Neues in Duisburg: Stadtrundfahrt mit dem Service-Liner

Nach der Stadtrundfahrt: Gruppenfoto in Wanheimerort; Foto: Peter Ansmann
Nach der Stadtrundfahrt: Gruppenfoto in Wanheimerort; Foto: Peter Ansmann

Heute ist es fast ein Jahr her, dass meine Freundin Angela und ich bei unserer ersten Stadtrundfahrt in Duisburg mitgemacht hatten. Vorletzten Samstag haben wir – und ein gemeinsamer Freund, der erstmals mit dabei war – jetzt unsere zweite Stadtrundfahrt mit dem Service-Liner Duisburg unternommen.

Neues in Duisburg“ heißt die Tour – und genau wie bei unserer ersten Duisburg-Stadtrundfahrt galt hier: Die Tour war wesentlich spannender als erwartet!

Neues in Duisburg

Wortwörtlich bis zum letzten Platz ausgebucht war der Bus, als wir es uns zu dritt am vorletzten Samstag auf den verbliebenden drei Plätzen bequem machten: Startpunkt war die Bushaltestelle am AWO-Seniorenheim in Duisburg-Wanheimerort (Im Schlenk / Ecke Düsseldorfer Straße). Wie bei unserer letzten Tour ist, neben Busfahrer und Guide Udo Scharf, Joachim Schneider als Co-Guide mit von der Partie. Eine gute Wahl: Als stellvertretender Bezirksbürgermeister in Duisburg-Mitte, weiß Joachim Schneider welche Projekte gerade am Start sind – und wie es läuft.

Gefreut hatten wir uns ursprünglich auf die Wiederholung der Classic-Tour, die wir bereits vom letzten Jahr kennen. Oder auf die Schimanski-Tour, von der auf der ersten Fahrt bereits die Rede war. Skeptische Blicke zwischen Angela und mir, weil „Neues in Duisburg“ nicht unbedingt spektakulär klingt: Diese Skepsis war aber nach wenigen Momenten verflogen – was am Input lag, den man direkt nach dem Anfahren des Busses von den beiden Reiseführern bekam.

Wie wir von Udo Scharf erfahren, gibt es beim Programm „Neues in Duisburg“ zwei Touren: Die erste beinhaltet den Süden und die Mitte von Duisburg – was perfekt passt, weil es unsere Hood ist. Die zweite Tour führt durch Rheinhausen und den Norden von Duisburg.

Bereits auf den ersten Metern der Tour erfahren wir, was in unserem Stadtteil (Wanheimerort) gerade so passiert: Da sind zum einen die erneuerten Haltestellen der U-79, die jetzt erhöht sind: Und damit auch für Menschen, die mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator unterwegs sind an Attraktivität gewinnen. Bei der Vorbeifahrt am DVG-Betriebshof Grunewald erhalten wir einen Blick auf die neuen Straßenbahnen – und erhalten die Information, dass diese noch nicht in Dienst sind: Weil der Hersteller die technischen Unterlagen noch nicht geliefert hat. Auf dem ehemaligen Gelände der Didier-Werke, gegenüber vom DVG-Betriebshof Grunewald, sind Abrissarbeiten im Gange: Hier entsteht die neue Gesamtschule in Wanheimerort.

Eingespieltes Team: Udo Scharf und Joachim Schneider; Foto: Peter Ansmann
Eingespieltes Team: Udo Scharf und Joachim Schneider; Foto: Peter Ansmann

Kurze Fahrt über die Stadtautobahn in die Innenstadt, dabei passieren wir das ehemalige Gelände des Güterbahnhofs. Schön ist der Anblick nicht, spannend aber, was Joachim Schneider zu diesem Ort zu erzählen weiß: Hier entstehen die Duisburger Dünen. Der Name des geplanten Stadtquartiers ist keine Ironie, sondern Programm: Eine grüne Oase – mit Wohnquartieren, Einzelhandel und Büroflächen – soll hier entstehen.

Wie bei den meisten anderen angefahrenen Punkten, reicht Udo Scharf auch hier Fotos rum, die zeigen, wie es früher aussah. Skizzen, die einem eine Vorstellung verschaffen, was geplant ist, gibt es immer dazu.

Die Entwürfe sind wunderschön – als langjähriger Duisburger bin ich aber sehr optimistisch, dass eine gesunde Balance zwischen „neuen schönen Stellen in Duisburg“ und „Duisburg wie man es kennt“ gehalten werden kann, so dass die Stadt auch weiterhin unattraktiv genug bleibt, um in diesen heiklen Zeiten kein potenzielles Angriffsziel für einen nuklear bestückten SSC-8-Marschflugkörper aus Russland zu werden – auch wenn dies die Sache mit den fehlenden technischen Unterlagen bei den Straßenbahnen regeln würde.

Mit Panzertape zusammengehalten: Der HBF in Duisburg; Foto: Peter Ansmann
Mit Panzertape zusammengehalten: Der HBF in Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Auch an einem der unansehnlichsten Bahnhöfe des Sonnensystems, der aktuell auch durch Panzertape zusammengehalten wird, verfahren Udo Scharf und Joachim Schneider in der gleichen Weise: Hier ist der Kontrast besonders krass.

Ziel ist, dass bis zur Internationalen Gartenschau 2027 ein moderner und ansehnlicher Bahnhof in Duisburg steht. Man darf gespannt sein, ob das hehre Ziel – den hässlichen Duisburger HBF in etwas zu verwandeln was vorzeigbar ist – bis 2027 erreicht wird. Denn dass es nicht immer so läuft, wie es geplant ist, kann man nur einige Meter weiter sehen: Die Baustelle am Verteilerkreis des Ostausgangs des Hauptbahnhofs liegt, seit Frühjahr 2022, auf Eis: Die für den Umbau verantwortliche Baufirma ist pleitegegangen.

Dazwischen immer wieder Infos über neue Hotels, Behörden und Institutionen die sich neu in Duisburg angesiedelt haben. Und Kritik am Verkehrskonzept: Auf der Steinschen Gasse soll irgendwann eine Fahrspur wegfallen. Förderlich für den Einzelhandel ist das spannende Duisburger Konzept „#duisburgistecht warten im Stau“ mit Sicherheit nicht.

Nicht nur für Touristen interessant

Was die Tour „besonders“ macht, sind die Anekdoten zu bestimmten Orten und die kritischen Töne. Auch Einheimische erfahren hier Fakten, die man sonst nicht unbedingt wahrnimmt. Weshalb diese Tour nicht nur für die zahlreichen Touristen in der Ruhrstadt interessant ist. Eine dieser kleinen Anekdoten liefert Joachim Schneider, als wir den Fernbusbahnhof passieren: Am Fernbusbahnhof ist z.B. nur eine öffentliche Toilette – die bis 18:00 Uhr geöffnet ist. Danach muss man, falls man muss, einen halben Marathonlauf bis zu den Toiletten am anderen Ende des Hauptbahnhofs laufen.

Kritik und Skepsis wegen der Gebühren für die Fernbusse: Während die Busunternehmen in Nachbarstädten, z.B. in Essen, kostenfrei parken, werden in Duisburg jetzt Gebühren fällig. Ein Wettbewerbsvorteil ist das, gerade in einer Region, in der alle angrenzenden Städte gut erreichbar sind, nicht unbedingt.

Eine besondere Geschichte liefert Udo Scharf, während er den Bus vom Hauptbahnhof in Richtung Friedrich-Wilhelm-Straße lenkt:

Und hier sieht man auch diese Schranke. Und da gibt es auch noch mal einen schönen Schildbürgerstreich zu erzählen: Diese Säule, wo man das Ticket zieht, die hatte man ursprünglich bestellt für PKW. Das heißt, der Busfahrer kam da gar nicht dran, weil die Ticketausgabe viel zu tief war. Da musste man das ganze Ding wieder abbauen, musste einen neuen Ticketautomaten holen. Und dann haben die einen geholt, der nur in der Höhe Tickets ausgab und haben vergessen, dass es auch Doppeldecker gibt, in denen der Fahrer tief sitzt. Jeder von uns, der schonmal in Frankreich durch eine Mautstelle gefahren ist, der weiß: Es gibt da immer auf zwei Höhen die Ausgabe. Also die Geräte sind da. Nur man hat hier nicht begriffen, dass das auch hier erforderlich gewesen wäre.

Gekonnt dirigiert Udo Scharf seinen Bus durch die Friedrich-Wilhelm-Straße, die einmal besser aussah: Joachim Schneider regt an, die Straße zusätzlich mit einem Schild „Boulevard of broken Dreams“ zu kennzeichnen.  Nach Anfahrt von verschiedenen Orten in der City, die teilweise ihre besten Zeiten hinter sich haben, geht es zum Rathaus. in dessen Nachbarschaft früher das Berufskolleg Stadtmitte zu finden war: Dort ist jetzt eine einzige Baugrube. Hier entsteht das Mercatorquartier. Kurzer Blick auf das Landesarchiv, das zwar für jeden Menschen aufgrund seiner Größe sichtbar ist, aber nicht unbedingt erkannt wird: Ein Schriftzug oder ein Wahrzeichen fehlt hier.

Weiterfahrt über die Schwanentorbrücke, deren vier Türme gerade saniert wurden, kurzer Blick auf das neue Twins-Hotel am Ende des Sonnenwalls. Wir fahren Richtung Musfeldstraße, passieren das Theater am Marientor und das Rotlichtviertel im Bereich der Vulkanstraße, fahren an einem ehemaligen Schlachthof – in dem bisher der Hundesalon Amigo seine Heimat hatte und in dem demnächst ein Kulturzentrum eröffnet – vorbei und kommen auf dem früheren Gelände der Theisen-Kabelwerke an. Auch hier ist Großes geplant!

6-Seen-Wedau

Über die Wanheimer Straße geht es Richtung Süden: Viele Infos zum Stadtteil, ein Blick auf das Gelände am Rheinpark, einer der Standorte für die IGA2027. In Wanheimerort passieren wir das Caramba-Werk und das ehemalige Areal des AEG-Kabelwerkes. Durch das neue Wohngebiet in Wanheim, auf der Fläche hatte früher die britische Rheinarmee eine Kaserne in Duisburg, geht es in den Süden von Duisburg. In Huckingen entstehen aktuell Wohnhäuser, auch an diesem Samstag wird hier gebaut. Auf dem Weg zur Wedau, hier steht eine der größten – begrünten – Lärmschutzmauern der Welt, passieren wir das Gelände der St. Joseph-Kirche. Dort entstehen aktuell 15 Wohnhäuser. Hier, zwischen Regattabahn und Sechs-Seen-Platte, ist das Stadtentwicklungsprojekt 6-Seen-Wedau geplant.

Duisburg-Wanheim: Lebensqualität auf dem ehemaligen Kasernengelände; Foto: Peter Ansmann
Duisburg-Wanheim: Lebensqualität auf dem ehemaligen Kasernengelände; Foto: Peter Ansmann

Dazwischen immer wieder Informationen zu einzelnen Objekten: Ob besondere Insolvenzen oder neuartige Sanierungskonzepte für Asbestverseuchte Industriegebäude – Josef Schneider und Udo Scharf haben viel zu erzählen. Die nicht immer nur liebevollen Kommentare runden das Unternehmen ab. Die zweieinhalb Stunden vergingen wie im Fluge. Die Stimmung ist gut, als der Bus von der Sechs-Seen-Platte zum Ausgangspunkt der Stadtrundfahrt zurückfährt.

Auf den zweiten Teil der Tour sind wir gespannt.

 

Stadtrundfahrten in Duisburg: Öffentliche Rundfahrten mit dem Service-Liner Duisburg

Ein weiterer Bericht zum Service-Liner Duisburg im Blog der Ruhrbarone:

Ruhrgebiets-Tourismus: Unser erstes Mal auf einer Stadtrundfahrt in Duisburg

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