„Für meine Familie ist es beängstigend, wenn Gruppen von „Allahu Akbar“-Schreiern marschieren“

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Ilias Uyar

Der Rechtsanwalt und Menschenrechtler Ilias Uyar lebt in Köln und ist in der zivilgesellschaftlichen Initiative „ANERKENNUNG JETZT“ aktiv, die sich maßgeblich für die Resolution des Bundestages zur Anerkennung des Völkermords an Armeniern, Assyrern und Pontusgriechen einsetzte und auch die Behandlung des Genozides an den Armeniern in Schulen einfordert. Außerdem ist er lokalpolitisch in der Kölner CDU aktiv. Uyars Großeltern sind Kinder der Überlebenden des Völkermords an den Armeniern, seine armenische Mutter und sein griechischer Vater mussten im Zuge des Militärputsches 1980 Iskenderun, das historische Alexandrette, verlassen, wurden als Flüchtlinge in Deutschland anerkannt und Ilias Uyar bekam die deutsche Staatsbürgerschaft, machte sein Abitur an einer Kölner Schule und wurde Rechtsanwalt. Ein Großteil seiner Verwandten lebt noch in der Türkei, die Situation wird von den armenischen Christen in der Türkei als bedrohlich empfunden. Im Zuge der kürzlichen WikiLeaks Veröffentlichungen türkischer AKP-Korrespondenz fand Uyar seinen Namen plötzlich in einer Email wieder, darüber haben die Ruhrbarone mit ihm gesprochen. Von unserer Gastautorin Lena Sara Evang.

Ruhrbarone: Herr Uyar, könnten Sie unseren Lesern die Wikileaks-Geschichte aufbröseln und erklären? Nicht jeder Leser ist intensiv mit den Konflikten zwischen türkischen Organisationen und Minderheiten so im Bilde.

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„Konstruktion, Materialität, Gliederung“

 

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In den letzten Jahrzehnten ist viel geschehen, um das baukulturelle Erbe der Montanindustrie als identitätsstarken Programmstein des Ruhrgebietes zu etablieren. Deren behutsame „Umcodierung“ zeugt von Kontinuität und Wandel der Region. Von unserem Gastautor Dieter Nellen.

Dass die bauhistorischen Texturen des letzten Jahrhunderts sich an Rhein und Ruhr aber nicht darauf beschränken und gerade in den guten Jahren der Weimarer Republik europäisches Metropolenformat gewannen, ist bisher weniger bekannt. Offenbar hat das Scheitern der ersten deutschen Demokratie eine angemessene Würdigung der architektonischen Leistungen dieser Epoche erschwert. Mit ihnen verbindet sich ungeachtet ihrer seinerzeitigen Modernität nicht die dauerhafte Erinnerung an Relevanz und Stil.

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System und Erfolg: Die Ruhrtriennale 2016

Ruhrtriennale Intendant Johan Simons, Foto: Ulrike Märkel
Ruhrtriennale Intendant Johan Simons, Foto: Ulrike Märkel

Auch ein großes Festival verträgt Kalauer. Mit „Glückauf Gluck“ verabschiedete Johan Simons bei der aktuellen Medienkonferenz der Ruhrtriennale 2016 seinen renommierten Dirigenten René Jacobs in die gerade anstehende Probe von Willibald Glucks ALCESTE. Von unserem Gastautor Dieter Nellen.

Mit dieser Oper, der Rezeption eines altgriechischen Theaterstoffes von Euripides durch die europäische Aufklärung beginnt das Festival an diesem Freitag in der Bochumer Jahrhunderthalle. Die Regie führt Johan Simons, am Pult steht René Jacobs.

Das Programm kündigt für die nächsten sechs Wochen rund 200 Veranstaltungen an, mit 40 Produktionen, 32 Eigen- und Koproduktionen, 20 Uraufführungen, Neuinszenierungen, Deutschlandpremieren und Installationen an. Das alles kann sich schon quantitativ sehen lassen und mit den großen europäischen Formaten messen.

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Wissenschaft: Mit Leibniz in die düstere Zukunft

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Eine Broschüre der Leibniz-Gemeinschaft zeigt, welche einseitigen Vorstellungen heute in der Wissenschaft propagiert werden. Politik soll menschliche Gestaltung einschränken. Von unserem Gastautor Christoph Lövenich.

Deutschlands Wissenschaft sollen große Forschungsgesellschaften wie die Helmholtz- und die Leibniz-Gemeinschaft voranbringen, finden ihre staatlichen Finanziers. Ob das Steuergeld in riesigen Zusammenschlüssen außeruniversitärer Forschungseinrichtungen besser angelegt ist als bei den Hochschulen und in kleineren Einheiten, mag aus verschiedenen Gründen bezweifelt werden. Ein Leserkommentator warnte vor Jahren schon vor einer weiteren Gefahr: „Wohl versorgte Forschungskombinate […] sind zum Teil so weit von der gesellschaftlichen Realität isoliert, dass unserem Gemeinwesen Himmelangst werden sollte.“

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Dem Dschihadismus entgegentreten – auf allen Ebenen, mit allen Mitteln

20160423_121846Europa im Sommer 2016 – Während ein Teil der (radikalen ) Linken sich darin übt, die Geschehnisse im Nahen und mittleren Osten (weiterhin) in den Kategorien Postkolonialismus und Kapitalismus zu analysieren, explodieren weltweit annähernd täglich menschliche Bomben, deren letzte und größte Mission darin besteht, möglichst viele „Ungläubige“ mit in den Tod zu reißen. Hatte die Linke in den letzten 150 Jahren die Geschichtsoptimistische Utopie als Alternatives Angebot im Gepäck, so bleibt davon heute reichlich wenig. Die Zukunft ist düster, ungewiss und im schlechtesten Sinne durch die Gegenwart und die Vergangenheit ja gar vorbestimmt, was bedeutet, dass kein Aufbäumen der wahrhaft Entrechtenden und gequälten Seelen abzusehen ist. Von unserem Gastautoren Lukas Läufer.

Der militante Dschihadimus, die praktizierte Barbarei im Namen Allahs, bietet jedoch für viele abgehängte Individuen in den Banlieus in Frankreich, in Berlin Neukölln, in Duisburg-Marxloh und Hamburg-Harburg eine Alternative. Die ironische Zuspitzung jener Ausweglosigkeit ist hier noch dramatischer, dargeboten als Angebot im Namen des Islam als „Lone Wulf“, als Kämpfer gegen eben jene, Versprechungen welche, auf individueller oder kollektiver Ebene, nicht einzulösen sind, unsterblich zu werden.

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Das Darknet oder was geschehen kann wenn sich die Politik mal wieder auf ein Medium einschießt.

ZYv6FRtr_400x400Mit den unschönen Geschehnissen in München hat die Politik wieder ein neues Wort gelernt, welches man in einen ähnlichen inflationären Maß nutzen kann wie das allzu beliebte Wort „Cyber“. Die heutige Sau ist, ihr ahnt es, das Darknet! (Ein Gastbeitrag von Anonymous Germany – nein, die haben nichts mit der Fake-Facebook-Seite am Hut.)

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Der Beginn des europäischen Kolonialismus Teil 3 – Soziale Spannungen und interne Verwicklungen

Osmanen belagernWien
Osmanen belagernWien

Wie ich schon im Teil 2 der Serie „Beginn des europäischen Kolonialismus“ herausgearbeitet habe, grenzt es in gewisser Hinsicht an ein Wunder, dass die beiden westlichen europäischen Mächte Spanien und Portugal ihre Kolonialisierung in Amerika, Afrika, dem indischen Ozean, und darüber hinaus bis nach Ostasien durchführen konnten, während im Mittelmeerraum die Europäer selbst in Deckung gehen mussten. Von unserem Gastautor Helmut Junge.

Denn all ihre nautischen und kriegstechnischen Neuerungen haben im Mittelmeerraum nicht zu ähnlichen Erfolgen geführt.

Spanier und Portugiesen konnten in den nächsten Jahrzehnten in den Teilen der Welt, die sie für sich beanspruchten, mehr oder weniger ungestört schalten und walten, wie sie wollten. Es dauerte Jahrzehnte, bis Frankreich das Auge auf den amerikanischen Kontinent richtete und seinerseits begann dort Kolonien anzulegen. Die Briten störten zwar durch Piraterie den transatlantischen Transport, aber bis sie mit den Niederländern gemeinsam so weit waren, Spanier und Portugiesen militärisch zu verdrängen, vergingen noch etliche weitere Jahrzehnte.

Man sollte also denken, dass das, was Spanien im Westen, und Portugal im indischen Ozean so unangefochten treiben konnten, auch für das Mittelmeer Gültigkeit haben müsste.

Aber das Gegenteil war der Fall, Europa drohte selber zur kolonialen Beute eines mächtigen Feindes zu werden, was dann auch für Griechenland und den Balkan, bis nach Ungarn tatsächlich geschehen ist. Und das lag daran, dass im östlichen Mittelmeer so nach und nach

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Der Beginn des europäischen Kolonialismus 2. Teil: Die Aufteilung der Erde

 

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Unser Gastautor Helmut Junge hat sich mit der Geschichte des  europäischen Kolonialismus beschäftigt. Hier nun der zweite Teil. Die Reihe hatte ihren Ursprung in verschiedenen Diskussionen hier im Blog.

Als König Manuel I von Portugal im Jahre 1497 Vasco da Gama den Auftrag erteilte, jetzt doch endgültig um Afrika herum, Indien anzusteuern, war er schon sehr genau darüber informiert, welche Städte in Ostafrika angefahren werden konnten, und von wo die Fahrt über den indischen Ozean die günstigsten Voraussetzungen boten. Ferner war er darüber informiert welche Städte in Indien für den Handel mit Portugal von besonderem Interesse waren, und wie die Herrscher in diesen genannten Städten tituliert wurden. Das hatte seinen Grund darin, dass der Vorgänger von Manuel I, König Johann II bereits 10 Jahre zuvor, 2 Kundschafter beauftragt hatte, auf irgendeine Weise einen Hafen in Arabien zu finden, von dem aus sie mit einem

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Graphic-Novel „Drei Steine“ von Nils Oskamp in Dortmund

 

Copyright © 2016 by Nils Oskamp
Copyright © 2016 by Nils Oskamp

In der öffentlichen und medialen Wahrnehmung scheint sich die rechtsextreme Szene in Deutschland auf den Osten zu konzentrieren. Doch trotz entsetzlicher, über die sozialen Netzwerke wie ein Lauffeuer verbreiterter Vorfälle wie der johlende Mob, der Flüchtlinge in Clausnitz daran hinderte, ihre Unterkunft zu beziehen, sitzt der harte aber herzliche Westen leider längst nicht so fest im multikulturellen Sattel, wie Optimisten es sich vielleicht wünschen würden. Von unserem Gastautor Matthias Penkert-Hennig.

Als Hochburg der rechten Szene im Ruhrgebiet gilt bereits seit FAP-Zeiten in den Achtzigern der Stadtteil Dortmund-Dorstfeld. Hier wuchs Illustrator und Comiczeichner Nils Oskamp auf. Als Schüler an einer prophetischer Weise nach Comic-Großvater Wilhelm Busch benannten Realschule wurde er Zeuge und Opfer rechter Gewalt, vor der Lehrer, Polizei, Staatsanwaltschaft und sogar seine Eltern die Augen fest verschlossen.

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Götz George ist tot

Götz George. Quelle: Wikipedia, Foto: www.horstschimanski.info, Lizenz: CC BY-SA 2.5
Götz George als Schimanski. Quelle: Wikipedia, Foto: www.horstschimanski.info, Lizenz: CC BY-SA 2.5

Heute vor genau 35 Jahren sahen wir Götz George das erste Mal in seiner Rolle als Horst Schimanski. Er frühstückte zwei rohe Eier und schon in der nächsten Szene rief er „Hör auf mit der Scheiße!“, als jemand einen Fernseher aus dem Fenster warf. Eine neue Ära hatte begonnen. Von unserem Gastautor Harald Schrapers.

Götz George ist untrennbar mit Horst Schimanski verbunden. Er hat die Figur, die im Umfeld der Münchener Filmhochschule erdacht wurde, gespielt, geprägt und entwickelt. George kam nach Duisburg und schaffte es, dem Ruhrgebiet ein neues Selbstbewusstsein zu geben. Wahrscheinlich ging es gar nicht anders, dass dies ein Berliner Schauspieler machen musste, der von außen kam und den Duisburgern einen Spiegel vorhielt. Dieses Verzagte und sich selbst Verleugnende – das kam in Schimanskis Welt nicht vor. Und Götz George war der Garant dafür.

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