
Die Bundesrepublik war auch der Versuch, Deutschland nach zwei Weltkriegen dauerhaft im demokratischen Westen zu verankern. Lange sah es so aus, als sei dieses zivilisatorische Projekt gelungen. Doch die politischen und gesellschaftlichen Grundlagen, auf denen es beruht, geraten ins Wanken.
Es fing in Thüringen an: Bei der Landtagswahl 2019 stellten mit der Linken und der AfD erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik zwei Parteien die Mehrheit der Abgeordneten, die nicht zum demokratischen Spektrum der Parteienlandschaft gehörten. Sieben Jahre später ist das, zumindest in der Ostzone, Alltag: In Sachsen-Anhalt, Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern stellen, je nach Konstellation, AfD, Linke und das neu hinzugekommene, aber zum Glück schon wieder im Niedergang befindliche BSW die Mehrheit der Abgeordneten. In den Umfragen ist die AfD seit Monaten bundesweit die stärkste Partei, und in Nordrhein-Westfalen freut sich der AfD-Landtagsabgeordnete Sven W. Tritschler, dass mit Hans-Thomas Tillschneider (AfD) ein völkischer Muselmann-Experte zum stellvertretenden Parlamentspräsidenten gewählt wurde.
Tillschneider im Landtagspräsidium. Endlich einer, der alle Tassen im Schrank hat!
Gratuliere!
@P_Plattform https://t.co/hYb41Ion6w— Sven W. Tritschler 🥝💙🇩🇪🗽 (@twittschler) October 6, 2026
Allem Antisemitismus in ihrer Partei zum Trotz hat Elif Eralp (Linke) gute Chancen, in Berlin mit den Stimmen von SPD und Grünen zur Regierenden Bürgermeisterin gewählt zu werden. Bei den Jungwählern sind AfD und Linke die beliebtesten Parteien, eine Mehrheit der muslimischen Schüler hält die Scharia für wichtiger als das Grundgesetz. Jüdische Studenten sind an deutschen Hochschulen nicht mehr sicher. Nach einem Bericht der Zeit stimmten CDU-Abgeordnete wohl gestern für die Wahl von Tobias Rausch (AfD) zum Landtagspräsidenten. Seit dem 7. Oktober 2023 gehören antisemitische Demonstrationen, vor allem in Berlin, zum Stadtbild. Die Solidarität mit Israel und der Ukraine, den für ihn überlebenswichtigen Vorposten des Westens im Krieg gegen die Barbaren, nimmt täglich ab.
SPD und CDU, die einstigen Volksparteien der Mitte, zerfallen in atemberaubender Geschwindigkeit. Personell und intellektuell ausgelaugt, haben sie weder die Kraft noch Ideen, wie sie sich dem rasenden Verfall der Republik entgegenstellen können. Die FDP taumelt hilflos ihrem Ende entgegen. Grüne, SPD und Linke setzen zunehmend auf Spinnereien wie „Antifaschistische Wirtschaftspolitik“, die absehbar in der Realität so scheitern werden wie alle Versuche, eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen.
Nach Jahrzehnten einer ebenso kurzsichtigen wie verantwortungslosen Politik blicken wir in einen Abgrund. Mit der Wiedervereinigung begann der Niedergang der Bundesrepublik. Der Wiederaufbau der Ostzone überstieg ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten, und auch ihre Bewohner mehrheitlich zu demokratisieren, gelang dauerhaft nicht.
Die Energiewende zerstörte die wirtschaftliche Grundlage der Republik, die seit den 70er-Jahren grassierende Technologiefeindlichkeit blockierte ihre Entwicklung. Man stieg begeistert aus allem aus, wollte weder Kernkraft noch Gentechnik und schon gar nicht das eigene Gas fördern und machte sich daran, mit Billionenkosten die Träume von Grünen und NGOs umzusetzen.
Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der Totengräberin des Erfolgsmodells Bundesrepublik, sahen in dem Aufstieg der AfD in vollkommener Verantwortungslosigkeit eine Chance, der Union dauerhaft die Macht zu sichern. Durch ihre Politik der offenen Grenzen 2015 sorgte sie dafür, die damals kurz nach ihrer Gründung schon schwächelnde AfD wieder zu beleben.
Die Alliierten gaben Deutschland nach zwei Weltkriegen 1949 und dem Holocaust mit der Gründung der Bundesrepublik eine neue Chance. Sie war als Frontstaat gegen den Ostblock wichtig, aber es war auch ein Versuch, Deutschland zu zivilisieren. Solange Deutschland in Ost und West geteilt war, sah es danach aus, als ob dieses Projekt erfolgreich sein könnte. Nun, 36 Jahre nach der Wiedervereinigung, muss man feststellen, dass es zu scheitern droht. AfD und Linkspartei bedrohen es, die Politiker der demokratischen Parteien sind offenbar nicht in der Lage, es zu verteidigen. Und immer größere Teile der Bevölkerung wollen die Republik brennen sehen.
Vielleicht ist es an der Zeit, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass die Zivilisierung Deutschlands gescheitert ist.
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