acht Jahre fast alle Fächer. Eine riesige Herausforderung für Waldorflehrer – für viele sicher auch eine Überforderung. Während der Grundschulzeit ist das auch in der Staatsschule üblich, in der Sekundarstufe hingegen kaum vorstellbar. Es ist fraglich, ob ein Klassenlehrer an einer Waldorfschule tatsächlich in der Lage sein kann, den Unterrichtsstoff von Deutsch, über Mathe und Sachkunde, bis hin zu den Gesellschafts- und Naturwissenschaften (sofern diese bis Klasse 8 erteilt werden) zu beherrschen. Zumal die Waldorfschulen als Gesamtschulen ja auch den Anspruch haben, Schüler auf das Abitur vorzubereiten.

Erschwerend kommt für Lehrer wie Schüler hinzu, dass es an Waldorfschulen keine Lehrbücher gibt. (vgl. z.B. Giese, 2008, S. 85) Alles was an das Kind herangetragen wird soll vom Lehrer kommen. Die Schüler legen so genannte Epochenhefte an, die zum Schuljahresende abgegeben werden und idealerweise eine Art selbst erstelltes Lehrbuch darstellen sollen. Der Verzicht auf Bücher erhöht die Verantwortung des Lehrers. Er allein wählt den Stoff aus und ist gefragt, ihn seinen Schülern sachlich korrekt zu vermitteln – eine Herkulesaufgabe. Erziehungswissenschaftler bemängeln an diesem Verfahren auch, dass zu viel Zeit durch bloße Reproduktion von Tafelbildern u.ä. verwendet wird.[xi]

Die Machtfülle der Waldorflehrer ist auch deshalb problematisch, weil die Grundlagen der pädagogischen Entscheidungen nicht überprüfbar sind. Karma ist nicht einklagbar. Deshalb trifft die Aussage des bedeutenden Waldorflehrers Rudolf Grosse den Nagel auf den Kopf: „Im Staatsbetrieb mit seiner Methode des Lehrerwechsels, durch das Fachlehrersystem an einer Klasse, ist wenig Platz für solche Seelengesetze. Da gilt als König das Pensum, das Klassenziel. Hier herrscht die Vorschrift, ihr Diener ist der Lehrer. Die Kinder haben sich nach der Schule zu richten.“ (zitiert nach Prange, 2000, S. 149)

So ist es in der Tat. Was Grosse als Kritik versteht, offenbart eine große Schwäche der Waldorfpädagogik. Die von ihm geschmähten Vorschriften können politisch neu verhandelt werden. Die Vorschriften sind das Ergebnis von solchen Verhandlungen und kommen durch Kritik, wissenschaftliche Erkenntnisse, u.ä. zustande. Jeder weiß, wonach er sich zu richten hat, auch der Lehrer. Ein schwerer Verstoß gegen die Vorschriften ist einklagbar. In der Waldorfpädagogik ist der Lehrer die höchste Instanz (s. Schule ohne Schulleitung). Prange hierzu: „In der Waldorfschule herrscht der Lehrer; er ist der König, absoluter Monarch und an keine Konstitution gebunden außer seiner Wesenserkenntnis, gegen die es keine Appellation und keine Berufung gibt.“ (2000, S. 149)

Für Steiner ist der Lehrer sogar eine Art Hohepriester: „Der Erzieherberuf [werde sich] umwandeln lassen … zum ganz wahrhaften Priesterberuf“ (GA 310, 36f). „Dem irdischen Leben haben wir zu übergeben, was aus den göttlich-geistigen Welten uns zugekommen ist in dem Kinde. … Wenn wir diese Verhältnisse bedenken, dann erwacht in uns der etwas wie das priesterliche Erziehergefühlt.“ (GA 308, 31) Die Lehrer haben „die göttlichen Pläne mit der Welt zu verwirklichen“, „die Intentionen der Götter aus[zu]führen.“ (GA 298,28) (Steiner, zitiert nach Zander 2007, S.1418)

Schule ohne Schulleitung

Waldorfschulen kommen ohne Schulleitung aus. Die Schulen werden durch das Kollegium als Ganzes geführt. Die Entscheidungsfindung erfolgt jedoch nicht demokratisch durch Abstimmung, sondern durch das „Einmütigkeitsprinzip“. Eine Entscheidung gilt dann als einmütig getroffen, wenn niemand im Kollegium widerspricht. Andersherum hat jeder eine Art Vetorecht. Man kann sich leicht vorstellen, dass dieses Verfahren leicht zu Spannungen im Kollegium führen kann. Cornelia Giese berichtet sogar davon, dass nichtanthroposophische Lehrkräfte nicht an so genannten „Internen Konferenzen“, die die wesentlichen Dinge der Schule besprechen, teilnehmen dürfen. (2008, S. 112) Ob dies an Waldorfschulen übliche Praxis ist, ist mir nicht bekannt.

Zeugnis und Beurteilung

Für manche Eltern erscheint es sehr attraktiv, dass die Waldorfschulen auf Noten verzichten. Damit ist auch verbunden, dass die Waldorfschule kein Sitzenbleiben kennt – letztlich folgt dies auch aus der starren Entwicklungslehre und der Vorstellung der Klasse als Schicksalsgemeinschaft.

Statt Noten gibt es Textzeugnisse, die sich in einen objektive und einen subjektiven Teil gliedern und mit einem Zeugnisspruch enden, der auswendig gelernt und zu allerlei Anlässen vor der Klasse oder der ganzen Schule rezitiert wird, wie z.B.:

„Arbeit zur rechten Zeit, zur rechten Zeit Spiel,

Schaffen und Lauschen führt uns zum Ziel.“ (zitiert nach Prange, 2000, S. 150)

Die Schüler sollen in den Zeugnissen umfangreich charakterisiert werden. Die Beurteilung geht also weit über ein Notenzeugnis hinaus. Die Charakterisierung erfolgt „projektiv entlang dem anthroposophischen Verständnis von Wille, Verstand und Gefühl.“ (ebd.)

Da hat man „freudig teilgenommen“, „geht gut mit“, oder hat das „Gebotene innerlich aufgenommen“. (vgl. Prange, 2000, S. 151f) Der Lehrer kann auch seinen Unmut zum Ausdruck bringen. „So vermerkt das Zeugnis eines aufmüpfig-kritischen Jungen in der 9. Klasse für das Fach Geschichte, es mangele ihm ,an kraftvollem Arbeitseinsatz, die häuslichen Aufgaben zu verrichten‘ und den ,Darbietungen mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu folgen.‘“ (ebd.) Ein Jahr später ist Besserung zu erkennen, der Musiklehrer atmet auf: Er hat mit der Zeit immerhin so viel Achtung vor der Musik Beethovens entwickelt, daß er die grobianistischen Störungen unterlassen konnte.“ (ebd.)

Auch an Staatsschulen gibt es, teilweise bis zur vierten Klasse, Textzeugnisse. Diese bedienen sich jedoch allgemeiner Formulierungen und sind fachbezogen. Moralische Wertung oder Charakterbeschreibung gehört nicht in ein Staatsschulzeugnis.

Prange urteilt vernichtend über die Zeugnispraxis an Waldorfschulen: „Bewertet wird die Gesinnung, nicht das, was als Ergebnis fassbar und in Grenzen menschlicher Irrtumsmöglichkeiten aussagbar ist. Die Zeugnisse der Waldorfschule sind das Paradestück der Gesinnungspädagogik, gegründet auf der Zuversicht, der Lehrer könne mit dem sicheren Blick eines kleinen Gottes die innere Einstellung, die Motive und Zukunftsaspekte des Lernenden erfassen.“ (2000, S. 152)

Waldorflehrerausbildung

Das Grundgesetz fordert von Privatschulen, dass „diese in der wissenschaftlichen Ausbildung ihrer Lehrkräfte nicht hinter den öffentlichen Schulen zurückstehen.“ (Art 7, GG)

Da erstaunt es schon, dass man ein Waldorfdiplom im Fernstudium erlangen kann und man keine Universität betreten muss, um Waldorflehrer zu werden. Die Inhalte der „Studiengänge“ an Waldorfseminaren unterscheiden sich voneinander. Eine starke anthroposophische Ausrichtung ist ihnen jedoch gemein.

Exemplarisch möchte ich aus der Inhaltsübersicht des Grundstudiums des Waldorfinstituts „Fernstudium Waldorfpädagogik“ in Jena zitieren:[xii]

Aus dem Inhalt des Grundstudiums am Institut „Fernstudium Waldorfpädagogik“, Jena

 

Das Studium besteht nahezu ausschließlich aus Anthroposophie. Neuere Erkenntnisse der Lern- und Entwicklungspsychologie bleiben außen vor. Steiners Geschichtsbild, beginnend bei Atlantis, ersetzt die geschichtswissenschaftlich orientierte Fachdidaktik der staatlichen Lehrerausbildung. Das naturwissenschaftliche Denken wird diskreditiert. Dafür erfährt der angehende Waldorfpädagoge, was es mit Engeln, Elementarwesen und Dämonen auf sich hat.

Von einer gleichwertigen Ausbildung, wie sie das Grundgesetz fordert, kann überhaupt keine Rede sein. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, hält die Waldorflehrerausbildung für „höchst fragwürdig“. Er zitiert aus mehreren Abschlussarbeiten, die an der Freien Hochschule Stuttgart angenommen wurden und analog zu Examensarbeiten in der staatlichen Lehrerausbildung zu sehen sind; z.B.:

„Im Mai 2005 wurde (…) Stuttgart beispielsweise eine Arbeit zum Thema Der Konjunktiv in der Sprachlehreepoche der 6. Klasse angenommen, die unter anderem von einem Vortrag Steiners vom 6. Februar 1923 ausgeht. Danach wird ein Kind das sich mit Grammatik, mit Indikativ oder Konjunktiv beschäftige, in die Lage versetzt, dass es dazu sein ganzes Frühstück, von der Seele unbeeinflusst, in seinem Organismus kochen lässt. Und: Die Gedärmkrankheiten kommen sehr häufig von dem Unterricht in Grammatik. Die ‚Diplomandin‘ hat auch entdeckt, dass die sprachliche Umsetzung und das Begreifen des Modus eng an das Gleichgewichtssystem gebunden ist[xiii] Kraus kommt zu dem Schluss: „Mit Wissenschaft und wissenschaftlicher Ausbildung, wie sie das Grundgesetz auch von Lehrern an freien Schulen verlangt, hat das wenig zu tun.“[xiv]

Fazit und Forderung an die Schulpolitik

In der Waldorflehre kommt eine deterministische Karma-Lehre zur Anwendung. Aus dem Zahnstand und Zahnstatus meint man auf den Charakter von Kindern schließen zu können. Hinzu kommt die Lehre von den Temperamenten, die den Charakter der Kinder ohne nachvollziehbare Begründung in vier Grundtypen einteilt.

Ein unwissenschaftliches, esoterisches, entwicklungspsychologisches Stufenmodell führt zur Ablehnung naturwissenschaftlicher Arbeitsweisen bis in die Mittelstufe hinein. Kritisches Denken wird bis ins Erwachsenenalter abgelehnt. Autorität und Nachfolge sind stattdessen laut Steiner die obersten pädagogischen Prinzipien. Ein Punkt, den man jedem vor Augen halten sollte, der das Wort „Reformpädagogik“ im Zusammenhang mit Waldorferziehung im Munde führt. War die Reformpädagogik doch ursprünglich angetreten, um den alten autoritären Geist aus den Klassenzimmern zu fegen, ist der Klassenlehrer an einer Waldorfschule, ein Alleinherrscher.

Die angeblich ganzheitliche Sicht auf das Kind entpuppt sich bei näherem Hinsehen als kosmisch-esoterisches Orakel, dessen Spruch sich einmal pro Schulhalbjahr auf dem Gesinnungszeugnis Schülern und Eltern offenbart. Die subjektiven „Schauungen“ des Waldorflehrers werden zu absoluten kosmischen Wahrheiten erhoben.

Hinzu kommt eine Waldorflehrerausbildung, deren gesetzlich vorgeschriebene Gleichwertigkeit mehr als fragwürdig ist.

Dabei bleiben viele Kritikpunkte an dieser Stelle unberücksichtigt. Sie würden den Rahmen des Artikels sprengen, lohnen aber eine weitere kritische Beschäftigung mit dem Thema. Dazu zählen die, hier nur angerissenen, rassistischen Äußerungen Rudolf Steiners, die vor allem wegen der fehlenden Abgrenzung der Anthroposophen von ihrem Übervater problematisch sind, oder die Eurythmie, ein esoterischer Tanz, der an allen Waldorfschulen unterrichtet wird, sowie die Rolle der anthroposophischen Medizin in Waldorfeinrichtungen. Problematisch ist auch die Finanzierung der Waldorfschulen, die zum größten Teil durch öffentliche Zuschüsse erfolgt. Darüber hinaus müssen Waldorfeltern Schulgeld bezahlen und sind an vielen Waldorfschulen zu umfangreicher Mitarbeit verpflichtet. Sie haben jedoch kaum Möglichkeiten zur Mitsprache (vgl. Jacob/Drewes, 2004) Die Aufzählung ließe sich noch lange fortführen.

Klaus Prange (2000), fragt ketzerisch, was Anthroposophen eigentlich sehen, wenn sie durch ihre schiefen Fenster in die Welt blicken. Vielleicht sehen sie ja tatsächlich die Kobolde, Elementarwesen, Feen und Elfen von denen sie so gerne erzählen. Es scheint jedoch unbedingt geboten, dass die Schulaufsichten einen genaueren Blick durch die schiefen Fenster in die Waldorfschulen und Waldorflehrerseminare hineinwerfen.

Die Aufsichtsbehörden sind vor allem deshalb gefragt, weil die Rolle, die die Anthroposophie in der Unterrichtspraxis tatsächlich spielt, stark vom Lehrer abhängt. Es ist jedenfalls nicht hinnehmbar, dass Geschichtsunterricht bei Atlantis beginnt und naturwissenschaftlicher Unterricht mit der Lehre von Elementarwesen verwässert wird. Es gibt sicher Waldorflehrer, die die Anthroposophie und die hier kritisierten Konzepte außen vor lassen. Waldorfkritische Publikationen und das Curriculum der Waldorflehrerseminare belegen aber auch, dass es anthroposophisch geprägten Unterricht an den meisten Waldorfschulen gibt und dass dieser vom Dachverband „Bund der Freien Waldorfschulen“ gewollt ist.

Ich habe mit Lehrern und ehemaligen Schülern von insgesamt vier Waldorfschulen in Bremen, Niedersachsen und Baden-Würtemberg gesprochen. An allen gab oder gibt es anthroposophisch geprägten Unterricht. Einige berichteten von einem sektenhaften Charakter der Schule und ihres Umfelds. Letztlich ist es jedoch nicht möglich, allgemeingültige Aussagen zu treffen. Das ist das Dilemma der Waldorfkritik: Man erfährt sehr wenig von dem, was tatsächlich in den Klassenräumen passiert. Lehrbücher, die man kritisch untersuchen könnte, gibt es nicht. In der offiziellen PISA-Auswertung tauchen die Waldorfschulen nicht auf, die Teilnahme an anderen unabhängigen Vergleichsuntersuchungen verweigern die Waldorfschulen: Eine Bremer Waldorflehrerin prahlte im Frühjahr bei einem Eltern-Infoabend damit, dass man, entgegen dem Wunsch der Senatorin für Bildung, nicht an den VERA Vergleichsarbeiten teilgenommen habe. Hier sollte die Politik mehr Druck ausüben und Waldorf- und andere Privatschulen verpflichten in den offenen Wettbewerb mit den staatlichen Schulen einzutreten und an Evaluationsstudien teilzunehmen. Die Waldorfschulen könnten dies als Chance begreifen die selbst postulierte Überlegenheit der Waldorfpädagogik zu belegen. Im umgekehrten Fall wäre es eine Chance sich von Rudolf Steiner und seiner kruden Lehre zu emanzipieren.


Autoreninfo: André Sebastiani, geb. 1977, studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster Lehramt für die Primarstufe. Nach seinem Referendariat in Vechta arbeitet er seit 2005 im Grund- und Sekundarschulbereich in Bremen. 


Credits: Der Artikel „Versteinerte Erziehung“ von André Sebastiani erschien zuerst in der Ausgabe 4/2011 des Magazins „Skeptiker“ der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.“, GWUP.

Der Artikel wurde am 15.11.2012 von André Sebastiani als freier Vortrag an der Universität Siegen gehalten, auf Einladung des Fachschaftsrats für Geistes- und Gesellschaftswissenschaften für alle Lehramts-, Bachelor- und Master/Magisterstudierende.


Weiterführende Artikel der Ruhrbarone:

Geschichte in der Waldorfschule: ‘Atlantis’ und die ‘Rassen’  Vortrag von Andreas Lichte an der Universität Siegen

Waldorfschule in staatlicher Trägerschaft – offener Brief an Senator Ties Rabe, Hamburg – in Hamburg soll die erste „staatliche Waldorfschule“ entstehen

Man kann nicht nur ein ‘bisschen’ Waldorf sein – Interview mit Prof. Dr. Stefan T. Hopmann, Bildungswissenschaftler an der Universität Wien

3 Jahre Rudolf Steiner ist „zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen“ – die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ (BPjM) entschied, dass Bücher Rudolf Steiners rassistischen Inhalt haben

Anthroposophie und Nationalsozialismus: ‘Die Waldorfschulen erziehen zur Volksgemeinschaft’  über die anthroposophische Zusammenarbeit mit nationalsozialistischen Organisationen


Literatur:

Giese, Cornelia: Die freie Waldorfschule – Eine Mogelpackung?, Kenzingen, 2008

Jacobs, Sybille-Christin; Drewes, Detlef: Aus der Waldorfschule geplaudert, Aschaffenburg, 2. überarbeitete Auflage, 2004

Kahlert, Joachim: Der Sachunterricht und seine Didaktik, Stuttgart, 2009

Kayser, Martina; Wagemann, Paul-Albert: Wie frei ist die Waldorfschule: Geschichte und Praxis einer pädagogischen Utopie, Berlin, 1991

Prange, Klaus: Erziehung zur Anthroposophie, 3. Auflage, Bad Heilbrunn, 2000

Steiner, Rudolf: Mein Lebensgang, TB-Ausgabe, Bd. 636 (GA28), Dornach 1982

Steiner, Rudolf: Die geistig-seelischen Grundkräfte der Erziehungskunst, TB-Ausgabe, Bd. 604, Dornach 1982

Zander, Helmut: Antroposophie in Deutschland, Göttingen 2007 



[i] http://www.steiner-haus-ffm.de/anthroposophie.htm, Zugriff am 06.10.2011.

[iii] siehe dazu die Websites der anthroposophischen Gesellschaften, bspw. http://www.goetheanum.org/fileadmin/aas/downloads/16ZimmermannStudium.pdf, Zugriff 20.11.2011, sowie Zander 2007.

[vii] Steiner, Rudolf: Anthroposophische Menschenkunde und Pädagogik, Gesamtausgabe Bd. 304a, Dornach, S.75 zitiert nach: Prange, Klaus: Erziehung zur Anthroposophie, S. 24

[viii]  „Wie gut sind Waldorfschulen?“, Dokumentation, SWR-Fernsehen, Erstausstrahlung 6.11.2006

[ix] Wolfgang Held in „Radiodiskussion zum 150. Geburtstag Rudolf Steiners“, SWR 2, 25.02.2011.

[xi] „Wie gut sind Waldorfschulen?“, Dokumentation, SWR-Fernsehen, Erstausstrahlung 6.11.2006

[xiv] ebd.

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76 Kommentare zu “Waldorfschule: Versteinerte Erziehung

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  • #52
    Alex

    “ „So wird auch das Erkennen zu einem Vorgang in der Wirklichkeit. Fragen offenbaren sich in der Welt, Antworten offenbaren sich als Wirklichkeiten; Erkenntnis im Menschen ist dessen Teilnahme an dem, was sich die Wesen und Vorgänge in der geistigen und physischen Welt zu sagen haben.“ (Steiner 1975, S. 225, zitiert nach Prange 2000, S. 65)

    Dieses Zitat erscheint sehr rätselhaft. Offenbar meint Steiner damit, dass der Vorgang des Erkennens einen Rückschluss auf die Wirklichkeit erlaubt. Dadurch, dass ich mir etwas geistig vorstelle (es erkenne) (-) , nehme ich als Mensch teil an dem, was in der „geistigen und physischen Welt“ vor sich geht. Es wird dadurch real. Hier liegt Steiners gedanklicher Kurzschluss. “

    (-) Offensichtlich meint er eben genau nicht, dass der Vorgang der Erktenntnis ein geistiges vorstellen von Bildern ist, sondern dass es sich bei dem Vorgang der Erkenntnis um das Erkennen des bereits Vorhandenen handelt.
    Ein Eintauchen in die Wirklichkeit/geistige Welt und kein ’sich vorstellen‘ (ungleich zum Erkennen).
    Dies ist ein großer, grundlegender Unterschied.

  • #53
    Andreas Lichte

    @ Alex #52

    Sie schreiben: „Dies ist ein großer, grundlegender Unterschied.“

    noch mehr „Unterschiede des Erkennens“ bei Rudolf Steiner:

    “Die blonden Haare geben eigentlich Gescheitheit. Geradeso wie sie wenig in das Auge hineinschicken, so bleiben sie im Gehirn mit Nahrungssäften, geben ihrem Gehirn die Gescheitheit. Die Braunhaarigen und Braunäugigen, und die Schwarzhaarigen und Schwarzäugigen, die treiben das, was die Blonden ins Gehirn treiben, in die Augen und Haare hinein. Daher werden sie Materialisten, gehen nur auf dasjenige, was man sehen kann, und es muss durch eine geistige Wissenschaft ausgeglichen werden. Man kann also eine Geisteswissenschaft haben in demselben Masse, als die Menschheit mit der Blondheit ihre Gescheitheit verliert. (…) Denn es ist tatsächlich so, dass, je mehr die blonden Rassen aussterben, desto mehr auch die instinktive Weisheit der Menschen stirbt. Die Menschen werden dümmer.”

    Rudolf Steiner

  • #54
    Alex

    @Andreas Lichte

    Hmm.. interessant, weiter als den oberen Abschnitt hatte ich nicht gelesen. Ich kannte Rudolf Steiner und die Anthroposophie bisher nicht. Bin also auch kein Vertreter seiner Philosophie oder Weltansicht, jedoch unterstütze ich Meinungsmache nicht. Der Unterschied, den ich bereits beschrieben hatte, ist sehr deutlich zu erkennen und derart geschriebene Texte, lese ich nicht.
    Ich bin in der Lage mir selbst ein Bild zu machen, dazu brauche ich niemanden, der für mich richtungsweisend analysiert.
    Auch wenn ihr genanntes Beispiel für sich spricht, so würde ich mir doch lieber eine neutrale Quelle suchen, denn nun stellt sich mir leider die Frage, ob ihr genanntes Beispiel jemals so von dem Herrn Rudolf Steiner je verfasst wurde.

    Grüße

  • #55
    SteLu

    # 54 falls es sich bei dem Zweifel an dem Steinerzitat um das letzte von Herrn Lichte zitierte handeln sollte – meines Wissens stammt es aus Rudolf Steiner: Über Gesundheit und Krankheit, Dornach 1983 S.103. Das ist jetzt zwar auch nur aus einer Sekundärquelle, sollte aber nachprüfbar sein.

  • #56
    Andreas Lichte

    @ Alex #54

    Rudolf Steiner, “Über Gesundheit und Krankheit. Grundlagen einer geisteswissenschaftlichen Sinneslehre”, GA348, FÜNFTER VORTRAG, Dornach, 13. Dezember 1922 – Seite 103:

    “Die blonden Haare geben eigentlich Gescheitheit. Geradeso wie sie wenig in das Auge hineinschicken, so bleiben sie im Gehirn mit Nahrungssäften, geben ihrem Gehirn die Gescheitheit. Die Braunhaarigen und Braunäugigen, und die Schwarzhaarigen und Schwarzäugigen, die treiben das, was die Blonden ins Gehirn treiben, in die Augen und Haare hinein. Daher werden sie Materialisten, gehen nur auf dasjenige, was man sehen kann, und es muss durch eine geistige Wissenschaft ausgeglichen werden. Man kann also eine Geisteswissenschaft haben in demselben Masse, als die Menschheit mit der Blondheit ihre Gescheitheit verliert. (…) Denn es ist tatsächlich so, dass, je mehr die blonden Rassen aussterben, desto mehr auch die instinktive Weisheit der Menschen stirbt. Die Menschen werden dümmer.”

    Hier der gesamte Vortrag Rudolf Steiners online (und Sie sollten ihn komplett lesen, um wirklich zu verstehen, daß der Wahnsinn Rudolf Steiners kein „Unfall“ ist):

    http://fvn-rs.net/index.php?option=com_content&view=article&id=3692:fuenfter-vortrag-dornach-13-dezember-1922&catid=246:ga-348-ueber-gesundheit-und-krankheit-grundlagen&Itemid=19

  • #57
    Andreas Lichte

    „Geschichte in der Waldorfschule: ‘Atlantis’ und die ‘Rassen’

    (…)

    Rassismus im Geschichtsunterricht der Waldorfschule

    Historiker wie Peter Staudenmaier und Helmut Zander stellen die Rassenlehre Rudolf Steiners als ZENTRAL für die Anthroposophie heraus. Steiners esoterische Evolutionslehre – die „Menschheitsentwickelung“ – ist Beweggrund und Ziel der Anthroposophie, Zitat Staudenmaier:

    „Ausgehend von Blavatskys4 entwicklungstheoretischem Ansatz baute Steiner eine Evolutionslehre der Völker- und Rassengruppen auf, wonach die menschliche Seele durch aufeinanderfolgende Verkörperungen in immer ‘höheren’ Rassen geistig wie leiblich fortschreitet. Diese Stufenleiter der Rassen steht IM MITTELPUNKT von Steiners esoterischem Verständnis der Gesamtentwicklung der Menschheit, vom Verhaftetsein in der Materie hin zur geistigen Vervollkommnung.”5

    Zum Vergleich Helmut Zanders zusammenfassende Darstellung von Rudolf Steiners Rassenlehre, Zitat Zander:

    „Steiner ordnete die Rassen einer Fortschrittsgeschichte zu, in der beispielsweise heutige Indianer als ‘degenerierte Menschenrasse’ im ‘Hinsterben’ (GA 105,106.107 [1908]) oder schwarze Afrikaner als defiziente Spezies der Menschen- und Bewußtseinsentwicklung, als ‘degenerierte’, ‘zurückgebliebene’ Rasse (ebd., 106) erschienen. Umgekehrt habe die weiße Rasse ‘das Persönlichkeitsgefühl am stärksten ausgebildet’ (GA 107,288 [1909]). Dies sind nur Kernsätze einer Rassentheorie, die Steiner 1904 erstmals formulierte, um sie 1910 in einem komplexen System und in zunehmender Abgrenzung zu theosophischen Positionen auszufalten. Mit seinem Ausstieg aus der Theosophie hat er diese Vorstellungen keinesfalls über Bord geworfen, sondern sie 1923 nochmals in Vorträgen vor Arbeitern des Goetheanum in vergröberter, ‘popularisierter’ Form wiederholt, aber ohne Revision im inhaltlichen Bestand. Die weiße war nun ‘die zukünftige, die am Geiste schaffende Rasse’ (GA 349,67 [1923]).“6

    „Steiner formulierte mit seinem theosophischen Sozialdarwinismus eine Ethnologie, in der die Rede von ‘degenerierten’, ‘zurückgebliebenen’ oder ‘zukünftigen’ Rassen keine ‘Unfälle’, sondern das Ergebnis einer konsequent durchgedachten Evolutionslehre waren. Ich sehe im Gegensatz zu vielen Anthroposophen keine Möglichkeit, diese Konsequenz zu bestreiten.“7

    Was bedeutet das für den Geschichtsunterricht in der Waldorfschule?

    Geschichtsepochenhefte beginnen mit „Atlantis“. Dazu sagt der Anthroposoph Richard Karutz8 – mit dem Ziel, die Vereinbarkeit von anthroposophischer und nationalsozialistischer Rassenlehre herauszustellen: „Der Nationalsozialismus ist, vielen unbewusst, tatsächlich eine geistige Bewegung, Rassenbildung und Rassenschichtung in Europa gehen tatsächlich bis in jene atlantischen Zeiten zurück, von denen Rudolf Steiner spricht.“9

    (…)“

    zum vollständigen Artikel mit Quellenangaben: http://www.ruhrbarone.de/geschichte-in-der-waldorfschule-atlantis-und-die-rassen/49644

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  • #60
    Uriela Siefer

    Dieser Artikel ist wirklich großartig, er trifft den Nagel auf den Kopf. Ich als ehemalige Waldorfschülerin finde, dass es allerhöchste Zeit ist, dass hier etwas passiert. Allerdings haben wir das Problem, dass das staatlichen Schulsystem für viele Menschen keine alternative anzubieten hat. Es kann nicht angehen, dass man Schulversuche, neue freie Schulprojekte, die ernsthaft bemüht sind, die veralteten, verkarsteten Strukturen unseres Schulsystems zu verändern, in den Wettbewerb gezwungen werden. Besonders wenn es deren erklärtes Ziel ist, Lernorte zu schaffen die auf Zusammenarbeit und Kooperation basieren und in denen Kinder individuelle Förderung erfahren und in ihrem eigenen Tempo lernen dürfen. Zwischen Qualitätsprüfung und Anpassungszwang, gibt es einen feinen Unterschied. Ich stimme zu: Die Waldorfschule ist keine echte alternative, vor allem auch weil sie vom Grundprinzip, der Gleichen Problematik unterliegt wie das gesamt Schulsystem. Hierzu habe ich einen Auszug aus einem Vortrag von Sir Ken Robinson übersetzt, der meines Erachten den Kern der Sache ziemlich genau beschreibt. Die Übersetzung ist mir ist etwas holprig geraten, ich schicke den Link zum Original mit, wer also überprüfen will, kann sich das Video dazu anschauen. (Hab das Video bei der RSA gefunden). Ich kann die Seite der Royal Society of Arts sehr empfehlen, zu allen Möglichen Themenbereichen haben die sehr spannende Beiträge.

    http://www.thersa.org/events/rsaanimate/animate/rsa-animate-changing-paradigms

    Paradigmenwechsel von Sir Ken Robinson:

    Alle Länder dieser Erde versuchen momentan die öffentliche Bildung zu reformieren. Dafür gibt es zwei Gründe.

    Der erste ist ökonomischer Natur, man versucht herauszufinden: Wie schaffen wir es, unsere Kinder so auszubilden, das sie ihren Platz in der Wirtschaftswelt des 21. Jahrhunderts finden. Wie machen wir das. Wissend, dass wir nicht vorhersagen können wie die Ökonomie am Ende der nächsten Woche, aussehen wird. Wie der Tumult der zur Zeit herrscht, demonstriert. Wie machen wir das.

    Der zweit Grund ist kultureller Natur: Jedes Land auf der Erde versucht herauszufinden, wie bilden wir unsere Kinder aus, so dass sie eine kulturelle Identität entwickeln. So dass wir die kulturellen Gene aus unseren jeweiligen Gemeinschaften, weitergeben können, während wir alle gleichzeitig Teil der Globalisierung sind. Wie bekommen wir diese Quadratur des Kreises hin.

    Das Problem ist, dass die Meisten versuchen der Zukunft zu begegnen, indem sie das tun, was sie in der Vergangenheit getan haben. Dabei werden Millionen Kinder ausgeschlossen, die keinen Sinn mehr darin sehen zur Schule zu gehen.
    Als wir zur Schule gingen, hat man uns erzählt, wenn du fleissig lernst, gute Leistungen erbringst und einen ordentlichen Schulabschluss machst, dann bekommst du auch Arbeit. Unsere Kinder heute glauben das nicht mehr. Und sie haben übrigens recht. Es ist zwar besser einen Abschluss zu haben, aber es ist keine Garantie mehr. Insbesondere dann nicht, wenn der Weg dahin, marginalisiert, was dir selber wichtig ist.

    Mache Leute sagen: Wir müssen die Standart erhöhen, dass wäre der Durchbruch. Ja wirklich, wir sollten. Warum sollten wir die Standards senken. Das würde Diskussionen geben, wenn man vorschlüge Standards zu senken, anstelle sie zu erhöhen. Natürlich müssen wir sie erhöhen.

    Das Problem ist nur, dass das momentane Bildungssystem für ein anderes Zeitalter, entwickt, erdacht und strukturiert wurde. Es wurde erdacht, in dem intellektuellen Kulturklima der Aufklärung; und unter der ökonomischen Bedingungen der industriellen Revolution. Vor Mitte des 19. Jahrhunderts, gab es kein öffentliches Schulsystem.
    Nicht wirklich, Bildung konnte man vielleicht bei den Jesuiten erlangen, wenn man das Geld dafür hatte. Aber öffentliche Bildung, finanziert aus Steuermitteln, für jeden zugänglich, unabhängig von der Herkunft. Das war eine revolutionäre Idee.
    Und viele haben das abgelehnt, sie haben gedacht, dass es für Strassenkinder und Arbeiterkinder, nicht möglich wäre von öffentlichen Schulen zu profitieren.
    Diese Kinder wären nicht fähig lesen und schreiben zu lernen, warum sollte man damit also Zeit vergeuden.

    Die Grundidee war also auch eingebettet in die damalige Anschauung von sozialen Strukturen und Möglichkeiten, sie war angetrieben von dem ökonomischen Imperativ dieser Zeit. Aber wenn man sich das genauer anschaut, was war die intellektuelle Vorstellung vom menschlichen Geist, in dieser Zeit. was war die essenzielle Vorstellung von Intelligenz, im Klima der Aufklärung.
    Wirkliche Intelligenz, bedeutete: fähig zu sein schlussfolgernd denken zu können und die Klassiker zu kennen. Das betrachtete man als akademische Eignung. Und das steckt tief im Genpool der öffentlichen Bildungssystems. Es gibt zwei Sorten von Menschen. Akademiker und nicht Akademiker. Schlaue Leute und Nicht so schlaue Leute. Die Konsequenz davon ist, das viele brillante Menschen denken sie wären dumm. Weil sie in diesem System so beurteilt wurden. Also: Die zwei Säulen unseres Bildungssystems sind zum einen ökonomisch und zum anderen intellektuell. Meiner Ansicht nach hat dieses Model Chaos erzeugt, im Leben vieler Menschen. Für manche funktioniert es prima, Manche profitieren wunderbar davon, aber die meisten Menschen eben nicht.

    Anstelle dessen erleiden sie z.B.: dieses: Das ist die Landkarte einer modernen Epidemie, die sowohl unangebracht. als auch fiktiv ist. Es ist die Plage ADHS. Diese Karte zeigt die Verbreitung von ADHS in Amerika. Verstehen sie mich nicht falsch. Ich will nicht sagen, dass es ADHS nicht gibt. Ich bin nicht qualifiziert, eine solche Aussage machen zu können. Viele Psychologen und Kinderärzte sagen, das es so etwas sehr wohl gibt. Aber das Thema wird immer noch diskutiert.
    Was ich mit Sicherheit weiss ist, dass es keine Epidemie ist.
    Diese Kinder werden so routinemäßig medikamentiert, wie man uns die Mandeln herausgenommen hat, und zwar aus vergleichbaren Gründe: Es ist eine medizinische Modeerscheinung.

    Unsere Kinder leben in einer Zeit, die intensiv stimulierend ist, mehr als zu jeder anderen Zeit in der gesamten Menschheitsgeschichte. Sie werden mit Informationen überflutet, von allen erdenklichen Medien: Computer, Spielekonsolen, I Phons, Werbung, hunderte von Fernsehkanälen.
    Sie haben Konzentrationsprobleme. Von was? Langweiligem Zeug in der Schule, zum größten Teil zumindest.

    Es ist sicher kein Zufall, dass die ADHS Rate parallel zu den standarisierten Tests gestiegen ist. Die Kinder bekommen häufig Retalin usw. eigentlich ziemlich gefährliche Drogen, damit sie sich besser konzentrieren können und um sie zu beruhigen, damit sie mithalten können.
    Seltsam ist nur, dass ADHS zunimmt je näher man der Ostküste kommt.
    Das Interesse verliert sich in Oklahoma, in Arkansas können sie kaum klar denken,
    und wenn man in Washington ankommt, sind sie offenbar total verloren. Dafür gibt es wohl verschiedene Gründe (kleiner Scherz). Es ist eine fiktive Epidemie.

    Die Künste, auch die Wissenschaften und Mathematik, wie ich finde, aber eben insbesondere die Künste sind Opfer dieser Mentalität. Die Künste vermitteln die Idee einer ästhetischen Erfahrung. Eine ästhetische Erfahrung ist, wenn alle Sinne voll auf der Höhe funktionieren, wenn man in dem Moment voll da ist, wenn man mit Begeisterung in Resonanz gehst, mit dem was man gerade erlebt, wenn man sich ganz lebendig fühlt. Anästhetisch ist hingegen, wenn die Sinne abgeschaltet werden und man gefühllos demgegenüber wird, was um einen herum geschieht.
    Und viele dieser Drogen tun genau das. Wir bringen unsere Kinder also durch die Schule, indem wir sie anästhesieren.

    Ich denke wir sollten genau das Gegenteil tun, wir sollten sie aufwecken, zu dem was sie in sich tragen. Ich glaube, dass unser Bildungssystem für die Industrialisierung gedacht wurde und als Abbild der Industrie zu erkennen ist.
    Schulen sind immer noch ziemlich angelehnt an die Zeit der industriellen Revolution, mit Pausenklingel, separaten Klos, spezialisiert in verschiedene Fächer. Immer noch bilden wir unsere Kinder nach Etiketten aus, wir trennen sie nach Altersgruppen. Warum machen wir das? Warum gibt es diesen Glauben, dass das wichtigste was die Kinder gemeinsam haben ihr alter ist? Es ist als wäre das Datum der Herstellung das wichtigste an ihnen.

    Ich kenne Kinder die in einem bestimmten alter, unterschiedlichen Disziplinen, viel besser sind als andere Kinder, oder zu verschiedenen Tageszeiten, oder sie sind besser in kleinen Gruppen als in großen Gruppen, oder sie wollen manchmal alleine sein. Wenn sie Interesse an einem Model für das lernen haben, dann sollten sie nicht mit dieser Produktionsstrassen-Mentalität beginnen. Vorwiegend ist diese Mentalität von Anpassung bestimmt und es wird zunehmend davon bestimmt, mit dem Anstieg der standardisierten Tests und dem standarisierten Lehrplan. Es geht insgesamt um Normierung und ich glaube wir sollte in die exakt gegensätzliche Richtung gehen. Das meine ich mit Paradigmenwechsel.

    Letztens wurde eine große Studie über divergentes (abweichendes / kritisches) Denken durchgeführt. Es ist zwar nicht das selbe wie Kreativität, unter Kreativität verstehen ich,´ eigene Ideen zu entwickeln, die wertvoll sind. Divergentes Denken ist kein Synonym für Kreativität, aber es ist die essenzielle Grundvoraussetzung für dafür. Es ist die Fähigkeit möglichst viele Antworten auf Fragen zu sehen, viele Möglichkeiten zu sehen diese Antworten zu interpretieren. Es ist was Ed De Bonbon Querdenken nennt, also nicht linear oder zusammenlaufend. Viele Antworten zu sehen nicht nur eine. Ein Beispiel hierfür könnte die Frage sein: Wie viele Möglichkeiten kannst du dir ausdenken, wie man eine Büroklammer verwenden kann. Die meisten Menschen würden 10 bis 15 Möglichkeiten finden.
    Menschen die gut darin sind finden vielleicht sogar 200 Möglichkeiten. Sie können das indem sie sich fragen: Könnte diese Büroklammer 200 Meter hoch sein und aus Knete bestehen. Also es ist zwar eine Büroklammer aber keine eben keine gewöhnliche.

    Dieser Test wurde mit 15000 Menschen durchgeführt, nachzulesen in dem Buch: Wendepunkt und darüber hinaus. Folgt man dem Protokoll dieses Testes und betrachtet es an einer Richtschnur, wäre man bei 200 Möglichkeiten eine Büroklammer zu verwenden, ein Genie im divergenten Denken. Diejenigen, die diesen Genielevel erreicht haben, waren Kindergartenkinder. Was würden sie sagen, wie viele Kindergartenkinder haben diesen Genielevel erreicht? 80? Es waren 98%. Nun es handelte sich bei dieser Studie um eine Langzeitstudie, die selben Kinder wurden also in verschiedenen Altersstufen noch mal getestet. z.B.: 5 Jahre später, im Alter von 8-10 Jahren, was glauben sie, wie hoch war da die Prozentzahl? 50%. 5 Jahre später wurden die Kinder noch mal getestet im Alter von 13-15 Jahren. Sie können den Trend sehen. Das erzählt uns eine interessante Geschichte, man könnte sich ja auch vorstellen das die Entwicklung andersherum verläuft. Am Anfang ist man noch nicht so gut darin, wird aber besser je älter man wird. Dies zeigt und zwei Dinge: 1. wir alle haben diese Fähigkeit und 2. diese Fähigkeit schwindet im laufe der Zeit. Was mit diesen Kinder in der Zwischenzeit passiert ist? eine menge. Aber vor allem wurden sie beschult. Sie sind 10 Jahre zur Schule gegangen und haben gelernt: Es gibt eine Antwort und die steht auf der Rückseite und ja nicht nachgucken und ja nicht beim Tischnachbarn abschauen, das ist Betrug. Ausserhalb der Schule nennt man das zwar Zusammenarbeit, aber innerhalb der Schule….

    Das passiert nicht weil die Lehrer das so wollen, es geschieht einfach, weil es im Genpool des Bildungssystems steckt. Wir müssen lernen über menschliche Potentiale anders zu denken. Wir müssen dieses veraltete Konzept überholen. Diese Kategorien: Akademisch, nicht Akademisch, Abstrakt, Theoretisch, um sie als das zu erkennen was sie sind: ein Mythos. 2. müssen wir lernen, das Lernen besser in Gruppen funktioniert, Zusammenarbeit ist der Stoff aus dem Wachstum besteht. Menschen zu atomisieren, sie getrennt voneinander zu beurteilen, bildet eine Art Trennung von ihren natürlichen Lernumfeld. 3. ist das entscheidende an der Kultur unserer Institutionen, wie wir sie gestallten, die Gewohnheiten/ Traditionen und die Lebensräume die sie besetzen.

    Grüße

    Uriela Siefer

  • #61
    Andreas Lichte

    “Eliten an die Waldorfschule – Strickzeug statt Smartphone

    FAZ, 6.8.2014, von JAN GROSSARTH (…)

    Totalitär und esoterisch oder einfach nur gut behütet?

    Diese Ergebnisse sagten gar nichts aus, beklagt ein Bildungsforscher von der Universität Wien: Denn es fehle eine Vergleichsgruppe. Waldorfschüler kämen überdurchschnittlich oft aus gut situierten, bildungsbürgerlichen Familien, sagt Stefan Hopmann. Mit Gymnasiasten aus entsprechenden Milieus müsste man ihre Karrierewege daher vergleichen, um eine Aussage über den Schulerfolg treffen zu können. Er zweifelt daran, dass es jemals eine solche unabhängige Untersuchung über Waldorfkarrieren geben wird: „Die möchten sich nicht über die Schultern gucken lassen.“ Aber Hopmann sagt, die meisten Waldorfschüler „überstehen die Schulzeit relativ unbeschadet“. Der Einfluss der Schule auf den späteren Lebenserfolg sei ohnehin relativ gering.

    Hopmann ist ein erklärter Gegner der Steinerschen Pädagogik. Er hält Anthroposophen für eine esoterische Sekte, spricht von „totalitärer Pädagogik“ und findet den Unterricht an manchen Waldorfschulen so subtil indoktrinär, dass es selbst die meisten Eltern nicht bemerkten.

    (…)”

    zum Artikel der FAZ:

    http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/waldorfschulen-unter-die-lupe-genommen-13075296.html

    Prof. Hopmann bei den Ruhrbaronen:

    „Man kann nicht nur ein ‘bisschen’ Waldorf sein“

    http://www.ruhrbarone.de/waldorfschule-„man-kann-nicht-nur-ein-»bisschen«-waldorf-sein“/30117

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  • #67
    Andreas Lichte

    „Gegenteil-Tag, 365 Tage im Jahr – Rudolf Steiner, ‘Denker’ der Waldorfschule

    (…)

    Tabu ist, Rudolf Steiners Original-Texte als Grundlage der Waldorfpädagogik zu diskutieren, es hat den Anschein, Waldorfschulen hätten den inoffiziellen Bildungsauftrag: „Verlernt Lesen!“

    Wer überlegt, sein Kind in eine Waldorfschule zu schicken, sollte vielleicht aber doch einmal zu einem Buch Steiners greifen. Nur so kann der Unterschied von, Zitat Prof. Klaus Prange, „allgemeiner öffentlicher Präsentation der Waldorfschule, die sich der üblichen Vokabeln und Formeln bedient, und dem, was eigentlich damit gemeint ist“, erkannt werden und man vermeidet, mit der anthroposophischen Pädagogik eine „Mogelpackung“ zu kaufen, „die ein sehr eigenwilliges Produkt in einer geläufigen und höchst normalen Verpackung an den Mann zu bringen versucht.“5

    Als ausgebildeter Waldorflehrer habe ich natürlich Steiner gelesen, bei der „Steiner-Exegese“ im „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“. Und mir ist etwas aufgefallen. Nein, heute möchte ich nicht über „Rudolf Steiners Rassismus“, „Anthroposophie und Nationalsozialismus“, oder „Atlantis in der Waldorfschule“ sprechen. Etwas anderes:

    Bei Rudolf Steiner ist Gegenteil-Tag, 365 Tage im Jahr“

    Rudolf Steiner erklärt am besten selber, was damit gemeint ist, Zitat Steiner:

    „Nun glaubt die Wissenschaft, daß das Herz eine Art von Pumpe ist. Das ist eine groteske phantastische Vorstellung. Niemals hat der Okkultismus eine solch phantastische Behauptung aufgestellt wie der heutige Materialismus. Das, was die bewegende Kraft des Blutes ist, sind die Gefühle der Seele. Die Seele treibt das Blut, und das Herz bewegt sich, weil es vom Blute getrieben wird. Also genau das Umgekehrte ist wahr von dem, was die materialistische Wissenschaft sagt.“6

    (…)“

    zum vollständigen Artikel (mit Quellenangaben): http://www.schiebener.net/wordpress/?p=29762

  • #68
    Andreas Lichte

    „Rudolf Steiners ‘Töne wie aus einer undichten Gummizelle!’

    (…)

    Bernd Durstewitz: „Haben Sie etwas dagegen, mit der Waldorfschule in Verbindung gebracht zu werden?“

    Harry Rowohlt: „Alles. Wegen der ewigen Verwechselung habe ich mich mal mit den Schriften Rudolf Steiners beschäftigt. Da fand ich eine schöne Textstelle: ‘Der Blonde, Blauäugige ist dem Dunkelhaarigen, Braunäugigen intellektuell überlegen, weil bei Letzterem zuviel Geisteskraft in die Pigmentierung fließt’. Das wäre geeignet gewesen für ein Quellenverzeichnis von Hitlers ‘Mein Kampf’. Töne wie aus einer undichten Gummizelle!“3

    Was hat Harry Rowohlt da nur gelesen? Das, Zitat Rudolf Steiner:

    „(…) Die blonden Haare geben eigentlich Gescheitheit. Geradeso wie sie wenig in das Auge hineinschicken, so bleiben sie im Gehirn mit Nahrungssäften, geben ihrem Gehirn die Gescheitheit. Die Braunhaarigen und Braunäugigen, und die Schwarzhaarigen und Schwarzäugigen, die treiben das, was die Blonden ins Gehirn treiben, in die Augen und Haare hinein. Daher werden sie Materialisten, gehen nur auf dasjenige, was man sehen kann, und es muss durch eine geistige Wissenschaft ausgeglichen werden. Man kann also eine Geisteswissenschaft haben in demselben Masse, als die Menschheit mit der Blondheit ihre Gescheitheit verliert. (…) Denn es ist tatsächlich so, dass, je mehr die blonden Rassen aussterben, desto mehr auch die instinktive Weisheit der Menschen stirbt. Die Menschen werden dümmer. (…)“4

    (…)”

    mehr “Töne wie aus einer undichten Gummizelle” – mit Quellenangaben – hier:

    http://www.schiebener.net/wordpress/?p=29992

  • #69
    Andreas Lichte

    „Rudolf Steiner, ‘Philosoph’?

    (…)

    Vor allem Rudolf Steiners Waldorfschulen sind beim „Bildungsbürger“ sehr beliebt, von überzeugten Eltern hört man wahre Wunder-Dinge. Seltener wird offen darüber geredet, dass die Waldorfschule als Privatschule eine quasi „ausländerfreie“ Umgebung garantiert. Und mit „Schmuddelkindern“ müssen die Elite-Kinder auch nicht spielen, „Sozialbenachteiligte“ gibt es an Waldorfschulen kaum. Viele Eltern können in der anthroposophischen Schule auch ihre überkritische Haltung ausleben: Auffallend häufig kommt es an Waldorfschulen zu Masern-Ausbrüchen, da Eltern der „Schulmedizin“ misstrauen, und ihre Kinder nicht impfen lassen. Noch Unentschlossene werden gerne vom anthroposophischen Schularzt „beraten“.

    Von den Eltern kommt keine ernstzunehmende Kritik an Rudolf Steiner und seiner „Waldorfpädagogik“, die für den Bildungswissenschaftler Prof. Dr. Stefan T. Hopmann ein „heilloses Gebräu esoterischer Glaubenssätze“ ist. Steiner ist schließlich der Begründer der Schule, für die man sich „bewusst“ entschieden hat, auch bereit ist, Schulgeld zu zahlen: Kritik an Steiner würde bedeuten, sich selbst in Frage stellen zu müssen.

    zum vollständigen Artikel: http://ratgebernewsblog2.wordpress.com/2014/12/01/rudolf-steiner-philosoph/

  • #70
    Andreas Lichte

    „Rudolf Steiners rassistischer Science-Fiction-Trash: ‘Aus der Akasha-Chronik’“

    (…)

    Steiners Buch „Aus der Akasha-Chronik“ selbst findet sich auf einer Literaturliste der „Pädagogogischen Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen“ für den Geschichtsunterricht in Waldorfschulen zum Thema „Atlantis“

    zum Artikel: https://ratgebernewsblog2.wordpress.com/2014/12/18/rudolf-steiners-rassistischer-science-fiction-trash-aus-der-akasha-chronik/

  • #71
    Andreas Lichte

    "Christian Clements ‘kritische Ausgabe der Schriften Rudolf Steiners‘ (SKA)

    <a href="http://hpd.de/artikel/11618"><strong>Des Steiners neue Kleider</strong></a>

    BERLIN. (hpd) Die Anthroposophie versucht seit Jahren, Rudolf Steiner ein neues, positives und neutrales Image zu geben: weg vom "verstörenden" Esoteriker Steiner, hin zum bedeutenden Philosophen Steiner. Dass sich ein nach aussen hin renommierter Verlag, der "Frommann-Holzboog Verlag", an dem anthroposophischen Betrug beteiligt, überrascht.

    (…)"

    weiter bei hpd, "Humanistischer Pressedienst": http://hpd.de/artikel/11618

  • Pingback: Tanz den Rudolf Steiner: Die Jungle World über den Boom der anthroposophischen Ideologie @ gwup | die skeptiker

  • #73
    Stübi

    Auch wenn Ihrem Artikel eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht abzusprechen ist, stelle ich doch fest, dass wesentliche Aspekte verdreht und tendenziös dargestellt werden.

    So ist es ein Einfaches, Steiner Rassismus zu unterstellen und ihn damit zu verunglimpfen. Das Problem dabei ist, dass Steiner über die Wesenszüge der verschiedenen Rassen (jawohl, das gibt es, verschiedene Rassen!) sehr viel Wissenswertes sagt, dass dies aber nichts, aber auch gar nichts mit Gewalt oder Diskriminierung zu tun hat. Dass sich die Deutschen bis heute von ihrer Erbschuld noch nicht befreien konnten zeigt sich auch in diesem Artikel wieder mal. Aber nicht nur hier… Heute gilt ja schon fast als Rassist wer einer geregelten Arbeit nachgeht, Steuern bezahlt und sich auch mal getraut die Probleme beim Namen zu nennen.

    Dass sich in jedem Forum immer irgendwelche Ex-Schüler und Ex-Lehrer zu Worte melden, und bestätigen, wie furchtbar das alles sei in den Waldorfschulen hat viele Gründe.
    So nehmen Steiner Schulen oft Kinder von Eltern auf welche selber keine Ahnung von Steiner haben. Für sie ist es eine "alternative Schule" und die Kinder sollen "in ihrem Tempo" lernen können. Darunter verstehen diese "Freiheits-Eltern" meist, die Kinder können machen und lernen wann und was sie wollen. Diese Eltern haben ihre Sprösslinge aber an der falschen Schule und übertragen nun die Unzufriedenheit auf die Kinder. Ergo, enttäuschte Ex-Schüler melden sich dann hier zu Wort und beklagen einen autoritären Erziehungsstil von gestern. Disziplin und Ordnung werden zum Schimpfwort.

    Noch viel erstaunlicher ist aber die Tatsache, dass zwar gerne über die anthroposophische Pädagogik geschrieben wird, und was dort alles schlecht sei aber, dass die staatlichen Schulen vor sehr viel grösseren Problemen stehen wird verschwiegen. Gäbe es an Waldorfschulen so viel Mobbing und Gewalt (inklusive Amokläufen), so viele Schulabbrecher, so massiven Einsatz von Medikamenten und Stützmassnahmen, so viele Burnouts und psychische Zusammenbrüche sowohl bei Lehrpersonen wie Schülern, dann wäre die Waldorfpädagogik schon lange am Ende! Die staatlichen Schulen sind eine Katastrophe und produzieren zu einem guten Teil unmündige, ungebildete und auf ausschliesslich materialistische Werte getrimmte Erwachsene.

    Sie, Herr Lichte, gehören für mich in die Kategorie letzterer. Vermutlich geschädigt durch Ihre persönliche Lebenssituation haben Sie einen Hass auf alles entwickelt, was geistige Erkenntnis verspricht. Es sei Ihnen vergeben, denn "sie wissen nicht was sie tun", wie es schon in der Bibel steht. Warum ich sie so direkt und persönlich angreife? Nun, das entspricht doch ganz Ihrem Stil, wie sie in unzähligen anderen Beiträgen, Foren und Artikeln schon bewiesen haben. Wie man in den Wald ruft… Ihr Kreuzzug hat jedenfalls genau jene Verbissenheit und offenbart jenen sektiererischen Eifer den sie den Anthroposophen andichten wollen. Denken Sie mal darüber nach!

  • #74
    Andreas Lichte

    @ Stübi #73

    Zitat Stübi: "Das Problem dabei ist, dass Steiner über die Wesenszüge der verschiedenen Rassen (jawohl, das gibt es, verschiedene Rassen!) sehr viel Wissenswertes sagt …"

    Folgendes sollte die Menschheit natürlich umbedingt WISSEN – Zitat Rudolf Steiner:

    “(…) So daß also ein Schwarzer in Afrika ein Mensch ist, der möglichst viel Wärme und Licht vom Weltenraum aufsaugt und in sich verarbeitet. Dadurch, daß er das tut, wirken über den ganzen Menschen hin die Kräfte des Weltenalls so. (Es wird gezeichnet.) Überall nimmt er Licht und Wärme auf, überall. Das verarbeitet er in sich selber. Da muß etwas da sein, was ihm hilft bei diesem Verarbeiten. Nun, sehen Sie, das, was ihm da hilft beim Verarbeiten, das ist namentlich sein Hinterhirn. Beim Neger ist daher das Hinterhirn besonders ausgebildet. Das geht durch das Rückenmark. Und das kann alles das, was da im Menschen ist an Licht und Wärme, verarbeiten. Daher ist beim Neger namentlich alles das, was mit dem Körper und mit dem Stoffwechsel zusammen hängt, lebhaft ausgebildet. Er hat, wie man sagt, ein starkes Triebleben, Instinktleben. Der Neger hat also ein starkes Triebleben. Und weil er eigentlich das Sonnige, Licht und Wärme, da an der Körperoberfläche in seiner Haut hat, geht sein ganzer Stoffwechsel so vor sich, wie wenn in seinem Innern von der Sonne selber gekocht würde. Daher kommt sein Triebleben. Im Neger wird da drinnen fortwährend richtig gekocht, und dasjenige, was dieses Feuer schürt, das ist das Hinterhirn. (…)”

    mehr hier: Rudolf Steiners "Töne wie aus einer undichten Gummizelle!", http://hpd.de/artikel/10216

  • #75
    Andreas Lichte

    Prof. Dr. Stefan T. Hopmann ist der einzige Bildungswissenschaftler, der die Waldorfschule _DEUTLICH_ kritisiert, und auch regelmässig in den Medien interviewt wird, unten von der "Deutschen Welle".

    Aus Copyright-Gründen nur ein kurzer Auszug, der gesamte Artikel ist lesenswert:

    "Mein Deutschland: Von Deutschland lernen, heißt Waldorfschule besuchen

    Das hohe Ansehen Deutschlands in China treibt mitunter seltsame Blüten. Eine davon ist der Hype um die Waldorfschule. Über 200 soll es inzwischen geben. Dafür hat unsere Kolumnistin Zhang Danhong nur bedingt Verständnis.

    (…)

    Reifer Deutscher und pubertierender Chinese

    Was hatte er über die "Gelben", also auch die Chinesen, gesagt? "Die gelbe Rasse hat laut Steiner ein anders geformtes Gehirn und nimmt das Licht auch anders auf. Für Steiner repräsentiert der Arier den Erwachsenen der gegenwärtigen weltgeschichtlichen Epoche. Die gelbe Rasse ist die Pubertierende, die Heranwachsende", erläutert Hopmann.

    Über diese neue Erkenntnis habe ich einen Tweet verfasst und im chinesischen Twitter, Weibo, veröffentlicht – Provokation verstehe ich als Teil meiner Berufung. Über 200.000mal wurde er gelesen und hundertfach kommentiert. Dabei erweisen sich die Steiner-Fans in China als großzüzig: "Was soll’s? Rassismus war eben der damalige Zeitgeist." "Für mich zählen Freiheit und Kreativität, die an den Waldorfschulen groß geschrieben werden."

    Das sieht der Wiener Bildungsexperte anders. "Jedes Kind ist laut Steiner schon definiert, wenn es auf die Welt kommt. Die Aufgabe des Lehrers besteht darin, das Kind in Übereinstimmung mit seiner Bestimmung zu bringen. Du sollst so werden, wie wir wissen, dass Du bist", sagt mir Hopmann im Interview.

    (…)"

    zum vollständigen Artikel: http://www.dw.com/de/mein-deutschland-von-deutschland-lernen-heißt-waldorfschule-besuchen/a-19053263

  • #76
    Andreas Lichte

    wie die bizarre Waldorfpädagogik verkauft wird:

    "Prof. Jost Schieren, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft

    Der Waldorf-Werber

    BERLIN. (hpd) Jost Schieren ist Professor für Waldorfpädagogik an der anthroposophischen "Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft", Leiter des "Fachbereichs Bildungswissenschaft", und verantwortlich für die (Waldorf-) Lehrerbildung.

    (…)

    Reinkarnation macht frei

    Beim Werber Jost Schieren ist "Reinkarnation" normal, wird zu einer weiteren "Sichtweise auf den Menschen", die – Verkaufsargument! – von "Fremdbestimmung" befreit:

    Der Gedanke der Reinkarnation erlaube es, so Jost Schieren, "den Menschen nicht als irgendwie allein fremdbestimmtes Wesen (Gene, Sozialisation, Gehirnprägungen usw.) zu denken." Das Kind sei nicht das alleinige Resultat von Vererbung und Umgebung, sondern trage in sich "eine eigene auf sich selbst begründete Persönlichkeit", die nicht zufällig entstanden sei, da "der Mensch sein eigenes Wesen selbstverantwortlich durch eine Reihe von Verkörperungen selbst bildet."

    Doch was bedeutet "Reinkarnation" überhaupt? Und bei Rudolf Steiner?

    Weit verbreitet ist die Idee im asiatischen Kulturkreis, im Hinduismus und den verschiedenen Erscheinungsformen des Buddhismus. Gemeinsam ist ihnen, daß das Ziel ist, dem "endlosen Kreislauf der Wiedergeburten" zu entkommen, sich von der Fessel des "Karma" zu befreien.

    Helena Petrovna Blavatsky und in ihrer Nachfolge Rudolf Steiner kehren die Idee in ihr Gegenteil um: Der Mensch soll im Kreislauf der Wiedergeburten bleiben, so kann er sich – und damit die Menschheit – perfektionieren. Das bedeutet: Pflichterfüllung. Von "Freiheit" keine Spur.

    Rudolf Steiner verspricht eine Form der (geistigen) Unsterblichkeit und befriedigt zugleich das Bedürfnis seiner – zur Zeit der Begründung der Anthroposophie – aristokratischen und großbürgerlichen Klientel nach "Elite": "WIR bringen die Menschheit (-sentwicklung) voran!"

    Und natürlich kann die Menschheit auch nicht an einem Tag an Ihrem Bestimmungsort, dem Planeten "Vulkan", ankommen – dann wäre Steiners Geschäftsmodell sofort erledigt.

    .

    Anthroposophie: Seine Eltern sucht man sich selber aus …"

    (…)"

    weiter: http://hpd.de/artikel/waldorf-werber-12931

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