Wuppertal: Offener Brief an das Carl Duisberg Gymnasium

Carl Duisberg Foto: Nicola Perscheid Lizenz: Gemeinfrei

Der Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal setzt sich für eine Umbenennung des Carl Duisburg Gymnasiums ein. Wir dokumentieren den offenen Brief an die Schulkonferenz und an die Fraktionen im Wuppertaler Rathaus:

Für die Umbenennung des Carl Duisberg Gymnasiums in Wuppertal! 

Am 24.9.2011 starten die Feierlichkeiten des Carl Duisberg Gymnasiums zu ihrem 150. jährigen Bestehen. Am 29.9.2011 jährt sich zum 150. Mal der Geburtstag des Chemikers und Industriellen Carl Duisberg. Diese Feierlichkeiten sind eine gute Gelegenheit, erneut die Umbenennung des Carl Duisberg Gymnasiums in Wuppertal anzuregen. Bereits 1985 forderte die Ratsfraktion der Grünen (allerdings vergeblich) einen neuen Namen für das städtische Gymnasium: Carl Duisberg sei als Erforscher und Produzent von Giftgas und als Mitinitiator der Zwangsdeportationen von belgischen Zivilisten während des Ersten Weltkrieges als Namensgeber nicht tragbar.

In den letzten Jahren hat sich erfreulicherweise eine neue politische Sensibilität in der Wuppertaler Öffentlichkeit entwickelt, das zeigen beispielsweise die offenen Debatten um Eduard von der Heydt und auch um Paul von Lettow-Vorbeck. Ausdruck dieser neuen Debattenkultur sind die Empfehlungen, die die vom Stadtrat einberufene „Kommission zur Kultur des Erinnerns“  2008 erarbeitet hat, auf die wir uns auch im Fall Carl Duisberg beziehen wollen:

„Neubenennungen von Straßen und Plätzen erfolgen grundsätzlich nach Menschen, die sich in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Sport, auf sozialem oder sonstigem Gebiet Verdienste erworben haben. Wenn es sich um politische Persönlichkeiten handelt, ist ihre demokratische Gesinnung dafür Voraussetzung. Straßen oder Plätze werden nach gründlicher Aufarbeitung und Diskussion dann umbenannt, wenn der bisherige Namenspatron an Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligt war oder durch eine antisemitische, rassistische oder andere militant-totalitäre Haltung zu Volksverhetzung oder Gewaltbereitschaft beigetragen hat.“  

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Das Kammerunwesen oder die Wiederauferstehung der mittelalterlichen Zünfte

Monika Konitzer, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer NRW. Foto: ptk-nrw/PR

Der Erfolg der Piratenpartei in Berlin hat die Problematik des deutschen Kammerwesens wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Eine der Punkte des Parteiprogramms der Piraten, und nicht der angeblich liberalen FDP, ist die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft in den Kammern. Leider erwähnen sie nur die IHK und die Handwerkskammern, haben aber offensichtlich nicht auf dem Schirm, dass auch Ärzte, Apotheker und Psychotherapeuten dem Kammerzwang unterworfen sind. Von unserer Gastautorin Eva Neumann

 

Im Jahr 2000 erhielt ich einen Brief von einer Frau Konitzer. Die mir unbekannte Dame teilte mir darin mit, dass sie gemeinsam mit anderen mir ebenfalls unbekannten Personen beabsichtige, eine Einrichtung namens Psychotherapeutenkammer zu gründen. Ich war erstaunt, dass die Dame es für nötig hielt, mir dies mitzuteilen, denn meine Tätigkeit als Psychotherapeutin hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits beendet. Ich war schon seit drei Jahren in der Forschung und Lehre in der Sozialpsychologie tätig und hatte mit Psychotherapie nichts mehr zu tun. Zuvor hatte ich jahrelang versucht, eine Anstellung als Psychotherapeutin zu finden, war jedoch entweder mit unterbezahlten, befristeten Tätigkeiten abgespeist worden oder arbeitslos. Schließlich sah ich ein, dass in diesem Bereich keine Arbeitskräfte gebraucht werden. Die Gründung einer Kammer für einen Beruf, den ich halb gezwungen, halb freiwillig aufgegeben hatte, hatte für mich daher keinerlei persönliche Bedeutung.

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Bochum: Kommunale Luftschlösser: 2 plus 2 gleich 3

Bochum. Foto: Sabine Michalak

Wie plant man eigentlich Stadtgestaltung? In den meisten Fällen auf Grundlage einer systematischen Fehlkalkulation. Die Kosten für die Projekte werden absichtlich zu niedrig angesetzt. Von unserem Gastautor Hanno Jentzsch.

Dass öffentliche Bauvorhaben in der Regel teurer werden als angekündigt, ist weniger mangelnden Rechenkünsten geschuldet, als der Tatsache, dass die Anreize für alle Beteiligten groß sind, die Kosten öffentlich niedrig darzustellen. Ein aktuelles Beispiel gibt es in Bochum: Dort werden bis zum Jahr 2013 elf Millionen Euro in das Projekt Stadtteilumbau West gesteckt. Jetzt hat die Stadtverwaltung mitgeteilt: Zehn Einzelprojekte werden deutlich teurer als ursprünglich geplant. Die Projekte kosten teilweise mehr als sieben Mal so viel wie ursprünglich angegeben. Für diverse Vorhaben bedeutet dies das Aus, denn weder das Gesamtbudget noch der Zeitrahmen dürfen überschritten werden.

Kostensteigerungen um 700 Prozent – das klingt drastisch. Aber: Sowohl die Stadtverwaltung als auch das zuständige Planungsbüro nehmen die Kostenexplosion gelassen hin. Diese Entwicklung sei „nicht absolut gewöhnlich, aber auch nicht spektakulär,“ sagt Jens Hendrix vom Bochumer Stadtplanungsamt auf Nachfrage zu den Entwicklungen im Stadtumbau. West. Auch wenn alle Ansätze nicht eingehalten werden können? Auch dann. Kostenverschiebungen seien bei einem solchen Projekt „völlig normal“ Das verwundert nur auf den ersten Blick. Für Professor Dr. Lars Holtkamp, Verwaltungswissenschaftler aus Hagen, ist das nichts Neues.

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Pommes oder Pommery, Sushi oder Sekt?

Pommes Foto: Wikipedia

„Bionade-Bohemiens“ und „Lattemacchiatisierung“ stehen in Gerd Herholz’ Artikel für Gentrifizierung. „Bionade“? „Latte Macchiato“? Gibt’s hier nicht. Unser Gastautor Andreas Lichte unterwegs in Berlin-Wilmersdorf. 

„Eine doppelte Portion Pommes, bitte.“

„Zum Hier-Essen?“

„Für unterwegs. Und noch eine Portion Majo – eine reicht.“

–

Am Bistro-Tisch unter dem Regen-Bretter-Vorbau sitzen zwei Männer: Er, Prolet, um die fünfzig. Er, unter dreissig, soziale Herkunft unbestimmt. Er und er haben wohl vor der „doppelten Pommes“ mit der Bedienung gesprochen … sie:

„Ich habe meinen Geburtstag vergessen!“

„Wann hast du denn Geburtstag?“

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Rad im Pott: Die Herbstausgabe ist erschienen

Blumen für den Sieger
Blumen für den Sieger Bild: Ruhrbarone

Sie nennen sie RIP (Rad im Pott) – doch sie lebt.  Das einzig wahre verkehrspolitische Magazin des Ruhrgebietes beflügelt den hiesigen Mobilitätsdiskurs seit Jahrzehnten. Von unserem Gastautor Thomas Meiser

Zeitig zum Herbstbeginn, der besten Saison des Randonneurs-Radelns enthält die Rad im Pott natürlich auch Verweise  auf jene mildtemperierten Touren, die die Kreisverbände des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) hierorts während des Blätterfalls gestalten.

Denn es gibt keine Nebensaison des Genußradelns hierzulande.

Interessant ist etwa im Oktober eine 76 Kilometer lange Tour von Duisburg zur Bönninghardt, einer kleinen Höhenlage, einer Endmoräne in der Nähe von Kamp-Lintfort am linksrheinischen Niederrhein.

„Kastanien sammeln zwischen den Jahreszeiten. Denkt an
Lederhandschuhe“, heißt es.

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Manuel Neuer oder die enttäuschte Liebe der Schalker

Manuel Neuer Foto: Steindy Lizenz: CC 3.0

Die Aktionen der Schalker Fans gegen Manuel Neuer am vergangenen Sonntag beim Spiel gegen Bayern haben in der Presse hohe Wellen geschlagen. Unisono wurden die Aktionen verurteilt und mit Begriffen wie „Pöbelkultur“, „geschmacklos“ und „beschämend“ versehen. Von unserer Gastautorin Eva Neumann

Komisch, dass ich es anders gesehen habe. Ich bin seit meiner Kindheit Schalker. Vor seinem Wechsel war Neuer mein absoluter Lieblingsspieler. Unser Goldjunge, wie haben wir ihn verehrt. Vor dem Wochenende war ich sehr gespannt, wie das Publikum Neuer empfangen würde. Als ich dann die Bilder im Fernsehen und im Internet sah, war mein erster Gedanke „Auf die Schalker ist eben Verlass“.

Natürlich war das eine grenzüberschreitende Pöbelei. Das würde auch wahrscheinlich keiner von denen, die aktiv daran beteiligt waren, abstreiten.

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Es ist Zeit für einen Potlach

Können Sie sich noch daran erinnern? Ich habe fast eine halbe Stunde gegoogelt bis mir der Name wieder einfiel. Jetzt frage ich Sie: Was ist eigentlich aus den Yuppies geworden? Sie wissen doch, diese jungen, meist an der Börse erfolgreichen, Unternehmer, die doch vor 20 Jahren so häufig zitiert wurden. Von unserem Gastautor Helmut Junge.

Sie waren damals doch Vorbild für viele andere junge Leute, die fest daran glaubten, dass sie ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen könnten, wenn sie nur wollten. Die Möglichkeiten dazu schienen grenzenlos, und ihr Vertrauen in die Fähigkeiten des Marktes, diesen grenzenlosen Reichtum für alle, die sich darum bemühten, möglich zu machen, war riesig.

Wo sind also diese Yuppies geblieben?

Die ursprünglichen Yuppies müssten jetzt so etwa Mitte der Vierziger alt sein. Einen neuen Namen haben sie jedoch nicht. Statt Yuppies vielleicht Oppies? Das sagt aber keiner so. Ich habe den Eindruck, seit den letzten beiden Krisen ist entweder die Anerkennung dieser gesellschaftlichen Gruppen extrem gesunken, oder diese Gruppen

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Nazi-Dreck in Bochum-Ehrenfeld

Wenn es zuletzt um Nazis im Ruhrgebiet ging, stand stets Dortmund im Fokus der Ereignisse. Von unserem Gastautor Daniel Pichler.

Doch auch in Bochum nerven die Neofaschisten leidlicherweise in regelmäßigen Abständen. Sei es, wenn ein NPD-Mitglied seinen eigenen Briefkasten in die Luft sprengt oder auf dem Jüdischen Friedhof in Wattenscheid Grabsteine mit Hakenkreuze verunstaltet werden. Die jüngste Schmierattacke stammt aus Ehrenfeld. Mindestens seit Freitag prangt auf einer Steinsäule gegenüber des Schauspielhauses die Parole „Frei, sozial und national – treu vereint und radikal“. Der Verdacht liegt nahe, dass der Spruch von einem Ortsansässigen geschrieben, oder zumindest Sympathisanten in der direkten Nachbarschaft hat. Denn am Freitagabend wurde der Schriftzug spontan von Besuchern des Stadtteilfests „Vom Dachboden nach Unter Tage“ überklebt. Doch Samstagmittag waren die Aufkleber bereits wieder Geschichte und die Parole erneut sichtbar. Für den Hinterkopf: Zwei Akteure aus dem Umfeld der Autonomen Nationalisten sollen nicht weit entfernt von der Kreuzung am Schauspielhaus wohnen… Ob in Bochum-Ehrenfeld oder anderswo: Augen aufhalten, Nazischmiererein protokollieren, öffentlich und unkenntlich machen!

RVR: Der (geheime) Städtebund

Das Kirchturmdenken wird im Ruhrgebiet oft kritisiert. Auch ist die Region als Ganzes durch eine Schwäche geprägt, Ziele vorzugeben und Entscheidungen zu treffen. Das liegt auch daran, dass die gelebten Strukturen von den vorgegebenen abweichen und weitgehend unbekannt sind. Daraus resultiert ein Demokratiedefizit, das weiter dadurch verstärkt wird, dass das „Ruhrparlament“ bisher indirekt – also nicht von den Bürgern selber – gewählt wird. Mit dem Amtsantritt der neuen Regionaldirektorin Karola Geiß-Netthöfel besteht die Chance, dies jetzt zu ändern. Von unserem Gastautor Roland Mitschke.

Der Dortmunder Ex-OB Gerhard Langemeyer (SPD) galt nie als Freund der regionalen Zusammenarbeit an der Ruhr. Für seine Stadt „und für sich“ sah er eine Führungsrolle in Westfalen. Dabei störte es ihn wenig, dass dies außerhalb seiner Stadt kaum Beifall fand. Die starke Position Münsters ist hier so gut wie unumstritten. Dass er formal der Kommunalaufsicht des Arnsberger Regierungspräsidenten unterstand, war nur ein Schönheitsfehler – zumindest solange diese ebenfalls das SPD-Parteibuch in der Tasche hatten. Ihnen konnte er – übrigens wie andere SPD-Oberbürgermeister auch – sagen, was sie zu tun und zu lassen hatten. Dies änderte sich erst mit dem CDU-Mann Helmut Diegel in Arnsberg. Für Langemeyer nahezu unerträglich, sich aus Arnsberg sagen lassen zu müssen, was bei knappem Geld in der Stadt gemacht werden kann und was nicht.

Diese „Fremdherrschaft“ noch zu ergänzen mit einem starken Regionalverband Ruhr (RVR) mit Sitz in Essen war für den machtbewussten Oberbürgermeister eine Horrorvorstellung. In dem von ihm aufgrund des starken Drucks der Opposition in Düsseldorf nicht verhinderbarem neuen RVR-Gesetz hatte er es doch bei der rot-grünen Landesregierung geschafft, den Oberbürgermeistern und Landräten im neu strukturierten RVR eine stark privilegierte Stellung zu verschaffen. Es gab einen nicht öffentlich tagenden Vorstand aus Oberbürgermeistern, Landräten und den Fraktionsvorsitzenden der Verbandsversammlung. Dieser kontrollierte die Verwaltung, traf wichtige Personalentscheidungen und nichts kam in die Ausschüsse und die Verbandsversammlung, was diese Runde nicht vorher freigegeben hatte. Insofern war es aus Langemeyers Sicht konsequent, sich selbst an die Spitze dieses „Vorstandes“ zu setzen und mit dem braven Heinz-Dieter Klink (SPD) einen

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Homöopathie: Kennen Sie Oscillococcinum?

Dass hinter alternativ-medizinischen Verfahren und Mitteln nicht selten ebenso lobbyistische Organisationen und Gewinn-orientierte Hersteller wie bei vielen herkömmlichen Mitteln stecken können, wird selten angesprochen – schließlich ist das Vertrauen in das jeweilige Heilverfahren ein wichtiger Faktor beim subjektiven Heilungsprozess. Von unserem Gastautor Tommy Finke.

Wer aber möchte den ganzheitlichen Produkten einer Firma vertrauen, die durch Androhung einer Klage versucht, potentielle Kritiker mit einem Maulkorb zu versehen, und das obwohl sich die Kritik auf eine selbst aus homöopathischer Sicht – sagen wir mal – spezielle Herstellungsmethode stützt?

Wie Steven Novella im Blog „Science Based Medicine“ berichtet hatte das international agierende Unternehmen Boiron den Hoster des Blogs des Italieners Samuele Riva aufgefordert, sämtliche Hinweise auf Ihre Firma und Ihr Mittel Oscillococcinum  zu entfernen, da die mit diesen in Verbindung gebrachten Aussagen falsch seien und der Hömöopathie schaden würden. Außerdem sei mit einer Klage gegen Samuele Riva zu rechnen.

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