Polen: Vorgetäuschte Veränderung und der bösartige Bazillus des Autoritarismus

Polen – wenig Ritterliches auf der Regierungsbank. (Foto: Pablo/ Flickr/ CC-BY-SA)

Der Personalwechsel im Amt des polnischen Ministerpräsidenten erfolgte derart, dass ihn glatt verpassen konnte, wer sich nicht über Medien oder Internet auf dem Laufenden hält. Erst eine Woche lang Stochern im Dunkeln und falsche Alarme, dann die ostentative Überstimmung des Misstrauensvotums gegen die Regierung (noch) Beata Szydłos, anschließend deren blitzartiger Austausch gegen Mateusz Morawiecki. Der Ausdruck „Austausch“ passt übrigens bestens auf diese vorgetäuschte Veränderung, die, wie an der Zusammensetzung des neuen Kabinetts zu sehen, alles beim Alten belässt. Ein Crossposting des Artikels von Michał Warchala aus

Continue Reading

Fuck you, Critical Mass Berlin

Es gibt Dinge, die in der Existenz eines Blogs hoffentlich nur einmal passieren. Hier stand ein Gastbeitrag, den wir vor Veröffentlichung hätten gründlich lesen sollen. Wir werden keine Verbesserung unserer Prozesse versprechen, so wie es andere Medien tun (die damit lügen). Wir versprechen, dass der nächste Beitrag zu diesem Thema noch ärgerlicher wird. Weil er verdammt gut sein wird.

Buchtipp: ‚Der Dortmund-Ems-Kanal‘

Foto: www.dietermenne.de

Verzweifelt durch weihnachtlich-kitschig illuminierte Geschäfte auf der Suche nach einem Geschenk irren? Das muss nicht sein. Gerne hilft unser Gastautor Thomas Weigle mit einem Tipp aus.

Auf den ersten Blick sind Kanäle langweilige Veranstaltungen. Die meist grade und sanft geschwungene Linienführungen können mit abwechslungsreichen Flussläufen, die gerne auch mit Untiefen und anderen Hindernissen aufwarten, nicht mithalten, denn so heißt es im vorliegenden Werk: „Der Dortmund-Ems-Kanal verläuft zwischen 7 und 8 Grad östlicher Länge von Nord nach Süd…“

Für den Transportverkehr sicher optimal… Auch bei Mythen und Legenden, verführerischen Nixen und  sangeskräftigen Schönheiten wie bspw. bei „Vater Rhein“, die den braven Schiffer in ein nasses Grab lockten: Fehlanzeige. Von versenkten Schätzen auf dem Grund eines Kanals liest und hört man ebenfalls eher wenig bis nichts.

Kanäle sind auf Grund ihrer Funktion als Verkehrswege für Massengüter auch heute  unverzichtbar, wie man dem just erschienenen Band „DER DORTMUND EMS KANAL, 256 Kilometer Wasserstraße von A-Z“ entnehmen kann.

Continue Reading
Werbung


Sex mit „Geistern“? Die „magischen“ Effekte der menschlichen Vorstellungskraft

In ihrem geht Gastbeitrag Psychologin Lydia Benecke einem Artikel nach, über eine Dame namens Amethyst Realm (siehe auch Video oben), die behauptet den Sex mit Geistern dem Sex mit Männern vorzuziehen – und trotzdem nicht in Enthaltsamkeit zu leben.

Was ist die Wirklichkeit? Wie definiert man das – Realität? Wenn du darunter verstehst, was du fühlst, was du riechen, schmecken oder sehen kannst, ist die Wirklichkeit nichts weiter als: elektrische Signale, interpretiert von deinem Verstand.

(Mein Lieblingszitat aus „Matrix“.)

  1.  Wir können nicht wissen, ob die Dame einfach ein großartiges Entertainmenttalent nutzt oder ihre Aussagen wirklich subjektiv ernst meint.
    Da ich Zahlen liebe, fällt mir auf:
    Sie ist heute 27 Jahre alt und sagt, sie habe vor 12 Jahren ihre „Geisteraffären“ begonnen, als ihr „Verlobter“ viel arbeitete und sie häufig für ein bis zwei Wochen alleine Zuhause ließ. Demzufolge müsste sie mit 15 schon verlobt gewesen sein und mit ihrem Partner zusammengewohnt haben. Vielleicht etwas früh, aber ok. Sei es drum…Außerdem frage ich mich, ob der Name „Amethyst Realm“ zufällig etwas mit dieser Seite hier zu tun hat: http://sufanon.wikia.com/wiki/Amethyst-Realm… ?
  2. Falls sie das wirklich subjektiv so erlebt, dann wird es für sie real sein und das hängt mit Prinzipien zusammen, die auch beispielsweise im Rahmen von Psychotherapien verwendet werden (wenn auch mit deutlich anderem Inhalt und Kontext):
    Eine Mischung aus Entspannungsverfahren & Fantasiereisen, die man prinzipiell erlernen kann, was manchen Menschen leichter als anderen fällt.
    Was die Dame beschreibt, klingt für mich nach einer sehr effektiven Form von Autosuggestion. Es gibt prinzipiell keinen Grund, sich darüber lustig zu machen, denn sie ist dann keineswegs „verrückt“. (Wäre sie von einer psychischen Erkrankung betroffen, so wäre dies natürlich ebenso kein Grund, sich darüber lustig zu machen.)

Das Gehirn kann ziemlich coole Effekte erzeugen und diese Effekte sind dann subjektiv real. Dies ist vielfältig einsetzbar: Ob bei religiösen Zeremonien, wo sich jemand z.B. nach einer Segnung besser fühlt oder bei scheinbar „magischen“ Ritualen oder bei der Einnahme von Globuli oder beim Entspannungstraining für gestresste Manager… Sind im Kern immer dieselben Grundprinzipien.

Wie sag ich immer: Das eigene Gehirn grundlegend zu verstehen und gezielt zu nutzen, macht vielfältige Anwendungen möglich. Es ist wie das Herunterladen immer neuer Programme.

Also dann, leben und leben lassen, Hirn nutzen und Hirn nutzen lassen…

„Linke müssen erkennen, dass sie sich selbst ins Abseits gestellt haben“

Arlie Russell Hochschild Foto: Paul572 Lizenz: CC BY-SA 4.0


Arlie Hochschild zog vom „progressiven“ Berkeley ins erzkonservative Louisiana. Ihr Buch „Fremd in ihrem Land“ dokumentiert eine gespaltene Gesellschaft und plädiert für eine Erneuerung der Linken.

Ella Whelan: Frau Hochschild, Sie haben als selbsternannte Feministin, Linke und Öko-Spinnerin Trump-Wähler und Tea-Party-Anhänger getroffen und ein Buch über ihre Beweggründe geschrieben. Warum?

Arlie Hochschild: Die aktuelle politische Sackgasse ist nichts Neues. Bereits vor fünf Jahren steckten wir in einer politischen Krise. Der Kongress war festgefahren, die Rhetorik eskalierte auf beiden Seiten des politischen Spektrums. Es herrschte eine sehr negative Stimmung vor, zwischen den politischen Lagern gab es kaum noch konstruktiven Dialog. In dieser Situation bemerkte ich, dass ich in einer politischen Blase lebte. Ich war seit 30 Jahren Professorin für

Continue Reading

Der Frauenblock glänzt mit den all time classics wie: „Zionisten sind Faschisten“ und „Kindermörder Israel“


Neukölln, 10. Dezember, 13:55 Uhr. 5 Minuten bevor die Kundgebung „In Solidarität mit Palästina“ losgeht sind vereinzelt die ersten „Intifada! Intifada!“ Rufe zu hören. Von unserem Gastautor Sercan Aydilek.

In der Menge wehen Fähnchen der Türkei, „Palästinas“, Pakistans, Syriens, des Irans, des sog. Jugendwiderstands, der Fatah und Embleme der Muslimbrüder sind auch vertreten.
Die „Liga für die 4. Internationale“, die sich als „marxistischer Arbeitskreis“ versteht, verteilte ihr Flugblatt mit Überschriften wie „Antideutsche Hexenjäger unterstützen Zionismus und deutschen Imperialismus“, „Anti-palästinensische Hexenjagd auf linke und jüdische Aktivistin“ und „Verteidigt Syrien gegen imperialistische Angriffe“. Also alles wie immer in Neukölln.

Continue Reading

Palästinasolidarität: „Adolf hatte damals Recht“


Von der Solidarität mit den Palästinensern ist der Weg nicht weit zu Antisemitismus und Rechtsradikalismus, wie das Facebook-Forum „Freiheit für Palästina“  zeigt. Von unserem Gastautor Tobias Huch.

Schon Anfang 2014 wurde das Facebook-Netzwerk von einer Welle gefälschter Fotos und Videos überschwemmt, die angeblich aus Gaza stammten. Tatsächlich handelte es sich durchweg um Fotos und Videos, die entweder gestellt oder in den Kriegsgebieten von Irak, Syrien oder Afghanistan aufgenommen worden waren. Doch in den betreffenden Posts wurde einfach behauptet, abgebildet seien die Zustände in Gaza, und verantwortlich dafür seien „die Zionisten“ – ein politischer Hetzbegriff für Israel, der in Wahrheit aber alle Menschen jüdischen Glaubens meint. Ganz im Sinne der Propagandisten, die das manipulierte Material eingestellt

Continue Reading
Werbung


DARK: Düstere Mystery darbt an deutschen Darstellern

Im Wald stirbt´s. Zumal in Deutschland. Da wird es DARK. (Symbolfoto. Quelle: Roman Schurte/ Flickr/ CC0 1.0)

Endlich ist es soweit: Mit „Dark“ bringt der Streaming-Dienstleister Netflix die erste Serie in deutscher Eigenproduktion heraus. Dabei wurde schon im Trailer deutlich, dass sich die Produzenten am Publikumsliebling „Stranger Things“ orientiert haben. Nehmen wir etwa den Plot: In der verlassenen Kleinstadt „Winden“ verschwindet ein Junge auf mysteriöse Weise im Wald. Es stellt sich heraus, dass er in einer Zwischenwelt, die sich in den 80er Jahren befindet, gefangen ist. Dazu kommen pubertierende Jugendliche als Handlungsträger, die im 80er-Schick mit flackernden Taschenlampen und zu gruseligem Synthie-Sound alleine im Wald und in unterirdischen Höhlen umherirren. Eine Rezension von Judith Sevinç Basad.

Continue Reading

Lydia Benecke: BDSM ist kein Verbrechen, lieber NDR!

Screenshot des Berichtes des NDR zu den „Säurefass-Morden“

Gestern wurde ich auf einen Bericht auf der Seite des NDR aufmerksam gemacht, in dem es um die sogenannten „Säurefass-Morde“ ging. Die in dem Bericht allzu leichtfertige Verwendung des Begriffs „Sadomaso“ wurde von einigen Lesern kritisch gesehen. Zitat aus dem Bericht: „Ein unbescholtener Mann mit einem völlig sauberen Lebenswandel soll als Sadomaso-Täter mehrere Frauen auf dem Gewissen haben?“. Diese Art der – in der Tat seitens der Medien von Unwissenheit geprägten – Berichterstattung ist weit verbreitet und das NDR-Beispiel ist nur eines von sehr vielen. Ein Gastbeitrag von Lydia Benecke.

Bei von mir gehaltenen Fortbildungen für unterschiedliche Berufsgruppen (u.A. Psychologen, Juristen, Polizisten) gehe ich im Rahmen der Thematik „Sadismus“ u.A. auf genau diese Problematik ein. Ich hoffe, dass sich in diesem Bereich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten kontinuierlich eine andere Wahrnehmung einstellen wird. Das wird aber nur durch das Schaffen von Aufmerksamkeit für die Thematik möglich sein. Um hierzu beizutragen, habe ich dem NDR folgendes zu sagen:

Continue Reading

Zum Tod von Mathias Zschaler

Mathias Zschaler (†69) (Foto: privat)

Mein Freund ist tot, mein lieber, lieber, streitbarer Freund – mein Mentor. Ich bin so traurig, ich weiß wirklich nicht, wo mir der Kopf steht – und dann lese ich den Nachruf auf SPON und denke, ach Gott, die kannten ihn ja gar nicht, das wird ihm ja in keinster Weise gerecht. Ein Gastbeitrag von Verena Maria Dittrich.

Ich lernte Mathias an einem kalten, verregneten Novembertag im Jahre 2006 kennen – und mochte ihn sofort, diesen leicht miesepetrig angehauchten, auf den ersten Blick etwas eitel wirkenden Journalisten mit dem großen Herzen, das er wie unter einem Pflaster versteckt hielt. Vielleicht, weil er meinem Vater so ähnlich war, vielleicht, weil sie beide 1947 geboren waren, vielleicht auch nur, weil er mir zuhörte, wenn ich ihn vollwinselte, wenn ich mit dem Schreiben mal wieder nicht weiterkam, wenn ich aufhören wollte, wenn ich sagte, das Schreiben ist anstrengender Mist, vom Schreiben allein kann man nicht leben, ich schreibe lieber, wenn ich saufe. Und er sagte dann, ja, aber wenn du nicht trinkst, schreibst du besser, und wenn du nicht immer so viel nachdenkst und deine Gedanken loslässt, dann kann es was werden – mit dir und der Schreiberei.

Continue Reading