Missionare in Moria

Alltagsszene in Moria (2020) Foto: Faktengebunden Lizenz: CC BY-SA 4.0

Eine in Griechenland aktive NGO steht seit langem im Verdacht, Flüchtlinge missionieren zu wollen. Von unserem Gastautor Thomas von der Osten-Sacken.

Seit sie auf den griechischen Inseln auftauchten kam immer wieder der Vorwurf auf, dass es sich bei Eurorelief de facto um evangelikale Missionare handelt. Gegründet wurden sie schließlich von genau solchen in den USA.

Mit Heerscharen von Volunteers verwaltet Eurorelief de facto den Alltag in den RICs, also den unseligen Camps, auf den griechischen Inseln und wer je durch das alte Moria oder das neue Kara Tepe Camp gelaufen ist, stieß überall auf

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„Es kann nicht darum gehen, dass der Rettungsdienst eine spezielle Ausbildung im Bereich Selbstverteidigung bekommt“

Peter Kuschmierz Foto: Stefan Laurin


Ich wurde gefragt, ob ich einen Artikel über die Sylvester Gewalttaten schreiben möchte. Laut Aussagen der Berliner Polizei waren neben den 145 festgenommenen zwei Drittel Deutsche, daneben 18 verschiedene Nationalitäten. Darf man in die Tiefe gehen und nachfragen, wieviel der Deutschen einen Migrationshintergrund besitzen? Wohl nicht. Ich würde sagen die Mehrheit! Von unserem Gastautor Peter Kuschmierz.

Soll ich das Thema als Soziologe, als Mediator für Asylbewerberunterkünfte oder als Spezialist für Deeskalation, Gewaltprävention und Selbstverteidigung angehen? Ich versuche einmal alle Betrachtungen einfließen zu lassen. Spätestens nach Köln 2015 und der großartigen Idee von Frau Recker eine Armlänge Abstand zu einem Fremden zu halten, hat uns das „Sylvester – Phänomen“ jedes Jahr begleitet! Sylvester! Jedes Jahr das sind 2 – 4 Std. eskalierende Gewalt, jedes Jahr! Was aber ist mit der Zeit dazwischen, die anderen 346 Tage im Jahr? Ich arbeite seit langem im Bereich der Gewaltprävention und

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Wie künstliche Intelligenz unser Leben verändert……und beispielsweise Texte schreibt

Screenshot der Seite von ChatGTP Bild: Ruhrbarone


Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde, weil sie in vielen Bereichen unseres täglichen Lebens immer präsenter wird und weil sie das Potential hat, unser Leben in vielerlei Hinsicht zu verbessern. Sie kann zum Beispiel dazu beitragen, komplexe Aufgaben schneller und genauer zu lösen, Prozesse zu automatisieren und Entscheidungen zu treffen, die für Menschen schwierig oder sogar unmöglich wären. Zudem gibt es viele Herausforderungen und Möglichkeiten, die sich durch die zunehmende Verbreitung von KI ergeben, und deshalb ist sie ein sehr aktuelles und umstrittenes Thema in der Öffentlichkeit und in der Wissenschaft. Ein Beitrag von unserem Gastautoren Volker Eichener.

Ja, die Idee der künstlichen Intelligenz  ist schon seit vielen Jahrhunderten Teil der menschlichen Fantasie. Im Laufe der Jahre haben viele Denker und Wissenschaftler versucht, Maschinen zu entwickeln, die in der Lage sind, menschenähnliche Gedanken und Aktionen auszuführen. Die ersten literarischen Werke, in denen die Idee einer künstlichen Intelligenz vorgestellt wurde, stammen aus der Antike und der Renaissance. In der modernen Zeit hat die KI-Forschung in den 1950er Jahren mit der Einführung der ersten

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Zum Tode des jüdischen Journalisten und Kämpfers Karl Pfeifer

Karl Pfeifer (2008) Foto (Ausschnitt): Otto Normalverbraucher Lizenz: CC BY-SA 2.0 at


Er war voller Geschichten, die er auch in seinem 95.ten Lebensjahr vor seinem internationalen Publikum zu erzählen genoss. Und er schrieb auch im hohen Alter noch journalistische Beiträge mit jüdischen Bezugspunkten, besonders über Ungarn. Und selbstredend über Antisemitismus. Von unserem Gastautor Roland Kaufhold.

Nun ist der österreichisch-israelische Journalist und Zeitzeuge Karl Pfeifer im Alter von 94 Jahren verstorben. Aus seiner geplanten Reise nach Israel, dem Land, das ihn vor den Nationalsozialisten rettete, wird nichts mehr.

Karl Pfeifer, in Baden bei Wien geborener Lebenskünstler und vielsprachiger, spätberufener Journalist, tritt über Jahrzehnte immer wieder als Zeitzeuge auf, gerade auch vor Schülern. Ein Schmunzeln gehörte immer dazu, gemischt

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Der Tod von Malte C.: Der queerfeministische Obskurantismus

Münster Innenstadt Foto (Bearbeitet): Bernhard Kils Lizenz: CC BY-SA 3.0


Drei Monate ist es nun her: Malte C. wird beim Christopher Street Day in Münster angegriffen und erliegt wenige Tage später an den Verletzungen. Doch es verstreicht wenig Zeit, bis die vermeintlich Schuldigen ausgewiesen werden, bis ans Licht kommt, wer der mutmaßliche Täter ist und aus welchem ideologischen Milieu er stammt. Von unserem Gastautor David Vilentchik

Wir haben es mit einem fatalen Befund zu tun: Die homo- und transfeindlichen Attacken haben zugenommen. In Zeiten gestiegener Toleranz, die sogar Eingang in Institutionen gefunden hatte und zu einem integralen Teil einer Unternehmenskultur avancierte – man denke an den Pride Month 2022 – bedeuten Angriffe auf sexuelle Minderheiten einen gewaltigen Rückschritt. Doch die Angriffe sind auf einem Höchststand – und

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Iran: Wenn ein Freund zum Tode verurteilt wird

Im Iran zum Tode verurteilt: Hamid Ghareh-Hassanlou Foto: Dominik Metzger


Im Jahr 2019 war unser Gastautor Dominik Metzger zu Besuch bei Hamid Ghareh-Hassanlou und seiner Frau in Teheran. Gestern erfuhr er, dass der iranische Arzt aufgrund seiner Teilnahme an den Protesten zum Tode verurteilt wurde.

Wenige Tage ist es her, dass im Iran mit dem 23 Jahre alten Mohsen Shekari die erste Person wegen der Beteiligung an den gerade stattfindenden Protesten offiziell hingerichtet wurde. Damit hat die Grausamkeit, mit der das Regime verzweifelt versucht die Proteste zu bekämpfen wieder mal ein neues Level erreicht. Mohsen Shekari war für schuldig befunden worden, ein Mitglied der iranischen Basij-Miliz verletzt und „Krieg gegen Gott“ geführt zu haben. Es kursieren Listen mit Namen von mindestens 38 weiteren Personen, darunter drei Minderjährigen, denen wegen ihrer Teilnahme an den Protesten dasselbe Schicksal droht. Dazu kommt noch eine deutlich höhere Dunkelziffer an Menschen, die vom iranischen Regime unter falschen Behauptungen wie Drogenschmuggel oder Terrorismus mit der Todesstrafe belegt wurden.

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Iran löst Sittenpolizei auf

Protestierende Iranerinnen Foto: Thomas von der Osten-Sacken Lizenz: Copyright


Von unserem Gastautor Thomas von der Osten-Sacken

Noch im Sommer hatte Präsident Raissi angeordnet, dass die verhasste iranische Sittenpolizei härter durchgreifen solle gegen Frauen die ihr Kopftuch nicht vorschriftsmäßig tragen. Nun sollen sie, Meldungen aus dem Iran zufolge,  nach den monatelangen Protesten aufgelöst werden.

Iran’s Attorney General says the Islamic Republic has disbanded the “morality police” adding that it had nothing to do with the judiciary since its creation.

Mohammad Jafar Montazeri made the comments in a meeting Saturday, stressing that; however, the judiciary continues to monitor behavioral conduct among the people, a hint that hijab rules are not scrapped and only special patrols in streets are disbanded.

Earlier in the week Montazeri had mentioned that the Parliament and the Supreme Council of the Cultural Revolution would announce their opinion on the issue of forced hijab within two weeks, signaling that the mandatory hijab rule might be modified or revoked.

Das kommt einem Eingeständnis von Niederlage sehr nahe, schließlich fußt das ganze System auf zwei Säulen: Ungleichbehandlung von Frauen, öffentlich symbolisiert durch das Kopftuch und dem Versprechen Israel zu vernichten. Fällt eine dieser Säulen, dürfte das ganze System in Straucheln kommen. Diese Schritte sind als Zugeständnis gedacht, um die Lage zu beruhigen. Nur werden sie diesen Effekt eher nicht haben, sondern die Protestierenden eher motivieren, weiter zu machen. Denn ihnen geht es längst nicht mehr um Zugeständnisse oder Reformen, sondern um das Ende des Regimes und des Systems Islamische Republik.

Wohl niemand im Iran glaubt zudem, solche Schritte seien mehr, als der Versuch die Wogen zu glätten und die Protestierenden zu appeasen.

Zugeständnisse hätten vielleicht noch 2017 oder 2019 etwas gebracht, nun dürfte es dafür zu spät sein.

Und nun soll ausgerechnet im Parlament auch noch der Kopftuchzwang diskutiert werden:

Iranian authorities said they would review a decades-old law that requires women to cover their heads, as the country struggles to quell more than two months of protests linked to the dress code.

“Both parliament and the judiciary are working [on the issue],” of whether the law needs any changes, Iran’s attorney general Mohammad Jafar Montazeri said on Saturday.

Quoted by an Iranian news agency, he did not specify what could be modified in the law by the two bodies, which are both largely in the hands of conservatives.

The review team met on Wednesday with parliament’s cultural commission “and will see the results in a week or two”, the attorney general said.

Der Artikel erschien in einer ähnlichen Version bereits in der Jungle World

Lageberichte von den Protesten im Iran

Studenten der Amir-Kabir-Universität protestieren gegen Hijab und die Islamische Republik Foto: Darafsh Lizenz: CC BY-SA 4.0

Unser Gastautor Thomas von der Osten-Sacken dokumentiert anonymisierte Berichte aus der Islamischen Republik, die ihm iranische Bekannte haben zukommen lassen.

Durch meine Arbeit im Nahen Osten entwickelten sich in den letzten Jahrzehnten auch viele Kontakte in den Iran. Für sie alle ist es immer gefährlich, wenn bekannt wird, dass sie mit Ausländern kommunizieren, ganz besonders wenn es um Politik geht und diese Ausländer auch noch in engem Kontakt mit der iranischen Exilopposition stehen.

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„Mich erfüllte ein Gefühl von Stolz. Ich hatte es geschafft“

Peter Finkelgrün Foto: Raimond Spekking Lizenz: CC BY-SA 4.0


Am 9. März 2022 wurde der jüdische Schriftsteller und Journalist Peter Finkelgruen 80 Jahre alt. Anlässlich dieses Jubiläums geht Roland Kaufhold mit einzelnen Lebens-Studien auf die Familiengeschichte Finkelgruens ein, die aufs Engste mit der jüngeren deutschen Geschichte verwoben ist. Peter Finkelgruen, geboren in Shanghai, überlebte die Nazi-Verfolgung, wuchs in Prag und Haifa auf. Dann wurde er zum Rückkehrer: 1959, mit 17 Jahren, kam er mit seiner Großmutter Anna nach Deutschland.

Vorwort von Peter Finkelgruen

Ein Vorwort zu einem Buch zu schreiben, das sich größtenteils mit sicherlich entscheidenden Phasen der eigenen Biografie beschäftigt, ist keine leichte Sache. Für mich jedenfalls bedeutet das, in Lebensphasen zurückzukehren die bestimmt waren von äußeren Ereignissen, gegen die ich meinte, mich auflehnen zu wollen. Nein: zu müssen. Denn dem Mord an meinem Großvater nicht nachzugehen und mich nicht für die rechtsstaatliche Verfolgung dieses Verbrechens einzusetzen, hätte mir jede Legitimation der Existenz in diesem Land, in dieser Gesellschaft entzogen. Dass die Zeit, in der ich in diesem Land lebte, diesem Ziel nicht entsprach, wird rückblickend aber genauso deutlich.

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Ukraine: Zwischen Bomben und Kerzenschein

Nur wenn kurzzeitig Strom und Gas zur Verfügung stehen kann gekocht werden Foto: Christian Gruber

Unser Gastautor Christian Gruber ist Freiwilliger und Chief correspondence eastern Europe bei Freedom Today. Er ist seit Kriegsbeginn in der Ukraine. Seine Arbeit könnt ihr via Paypal unterstützen.

In den vergangenen vier Wochen nimmt Russland verstärkt ukrainische zivile Infrastruktur ins Visier. Darunter Heizkraftwerke und die Wasserversorgung. Das Ergebnis ist, dass weite Teile des Landes immer wieder von Strom und Wasser abgeschnitten werden. In der ukrainischen Hauptstadt Kyiv ist die Versorgung mit Strom und Wasser mittlerweile rationiert. In weiten Teilen des Landes sieht es ähnlich aus. Beides ist nur zeitweise verfügbar und die Angst der Bevölkerung vor dem Winter ist merklich spürbar. Wie wird es weiter gehen? Ein vorstellbares Szenario ist die Evakuierung der Metropole, aber einen Masterplan scheint es noch nicht zu geben. Dies ist auch dem Kriegsverlauf und der Willkür der russischen Angriffe verschuldet.

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