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Ruhrbarone-Ausflugstipp: Die Sechs-Seen-Platte in Duisburg

Den prachtvollen Kalkweg entlang und dann über die Masurenallee: Schon ist man an der Sechs-Seen-Platte; Foto: Peter Ansmann

Den prachtvollen Kalkweg entlang und dann über die Masurenallee: Schon ist man an der Sechs-Seen-Platte; Foto: Peter Ansmann

In Süddeutschland sind immer noch Schulferien und Urlaub in Deutschland ist, wegen der Coronakrise, wieder stark im Schwange. Es gibt natürlich viele gute Gründe um seinen Urlaub in Duisburg zu verbringen, einige touristische Highlights wurden hier in den vergangenen Wochen bereits vorgestellt: Die wunderschöne Regattabahn in Wedau, Hochfeld – das Las Vegas im Ruhrgebiet – und der wunderschöne Rheinpark, sowie die Landmarke TIGER&TURTLE im idyllischen Wanheim.

Für unentschlossene und urlaubsbereite Menschen, stelle ich heuer ein weiteres touristisches Highlight in Duisburg vor: Die Sechs-Seen-Platte. Ein wahres Juwel des Ruhrgebietes.

Die Sechs-Seen-Platte: Ein Idyll in Duisburg

Im Stadtteil Wedau (und zu einem kleinen Teil: Großenbaum) liegt das Naherholungsgebiet Sechs-Seen-Platte. Der Wambachsee, der Masurensee, der Böllertsee, der Wolfssee, der Wildförstersee und der Haubachsee liegen hier nah beieinander. Und bilden, umgeben von einem Wald, eines der schönsten Erholungsgebiete wo gibt im Universum. Entstanden sind diese Seen durch Kiesabbau ab dem Jahre 1912: Für den Bau des Güterbahnhofs in Duisburg-Wedau und einer Wohnsiedlung wurde Kies und Sand benötigt. Positiver Nebeneffekt dieser Bautätigkeiten: Die Entstehung eines beliebten Erholungsraumes im Süden von Duisburg.

Baden ist hier offiziell verboten, das war nicht immer so: Zu meiner Schulzeit war das Ufer ein beliebter Treffpunkt im Sommer und es wurde damals nicht nur im Freibad Wolfsee, das ebenfalls an der Sechs-Seen-Platte zu finden ist, gebadet.

Das Freibad "Poseidon": Hier darf man legal schwimmen; Foto: Peter Ansmann

Das Freibad “Poseidon”: Hier darf man legal schwimmen; Foto: Peter Ansmann

Mit der Location Sechs-Seen-Platte sind bei mir unzählige schöne Kindheitserinnerungen verknüpft. An heißen Sommertagen war der Besuch des Freibades ein festes Ritual: Nach einer Quarkspeise ging es meistens mit meiner Mutter ins Freibad Wolfsee. Ein weiteres Highlight in meiner Kindheit war der gewaltige Spielplatz an der Sechs-Seen-Platte, der inzwischen erneuert wurde. Gefunden habe ich ihn heute, bei meinem ersten Besuch nach über 25 Jahren, nicht. Was nach wie vorunverändert geblieben ist: Die imposante Brücke, über die man direkt vom Parkplatz in das bewaldete Erholungsgebiet gelangt.

Bei Sonne sieht es natürlich schöner aus; Foto: Peter Ansmann

Bei Sonne sieht es natürlich schöner aus; Foto: Peter Ansmann

Das Gesamtkonzept ist, wenn man den Ort nach touristischen Gesichtspunkten bewertet, kaum zu schlagen: Man stelle sich den Bodensee etwas kleiner vor, multipliziere ihn mit der Zahl Sechs und versetze diese Landschaft dann in den Teutoburger Wald: Die Sechs-Seen-Platte sind Gewässer, deren Ufer zum Träumen einladen und ein Wanderwegnetz das von majestätischen Bäumen umringt ist: Die grüne Lunge des Ruhrgebietes.

Der Wambachsee; Foto: Peter Ansmann

Der Wambachsee; Foto: Peter Ansmann

Während meiner frühen Erwachsenenzeit, mit 18 oder 19 Jahren, war die Sechs-Seen-Platte ein beliebtes Ziel am Abend. Mit Freunden verbrachte man gerne zu später Stunde lange Zeit am See und trank dort mitgebrachtes Bier.

Albtraumhaft und – inzwischen – lustig zugleich in Erinnerung geblieben, ist mir einer meiner letzten nächtlichen Ausflüge an den See, im Sommer 1991 oder 1992: Mit dem Freundeskreis, der wenige Tage zuvor beim Besuch des Strandbades Poseidon (Auch an der Sechs-Seen-Platte!) erweitert worden war, war ich im Kino. Bei einem meiner anwesenden Freunde, war die Laune im Keller: Am Tag zuvor versehentlich den falschen Zug erwischt – und die Diskussion mit dem Schaffner eskalierte, so dass es zum Schluss eine Anzeige gab und die Polizei gerufen wurde und danach Krach bei den Eltern in Duisburg, der mit einem Auszug aus der Wohnung endete – ohne eine neue in Aussicht zu haben. Unsere Stimmung wurde schlagartig besser, als die anwesenden Mädels die Idee hatten, noch am See ein paar Biere zu trinken. Noch besser wurde unsere Stimmung, als nach ein paar Bieren die Idee “Wir sollten schwimmen gehen.” in die Tat umgesetzt wurde – schließlich hatte niemand in der Gruppe Badesachen dabei.

Dieser warme Sommerabend versprach interessant zu werden.

Bodensee-Feeling in Duisburg: An der Sechs-Seen-Platte; Foto: Peter Ansmann

Bodensee-Feeling in Duisburg: An der Sechs-Seen-Platte; Foto: Peter Ansmann

Die Stimmung war dann nicht mehr so gut, als wir nach dem Bad feststellten: Irgendjemand – just Duisburg things – hatte, während wir im See waren, alle unseren Klamotten mitgenommen. Wirklich: Alle Klamotten. Die Aussicht auf einen fünf Kilometer langen Fußweg im Adams- bzw. Evakostüm, dämpfte die Stimmung nicht unerheblich. Wobei sich einer der Anwesenden irgendwie nur an seinem geklauten Bundeswehrausweis störte und alle zwanzig Sekunden, mantramäßig, den Satz “Mein Ausweis ist weg.” im kläglichen Tonfall wiederholte. Er stand offensichtlich unter Schock, sein Wochenende war schließlich insgesamt nicht so ideal verlaufen.

Wir schlugen uns bis zur Brücke durch, überquerten diese und unsere Augen erblickten ein Taxi. Ohne Geld und Klamotten ist eine Taxifahrt eine heikle Angelegenheit. Ein Blick auf den Fahrer: Ein Verwandter von mir, der damals nebenbei Taxi fuhr. Wir kamen alle wohlbehalten nach Hause. Seitdem verbinde ich die Sechs-Seen-Platte mit meinem dort wiedergefunden Glauben an göttliche Eingriffe in Zeiten der Krise.

Obacht:  Baden ist inzwischen a) verboten und b) auch aus nicht-schwimmtechnischen Gründen (Das gerade geschilderte Beispiel!) in Duisburg nicht ungefährlich.

Ein Bootsverleih am Wambachsee; Foto: Peter Ansmann

Ein Bootsverleih am Wambachsee; Foto: Peter Ansmann

Neben dem erwähnten Badespaß, der inzwischen – außer im Freibad Poseidon – verboten ist, bietet die Sechs-Seen-Platte auch Gelegenheit für Spaziergänge und Radtouren. 18 Kilometer lang ist das Wanderwegnetz in der Sechs-Seen-Platte. Bei Regen erinnert die Szenerie ein wenig an die Serie NAM – Dienst in Vietnam, wobei man an der Sechs-Seen-Platte in diesen Tagen selten kommunistische Guerrilla antrifft: Dafür aber um so mehr Jogger.

Segler und Angler gehen hier ihrem Hobby nach, ebenso Modellbauer: Für Modellbauer gibt es einen eigenen Einlass für schwere Boote.

Fans des Klassikers Telefon (Ein cineastisches Meisterwerk von Don Siegel mit Charles Bronson und Lee Remick in den Hauptrollen!) dürfte beim Besuch des Waldes an vielen Stellen das im Film zitierte Gedicht von Robert Frost Stopping by Woods on a Snowdy Evening in den Sinn kommen. Die Schönheit dieses – touristisch bisher unterschätzten – Kleinods des Ruhrgebietes: Sie ist kaum in Worte zu fassen.

Viele Bäume! Man könnte sagen: Ein Wald. Foto: Peter Ansmann

Viele Bäume! Man könnte sagen: Ein Wald. Foto: Peter Ansmann

Für mich neu: Der Anfang 2006 eingeweihte Aussichtsturm, ein Nachfolgeprojekt zu einem im Jahre 2002 abgebrannten Aussichtsturm aus Holz. Von dieser Plattform, mutmaßlich gefertigt aus Duisburger Stahl, hat man einen perfekten Blick über die Sechs-Seen-Platte und auf die wunderschöne Skyline von Duisburg.

Wahrzeichen des Duisburger Südens: Ein wunderschöner Stahlturm; Foto: Peter Ansmann

Wahrzeichen des Duisburger Südens: Ein wunderschöner Stahlturm; Foto: Peter Ansmann

Bei allem was in Duisburg schief läuft und bei allen unschönen Ecken, die es in dieser Stadt nun mal gibt: Die Sechs-Seen-Platte ist – wie die Regattabahn und der Rheinpark – eine Oase der Idylle in dieser einstmals so schönen Stadt.

Dieses wunderschöne Erholungsgebiet sollte, für den nächsten Urlaub in Duisburg, auf jeden Fall miteingeplant werden,

Blick über die Sechs-Seen-Platte; Foto: Peter Ansmann

Blick über die Sechs-Seen-Platte; Foto: Peter Ansmann

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3 Kommentare zu “Ruhrbarone-Ausflugstipp: Die Sechs-Seen-Platte in Duisburg

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