Antisemitismus in NRW: Sowas kommt von sowas

Antisemitisches Plakat auf einer Gaza-Demonstration in Dortmund


NRW ist großartig, wenn es um die verbale Verurteilung von Antisemitismus geht. Nur weil den schönen Worten keine Taten folgen, greift der Antisemitismus immer mehr um sich.

Am Freitag wurde ein 17jähriger Jude in der Düsseldorfer Altstadt beleidigt und angegriffen, am Mittwoch ein jüdischer Professor in Bonn angegriffen und später von der Polizei geschlagen. Die Täter in beiden Fällen waren Muslime.  Aber das ist nicht zwingend nötig: In Dortmund demonstrieren Nazis regelmäßig gegen das Shoah-Gedenken und für die Vernichtung Israels.  Ruhrtriennale – Intendantin Stefanie Carp kündigt für den 18. August eine Diskussion mit BDS-Anhängern an, in der es um das Für und Wider der Vernichtung des Judenstaates gehen soll, und im April ging die MLPD gemeinsam mit der maoistischen Schlägerbande Jugendwiderstand auf die Straße, um ihre Solidarität mit palästinensischen Terroristen  zu zeigen. Dass die Linkspartei  mit Inge Höger eine glühende Israelkritikerin an ihre Spitze gewählt hat, passt da ins Bild.

Und all dem stellt sich niemand in NRW entgegen. In Dortmund und Bochum demonstrierten nur kleine Gruppen gegen den Antisemitismus von Links und Rechts, die Angreifer aus Bonn und Düsseldorf haben, wenn überhaupt, nur lächerlich geringe Strafen zu erwarten und Stefanie Carp behält ihren Posten als Intendantin und darf sich an einem  Jahressalär von 195.000 Euro erfreuen.

Gegen Antisemitismus während Feierstunden im Landtag das Wort zu erheben, ist sicher eine gute Sache, aber das reicht nicht. Vor allem nicht vor dem Hintergrund dessen, was auf uns zukommen könnte: Israel lässt sich die Raketenangriffe und Brandanschläge durch die Hamas nicht mehr  gefallen und hat angefangen, sich zu wehren – auch gegen die drohende Gefahr durch den Iran, die dem Land von Syrien aus droht. Das könnte uns die nächste Welle antisemitischer Demonstrationen bescheren, wie wir sie 2014 schon einmal erlebt haben.

Wenn nicht bei jeder Gelegenheit durch die Bürger, die Politik und die Sicherheitskräfte mit allen Mitteln und mit aller Konsequenz gegen die antisemitische Bedrohung vorgegangen wird, machen wir alle uns zu Mittätern.

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5 Kommentare

  1. #1 | Gerd sagt am 16. Juli 2018 um 15:57 Uhr

    "Aber das ist nicht zwingend nötig: In Dortmund demonstrieren Nazis regelmäßig gegen das Shoah-Gedenken und für die Vernichtung Israels…"

    Dass dagegen kaum demonstriert wird, ist schwer zu glauben. Es ist Judenhass von biodeutschen Rechtsradikalen. Man würde breite und bunte Bündnisse erwarten, die x-mal mehr Gegendemonstranten auf die Strasse bringen. Oder sind die alle 'anderweitig' beschäftigt?

  2. #2 | Marc Bertram sagt am 16. Juli 2018 um 17:57 Uhr

    Guter Artikel zum Thema. Die allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber dem zunehmenden Antisemitismus in Deutschland ist wirklich erschreckend. Die Geschichte aus Bonn verfolge ich als Einwohner dieser Stadt etwas genauer. Die Berichterstattung im General-Anzeiger ist mal wieder extrem polizeifreundlich. Das Thema Polizeigewalt wird tunlichst vermieden. In den aktuellen Artikeln schwingt außerdem zwischen den Zeilen immer wieder mit, dass die Aussagen des Professors nicht hundertprozentig glaubwürdig seien. Die Leserkommentare auf der Facebookseite des General-Anzeigers sind teilweise unerträglich. Für mich klingt die Aussage von Professor Melamed, die ich im englischen Wortlaut gelesen habe, absolut schlüssig und nachvollziehbar. Seine Schilderung passt auch zu allem, was man in letzter Zeit von der Bonner Polizei hört. Neulich erst wurde in Bonn ein Journalist, der einen Unfall fotografieren wollte, von den Beamten ähnlich behandelt. Vom Verhalten der Leitstelle bei der Siegauenvergewaltigung, als der Notruf des Opfers nicht ernst genommen wurde, ganz zu schweigen. Naja, jetzt ermitteln aus "Neutralitätsgründen" die Kölner Kollegen. Man ahnt schon, wie das enden wird.

  3. #3 | Ke sagt am 16. Juli 2018 um 19:07 Uhr

    Es sind nicht nur die Sonntagsreden in diesem Bereich. Der Kampf gegen Rechts ist auch eine Nebelkerze der Nrw Politiker.

    Das Demo Ritual hat für mich nicht die höchste Prio. Einfach mit allen Mitteln des Rechtsstaats zeitnah reagieren und schauen, was die Gesetze zulassen, statt alles zu entschuldigen.

  4. #4 | Ines C. sagt am 17. Juli 2018 um 11:00 Uhr

    Die Sonntags-Solidarität ist das Scarlett-O'Hara-Syndrom. Alles pathologisch schönreden.
    Wie durchbrechen wir diese Realitätsflucht? Bei mir haben die Ruhrbarone, Jungle World, Mena-Watch, etc. geholfen, zu sehen, was für mich unvorstellbar war. Bis vor zwei Jahren hätte ich jeden den Vogel gezeigt, der behauptete in Deutschland gibt es ein Duldungsklima für wachsenden Judenhass. Hinter den schönen Worten die unsympathische Wahrheit erkennen zu können, hat in meinem Fall mit der guten Arbeit hier bei Euch zu tun. Ganz herzlichen Dank dafür.

    In meinem Biotop (Evangelische Kirche) und meiner Nachbarschaft hab ich also angefangen den Mund aufzumachen. Entdeckt, dass auch andere Öffentlichkeit herstellen: Hannes Leitlein hatte in Christ&Welt vor kurzem auf das Antisemitismus-Problem der EKD aufmerksam gemacht.

    Was ich noch nicht sehe, ist organisierter Widerstand und Vernetzung in der Zivilbürgerschaft. Dafür sind die klaren Ansagen hier notwendig.

  5. #5 | Stefan Laurin sagt am 17. Juli 2018 um 11:18 Uhr

    @Ines C. : Vielen Dank für Deinen Kommentar 🙂

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