Mutterglück und anderer Wahnsinn 2: Das Elterntribunal

Den restlichen Tag verbrachte ich leicht abwesend. Für mich stand fest, dass Partner Hpunkt und ich nach dem positiven Schwangerschaftstest alles irgendwie schaffen würden. Ich dachte über mich als Mutter nach, ließ die Gedanken in Richtung kleine Strampler, Schlafentzug, Mutterglück schweifen. Und dann krachte es förmlich. Meine Eltern!!! Von unserer Gastautorin Nina Ryschawy.

 

Ich denke, jeder kennt noch das Gefühl: Man ist noch Kind, hat etwas verbrochen und soll es nun den Eltern beichten. Ein Grummeln in der Magengegend, das Herz wird einem schwer.

Ich wußte nicht, das so ein Gefühl im Alter von 34 Jahren noch einmal zurückkehren konnte.

Und der Zeitpunkt war für eine Beichte in meinen Augen denkbarst schlecht. Es war der 22. Dezember, meine Eltern wirbelten durch die Gegend um alles für das Fest herzurichten. Die Familie hatte sich schließlich angesagt. Sollte ich also meinen Verdacht in Worte gekleidet wie „Ähm, Mama…Papa…wir haben da…also…da gab es…Test…wahrscheinlich schwanger…“ noch vor dem Fest kundtun? Oder wäre es sinniger, bis nach den Feiertagen zu warten?

Nun muss man wissen, dass ich meinen Eltern gegenüber noch nie Geheimnisse wahren konnte. Ich sah mich schon selbst an der Festtagstafel sitzen, unruhig, mit hektischem Blick. Und meine Mutter hat einen siebten Sinn. Sie sieht es mir

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Piraten und Bildung: Vom Menschenbild zum Bildungsziel

 

Birgit Rydlewski Foto. Privat

Unser Leben individuell zu gestalten war noch nie so leicht wie heute. Von unserer Gastautorin Birgit Rydlewski. Birgit Rydlewski kandidiert auf Listenplatz 9 bei der Piratenpartei für den Landtag.

Ob wir uns Pasta zu Abend kochen, Basmati-Reis oder Kartoffeln, hängt  nicht mehr davon ab, ob wir in Italien, Indien oder Deutschland leben. Wen wir lieben und mit wem wir zusammenleben wollen, entscheiden wir selbst und nicht mehr unsere Eltern. Und welche Bücher wir lesen, wo wir uns über die Neuigkeiten der Welt informieren, aus welchen Quellen wir unser Wissen suchen, liegt nicht mehr daran, was der Mönch aus dem Nachbarkloster gerade abschreibt.

Doch ausgerechnet unsere Bildung wird vorherbestimmt wie vor hundert

Jahren. Die Art und Weise, jungen Menschen das Wissen der Welt nahezubringen, hat sich nicht geändert. Und das, wo sich die Welt (metaphorisch, nicht tatsächlich)  immer schneller dreht, wo dieses Wissen sich in seiner

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Mutterglück und anderer Wahnsinn

Schematische Darstellung der Funktionsweise eines Schwangerschaftstests Urheber: Martin Brändli - geändert von Klaus Hoffmeier Lizenz: Creative Commons Attribution Share alike

Es gibt Momente im Leben. Solche und solche. Momente auf die man sich vorbereiten kann, Momente die doch nicht eintreten, was in manchen Fällen gut so ist. Momente die einen mit Glück erfüllen. Und Momente, die einen so dumm dastehen lassen wie noch nie zuvor. Unvorbereitet treffen sie einen, und alles andere verliert die Bedeutung. Der Boden klappt unter einem weg und man braucht sehr lange, bis man sich wieder bewegen kann. Von unserer Gastautorin Nina Ryschawy.

So ging es mir, als ich das Teststäbchen mit den zwei rosa Streifen in der Hand hielt. Vor lauter Adrenalin im Kopf war ich nicht in der Lage irgendwie zu reagieren. Mein Gehirn hatte sich zum Selbstschutz auf das Niveau von Kleinstlebewesen heruntergefahren.

Gedankengang: „Waaaaa…? Ögl. Äh…Puh. Hm??? Das Ding muss kaputt sein.“

Lange Zeit nichts mehr. Schreckensstarr saß ich auf dem Küchenstuhl und versuchte irgendwie zu denken. Naja, solche Tests brauchen in der Regel

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Gedichtband von Nina Ryschawy

Schon ein paar Mal hat Nina Ryschawy als Gastautorin Texte auf den Ruhrbaronen veröffentlicht. Nun hat sie einen Gedichtband herausgegeben. Eine Leseprobe:

Eretz Israel

Land Israel

Reise

zurück in mein geliebtes gelobtes Land

dort wo ich lerne

lebe und spüre

die Umgebung schmecke

 

Die ewige Zeit die hier tickt

und die Menschen

getragen durch Stürme

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Quo vadis DFB?

Sie kamen aus Frankfurt, sie kamen aus Hessen – und das Aussperren von Fans kann der DFB künftig wohl vergessen. Zum wiederholten Mal innerhalb kurzer Zeit reisten am Montag Abend auswärtige Fans in großer Zahl zu einem Spiel an, zu dem sie offiziell nicht zugelassen waren – mit tatkräftiger Unterstützung der Heimfans, die der oftmals hohlen Phrase von Solidarität als Waffe neues Leben einhauchten.  Von unserem Gastautor Andrej Reisin/Publikative

Egal, ob es 500 oder 1.500 waren, sie waren viele, sie waren laut und sie waren unübersehbar: Letzte Woche zeigten sich Dynamo-Dresden-Anhänger trotz Verbots ungeniert bei der Frankfurter Eintracht, gestern wiederum reisten diejenigen, die nach eigenem Bekunden den Adler im Herzen tragen, nach Berlin, wo sie von einer großen Anzahl Unioner mit offenen Armen empfangen wurden. Verbrüderungsszenen, “Scheiß DFB”-Wechselgesänge und Ähnliches mehr waren die Folge.

Selbst die Fernseh-Kollegen, die anfangs noch über die Frankfurter Randalebrüder schimpfen wollten, kamen am Ende nicht umhin, der Faszination des verbotenen, aber umso

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Die Gelsenwasser-Lüge – Teil 4

Trinkwasserbrunnen an der Ruhr: Foto: Simplicius Lizenz: GNU/FDL

Seit mehreren Wochen tobt der Kampf ums saubere Trinkwasser zwischen der Gelsenwasser AG und ihren Helfershelfern bei der Bezirksregierung Arnsberg einerseits und dem Umweltministerium Johannes rennel andererseits. Von unserem Gastautor Robert Holzwart

Wie bereits in den Artikeln Die Gelsenwasser-Lüge Teil I, Teil II und Teil 3 dargestellt, bedarf es einer erheblichen Investition, um die Wasserwerke an der mittleren Ruhr nachzurüsten, damit wenigstens der Stand der Technik erreicht wird, der in anderen Wasserwerken an der Ruhr und in NRW landesweit schon längst vorhanden ist.

Die Gelsenwasser AG und ihr lokales Wasserversorgungsunternehmen WWW (Wasserwerke Westfalen) bemühen sich nun mit PR-Massnahmen auf die von ihnen zu verantwortende technische Unzulänglichkeit, nämlich das nihtvorhandensein von Trinkwasseraufbereitungsanlagen nach Stand der Technik  einzugehen.

Die Pressemitteilung von WWW unter dem Titel:

„Wasserwerke Westfalen investieren in den vorbeugenden Gesundheitsschutz – Wasserwerke Westfalen erzeugen einwandfreies Trinkwasser“ vom 06. März 2012

wurde an die Fraktionen in  den Kommunalparlamenten verschickt, die von WWW mit Trinkwasser versorgt werden

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RAG-Stiftung: Alle reden übers Personal – Aber wer redet über die mickrige Rendite?

Am Schluss musste Wilhelm Bonse-Geuking ran. Der Mann, der eigentlich schon bei seiner ersten Wahl eher ein Kompromiss-Kandidat war als ein Favorit, wird nun die einflussreichste und politischste Stiftung des Landes noch ein weiteres Jahr führen. Noch immer blockieren sich die beiden Lager im Kuratorium der RAG-Stiftung. Von unserem Gastautor Von Felix Wunderlich. 
Das Land NRW und die Gewerkschaft IGBCE wollen den früheren Wirtschaftsminister Werner Müller als neuen Stiftungschef. Teile der Bundesregierung will ihn nicht – aber kann sich auch nicht auf einen adäquaten Gegenkandidaten einigen. Zwei Sitzungen lang dominierte das Thema bereits und belastete die Vorbereitungen für den Börsengang des Essener Evonik-Konzerns. Politische Eitelkeiten haben schon längst die Oberhand gewonnen. Doch der Politklamauk verdeckt eine viel wichtigere Frage, die bisher niemand ernsthaft gestellt hat: Warum erzielt die Stiftung eigentlich eine so mickrige Rendite, dass dem Steuerzahler schon bald möglicherweise eine neue Milliarden-Lawine droht?
Der Streit um den zukünftigen Vorstandschef der RAG-Stiftung ist längst zum Politikum geworden: Seit Monaten wird für die RAG-Stiftung ein neuer Vorstandschef gesucht. Viele Namen wurden schon genannt, kaum einer brachte Format mit. Nur die wenigsten Manager, die in der Öffentlichkeit genannt wurden, wurden wirklich auch gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, das Amt anzunehmen. Am Geld kann es nicht
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A52 Abstimmung: “ Chauvinismus der Metropole gegenüber den Interessen der Peripherie!“

Am Sonntag ist es so weit: Die Gladbecker Wählerinnen und Wähler stimmen über das zentrale Zukunftsprojekt in ihrer Stadt ab: Wird es einen Ausbau der bestehenden, autobahnähnlichen B 224 zur A 52 mit einem 1,5 Kilometer langen Volltunnel im Innenstadtbereich geben oder bleibt alles so schlecht wie es heute ist? Von unserem Gastautor Mario Herrmann.

Nach jahrelangen, teils sehr zähen Verhandlungen hat Gladbecks Stadtspitze im Dezember ein Verhandlungsergebnis mit Land und Bund vorgelegt, das viele bis dahin für unerreichbar hielten. Wenige Jahre zuvor noch hatte der damalige NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) den Gladbeckern einen offenen Ausbau zur Autobahn mit einer halb gedeckelten Trasse – der sogenannten „Galerie“ als das Non-plus-Ultra des Erreichbaren präsentiert. Den damit nicht zufriedenen Gladbeckern droht er an, ihnen den Verkehr von Norden und Süden vor die Stadt zu kippen, um sie weichzukochen. Dass jetzt eine Vereinbarung auf dem Tisch liegt, die den Forderungen der Gladbecker weit entgegen kommt, ist vor allem der rot-grünen Landesregierung zu verdanken. Diese hatte in ihrer Priorisierungsliste für

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Die Piratenpartei: „Eine Stimme für die Freiheit“

Er kann ja auch mal die richtige Frage stellen: „Wird es in Deutschland weiter eine liberale Partei geben im politischen Spektrum?” fragt Christian Lindner als jüngster Re-Import der NRW-FDP. Die Frage ist weit interessanter als die Antwort, die Lindner dabei im Kopf hat – denn seine FDP wird es nicht sein. Von unserem Gastautor Hans Immanuel Herbers.

Eine Partei, die eine freiheitliche Gesinnung (so definiert Wikipedia zu Recht das Wort liberal) stark macht ist dringend nötig. Und Freiheit heißt „ohne innere oder äußere Zwänge zwischen verschiedenen Möglichkeiten entscheiden zu können” (nochmal der Einfachheit halber Wikipedia zitiert).

Alexander Grau beschrieb das im September 2011 in der Zeitschrift Cicero sehr treffend so: „Für Liberale gibt es keine universale Moral und keine ethischen Grundsätze, die es erlauben würden, eine solche Moral abzuleiten. Liberale gehen davon aus, dass der Mensch frei ist, autonom und selbstbestimmt. Er hat das Recht, sein Leben gegebenenfalls egoistisch, verantwortungslos und alles andere als nachhaltig zu führen. Das bedeutet nicht, dass der Mensch sein Leben so führen sollte, sondern lediglich, dass es keine Institution geben darf, die ihn, mit welchen Mitteln auch immer, dazu zwingt, ein Leben nach ihren Vorstellungen zu führen – insbesondere nicht den Staat.”(http://www.cicero.de/berliner-republik/die-gruenen-nicht-liberal-sondern-stockkonservativ/42902)

So neu ist das nun nicht – für freiheitliche Überzeugungen gilt Immanuel Kants Satz: „Niemand kann mich zwingen, auf

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Steiger Award: Ralph Giordano an Altkanzler Schröder: „Nun machen Sie sich zum Laudator eines Brandstifters“

Sehr geehrter Herr Altbundeskanzler,

„Ich bin auch Euer Präsident!“ – „Lernt Deutsch, aber bleibt, wer ihr seid!“ – „Bildet einen Staat im Staat, aber nennt es nicht so“.

Diese Kriegserklärungen an die Integration vom Februar 2008 in Köln und vom März 2011 in Düsseldorf feuerte vor einer aufgeheizten Menge von 18000 Menschen der Mann ab, der am 17. März in der Jahrhunderthalle Bochums den „Steiger Award für Toleranz, Menschlichkeit und das Zusammenwachsen Europas“ verliehen bekommt – Recep Tayyip Erdogan, Ministerpräsident der Türkei.

Es ist derselbe Erdogan, der den Völkermord an den Armeniern 1915/16 auch nach fast hundert Jahren noch leugnet und diese türkische Lebenslüge wie kein zweiter in unserer Zeit personifiziert. Eben jenen Genozid, der unter Ihrer Kanzlerschaft, Herr Altbundeskanzler, zum erstenmal nach fast hundert Jahren vom Deutschen Bundestag anerkannt worden ist. Am 22. Februar 2005, unter fraktionsübergreifendem Applaus, ohne Ge-genstimme oder Enthaltung, ein kaum faßbares Wunder in der Geschichte des deutschen Parlamentarismus.

Nun machen Sie sich zum Laudator eines Brandstifters: „Es leben 100 000 Armenier in meinem Land, die nicht seine Bürger sind. Und denen ich sagen kann, wenn es nötig wäre: Los, zurück in das Land, wo ihr her-kommt“ O-Ton Erdogan, die Sprache eines Gewalttäters.

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