Der Beginn des europäischen Kolonialismus Teil 3 – Soziale Spannungen und interne Verwicklungen

Osmanen belagernWien
Osmanen belagernWien

Wie ich schon im Teil 2 der Serie „Beginn des europäischen Kolonialismus“ herausgearbeitet habe, grenzt es in gewisser Hinsicht an ein Wunder, dass die beiden westlichen europäischen Mächte Spanien und Portugal ihre Kolonialisierung in Amerika, Afrika, dem indischen Ozean, und darüber hinaus bis nach Ostasien durchführen konnten, während im Mittelmeerraum die Europäer selbst in Deckung gehen mussten. Von unserem Gastautor Helmut Junge.

Denn all ihre nautischen und kriegstechnischen Neuerungen haben im Mittelmeerraum nicht zu ähnlichen Erfolgen geführt.

Spanier und Portugiesen konnten in den nächsten Jahrzehnten in den Teilen der Welt, die sie für sich beanspruchten, mehr oder weniger ungestört schalten und walten, wie sie wollten. Es dauerte Jahrzehnte, bis Frankreich das Auge auf den amerikanischen Kontinent richtete und seinerseits begann dort Kolonien anzulegen. Die Briten störten zwar durch Piraterie den transatlantischen Transport, aber bis sie mit den Niederländern gemeinsam so weit waren, Spanier und Portugiesen militärisch zu verdrängen, vergingen noch etliche weitere Jahrzehnte.

Man sollte also denken, dass das, was Spanien im Westen, und Portugal im indischen Ozean so unangefochten treiben konnten, auch für das Mittelmeer Gültigkeit haben müsste.

Aber das Gegenteil war der Fall, Europa drohte selber zur kolonialen Beute eines mächtigen Feindes zu werden, was dann auch für Griechenland und den Balkan, bis nach Ungarn tatsächlich geschehen ist. Und das lag daran, dass im östlichen Mittelmeer so nach und nach

Continue Reading

Der Beginn des europäischen Kolonialismus 2. Teil: Die Aufteilung der Erde

 

Seeschlacht-von-Diu
Unser Gastautor Helmut Junge hat sich mit der Geschichte des  europäischen Kolonialismus beschäftigt. Hier nun der zweite Teil. Die Reihe hatte ihren Ursprung in verschiedenen Diskussionen hier im Blog.

Als König Manuel I von Portugal im Jahre 1497 Vasco da Gama den Auftrag erteilte, jetzt doch endgültig um Afrika herum, Indien anzusteuern, war er schon sehr genau darüber informiert, welche Städte in Ostafrika angefahren werden konnten, und von wo die Fahrt über den indischen Ozean die günstigsten Voraussetzungen boten. Ferner war er darüber informiert welche Städte in Indien für den Handel mit Portugal von besonderem Interesse waren, und wie die Herrscher in diesen genannten Städten tituliert wurden. Das hatte seinen Grund darin, dass der Vorgänger von Manuel I, König Johann II bereits 10 Jahre zuvor, 2 Kundschafter beauftragt hatte, auf irgendeine Weise einen Hafen in Arabien zu finden, von dem aus sie mit einem

Continue Reading

Graphic-Novel „Drei Steine“ von Nils Oskamp in Dortmund

 

Copyright © 2016 by Nils Oskamp
Copyright © 2016 by Nils Oskamp

In der öffentlichen und medialen Wahrnehmung scheint sich die rechtsextreme Szene in Deutschland auf den Osten zu konzentrieren. Doch trotz entsetzlicher, über die sozialen Netzwerke wie ein Lauffeuer verbreiterter Vorfälle wie der johlende Mob, der Flüchtlinge in Clausnitz daran hinderte, ihre Unterkunft zu beziehen, sitzt der harte aber herzliche Westen leider längst nicht so fest im multikulturellen Sattel, wie Optimisten es sich vielleicht wünschen würden. Von unserem Gastautor Matthias Penkert-Hennig.

Als Hochburg der rechten Szene im Ruhrgebiet gilt bereits seit FAP-Zeiten in den Achtzigern der Stadtteil Dortmund-Dorstfeld. Hier wuchs Illustrator und Comiczeichner Nils Oskamp auf. Als Schüler an einer prophetischer Weise nach Comic-Großvater Wilhelm Busch benannten Realschule wurde er Zeuge und Opfer rechter Gewalt, vor der Lehrer, Polizei, Staatsanwaltschaft und sogar seine Eltern die Augen fest verschlossen.

Continue Reading
Werbung


Götz George ist tot

Götz George. Quelle: Wikipedia, Foto: www.horstschimanski.info, Lizenz: CC BY-SA 2.5
Götz George als Schimanski. Quelle: Wikipedia, Foto: www.horstschimanski.info, Lizenz: CC BY-SA 2.5

Heute vor genau 35 Jahren sahen wir Götz George das erste Mal in seiner Rolle als Horst Schimanski. Er frühstückte zwei rohe Eier und schon in der nächsten Szene rief er „Hör auf mit der Scheiße!“, als jemand einen Fernseher aus dem Fenster warf. Eine neue Ära hatte begonnen. Von unserem Gastautor Harald Schrapers.

Götz George ist untrennbar mit Horst Schimanski verbunden. Er hat die Figur, die im Umfeld der Münchener Filmhochschule erdacht wurde, gespielt, geprägt und entwickelt. George kam nach Duisburg und schaffte es, dem Ruhrgebiet ein neues Selbstbewusstsein zu geben. Wahrscheinlich ging es gar nicht anders, dass dies ein Berliner Schauspieler machen musste, der von außen kam und den Duisburgern einen Spiegel vorhielt. Dieses Verzagte und sich selbst Verleugnende – das kam in Schimanskis Welt nicht vor. Und Götz George war der Garant dafür.

Continue Reading

Die Verschärfung des Antiterrorgesetz – ein paar Worte dazu.

q1ZlzrNEs hat hierzulande beinahe schon Tradition, dass man während größeren Events wie z.B. einer Fußball-WM strittige Gesetze den Bundestag passieren lässt. Beispiele? 2006, die Erhöhung der Mehrwehrsteuer, 2010, die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge und 2012 während der EM 2012, unser persönlicher Liebling das neue Meldegesetz welches in sagenhaften 57 Sekunden durch den Bundestag gepeitscht wurde nur um dann später wieder vom Bundesrat zur Korrektur kassiert zu werden. Ein Gastbeitrag von Anonymous Germany.

 Worum ging es dieses mal? Werfen wir doch einen Blick darauf.

Continue Reading

Der antisemitische Verschwörungsglauben des Dr. Wolfgang Gedeon (AfD)

Verfasst hat er sie unter der Bezeichnung „W. G. Meister“ – so auch der Namen seiner Homepage – und sie als sein „Meisterwerk“ bezeichnet: Die dreibändige Monographie „Christlich-europäische Leitkultur. Die Herausforderung Europas durch Säkularismus, Zionismus und Islam“ des baden-württembergischen AfD-Landtagsabgeordneten Dr. Wolfgang Gedeon belegt einen in sich geschlossenen, antisemitischen Verschwörungsglauben.
Dennoch musste der AFD-Bundesvorsitzende und Südwest-Fraktionsvorsitzende Prof. Jörg Meuthen seinen Antrag auf sofortigen Fraktionsausschluss Gedeons vertagen – die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit war nicht in Sicht. Unser Gastautor Dr. Michael Blume hat sich Gedeon und seine Schriften sehr genau angeschaut.

Continue Reading

Der C4-Tiger trägt jetzt Aluhut – Biologieprofessor Ulrich Kutschera marschiert weiter nach rechts außen

Ulrich Kutschera  Foto: X. Wang, San Francisco, CA, USA Lizenz: CC BY-SA 3.0
Ulrich Kutschera Foto: X. Wang, San Francisco, CA, USA Lizenz: CC BY-SA 3.0

Der Biologieprofessor Ulrich Kutschera, der im letzten Jahr durch seine Tiraden gegen Gender Studies, Feminismus und Flüchtlinge von sich reden machte, hat auf seiner Reise nach rechts außen einen weiteren Schritt getan und in Jürgen Elsässers Compact-Magazin wüste Verschwörungstheorien verbreitet. Von unseren Gastautoren Fabian Bärig und Floris Biskamp

Ein wenig enttäuscht waren wir doch, als wir so lange nichts Neues von Ulrich Kutschera zu hören bekamen. Nachdem der Kasseler Professor für Pflanzenphysiologie und Evolutionsbiologie uns im letzten Jahr gleich mehrfach durch seine erfrischend kenntnisfreien Thesen über Geschlechterforschung überrascht und für 2016 eine diesbezügliche Schwerpunktsetzung angekündigt hatte, verfolgten wir seine Aktivitäten mit einer gewissen Erwartungshaltung.

Diese wurde jedoch bitter enttäuscht. In seinem Buch Das Gender-Paradoxon leistet Kutschera nicht mehr, als sein hinlänglich bekanntes Unverständnis in Sachen Geschlechterforschung, Wissenschaftstheorie und Sozialwissenschaften auf quälend langen 440 Seiten auszubreiten. Daher überrascht es kaum, dass das Traktat von den üblich-verdächtigen „maskulinistischen“ Online-Communities abgesehen mit der wohlverdienten Missachtung gestraft wurde.

Ausgeladen

Neu, aber angesichts der Hasstiraden auf weibliche Kolleginnen und der rassistischen Äußerungen über Flüchtlinge wenig überraschend, war allenfalls, dass der früher als Kritiker

Continue Reading
Werbung


Zum Tod von Wolfgang Welt: Ganz schön banane

 

Wolfgang Welt Foto: Dirk Vogel Lizenz: Copyright
Wolfgang Welt Foto: Dirk Vogel Lizenz: Copyright


Am 19. Juni 2016 verstarb Wolfgang Welt, der Popliterat von der Bochumer Wilhelmshöhe. Seine größte Zeit als Autor hatte er vor 35 Jahren als Redakteur beim Stadtmagazin MARABO. Unser Gastautor Peter Krauskopf hat diese Zeit miterlebt.

Es muss nach 2005 gewesen sein, MARABO gab es schon nicht mehr, und Wolfgang Welt hatte seit über 20 Jahren dort nichts mehr geschrieben, als ich die Bochumer Buchhandlung Jansen betrat. Dort stand er und redete zu der Buchhändlerin so begeistert von seiner Arbeit bei dem Stadtmagazin, als sei das alles gestern erst passiert. Als er merkte, dass sein ehemaliger Chefredakteur hinter ihm stand, fielen die von den vielen Psychopharmaka aufgedunsenen Gesichtszüge von einer glücklichen Lebhaftigkeit zurück in eine indolente Starre, er sagte kurz

Continue Reading

Der Beginn des europäischen Kolonialismus (1.Teil)

Charles Legrand : Vasco da Gama
Charles Legrand : Vasco da Gama


Unser Gastautor Helmut Junge hat sich mit der Geschichte des  europäischen Kolonialismus beschäftigt. Die Reihe hatte ihren Ursprung in verschiedenen Diskussionen hier im Blog.

Seit das Christentum und später auch der Islam mit einem Machtanspruch in die Weltgeschichte eintraten kollidierten ihre Interessen mit den jeweiligen anderen Machtzentren der Welt, aber auch untereinander. Rund um das Mittelmeer, in Europa, Nordafrika und Kleinasien sind Christentum und Islam als letzte zwei Machtzentren verblieben. Ihre gegenseitigen Beziehungen sind geprägt, sowohl von kriegerischen, als auch friedlichen Zeiten. Häufig wird von den Geschichtsschreibern vergessen, dass es zwischendurch auch immer Phasen der gegenseitigen Kooperation gegeben hat, wie es auch Phasen kriegerische Auseinandersetzungen innerhalb jedes der beiden Blöcke gab und auch gibt. Häufig genug gab es in solchen Zeiten auch Bündnisse mit Bündnispartnern, die jeweils der anderen Religion

Continue Reading

Neustart für den Libertarismus

Eugène Delacroix – Die Freiheit führt das Volk
Eugène Delacroix – Die Freiheit führt das Volk

Wer sich neue humanistische Politikansätze wünscht, muss damit anfangen, die Freiheit ernst zu nehmen. Von unserem Gastautor Frank Furedi.

Der Begriff „Libertarismus“ hat über die Jahrhunderte hinweg eine Vielzahl von Interpretationen erfahren. An einem Ende des politischen Spektrums wurde er mit rechtsgerichteten Anhängern des freien Marktes in Verbindung gebracht, am anderen Ende mit radikalen Anarchisten. Ende des 19. Jahrhunderts bezeichneten sich manche als libertäre Sozialisten oder sogar libertäre Kommunisten. Heute assoziiert man mit dem Begriff Libertarismus eine Ablehnende Haltung gegenüber dem Anwachsen staatlicher Interventionen ins soziale und ökonomische Leben.

Continue Reading