
Seit der Bundestagswahl im Februar vergangenen Jahres ist die Bochumerin Cansin Köktürk Abgeordnete. Man wird ihr wohl nicht zu nahe treten, wenn man feststellt, dass die parlamentarische Arbeit nicht ihre ganz große Leidenschaft ist: Von den 72 namentlichen Abstimmungen, die bislang im Bundestag stattfanden, hat sie 46-mal ihre Stimme nicht abgegeben. Eine längere Zeit war sie nach Auskunft ihrer Mitarbeiter krank, aber auch jenseits dieser Phase hält sich ihr Eifer in Grenzen. Damit ist sie nicht allein: Viele Abgeordnete sehen die Teilnahme an Abstimmungen und Sitzungen eher als lästige Pflichtübung.
Köktürk hat einen wesentlich effektiveren Weg zum Ruhm gefunden: Sie provoziert im Parlament, um sich später als Opfer zu inszenieren, oder stellt ein Video auf Instagram ein, in dem sie durch Bochum läuft und „Fickt den genozidalen Apartheidsstaat Israel. Befreit die besetzten Gebiete Palästinas“ und „Fickt die Kriegsverbrecher Bibi Netanjahu und Donald Trump. Fickt die Mainstream-Medien und jeden, der anderer Meinung ist als wir!“ sagt.
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Natürlich ist das Kalkül. Köktürk wuchs als Akademikerkind im idyllischen Hattingen auf und hat studiert. Mit Gossenslang wird sie kaum aufgewachsen sein, allerdings ist er praktisch, um sich einer radikalen aktivistischen und migrantischen Klientel zu empfehlen, die ebenso antisemitisch wie undemokratisch ist und den politischen Gegner lieber „ficken“ als überzeugen will.
Köktürk ist eine Polarisierungsunternehmerin. So bezeichnet der Soziologe Steffen Mau Politiker, die bewusst zuspitzen, um Emotionen zu wecken. Damit liegt sie im Trend: Bei AfD und Linkspartei steht Polarisierung im Zentrum des politischen Geschäftsmodells, und ganz nebenbei ist es auch Köktürks Weg zum Ruhm.
Für sie alle ist das Parlament nur das „Waffenarsenal der Demokratie“, in dem sie sich, Goebbels’ Satz von 1928 folgend, bedienen und von dem sie sich auch noch attraktiv finanzieren lassen können.
AfD und Linkspartei sind keine Parteien für Demokraten, sie verachten offen die Republik und wollen sie zerstören. Somit haben sich beide für die Rolle des Feindes und nicht des Gegners innerhalb der politischen Auseinandersetzung entschieden. Wer mit ihnen koaliert, wer sie an die Macht lässt, gibt den Höckes und Köktürks die Möglichkeit zur Zerstörung unserer Gesellschaft.
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