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Ruhrbarone-Ausflugstipp: TIGER & TURTLE – der “Magic Mountain” in Duisburg

Anziehungspunkt für Touristen: Tiger & Turtle - Magic Mountain; Foto: Peter Ansmann

Anziehungspunkt für Touristen: Tiger & Turtle – Magic Mountain; Foto: Peter Ansmann

Wanheim ist ein Stadtteil in Duisburg, der sich in den letzten 30 Jahren extrem verändert hat: Die unmittelbare Nähe zum Rhein lud zu ausgehenden Spaziergängen am Rheinufer ein und auch dieser Stadtteil zwischen Wanheimerort und Hüttenheim war besonders durch die Stahlindustrie geprägt.

Thyssen, die Hüttenwerke Krupp-Mannesmann und andere große Industrieunternehmen hatten hier ihren Sitz. Sogar Atommüll fand hier früher eine zwischenzeitliche Heimat: Die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) hat hier seit 1985 schwach- bis mittelradioaktive Abfälle aus Betrieb und Stilllegung deutscher Atomkraftwerke verarbeitet und für die anschließende Zwischen- bzw. spätere Endlagerung verpackt, zwischengelagert und weiterverschickt..

Bis 1992 war in diesem Stadtteil das Royal Corps of Transport der britischen Rheinarmee stationiert: In den Glamorgan Barracks. Durch einen Bombenanschlag der Irisch Republikanischen Armee (IRA) im Jahre 1988 erlangte Wanheim endlich weltweit die mediale Aufmerksamkeit, die der Stadtteil verdient. Inzwischen ist diese Kaserne, die im zweiten Weltkrieg als Flak-Kaserne diente,  komplett zurückgebaut: Dort sind Wohnungen und sehr viel Industrie zu finden.

Insgesamt: Der Stadtteil hat sich gewandelt – und ist inzwischen ein beliebter Ausflugsort. Für Duisburger, Menschen aus dem Ruhrgebiet und Touristen aus allen Herren Ländern.

Der Grund dafür: Die Landmarke Tiger & Turtle – Magic Mountain!

Der heutige Ausflugstipp der Ruhrbarone.

Wanheim: Ein wunderschöner Stadtteil von Duisburg

Robuste Architektur: Hochbunker zu Wohnhäusern; Foto: Peter Ansmann

Robuste Architektur: Hochbunker zu Wohnhäusern; Foto: Peter Ansmann

Wanheim ist ein faszinierender Stadtteil: Da ist zum einen der Rhein, der in unmittelbarer Nähe seinen Lauf nimmt. Zum anderen ist hier viel Industrie zu sehen und auch Grünanlagen sind zu finden. Geschichte trifft hier auf Moderne! Ein alter Hochbunker, auf der Ehinger Straße / Ecke Petersstraße, ist heute attraktiver Wohnraum und vereint Wohlfühlatmosphäre mit der Sicherheit, die eine meterdicke Wand aus Stahlbeton nun mal bietet.

Lebenswert: Passt zu Wanheim wie die Faust aufs Auge; Foto: Peter Ansmann

Lebenswert: Passt zu Wanheim wie die Faust aufs Auge; Foto: Peter Ansmann

Abgerundet wird dieses romantische Stadtteilbild durch viel Grünfläche. Dass die SPD gerade an dieser Stelle –  im Kommunalwahlkampf – aktuell mit einem Motiv des Duisburger Oberbürgermeisters Sören Link und der Botschaft “Lebenswert” wirbt, macht mehr als Sinn. Es gibt wenige Stellen in Duisburg, wo die Message dieses Plakates so passt wie hier.

Was den Stadtteil auch auszeichnet: Moderne Errungenschaften. Ganz neu ist z.B. der Grillfleischautomat auf der Ehinger Straße, der Wanheim damit – für mich – direkt zum zweitschönsten Distrikt der Ruhrmetropole Duisburg katapultiert. Leckere “Malochergriller” (3x 100 Gramm Gesundheit) für nur 3,50 Euro – was will man mehr?

Best Practice Duisburg: Gesundes Fleisch an 24h - 7 Tage die Woche; Foto: Peter Ansmann

Best Practice Duisburg: Gesundes Fleisch an 24h – 7 Tage die Woche; Foto: Peter Ansmann

Diese wunderschönen Aspekte machen die Touristenattraktion des Stadtteils, die Landmarke Tiger & Turtle, noch attraktiver für Besucher.

Tiger & Turtle – Magic Mountain

Seit 2010 gibt es auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe die Landmarke Tiger & Turtle, die an eine Achterbahn erinnert. Erbaut auf einer ehemaligen Schlackenhalde, direkt vor dem ehemaligen Berzelius-Werk. Benannt ist die Höhe nach Heinrich Hildebrandt, der Heimatforscher in Duisburg war. Von meinem Vater, der 40 Jahre lang beim Mannesmann Forschungsinstitut geschafft hat, weiß ich: Heinrich Hildebrandt war in dieser Zeit ebenfalls beim MFI beschäftigt. Von der Anhöhe aus hat man eine gute Sicht aus das Gebäude in dem das Forschungsinstitut und Labor zu dieser Zeit untergebracht war (oder immer noch ist).

Etwas zur Skulptur selbst erfährt man auf einer der zahlreichen Informationstafeln an der Landmarke:

DIE SKULPTUR

Am 12. November 2011 wurde die Großskulptur TIGER & TURTLE – MAGIC MOUNTAIN von Heike Mutter und Ulrich Genth feierlich eröffnet. Sie setzt die Tradition der Landmarkenkunst im Ruhrgebiet fort und bereichert diese mit einem spektakulären Bauwerk.

Ihre Materialien Stahl und Zink verweisen auf die Geschichte des Standortes und repräsentieren zwei für die Region auch heute noch charakteristische Werkstoffe.

Als Siegerentwurf des 2009 ausgelobten internationalen Wettbewerbs zur Gestaltung einer Landmarke auf der Heinrich Hildebrand Höhe ist TIGER & TURTLE eines der bedeutendsten Projekte der Europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010.

Mit ihren geschwungenen Wegen bezieht sich TIGER & TURTLE auf die Form der klassischen Achterbahn. Aus der Ferne ist mit den Augen der rasante Kurvenverlauf und die Verheißung von Geschwindigkeit zu erfassen. Aus der Höhe überrascht die Skulptur auf entwaffnende Weise: Die gewundenen Gänge bestehen aus unterschiedlich steilen Treppen, die zu Fuß erklommen werden können. Dabei genießt der Besucher einen weiten Blick über die Landschaft des westlichen Ruhrgebiets. Nachts erstrahlt die Skulptur weithin sichtbar mittels der im Handlauf mitgeführten LED-Module.

DIE STAHLBAUKONSTRUKTION

Die Trägerkonstruktion von TIGER & TURTLE besteht aus stählernen Rundrohren, die in Segmenten gebogen, vorgefertigt und verzinkt wurden. Die Montage der zahlreichen, individuell geformten Einzelbauteile erfolgte vor Ort in nur knapp acht Wochen.

Ein Sonderbauteil ist der organisch wirkende Anschluss zwischen Stütze und Tragrohr. Die 17 Stützenköpfe wurden ohne markante Schraubverbindung hergestellt. Jeder der Stützenköpfe ist aus zwei Rundrohren geschweißt. Auf engsten Raum sind 7 umlaufende Schweißnähte in unterschiedlicher Dichte und Größe angeordnet. Je nach Winkellage der Rundrohre zueinander sind dabei pro Naht zwischen 8 und 12 Schweißlagen bei einer stabilen Wirkstofftemperatur von 150° C eingebracht. Materialspannungen konnten durch eine Wärmebehandlung, dem Spannungsarmglühen, reduziert werden. Anhand des hier aufgestellten Musterstützenkopfes, überprüfte die Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt Duisburg die Fertigungserfolge.

Weitere technische Daten zu TIGER & TURTLE!

Ärger im Paradies Duisburg-Wanheim

Für Unmut sorge in diesem Jahr der Bau einer Logistikhalle im Umfeld der Landmarke: Die Logistikhalle Ehinger Straße – Logport II verwehrt den Blick von der Ehinger Straße auf die Landmarke. Seit 2005 ist die Fläche als Sondergebiet mit der Bestimmung “Logistik” definiert.

Logistikhalle Ehinger Straße - Logport II: 45 Arbeitsplätze; Foto: Peter Ansmann

Logistikhalle Ehinger Straße – Logport II: 45 Arbeitsplätze; Foto: Peter Ansmann

In diversen Facebookgruppen stößt die Halle auf wenig Gegenliebe: Beim heutigen Gang zur Landmarke schwätze ich kurz mit meinem Nachbarn, der ebenfalls über die jetzt “zugebaute Landmarke” alles andere als erfreut ist.

Wunderschöner Ausblick auf Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Wunderschöner Ausblick auf Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Nach meiner heutigen Visite an der Landmarke kann ich mich der Kritik nicht anschließen: Der Blick von Tiger & Turtle auf die Stadt ist nicht verstellt. Von allen anderen Richtungen ist die Skulptur nach wie vor zu sehen.

Bei meinem Aufstieg zur Skulptur überholt mich ein Paar, das sich auf holländisch unterhält.

Mit Marc, der mit seiner Freundin seit Montag Urlaub im Ruhrgebiet macht und in einem Hotel in Essen wohnt, komme ich kurz ins Gespräch. Tiger & Turtle ist die zweite Tour des Paares aus den Niederlanden nach Duisburg, nachdem gestern der “andere berühmte Berg in Duisburg” besucht wurde (Da ich jahrelang im  südlichen Alpenvorland gewohnt habe und selbst als originärer Duisburger keinen Schimmer habe wo in Duisburg überhaupt “Berge” sein sollen, erspare ich mir lieber die Nachfrage.)

Mit den Bike auf die Landmarke: Marc und seine Freundin; Foto: Peter Ansmann

Mit den Bike auf die Landmarke: Marc und seine Freundin; Foto: Peter Ansmann

Die Halle stört die beiden Touristen nicht: Sie sind etwas enttäuscht von einem fehlenden gastronomischen Angebot an der Landmarke – und dass die Skulptur aktuell nicht begehbar ist. Auf die Frage, weshalb Tiger & Turtle nicht begehbar ist verweise ich auf die Sicherheitsbestimmungen wegen der Coronakrise. Trotzdem hat sich die Auffahrt für die beiden gelohnt: Der Blick über die wunderschöne Stadt ist ein prima Lohn für die mühsame Tour auf den majestätischen Gipfel des Magic Mountain.

Atemberaubende Aussicht auf die schöne Skyline von Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Atemberaubende Aussicht auf die schöne Skyline von Duisburg; Foto: Peter Ansmann

In Zeiten der Reisebeschränkung ist Urlaub in Deutschland wieder im Schwange: Duisburg-Wanheim ist hier als Erholungsraum nicht zu unterschätzen.

Die Nähe zum Rheinpark und zur Regattabahn runden machen diese unterschätze Urlaubsregion zu einem Globalplayer im Bereich Tourismus.

RuhrBarone-Logo

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