Neubauer: Oktoberfest-Fotos vom Feinsten

Der Mann mit dem gelben Hut: Aus "Wiesnleut - Bavarians & others" von Andreas Neubauer.
Der Mann mit dem gelben Hut: Aus "Wiesnleut - Bavarians & others" von Andreas Neubauer.
Andreas Neubauer hat Fotos gemacht. Fotos vom Oktoberfest in München. Und das schreibe ich, weil die Fotos klasse sind. Andreas hat die Leute dort auf der Cranger Kirmes des Südens porträtiert. Aber nicht im üblichen Bums-Fidel-Stil mit Wackelkamera, Alkohol und Partyzelt. Sondern nüchtern vor weißem Hintergrund. Die Leute sehen einfach nur aus, wie….

Und da beginnt das Kopfkino. Da fangen die Bilder von Andreas an Geschichten zu erzählen. Wie ist der Vogel drauf, der einen gelben Cowboyhut trägt? Was denkt dieses Mädchen in Spitzentracht, der schwarzbeschuhte Koreaner, der Bayernhosenträger aus Hamburg? 400 Leute hat Andreas für sein Projekt fotografiert, in einem Laden, der zum Studio wurde, vom Aushilfsmusiker bis zum Kuwaitischen Honeymoon Paar.

Uns gefallen die Fotos sehr. Wir präsentieren deswegen Andreas Neubauer auch im neuen Ruhrbarone Print-Ding #4.

Ansonsten könnt Ihr seine Fotos im Buch „Wiesnleut – Bavarians & others“ ansehen. 192 Seiten Hardcover für 28 Euro. Oder ihr geht in seine Ausstellung in München, in die Landwehrstr.67. Die Ausstellung ist noch bis zum 3. Oktober von Montags bis Sonntags zwischen 15:00 und 19:00 Uhr geöffnet. Mehr Infos gibt es hier: andreasneubauer.com

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Tod auf Zollverein: Das musste passieren

Das Sicherheitskonzept auf der Zeche Zollverein ist schlecht – oder zumindest miserabel umgesetzt. Das wissen wir seit den Berichten aus der WAZ. Der Brandschutz in der Kohlenwäsche war jahrelang – auch während der Kulturhauptstadtzeit – unter aller Sau. Hätte es dort gebrannt, Menschen wären reihenweise gestorben. Damit nicht genug. Die WAZ hatte auch die Verkehrswegesicherung auf Zollverein angegriffen. Auf den Mannschaftsbrücken waren keine ausreichenden Geländer angebracht. Kinder hätten dort jederzeit runterstürzen können. Das Sicherheitskonzept für den Restpark war und ist unter aller Sau – wenn es überhaupt richtig umgesetzt worden ist. Immer wieder wurde der WAZ-Autor Daniel Drepper für seine Berichte persönlich von den Verantwortlichen auf Zollverein angegriffen und schlecht gemacht. Damit nicht genug. Im Lokalteil der WAZ Essen haben sich die Hofberichterstatter lustig gemacht über Dreppers Recherchen.

Und nun das: Ein Mensch, ein 29Jähringer Mann, ist auf Zollverein zu Tode gestürzt. Er ist bei einer Klettertour entlang der Kokerei umgekommen, auf einem der verdammt zu wenig gesicherten Abschnitt des Geländes.

Und die Hofberichterstatter der WAZ Essen machen das, was sie so machen. Sie schreiben – ähnlich wie Adolf Sauerland nach dem Loveparade-Desaster – die Schuld allein dem Opfer zu. Der junge Mann habe vielleicht Alkohol getrunken, sei verbotenerweise über Absperrungen geklettert und dann an seinem eigenen Leichtsinn gestorben.

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Vertuschung ala Zollverein. Intrigen statt Aufklärung

Die Zeche Zollverein hat ein massives Sicherheitsproblem. Aber anstatt aufzuklären versucht die Stadtverwaltung Essen Sand in die Augen der Menschen zu streuen.

Es ist bekannt, dass in mehreren Prüfberichten des TÜV-Rheinland „wesentliche Mängel“ im Brandschutz festgestellt wurden. Das bedeutet, mit den Anlagen, die dort vorhanden sind, kann die Kohlenwäsche, kann das Ruhrmuseum nicht sicher betrieben werden. Daniel Drepper hat das alles im WAZ-Rechercheblog im klein klein aufgedröselt.

Weiter hat er bewiesen, dass etliche der wesentlichen Mängel seit 2006 nicht ausreichend behoben wurden. Das alles muss im Bauamt bekannt gewesen sein. Doch trotz der Mängel wurde das Kulturhauptstadtjahr auf der Kohlenwäsche durchgezogen. Auch jetzt noch wird auf der Kohlenwäsche weitergemacht, ohne die wesentlichen Mängel bereits dauerhaft beseitigt zu

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Waldiwissenschaft: Lorenzo Ravagli an der Privatuniversität Witten/Herdecke

Heimstatt der Waldiwissenschaften Foto: Universität Witten/Herdecke

Die vom Land NRW geförderte anthroposophische Privatuniversität Witten/Herdecke lädt Lorenzo Ravagli, Anthroposoph mit äußerst zweifelhaftem Ruf, zu einem Vortrag ein.

In der ZEIT vom 31.5.2011, „Pseudowissenschaften – Der akademische Geist“, bezeichnet Bernd Kramer die Anthroposophie als „Ersatzreligion des Bildungsbürgertums“. Die Anhänger der Anthroposophie gehörten „zur Elite des Landes“, die Anthroposophie sei die „am besten vernetzte Esoterikfraktion Deutschlands“: „Konrad Schily, der Bruder des ehemaligen Innenministers Otto Schily, gründete die erste deutsche Privatuniversität Witten/Herdecke mitsamt anthroposophisch geprägter Medizinerausbildung. Die Stiftung der Software AG wiederum rettete die Hochschule 2009 vor dem Untergang.“

Die Ärzteausbildung war 2006 als das Herzstück der Uni nur knapp dem Todesurteil entronnen. Der Wissenschaftsrat, wichtigstes hochschulpolitisches Beratergremium von Bund und Ländern, hatte in einer Stellungnahme festgestellt, die Uni weise „erhebliche inhaltliche und strukturelle Schwächen in Lehre und Forschung“ auf. Ist der Ruf erst einmal ruiniert, forscht sich’s fortan ungeniert.

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VfL Bochum: Täler der Tränen, Hügel der Hoffnung

„Anne Castroper“ Straße in Bochum, da am Kiosk hoch, zwei Pilsbier weggesteckt, da steht sie, die Arena in der Stadt. Die einzige Innenstadtarena des Reviers. Hier wo der VfL spielt, und die Leidenschaft Leiden schafft. BOCHUMMMM ICH KOMM AUS DIEEEEER.

100 Jahre wird hier gekickt. Und wie heute, so geht es hier oft um alles oder nichts. Erste Liga Aufstiegsfeier oder tränenreich das Ziel verfehlt?

Henry Wahlig, David Nienhaus und Christian Schönhals haben ein Buch über das Stadion „Anne Castroper“ geschrieben. Ein einzigartiges Buch. Eines, das zum Stadion passt. Ein Buch über ein Jahrhundert Fußball mitten in Bochum.

Beim Blättern merkt man, dass auch die Autoren die Leidenschaft erfahren haben. Sie geben sich Mühe bei der Fotoauswahl. Haben einzigartiges aus der Bauzeit des neuen Stadions ausgegraben. Haben der Vergangenheit des Bolzplatzes nachgespürt. Sind eingetaucht in die Stadtplanung um die vorletzte Jahrhundertwende.

Was mir persönlich sehr gefallen hat, waren die vielen Details, die Liebevoll zusammengetragen werden. Stories, Geschichten, Fotos und Devotionalien. Selbst die Nazivergangenheit haben Henry, David und Christian nicht ausgeblendet, sondern sind den Spuren nachgegangen. Samt bislang für mich komplett unbekannter Bilder von Naziaufmärschen im Stadion und des mangelnden Zusammenhaltes im Club. Der Club wurde Teil des Nazi-Propaganda-Apparates.

Mutig ist die Naziaufklärung heute nicht mehr wirklich. Die Vergangenheit sollte überall offen kommunizierbar sein. Aber gerade deswegen ist es schön, dass die Autoren auch hier genau hinsehen und und nicht drüber wegsehen und auch die Geschichte der fast vergessenen Helden des jüdischen Fussballvereines Hakoah Bochum aufgeschrieben haben, die auch ihre Heimat an der Castroper Straße hatten.

Die Leidenschaft für den Kick hat Henry, David und Christian nicht blind gemacht. Kompliment.

Am schönsten jedoch waren für mich die Berichte von den Spielen aus den späten sechziger und siebziger Jahren. Als der Fußball noch gefühlt unser war, die Helden nicht reiche Spielertouristen und auch sonst alles schwarz-weiß: die Fotos und die Luft sowieso.

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Ein Innenminister von NRW: zwei Zitate

Ralf Jäger Foto: IM-NRW
NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) gerät in der Affäre um die Parteispenden des dubiosen Rechtsanwaltes Lothar Vauth aus Krefeld an die Duisburger SPD unter Druck. Dabei hatte Jäger den Anwalt an eine kommunale Firma empfohlen, die daraufhin Gutachten bei Vauth bestellte, die einen nur zweifelhaften Wert haben. Kurz danach kamen Spenden in Höhe von 9000 Euro bei der SPD an, die von Vauths Konto flossen. Jäger ist Chef der Duisburger SPD.

Am Donnerstag hat Jäger vor dem Landtag zu der Affäre ausgesagt und zu seinen Kontakten zu Vauth. Das kam dabei heraus:

„Ich habe zu keinem Anwalt dieser sehr großen Kanzlei zu irgendeinem Zeitpunkt privaten Kontakt gehabt.“

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am 12. Mai 2011 im Innenausschuss des Landtages NRW. einen Tag später, am 13. Mai 2011 verschickte der Minister eine schriftliche Erklärung. Nachdem unter anderem Journalisten seine Angaben im Landtag angegriffen hatten. Das kam dabei heraus:

Ich erinnere mich an zwei Gespräche mit Herrn Vauth in der Krefelder Kanzlei. Das Thema des einen Gesprächs war die Frage, wie ein Landratskandidat sich im Internet präsentieren kann. Ferner habe ich eine Rechtsauskunft zu einer Straßenverkehrsangelegenheit („Telefonieren am Steuer“) erhalten.

Ein Mann: Zwei Zitate mit entgegengesetzem Inhalt.

Die ganze Story findet man im Rechercheblog der WAZ, wo auch die oben zitierten Zitate her stammen: klack

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Die Ruhrbarone & Friends lesen vor

Die Ruhrbarone machen einen Blog und sie schreiben. Genauso wie ihre Freunde. Und nun wollen die Ruhrbarone vorlesen, im Theater. Stories aus dem Ruhrgebiet – oder sonst woher. Hauptsache die Nummern sind spannend, unterhaltsam oder interessant.

Das ganze findet statt am Mittwoch, den 4. Mai, im Theater an der Rottstraße 5 in Bochum, direkt am Bermudadreieck. Wir beginnen um 19:00 Uhr. Danach gehen wir in den Shop, Bier trinken.

Es werden lesen:

Die Wattenscheider Schule, Bastian Schlange und Patrick Joswig:
Was sie lesen, ist noch nicht klar. Vielleicht was mit Männerkäse oder Pornobrillen

Martin Kaysh:
Wir denken, er trägt was Komisches und vermutlich auch Beleidigendes vor.

Stefan Laurin:
Der redet neuerdings andauernd von Kultur und anderen komischen Sachen. Die ganzen letzten Wochen. Er wird also wohl dazu was vorlesen.

Markus Franz:
Der Berliner Ex-Ruhri ist aus den USA zurück – war dort drei Jahre Attache an der deutschen Botschaft und musste diplomatisch schweigen. Nun liest er ganz undiplomatisch aus seinen verdammten Erlebnissen vor.

David Schraven:
Der WAZ-Mann und frühere Ruhrbaron bringt eine bislang unveröffentlichte Story aus dem Abschaum des Ruhrgebietes mit.

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Die Aktuelle Ausgabe des Ruhrbarone Print-Dings „Wir Großstadt-Cowboys“ kann man hier bestellen:

Lange Geschichten, extrem gut, verdammt teuer.

Mondfahrten – Eine Besprechung

Mondfahrten nennt er sie, seine Touren durch den „unterbelichteten Planeten namens USA“. Markus Franz kennt sich dort aus in den Staaten.

Er war Sozialattache an der deutschen Botschaft in Washington, hat sich mit Gewerkschaftern getroffen, mit Mächtigen und Ohnmächtigen. Ist wochenlang durch das Land gereist, hat mit Sozialhilfeempfängern gesprochen, mit Glücksspielern und dem normalen Joe Schlosser. Der eine oder andere wird ihn kennen. Für letzten Print-Ding der Ruhrbarone hat Markus Franz einen Report über die Indianer geschrieben, über ihr Leben, ihr Sterben.

In seinem Buch Mondfahrten hat Markus Franz nun Miniaturen versammelt, Beobachtungen und Gedanken, entstanden in der Nacht, teilweise in Schlaflosen. Er wollte damit ursprünglich seinem Bruder in Japan erklären, in was für ein Land er da geraten ist. Markus schreibt über das Brot in den Staaten, über Verpackungen und Vernunft. Über zu große Autos, über den durchschnittlichen Wert eines Amerikaners, über die Brandgefahren einer Matratze und über den unterschwelligen Rassismus in weißen Wohngegenden.

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