Köln sei Dank: demnächst »lit.RUHR« Von unserem Gastautor Ludger Claßen.
Köln vermeldet: „Großes Literaturfestival für das Ruhrgebiet lit.RUHR startet im Oktober 2017“. Absender war ein eingetragener Verein, dessen erster Vorsitzender Rainer Osnowski zugleich einer der drei Geschäftsführer der lit.Cologne GmbH ist. Der Verein hat dieselbe Anschrift wie die gewinnorientierte GmbH. Osnowski tat ego-stark kund, im Ruhrgebiet würden „erstmals Autoren auftauchen, die bislang daran vorbeigegangen sind“, und Verlage seien interessiert, „für die das Ruhrgebiet bislang noch Diaspora ist“. Ergänzt um den Hinweis, München, Hamburg, Berlin und Wien hätten sich vergeblich bemüht, einen Ableger der lit.Cologne zu bekommen.
Grün hat gegenwärtig Konjunktur – weniger (partei)politisch als thematisch: Öffentliche Grün- und Freiräume entwickeln mit ihrer entschleunigenden Unmittelbarkeit gerade bei den zunehmend auf globale Digitalität und Mobilität konditionierten Stadtbewohner eine hohe Anziehungskraft. Von unserem Gastautor Dieter Nellen.
„Grüne“ Qualität durch Gärten und Parks bedeutet dabei nicht nur ökologischen Ausgleich und räumliche Dekoration. Sie ist vielmehr wesentlicher Teil von Urbanität, „Stadt mit anderen Mitteln“ und steigert die Leistungskraft öffentlicher Räume im größeren Rahmen: „Landschaftsräume, die vielfältig gegliedert, fragmentiert, differenziert und zerstückelt sind,
Sonntag Punkt zehn. Sie saßen am Frühstückstisch.
Er aß ein Brot mit Aufschnitt, der nach Salami aussah.
Sie aß immer süß, weil sie mal ein Jahr in Frankreich
gelebt hatte. Croissant mit Konfitüre oder Honig,
abgesehen davon, dass sie sich immer ein Ei gönnte.
Darin war sie typisch deutsch. Die Marmelade
tropfte ihr auf die Beine und sie starrte stumpf
nach draußen in den Garten mit Pool und Hollywood-
schaukel und einem großen dicken Holzzaun, der
der Berliner Mauer Konkurrenz hätte machen können.
Die Eier lagen ruhig in den Eierbechern. Er aß seins hart,
ihres war immer weich und während er so zwischen
Wurst und Käse, Konfitüre und Brot, Honig und Kaffee
nach einem Löffel suchte, erblickte er ein stählernes
Ding und er fragte, was zum Teufel das sei.
Und sie antwortete ruhig und wie selbstverständlich:
— Ein Eierschalensollbruchstellenverursacher.
Daraufhin aßen sie stumm ihre Eier und er schaute nach
draußen zur hölzernen Mauer und dachte sich: Scheiß
drauf. Heute Abend steig ich darüber und wenn die Sirenen
ertönen, die Flutlichter mich erfassen oder sie von ihrem
Wachturm aus ihre Kalaschnikow auf mich richtet, der
ich da hilflos in Unterhose im nassen Gras liegen werde.
Ich muss hier raus: Ob tot, ob lebendig, ob querschnittsgelähmt.
Ein Leben im Rollstuhl oder ein Tod im Sarg. Alles besser als
ein Eierschalensollbruchstellenverursacher.
aus: „Notizen über das Pellen einer Mandarine”
Text: Julian Gauda, Bild: Stefan Lüdemann
Release mit Lesung & Ausstellung: 7.4.2017 im Rekorder, Dortmund
„Mutter“ Teresa: Todesengel oder Heilige? (Foto: Wikipedia/ Manfredo Ferrari/ cc-by-sa)
In einer kleinen Reihe nimmt Gastautorin Andrea Walter nach und nach die, wie sie sie nennt, „Glorifizierten Auswüchse religiöser Vereinigungen“ unter die wissenschaftliche und kritische Lupe. Sie beginnt mit einer der bekanntesten: Mit Mutter Teresa. Ein Crosspostvon Andrea Walter
Erdogan (Mitte, grün vor Neid auf die Solidarität für Deniz Yücel) und seine Minister sind derzeit auf Werbetour. (Symbolfoto/ Quelle: Pascal/ Flickr/ cc-by-sa)
Ihr kennt doch bestimmt die Szene aus den Mafia-Filmen, wo der Mafia-Boss das Opfer fragt, mit welche Methode er getötet werden möchte. So ähnlich sehe ich die Präsidentschaftswahl oder wie es offiziell heißt das „Verfassungsreferendum“ in der Türkei. Ich sage absichtlich Präsidentschaftswahl, weil der Begriff eher der Realität entspricht. Denn, wie die Verfassung aussieht, ist eigentlich egal. Von Gastautor Musa Öztürk
Hach, ein Einhorn. (Foto: kaboompics/ pixabay/ freie Verwendung)
Der Esoterikmarkt floriert in Österreich. Aktuell sind mehr als 15.000 sogenannte „Human- und Tierenergetiker“ aktiv. Jeder österreichische Staatsbürger kann diese Art von Gewerbeschein ohne weiteres erwerben – einfach online von zuhause aus. Lediglich die Kopie des eigenen Lichtbildausweises und ein 3- seitiges Formular müssen an die zuständige Bezirksbehörde gemailt werden. Vor zwei Jahren habe ich im Rahmen eines Satireprojektes selber das Gewerbe der Humanenergetikerin angemeldet. Ein Gastbeitrag von Andrea Walter (36), Pädagogin aus Niederösterreich.
Ist jetzt lange Zeit alleine und offline: Marcel H. (Symbolfoto – Quelle: Flickr/ antonf/ cc-by-sa)
Gastautorin und Kriminalpsychologin Lydia Benecke mit psychologischen Ausführungen zu Marcel H., der vor einer Woche verhaftet wurde, nachdem er sich in einer Imbiss-Bude in Herne gestellt hatte. Er hatte zu diesem Zeitpunkt mutmaßlich zwei Menschen getötet.
Immer, wenn tragische Verbrechen begangen werden und besonders dann, wenn Kinder die Opfer sind, folgt auf das unwillkürliche Entsetzen und die typischerweise hiermit verbundene Dämonisierung des Täters die Frage nach dem „Warum“. Im so bizarren wie öffentlichkeitswirksamen Fall von Marcel H. ist es nicht anders.
Panoramablick über die wichtigsten Elemente des Landschaftsparks Duisburg-Nord Foto: kaʁstn Disk/Cat Lizenz: CC BY-SA 3.0 de
Ein großartiges Text- und Bilderbuch ist zu annoncieren: „ROST ROT“ des Münchner Landschaftsarchitekten Peter Latz über den Landschaftspark Duisburg-Nord, erschienen Ende 2016 im Hirmer Verlag München. Eine englischsprachige Version gerade für den angelsächsische Markt gibt es ebenfalls. Von unserem Gastautor Dieter Nellen.
In diese Publikation persönlicher Erinnerung, projektbezogener Dokumentation und planerischer Reflexion sind viel gestalterische Liebe und inhaltliche Sorgfalt geflossen. Man mag sie deshalb auch als ein Geschenk des Autors an sich selbst und sein grandioses Landschaftswerk verstehen.
In fünf Kapiteln über „Annäherung, Strukturen, Methoden, Orte, Visionen“ wird die behutsame Umcodierung der ehemaligen Meidericher Eisenhütte in eine bisher dahin nicht vertrautes Palimpsest von Park und Landschaft mit unverändert prägender Industriearchitektur dargestellt. Thematisch weiterführende Exkurse zu Ökologie, Vegetation, zur Pflege des Parks und seiner industriellen Denkmäler schließen sich an. Es gibt zahlreiche – bestens aufbereitete – Pläne und Bilder, so dass der gesamte Arbeitsprozess sicht- und lesbar wird. Es ist eine Lust darin zu blättern.
Was in der opulenten Darstellung des Jahres 2016 leider fehlt, sind allerdings die kulturellen Interventionen: Sie waren bereits mit dem Finale der IBA 1999 über Konzerte, Installationen und Aufführungen eingezogen und liefern dem Ensemble mittlerweile Jahr für Jahr ganz unabhängig vom Reiz der Landschaft starke Bilder und Formate.
Immer unterwegs, um Menschen etwas zu verbieten: Renate Künast
Heute Morgen hat Renate Künast ein Interview im Deutschlandfunk gegeben, in dem sie sich zu Heiko Maaß‘ Gesetzentwurf zum Thema „Hasspostings“ geäußert hat. Vieles von dem, was sie gesagt hat, habe ich nicht verstanden. Das hat mit verworrenen Formulierungen zu tun und damit, dass sie wenig konkret wurde, vor allem aber damit, dass ich ihr Rechtsverständnis nicht begreifen wollte. Ein Zwischenruf von Gastautor Robert von Cube
Das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum will privaten Konsum zur politischen Handlung machen – ein Irrweg. Letztlich drängt man arme Menschen zum Konsumverzicht. Von unserem Gastautor Thilo Spahl.
Konsum ist zu einer komplizierten Angelegenheit geworden. Vorbei sind die Zeiten, als es nur darum ging, was einem gefällt oder schmeckt oder das Geld wert ist. Der moderne Verbraucher soll nicht nur an die eigene Gesundheit denken. Er soll auch die Natur, das Klima, das Tierwohl und die Interessen seiner nahe sowie weit entfernten Mitmenschen berücksichtigen. Die Idee der Nachhaltigkeit soll seine Kaufentscheidungen leiten.
Zweifellos ist es eine positive menschliche Eigenschaft, nach Wegen zu suchen, die Welt in irgendeiner Weise besser zu machen und sich dafür zu engagieren. Die Frage ist, ob Konsum der richtige Weg ist. Und die zweite Frage ist, ob der Staat uns hier an die Hand nehmen muss.
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