BVB-Torwartikone Eike Immel: Wenn aus einem Fußballmärchen das harte Leben wird

Eike Immel ist für mich, der ich seit 1977 ein leidenschaftlicher BVB-Fan bin, eine der ganz großen Fußball-Ikonen meiner Kindheit und Jugend. Als ich als Kind meine Begeisterung für den Profifußball entwickelte, da waren Manfred Burgsmüller und Immel meine ersten ‚Helden‘. Wenn ich mit meinen Freunden gemeinsam Fußball auf der Straße oder im Schulsport gespielt habe, schlüpfte ich seinerzeit immer bevorzugt in die Rolle von einem der beiden.

Ich erinnere mich auch noch sehr gut, wie aufgeregt ich war, als die Dortmunder Borussia, natürlich mit Immel im Tor, wohl Anfang der 1980er-Jahre, einmal zu einem Freundschaftsspiel bei mir um die Ecke im Waldstadion in Waltrop antrat, um gegen den damaligen Drittligisten VfB Waltrop anzutreten. Nervös und schüchtern habe ich einige Fotos von meinem Lieblingstorhüter gemacht. Ihn anzusprechen habe ich mich damals leider nicht getraut. Ich war ja noch ein schüchternes Junge. 😉

Als Immel den BVB dann Mitte der 80er-Jahre in Richtung VfB Stuttgart verließ, war ich am Boden zerstört. Daran erinnere ich mich noch lebhaft daran, wie enttäuscht ich von seiner Entscheidung war. Für mich als jungem BVB-Fan war es völlig unverständlich, wie man die Dortmunder in Richtung Schwabenland verlassen konnte.

Für Immel selber hat sich das aber wohl durchaus gelohnt. Er absolvierte für den VfB mit 287 Bundesligaspielen sogar ein paar mehr als in seinen Jahren im BVB-Tor (247). Zudem wurde er 1992 mit Stuttgart einen Meistertitel, bevor er seine Karriere zwischen 1995 und 1997 bei Manchester City ausklingen ließ. Aber da hatte ich den Torhüter schon weit weniger auf dem Schirm, schwärmte vom BVB, der 1995 und 1996 Deutscher Meister wurde, als sich Immels Laufbahn in den Sinkflug begab. Die Wunde, die der Immel-Abgang bei mir hinterlassen hatte, war zu diesem Zeitpunkt bereits verheilt.

Trotzdem verfolgte ich Nachrichten, in denen das Schicksal meines ehemaligen Fußballlieblings beleuchtet wurde, natürlich noch immer mit Interesse. Der private Absturz, der Immel über die Privatinsolvenz bis ins Dschungelcamp von RTL führte, war für mich aus der Ferne nur schwer nachvollziehbar. Immel reihte sich irgendwann endgültig in eine Reihe trauriger Ex-Profis ein, die mit ihrem Leben nach der Karriere nicht mehr zurecht zu kommen schienen.

Warum ich das heute hier schreibe? Weil der Journalist Gregor Schnittker, der vielen unserer Leser sicherlich seit Jahren bekannt ist, hat er doch u.a. vor einigen Jahren die Lokalzeit Dortmund im WDR-Fernsehen moderiert und etliche gute Fußballbücher rund um den BVB veröffentlicht, in diesen Tagen eine Eike-Immel-Biografie im Verlag ‚Die Werkstatt‘ veröffentlicht hat (bei dem auch Kollege Dietrich Schulze-Marmeling als geschätzter und preisgekrönter Autor aktiv ist).

Auf gut 300 Seiten beleuchtet Schnittker in seinem neuesten Buch das Leben des heute 61-jährigen Immel vom Profi-Debüt mit 17 Jahren für Borussia Dortmund, über die anschließende Meisterschaft in Stuttgart, die Zeiten als Stammtorwart der DFB-Nationalmannschaft. Das Werk erinnert an Highlights aus über 500 Bundesligaspielen, liefert Statements von Wegbegleitern und Fußballpromis. Natürlich fehlt auch die traurige Zeit nach der aktiven Karriere dabei nicht.

Es ist ein Buch, das einen berührt, das zeigt, dass das Glück eines von vielen angehimmelten Profikickers nicht von Dauer sein muss. Mich persönlich hat die Lektüre in den vergangenen Tagen nicht nur intensiv zurück in meine eigene Vergangenheit geführt, mir hat Schnittkers Buch zugleich einmal mehr klar gemacht, dass auch Promis (natürlich) nur ganz normale Menschen sind, die mit dem Lauf ihres Lebens Fehler machen und an den Herausforderungen des Alltags scheitern können. Jetzt, gut drei Jahrzehnte nach meiner Zeit als großer Immel-Fan, eine durchaus lohnenswerte Erkenntnis, die hier in dieser Biografie noch einmal frisch bestätigt wurde.

Das Buch findet ihr jetzt in der Buchhandlung eures Vertrauens. Eine lohnende Lektüre, nicht nur für BVB-Fans….

 PS: Am 25. April 2022 wird das Buch übrigens ab 19 Uhr im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund vorgestellt

Herausgeber ‏ : ‎ Die Werkstatt

Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 304 Seiten

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3730705995

Preis : 24,90 Euro

 

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thomas weigle
thomas weigle
1 Jahr zuvor

Ich habe sein erstes Spiel in der Bl. im August 78 gesehen. Er brachte die Bayern zur Verzweifelung und das Stadion ins Toben. Beeindruckend!

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