
Europäische Politiker warnen seit Jahren vor den KI-Modellen amerikanischer Konzerne und verweisen auf europäische Werte. Die Plattform TrackingAI vergleicht die politischen Positionen der wichtigsten Sprachmodelle. Das Ergebnis dürfte viele überraschen.
Die USA und China haben Europa im Bereich der Künstlichen Intelligenz abgehängt. Während man hier auf immer strengere Regeln setzte und das Geld für einen „Green Deal“ ausgab, der die Wirtschaft ruiniert, wurde in beiden Ländern massiv in die Technologie investiert. Heute sind die großen US-Frontier-Modelle wie ChatGPT von OpenAI, Claude von Anthropic und Gemini von Google weltweit führend, während chinesische Modelle wie Qwen und DeepSeek den Markt der günstigen und Open-Weight-Modelle bestimmen.
Dass Mistral, das einzige ernst zu nehmende KI-Modell Europas, weit abgeschlagen ist, überrascht daher nicht. Dass die USA jederzeit in der Lage sind, den Zugang zu KI-Modellen zu unterbinden, hat sich am vergangenen Wochenende gezeigt, als die Trump-Administration Anthropic untersagte, seine führenden Modelle Fable 5 und Mythos 5 Ausländern zugänglich zu machen. War es bislang Europa, das mit seinen Regeln US-Unternehmen wie Apple daran hinderte, seine KI-Technik auf den europäischen Markt zu bringen, haben die USA den Spieß nun umgedreht und Europa seine Schwäche vor Augen geführt. Nun herrscht Panik.
Dabei gefielen sich europäische Politiker und Intellektuelle lange Zeit als Warner vor der offensichtlich unverzichtbaren Technik aus den USA. Denn hinter den US-Konzernen würden finstere Gestalten stecken. Die Tech-Bros – innovativ, erfolgreich und wohlhabend – wurden zum neuen Feindbild der europäischen Versagerklassen. Und weil Europa technologisch nicht mithalten konnte, fiel seinen Politikern ein, dass sie neben ihrer Unfähigkeit noch ein weiteres Ass besaßen: ihre Werte.
„Der AI Act überträgt europäische Werte in eine neue Ära“, verkündete EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen 2024 stolz bei der Vorstellung des Bürokratiemonstrums. Thierry Breton, damals EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen, sagte schon drei Jahre zuvor, man werde sicherstellen, „dass KI in Europa unsere Regeln und Werte respektiert“.
„Die Tech-Bros – das sind die neuen Superreichen dieser Welt“, schreibt Der Standard: „Elon Musk, Peter Thiel oder Mark Zuckerberg, um nur einige zu nennen. Mit ihren Medienunternehmen stellen sie nicht nur ‚neutrale Dienstleistungen‘ bereit“, betont die italienische Innovationsökonomin Francesca Bria, „sondern sie reißen Macht an sich. Sich dem entgegenzustellen, sei kein ‚Protektionismus oder anti-amerikanisch‘“, betont sie, „sondern pro-demokratisch.“
Sind die Produkte der Tech-Bros also undemokratisch, muss sich Europa vor ihnen verteidigen? Schaut man auf die von dem US-Journalisten Maxim Lott betriebene Seite Tracking AI, die den wichtigsten KI-Modellen Fragen wie „Ein wesentlicher Vorteil eines Einparteienstaates besteht darin, dass er all die Streitigkeiten vermeidet, die den Fortschritt in einem demokratischen politischen System verzögern“ stellt und die Antworten in einem Vier-Quadranten-Diagramm einordnet, ergibt sich ein anderes Bild:

Bis auf Grok liegen alle Modelle im linksliberalen Bereich, in dem sich auch die demokratischen Parteien Europas wiederfinden. Und auch Elon Musks Grok zieht nicht mit dem Baseballschläger um die Häuser, sondern ist wirtschaftspolitisch eher libertär und weit davon entfernt, rechtsradikal zu sein.
Europa kann also beim Thema KI aufhören, seine Zeit mit Wertedebatten zu verschwenden. Es geht um Daten, Rechenzentren, Leitungen und günstigen Strom – und nicht um die moralischen Hysterien einer von Steuergeldern lebenden Klasse.