Königin Cleopatra hat offenbar einen illegalen Zweitwohnsitz

Katze Cleopatra mit dezentem pharaonischem Goldschmuck
Königin Cleopatra (Foto: Peter Ansmann, leichte KI-Bearbeitung beim Outfit)

Cleopatra, kurz Cleo, kam später zu uns als die beiden Kater (Brüder) Ariel und Mosche. Bevor sie bei uns einzog, lebte die Notfallkatze während der Coronazeit auf einem Friedhof und wurde dort versorgt.

Der Name Cleopatra kommt nicht von ungefähr. Sie ist die Königin – und behandelt uns entsprechend als ihr Personal. Ihre Essensauswahl ist kompliziert. Für den Weg ins Haus nutzt sie die Katzenklappe nicht. Stattdessen wartet sie geduldig vor der Haustür oder vor dem Fenster, bis jemand sie hineinlässt. Was man halt so als Herrscherin macht. Menschen gegenüber ist sie sehr zutraulich und sie erzählt sehr viel. Schweigen ist nicht so ihr Ding.

Cleo macht ihr eigenes Ding

Ausgerechnet in der Tierarztpraxis ist Cleopatra die einzig entspannte Kater:in im Haushalt. Ihre königliche Gelassenheit beginnt allerdings erst, wenn wir dort angekommen sind. Den Katzenrucksack hasst sie. Darin kann sie sich aus Protest durch die gesamte Bude rollen.

Richtig harmonisch war das Zusammenleben mit den beiden Katern, Ariel und Mosche, nicht immer. Die beiden Kater, Brüder halt, waren bereits ein eingespieltes Team. Cleo blieb häufig die Außenseiterin. Teilweise selbstgewünscht. Anfängliche „Annäherungsversuche“ der beiden wurden gnadenlos abgewiesen.

Eine Königin ohne Hofstaat – was sie allerdings nie davon abgehalten hat, sich ihre Gesellschaft selbst auszusuchen. Den Straßenkater Moses hat schließlich auch Cleopatra bei uns eingeführt.

Seit Samstag macht Cleo nun offenbar endgültig ihr eigenes Ding.

Katze Cleopatra beim Tierarzt (Foto: Peter Ansmann)
Katze Cleopatra beim Tierarzt (Foto: Peter Ansmann)

Als ich am Samstagmorgen gegen 3.00 Uhr mit dem Fahrrad zur Arbeit aufbrach, lief sie mir hinterher. Das ist bei unseren Katzen grundsätzlich nichts Ungewöhnliches: Sie begleiten uns durch die Nachbarschaft und holen uns bei der Rückkehr gerne wieder ab. Sie verfolgen mich, wenn ich morgens zur Arbeit aufbreche. Sie laufen mit zu ALDI. Oder sonst wohin.

Nur kam Cleopatra diesmal nicht zurück.

Den ganzen Samstag kein Lebenszeichen. Am Sonntag ebenfalls nicht. Auch am Montag blieb sie zunächst verschwunden.

Das Problem mit Freigängern

Halter von Freigängern kennen dieses Problem. Man weiß, dass Katzen selbstständig sind. Dass sie ihre eigenen Reviere haben. Dass sie Wege zurücklegen, von denen ihre menschlichen Mitbewohner nichts ahnen. Und dass sie gelegentlich für Stunden oder sogar Tage verschwinden.

Das weiß man alles.

Es hilft nur nicht besonders, wenn man nachts am Fenster steht, in den Garten schaut und bei jedem Geräusch glaubt, die verschwundene Katze zu hören.

Katze Cleopatra auf einem Kratzbaum
Cleopatra auf ihrem Kratzbaum (Foto: Peter Ansmann)

Man kontrolliert die üblichen Schlafplätze. Man öffnet zum zehnten Mal die Terrassentür. Man ruft ihren Namen, obwohl man genau weiß, dass Katzen ausgezeichnet hören und sich lediglich vorbehalten, nicht zu reagieren. Der Verstand sagt: Die kommt schon wieder. Der Rest des Menschen beginnt trotzdem, sich Sorgen zu machen.

Bei Cleopatra kommt erschwerend hinzu, dass wir eine ungefähre Vorstellung davon haben, wie weit ihre Ausflüge führen können. In den ersten Wochen nach ihrem Einzug haben wir ihre Wege über einen GPS-Sender verfolgt. Das Ergebnis war wenig beruhigend: Cleopatras Wirkungsradius ist ähnlich groß wie der einer kleinen Atombombe.

Besonders häufig führte sie der GPS-Sender damals in eine Kleingartenanlage, ungefähr einen Kilometer von uns entfernt. Auch in jüngerer Zeit wurde Cleo dort noch gesehen. Es ist also gut möglich, dass sie irgendwo zwischen den Lauben ihren aktuellen – selbstverständlich nicht angemeldeten – Zweitwohnsitz bezogen hat.

Sie bewegt sich nicht nur in der unmittelbaren Nachbarschaft. Cleo verfügt offenbar über ein ausgedehntes Herrschaftsgebiet, in dem wir Menschen nur eine von mehreren Versorgungsstationen sein könnten.

Die Königin erscheint zum Abendessen

Am späten Montagabend stand sie plötzlich wieder vor dem Fenster. Miauend, als wäre nichts gewesen. Oder als gäbe es sehr viel zu erzählen – nur leider in einer Sprache, die ich nicht verstehe.

Katze Cleopatra nachts vor einem Fenster in Duisburg-Wanheimerort
Nächtlicher Besuch am Fenster: Cleopatra in Wanheimerort (Foto: Peter Ansmann)

Seitdem folgt Cleopatra einem neuen Tagesablauf: Einmal am Abend erscheint sie vor dem Fenster, kündigt sich lautstark an, erzählt irgendetwas, frisst ihr Katzenfutter wie eine Irre und verschwindet anschließend wieder. Bis zum nächsten Abend.

Wo sie den Rest des Tages verbringt, verrät sie nicht. Vielleicht hat sie einen neuen Lieblingsplatz gefunden. Vielleicht Menschen, die sie ebenfalls füttern. Vielleicht hält sie sich inzwischen für eine unabhängige Geschäftsfrau mit mehreren Niederlassungen.

Katze Cleopatra sitzt oben auf einem Küchenschrank
Königin Cleopatra thront über den Dingen. (Foto: Peter Ansmann)

Für Menschen mit Freigängern ist auch das keine völlig unbekannte Erfahrung. Katzen können erstaunlich überzeugend den Eindruck erwecken, sie seien seit Wochen nicht gefüttert worden. Mit etwas Glück erschließen sie sich auf diese Weise gleich mehrere Haushalte. An einem Ort gibt es Frühstück, woanders Streicheleinheiten und bei uns offenbar das Abendessen.

Wo ist Cleopatras Zweitwohnsitz?

Was uns deshalb interessiert und sich vielleicht mithilfe dieses Blogs herausfinden lässt: Wo befindet sich Cleopatras aktueller Zweitwohnsitz?

Bei uns gemeldet ist er bislang jedenfalls nicht.

Erster begleiteter Freigang. Cleopatra unterwegs in Wanheimerort (Foto: Peter Ansmann)
Erster begleiteter Freigang. Cleopatra unterwegs in Wanheimerort (Foto: Peter Ansmann)

Wer Cleo regelmäßig sieht, sie womöglich füttert oder bereits davon ausgeht, von ihr adoptiert worden zu sein, darf sich gerne in den Kommentaren melden. Besonders interessieren uns Hinweise aus der Kleingartenanlage (Kulturstraße – Duisburg-Wanheimerort). Es gibt keinen Ärger. Wir würden nur gerne wissen, wo die Königin inzwischen Hof hält, bevor sie abends miauend vor unserem Fenster erscheint, ihren Napf leert und sich wieder auf den Weg macht.

Autorenseite: Peter Ansmann
Diesen Artikel beobachten
Werbung

Dir gefällt vielleicht auch:

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Comments
Älteste
Neueste
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x