Wie Deutschlands Medien aus Nahost „berichten“

Israelische F16A Netz-107 mit 6,5 Abschüssen anderer Flugzeuge und mit dem Abschuss des irakischen Kernreaktors – ein Weltrekord für eine einzelne F16 Foto: Zachi Evenor und MathKnight Lizenz: CC BY 3.0


Israel greift Dutzende iranische Stellungen in Syrien an, titelt die Süddeutsche. Eskalation im Nahen Osten: Israel greift iranische Stellungen in Syrien an, so t-online. Israel greift Dutzende iranische Ziele in Syrien an, behauptet der MDR. Israels Armee greift zahlreiche iranische Ziele in Syrien an, lautet die Ansicht der Deutschen Welle. Unter dem Titel „Israel greift iranische Ziele in Syrien an“ heißt es auch bei der Tagesschau: „Jetzt haben iranische Truppen in Syrien offenbar Stellungen auf dem Golan mit Raketen beschossen. Israel reagierte mit Angriffen auf Ziele in Syrien.“ Anders ausgedrückt: iranische Raketen wurden nur „offenbar“ auf Israel abgeschossen, aber die israelische Reaktion darauf ist ein Fakt. Von unserem Gastautor von Ulrich W. Sahm.

Der unbedarfte Leser muss zum Schluss kommen, dass Iran vielleicht gar keine Raketen abgeschossen hat und dass das nur eine bedingt glaubwürdige israelische Behauptung ist. Obgleich die Iraner eben noch „offenbar“ Israel beschossen haben, werden dann aber syrische Staatsmedien zitiert, denen die Tagesschau mehr Glaubwürdigkeit zugesteht, als dem israelischen Militärsprecher.

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Iran-Deal: „Wenn ein Tag gut gewählt für die Erklärung aus Washington war, dann der 8. Mai“

Thomas von der Osten-Sacken Foto: Privat

Der Publizist Thomas von der Osten-Sacken, schrieb gestern Abend auf Facebook, warum der 8. Mai ein gutes Datum für den Ausstieg der USA aus dem Iran-Deal ist. Thomas von der Osten-Sacken hat uns gestattet, den Text hier ebenfalls zu veröffentlichen.

Dass der US-Präsident ausgerechnet am 8. Mai dieses Statement zum Iran abgibt, mag Koinzidenz sein.

Die Reaktionen aus Deutschland sind es nicht. Während man noch irgendwelche „Nie-Wieder-Rituale“ durchhechelt, ist das Entsetzen groß.

Man mag von Trump halten, was man will, er benennt das Kind beim Namen und fordert den Iran auf „to-Cease its support for terrorists, extremists, and regional proxies, such as Hizballah, Hamas, the Taliban, and al-Qa’ida.· End its publicly declared quest to destroy Israel.“

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1.600.000 jüdische Soldaten kämpften gegen Nazideutschland

Major General Maurice Rose Lizenz: Gemeinfrei

Das ist Maurice Rose – der erste Alliierten-General, der am 12. Dezember 1944 deutschen Boden betrat. Seiner 3. Panzerdivision, die in Afrika, Italien, Frankreich und schließlich in Deutschland kämpfte, eilte ein legendärer Ruf voraus, als Rose im März ’45 bei der Eroberung Paderborns von einem Scharfschützen erschossen wurde. Von unserer Gastautorin Judith Kessler.

Er war einer von 550.000 jüdischen US-Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland kämpften und maßgeblichen Anteil am Sieg der Alliierten hatten. Der Beitrag, der von jüdischen Soldaten wie ihm im Kampf gegen Deutschland und die Achsenmächte geleistet wurde, ist ein größtenteils unbekanntes Kapitel, da sich Berichte über den jüdischen Widerstand meistens auf Partisanen und Ghetto-Aufstände konzentrieren.

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Hallo Atom, wollen wir es noch einmal miteinander versuchen?

Trockenkühlturm des THTR-300 in Hamm Foto: Foto Fitti Lizenz: CC BY-SA 3.0


Die Atomkraft macht vielen Angst, dabei geht nüchtern betrachtet von ihr wenig Gefahr aus. Und Thorium-Flüssigsalzreaktoren haben großes Potential. Von unserem Gastautor Matthias Kraus

Als Lilli drei Jahre alt war, bat sie mich jeden Abend, nachzusehen, ob unter ihrem Bett auch wirklich kein Krokodil sitzt. Was wir nicht sehen können, ist halt immer am unheimlichsten, besonders, wenn wir uns sicher sind, dass „es“ da ist. Alle Kinder durchlaufen eine Phase magischen Denkens. Sie meinen dann zum Beispiel, dass ihr Denken oder Tun Einfluss auf unzusammenhängende Ereignisse hat. Erwachsene sind auch nicht frei davon. Manche stecken Nadeln in Puppen, um den in Wolle nachempfundenen Unglückswurm nach Voodoo-Art zu verwünschen, andere konzentrieren sich auf Löffel und Gabeln, um sie zur Unbrauchbarkeit zu verbiegen und aufgeschlossene Innenarchitekten stimmen die Geister der Luft und des Wassers mit Hilfe von Feng Shui gewogen.

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Die Erben der Böhsen Onkelz

Freiwild in Düsseldorf Foto: Mathias Meis Lizenz: Copyright


Die umstrittene Band Frei.Wild gastiert in Düsseldorf. Von unserem Gastautor Mathias Meis.

Diese Geschichte muss von Beginn an erzählt werden. Und sie beginnt nicht etwa mit dem ersten Gitarrenschlag Philipp Burgers am vergangenen Freitag im Rather ISS Dome.  Sie beginnt vor etwa 18 Jahren. Philipp Burger ist zu dieser Zeit Skinhead und überzeugter Neonazi.  Er ist Sänger und Gitarrist der Rechtsrock-Band Kaiserjäger, die dumpfen und uninspirierten

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Ein bewegendes Stück gegen Antisemitismus

Die Blickwandler Foto: Gandhi Chahine Lizenz_ Copyright


Unser Gastautor Sven Leimkühler arbeitet mit Jugendlichen aus Duisburg, die ein Stück gegen Antisemitismus erarbeitet haben.

Manches mal macht mir meine Arbeit als Sozialarbeiter richtig Spaß. Dann, wenn ich merke, dass die Arbeit etwas bewegt und zu Veränderungen führt. Gestern zum Beispiel, ein Tag, an dem die neue Theatergruppe der Duisburger HeRoes, „Die Blickwandler“, ihr bewegendes Stück „Benjamin und Mohammed“ auf die Bühne im Saal der jüdischen Gemeinde Duisburg brachte. Und das mich tief beeindruckt hat. Als Mitarbeiter des Trägervereins habe ich natürlich mit den HeRoes Duisburg, den jungen Muslimen in Auschwitz, aber auch den Theaterprojekten zu tun. Aber wenn, dann nur am Rande, in der Organisation. Meine pädagogischen

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Wenn Diktatoren im UN-Menschenrechtsrat sitzen

Hillel Neuer Foto: Peter Ansmann


Trotz Kaiserwetter fanden sich ca. 120 Interessierte in der Black Box der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen ein: Hillel Neuer, Direktor der UN-Watch stelle den Studentinnen und Studenten der ZU die Arbeit seiner Organisation vor und referierte zum Hauptkritikpunkt seiner Organisation: „Wenn Diktatoren im UN-Menschenrechtsrat sitzen“. Von unserem Gastautor Peter Ansmann.

Hillel Neuer und UN-Watch sind der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt: Aber Diktatoren wie Assad, Putin, Maduro und Erdogan kennen – und fürchten – Hillel Neuer und die Organisation die er vertritt.

UN Watch, eine 1993 gegründete Nichtregierungsorganisation, beobachtet und untersucht die Arbeit der UN kritisch – und fördert sie zugleich: Keine langweilige Aufgabe, sieht man sich nur die aktuellen Beschlüsse des UN-Menschenrechtrats an – die regelmäßig im krassen Gegensatz zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 stehen: Die ja eigentlich Hoffnungsschimmer für Opfer von politischer oder religiöser Unterdrückung und Folter waren und sind.

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Das Polargirl und die Eisbären

Junge Eisbären Foto: U.S. Fish and Wildlife Service Lizenz: Gemeinfrei


Der Eisbär soll vorm Aussterben stehen und die Pole sollen abschmelzen. Die Zahlen vom ewigen Eis aber sprechen eine ganz andere Sprache. Von unserem Gastautor Matthias Kraus.

Charlottes Lieblingstiere sind Eisbären. Sie sehen ja auch wirklich aus wie lebendig gewordene Kuscheltiere. Im Kunstunterricht zeichnet sie gerade einen Comic mit sich als Superheldin. Sie ist „Polargirl“ mit der Mission, die Eisbären zu retten, die bekanntlich vom Aussterben bedroht sind. Kürzlich wurde jenes Stück Allgemeinwissen mal wieder kindgerecht serviert, in der Märzausgabe von Dein Spiegel (dem Spiegel-Kindermagazin). Die Beste Lehrerin der Welt™ hat dieses Magazin natürlich abonniert. Auch unsere Kinder sollen sich schon mit kritischen,

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Bounty Killer: „Er hatet ja nicht mehr, er mag eben nur keine Schwulen…“

Bounty Killer Foto: Stefan Klauke aus Kingston Lizenz: CC BY-SA 2.0

Die Debatte um Homo- und Frauenfeindlichkeit im Dancehall scheint alt und überholt zu sein: Im europäischen Raum kam es in den letzten 10 bis 15 Jahren nicht mehr zu nennenswerten Eklats. Auch in Jamaika scheint sich das politische Klima ein wenig geändert zu haben – die Betonung soll hier deutlich auf ein wenig liegen, denn Homosexualität ist immer noch strafbar – und so wurden auch die Stimmen der Kritiker leiser bis stumm. Doch die geplanten Auftritte des jamaikanischen Dancehall Künstlers „Bounty Killer“ sorgen medial für einen erneuten Aufschrei. Nach der Absage des Konzertes in Berlin wird momentan der Auftritt im Dortmunder Club Junkyard am 29.04.2018 diskutiert, der nach Angaben der Veranstalter stattfinden soll. „Bounty Killer“, der in den letzten Jahren nicht mehr durch menschenverachtende Positionen aufgefallen ist, ist vielen noch aus den Debatten um seine Textzeilen, die als Mordaufruf an Homosexuellen interpretiert werden können („lasst die Schwulen im Feuer brennen“), in Erinnerung. Ein Kommentar zur Diskussion um die Absage der Konzerte von „Bounty Killer“ von unserer Gastautorin Friederike Thole.

Der momentane mediale Diskurs zeigt sich nach erst nur reiner Empörung jetzt teilweise verständnisvoll. So veröffentlichte die taz (22.04.2018) ein Interview mit dem Kulturforscher Patrick Helber, das den Titel „Dancehall ist kein Hate-Genre“ trägt. Helber betont in diesem Interview, dass es eine diskursive Verschiebung gab und homofeindliche Positionen im Dancehall deutlich abgenommen haben. Er deutet die Homosexuellenfeindlichkeit als „Betonung einer hegemonialen Männlichkeit“ und sieht in der momentan wieder

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Causa Börschel: Köln und der Klüngel

Causa Börschel: Finstere Zeiten für Kölns Bürger
Causa Börschel: Finstere Zeiten für Kölns Bürger

Die Nominierung Martin Börschels zum neuen Geschäftsführer der Kölner Stadtwerke zeigt, dass die Kölner Politik noch lange nicht von Klüngelei befreit ist. Nicht nur Börschel, alle Politikgrößen der Stadt hängen mit drin – abgesehen von der Oberbürgermeisterin, die nun beleidigt ist. Demokratische Transparenz und die Wahrnehmung der Bürger sind dabei allen Beteiligten egal. Ein Gastbeitrag von Christopher Kohl.

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