Der morbide Charme in der Alltäglichkeit

Fotografien von Klaus Homann vereinen Morbidität und Endzeitstimmung / mit freundlicher Genehmigung von K. Homann

Das Wechselbad zwischen Nähe, Ferne und Verfall ist der rote Faden in der Bildsprache von Fotograf Klaus Homann. Der Mann mit den Ruhrgebietswurzeln (geboren in Lünen, lebt in Essen) flaniert durch den öffentlichen Raum – und hat als Chronist mit der Kamera immer wieder ein Händchen für verletzliche Momentaufnahmen mit einem schwebenden Ewigkeitsanspruch.

Klaus Homann findet das Ästhetische im Kaputten und porträtiert Hochhäuser, Tiefgaragen, Einzelhandelsgeschäfte, Schrottplätze, Imbissbuden, Spielhallen, Tankstellen und Restaurants, die ein Schattendasein im modernen Leben fristen. Seine Gebäude strahlen eine existentielle Einsamkeit aus und wirken spooky – manchmal sogar wie Schauplätze aus einem noch nicht bekannten Thriller. Vor fast 30 Jahren ist er über einen Urlaub in Amerika zum Fotografieren gekommen.

Continue Reading

2020 – ein Jahr im Nebel

Das Jahr 2020 fühlte sich oft unwirklich an – so wie dieser Sonnenuntergang auf Halde Hohewart | Foto: Lola Hesse

Das abgelaufene Jahr war bestimmt von der Corona-Pandemie, unsere Mitbürger zeigten sich von ihrer Hamsterkaufseite: Toilettenpapier, Nudeln und Hefe wurde mit ungebremster Raffgier bis an die Decke gehortet. Wo stehst du? Was bewegt dich? Wohin gehen wir? Das habe ich mich in diesem Jahr häufiger als sonst gefragt. Das öffentliche Leben, was in meinem kleinen Horizont vor allem durch kulturelle Ereignisse lebt, ist auf ein Minimum eingedampft worden. In vielen Ländern gab es sehr strikte Quarantäne-Maßnahmen und andere Ausgangsbeschränkungen – in meiner kleinen Welt natürlich auch. Für diesen Jahresrückblick habe ich in meinen Erinnerungen gekramt und ein paar Eindrücke in den Fokus gerückt.

Januar
Die Silvester-Party, die ich im Dortmunder Kreuzviertel besuche, ist kein Fest, wo bereits zu früher Stunde die Löcher aus dem Käse fliegen. Wir sitzen am Tisch, reden und verdrehen uns in Anekdoten. Ich halte mich den ganzen Abend an nur zwei Bier fest, damit ich mein Auto stehenlassen muss. Gegen 3 Uhr früh breche ich auf und kurz nachdem ich von der A45 auf die A42 Richtung Herne biege. Plötzlich bin ich in einer Nebelwand gefangen und kann nur noch im Schneckentempo fahren, weil ich nur weißen Nebel sehe. Von einer Kolonne mit Rettungswagen werde ich überholt und die sperren Höhe Castrop-Rauxel-Bladenhorst die Autobahn ab. Es dauert ewig bis Polizei und Rettungskräfte die Situation im Griff haben, denn mehrere PKWs haben sich ineinander verkantet. Gegen sechs Uhr bin ich zu Hause – und denke noch oft an diese Nebelwand, die für das Jahr wirklich prophetische Züge hatte. Denn der Nebel verschwindet einfach nicht.

Continue Reading

Wolfskull im youtube-Roulette


Bei Wolfskull heißt es „Hell Bent For Leather“ | Fotocredit Björn Stork

Zeitloser-Hardrock in Richtung Danzig, Led Zeppelin oder The Cult kommt von der Band Wolfskull, die ihre Mitglieder aus vielen Teilen vom Ruhrgebiet rekrutiert haben. Mit Styx haben sie nun einen neuen Schlagzeuger an Bord geholt und die Band arbeitet gerade fleißig an ihrem ersten Longplayer. Zu ihrer Debüt-EP ›Hexum‹ hat das Quintett bereits einige sehr gute Besprechungen bekommen, vor allem Sänger Pete 9 steht immer wieder im Fokus, weil er wie kein Zweiter den unsterblichen Geist von Elvis Presley und Jim Morrison in eine nietenbesetzte Lederjacke zwängen kann. Grund genug, den Frontmann mal auf ein youtube-Roulette einzuladen.

Continue Reading

Hack Mack Jackson im youtube-Roulette

Hack Mack Jackson bewegen sich stilsicher zwischen Country und amerikanisch geprägter Roots-Musik

Country aus Düsseldorf kommt von der Band Hack Mack Jackson – und das schon seit dem Jahr 1998. Die Cowboys vom Rhein haben für ihre neue Platte ein paar Coverversionen auf links gedreht und dann nochmal heiß aufgekocht, damit es sich richtig anfühlt – darunter Songs wie „Burning Love“ von Elvis Presley, „To Satisfy You“ von Waylon Jennings oder „Lonely Boy“ von The Black Keys. Das Ganze erscheint heute als „Low Budget High Convenience “ EP – und ist sowohl als 10-inch-Vinyl erhältlich – und natürlich auch bei allen digitalen Kanälen. Was sonst noch wichtig ist, erklärt uns Hack Mack Jackson-Sänger Drew Son Jackson im youtube Roulette.

Continue Reading
Werbung
Werbung


Der Dortmunder Musiker Fred Ape ist verstorben

Fred Ape – hier bei enem seiner zahlreichen Live-Konzerte | Bild: Stephan Schütze

Im Alter von nur 67 Jahren ist der Liedermacher Fred Ape überraschend verstorben. Der Dortmunder war bekannt als Musiker und Moderator, sowie als langjähriger Programmchef des Kleinkunsttheaters Cabaret Queue in Dortmund-Hörde. Über 40 Jahre lang war der Gitarrist und Sänger mit seiner Musik auf den Bühnen in ganz Deutschland unterwegs.

Continue Reading

Bambus im youtube Roulette

Bambus – stilsicherer Rap aus Dortmund / Foto: Lukas Vogt

Der Dortmunder Rapper Bambus erzählt in seinen Tracks gerne von Melancholie und Apathie, aber auch der Suche nach innerem Frieden. Unsere Welt ist durcheinandergeraten, aber wir alle suchen unseren Platz, um unserem abstrakten Lebensgefühl irgendeine Art von Sinn zu geben. Die neueste Single von Bambus heißt nicht umsonst ›Weltschmerz‹ und wird eingerahmt von einem sanften Beat und vielen Fragenzeichen in den Lyrics. In unserem youtube-Roulette präsentiert Bambus seine musikalischen Favoriten.

Bambus, welcher Song repräsentiert für dich am besten das Ruhrgebiet?
Snaga & Pillath – „R.u.h.r.p.o.t.t.“

Continue Reading

Schlakks im youtube-Roulette

Schlakks - Rap aus der Dortmunder Nordstadt /Bild: Achilles Photos
Schlakks - Rap aus der Dortmunder Nordstadt /Bild: Achilles Photos
Schlakks – Rap aus der Dortmunder Nordstadt / Bild: Leopold Achilles

Schlakks aus Dortmund macht Rap mit Easy Singalong Attitüde – alles soll geschmeidig sein. Auf der Suche nach den letzten Inseln der Freiheit ist er als Live-MC bekannt, zudem ist er einer der Betreiber des Clubs ›Rekorder‹ in der Nordstadt. Er macht Rap mit einem optimistischen Grundton, machohaftes Macker-Geprotze ist ihm völlig wesensfremd. Seine neue Single ››Stadt‹‹ schlägt die Brücke zwischen Old School, lässigen Beats, einem melancholischem Vibe und Dortmunder Heimatgefühlen. Was sonst noch wichtig ist, beantwortet er uns im youtube-Roulette.

Schlakks, welcher Song repräsentiert für dich am besten das Ruhrgebiet?
Cmern & Opsay – „Angenehm“

Continue Reading

Pahel Brunis im youtube Roulette

Pahel bei uns im youtube-Roulette

Die filmische Dokumentation über die Ruhrpott Rapper RAG „We Almost Lost Bochum“ ist eine Klasse für sich. Die Süddeutsche Zeitung urteilte, dass sie „empathisch und nah an den Lebensgeschichten der Mitglieder entlangfährt“ und das Kulturmagazin Filter bringt es mit dem Superlativ „eine der beste Musikdokumentationen, die je gemacht wurden“ auf den Punkt. Einer der vier RAG-Rapper ist Pahel Schulinus Brunis, der vor ein paar Jahren von Bochum nach Washington D.C. ausgewandert ist. Über die bevorstehende Präsidentschaftswahl sagt er: „Na dann hoffen Wir mal, dass die Mehrheit der US-Amerikaner wirklich noch so viel Verstand hat wie ich es die letzten 15 Jahre immer empfunden hatte – auch wenn am Ende das Geld bestimmt.“ Was sonst noch wichtig ist, beantwortet uns Pahel im youtube-Roulette.

Pahel, welcher Song repräsentiert für dich am besten das Ruhrgebiet?
Herbert Grönemeyer – „Bochum“

Continue Reading
Werbung
Werbung


Swag Boy Alex im youtube Roulette

Swag Boy Alex – ein komplettes Album erscheint Anfang 2021

Mit beißender Ironie und einer großen Armee an musikalischen Gästen (von Bela B. über Mitglieder der Bands Adicts, Egotronic, Knochenfabrik bis hin zu U.D.O.) präsentiert der Gladbecker Tausendsassa Alex Schwers als ›Swag Boy Alex‹ eine Single mit Namen ››Walther‹‹. Dies ist der erste Auskopplung von seinem ersten Soloalbum ››Hubschrauber & Dinosaurier‹‹, welches Anfang 2021 erscheinen wird.

Musikalisch bietet dieser erste Vorbote zum Album einen grellbunten Stilmix, der Indie-Rock, Heavy Metal und Bubblegum-Pop mit Sha-la-la-Melodien in eine übersteigerte Groteske überführt. Und das wird auf ››Hubschrauber & Dinosaurier‹‹ fortgesetzt: der alte Kumpel Deutschrock schleicht hier wie ein Detektiv durch die Songs. Manchmal singt Alex wie Marius Müller-Westernhagen in den späten 1970er Jahren und so mancher Songschlenker lässt Erinnerungen an Spliff oder Zoff wach werden.

Continue Reading

Kindheit im Ruhrgebiet: Die Luft roch nach Teer und Bluna

 

Spielplatz Hanomag-Pritschenfläche

Mein Vater machte eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei einer Straßenbaufirma im Dortmunder Hafen. Ende der 1960er Jahre wechselte er die Seiten und übernahm eine Baugeräte- und Baumaschinen Firma in Dortmund Mitte, wo wir im selben Gebäude in der dritten Etage wohnten. In einzelnen Garagen, die abwechselnd rostrot und jägergrün angestrichen waren, lagerte das ganze Inventar, das mein Vater im Angebot hatte: von Speiskellen, über Nägel und Teereimern bis hin zu allem vorstellbaren Handwerks- und Maschinenzeug, das im Hoch- und Tiefbau gebraucht wurde. Gegen Jahresende, wenn mein Vater seine Inventur für den Steuerberater anfertigen musste, halfen meine Schwester und ich mit und hatten alles mögliche durchzuzählen und aufzuschreiben: Batterien, Moniereisen, Spitzhacken, Gasflaschen – das ganze Programm von A bis Z.

Wenn uns in den Ferien langweilig war, spielten wir auf dem Hof. Ich belauschte die Aushilfsfahrer meines Vaters, wie sie über Truck Stop und Gunter Gabriel fachsimpelten. Oder erbettelte mir eine Mark Extra-Taschengeld für ein Eis am Kiosk. Die Luft bei der Bude roch nach Teer und Bluna. Oder nach einem kalten Waschlappen, den ich brauchte, wenn ich mir im Hof beim Fangenspiel wieder einmal eine Schürfwunde zugezogen hatte. Am liebsten spielten meine Schwester und ich auf der Pritschenfläche des Hanomag Henschel-LKW, den wir liebevoll in ›Matadonna‹ umgetauft hatten. Was das bedeuten sollte, weiß ich heute nicht mehr. Dieses Foto stammt aus dem Jahr 1975. Meine Schwester ist heute Professorin für Chemie in Köln, damals erprobten wir unsere ersten ››Lachgas-Experimente‹‹ auf dem „Matadonna“.