Auch in Hamburg schweigt Ruangrupa

Ruangrupa, v.l.n.r. Ajeng Nurul Aini, farid rakun, Iswanto Hartono, Mirwan Andan, Indra Ameng, Daniella Fitria Praptono, Ade Darmawan, Julia Sarisetiati, Reza Afisina, 2019, Foto: Jin Panji/PR Documenta Lizenz: Copyright

Geplante Diskussionsrunden wurden abgesagt, Interviews gab es nur wenige und wenn sich einmal ein Mitglied von Ruangrupa von Ruangrupa auf einer Veranstaltung blicken ließ, kam es angeblich um zuzuhören und zu lernen. Das indonesische Kuratorenkollektiv löste mit seiner Arbeit eine Antisemitismusdebatte aus, verfeuerte Millionen an Steuergeldern und schaffte es, nach mehreren Documentas mit Besucherrekorden, die Zahl der verkauften Tickets für die nordhessische Kunstshow deutlich herunterzufahren.

Mit der Übernahme zweier Gastprofessuren durch zwei Mitglieder des Kollektivs, Reza Afisina und Iswanto Hartono, an der Hochschule für bildende Künste (HfbK) in Hamburg sollte alles anders werden.

„Wir bieten den Themen, die im Rahmen der documenta fifteen aufgeworfen, aber eben nicht ausreichend reflektiert wurden, einen Diskursraum, um sich ihnen ernsthaft zu widmen. Wenn nicht hier, an einer künstlerisch-wissenschaftlichen Hochschule, wo und wann sonst sollte das stattfinden?“ sagte im Oktober den HfbK-Präsident Martin Köttering in einem Interview, das auf der Internetseite der Hochschule veröffentlicht wurde. Die Zeit zitierte damals den Präsidenten mit einer vollmundigen Ankündigung: „Am 21. November aber ist eine öffentliche Diskussion am Hamburger Institut für Sozialforschung geplant. Mit Afisana und Hartono. „Sie werden sich also der Öffentlichkeit stellen“, sagt Köttering.“

Genau das tun die beiden nicht. Als Gäste der Veranstaltung des Hamburger Instituts für Sozialforschung sind der Soziologe Dirk Baecker, die Soziologin Teresa Koloma Beck, der Rechtswissenschaftler Ralf Michaels und die Kulturwissenschaftlerin Kristin Platt angekündigt.  Köttering selbst soll einen „Input“ geben. Wer fehlt sind Reza Afisina und Iswanto Hartono, die beiden Mitglieder des Kollektivs Ruangrupa. Auf Nachfrage dieses Blog teilt die HfbK nun mit, ein Auftritt der beiden Ruangrupa-Mitglieder sei nie geplant gewesen. War Präsident Köttering bei der Vorstellung der Gastprofessoren im Oktober wohlmöglich verwirrt? Immerhin leben wir in Zeiten, in denen viele Menschen überfordert sind. Allerdings teilte die Hochschule mit, dass es am 2. März kommenden Jahres ein Sympossium geben wird, an dem Afisina und Hartono teilnehmen werden. Ganz bestimmt. Oder vielleicht auch nicht?

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