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BVB-TV/Netradio: Warum vergingen eigentlich so viele Tage, bis der neue Skandal öffentlich wurde?

Der BVB positioniert sich gegen Rassismus. Archiv-Foto: BVB

Die Fußball-Bundesliga kommt aus den Negativ-Schlagzeilen aktuell nicht heraus. Wenige Tage nachdem Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies sich mit rassistischen Äußerungen zum nationalen Thema machte und inzwischen dem Vernehmen nach an den Rande einer Entmachtung im Klub manövrierte, ist nun auch der Konkurrent Borussia Dortmund in Person von Ex-Nationalspieler Patrick Owomoyela und Stadionsprecher Norbert Dickel in einen vergleichbaren Skandal verwickelt.

Die beiden Kommentatoren des vereinseigenen BVB-TV haben sich tatsächlich zu „Itaker“-Beschimpfungen und sogar einer Hitler-Imitation hinreißen lassen. Der völlig untaugliche Versuch der beiden Ex-Profis besonders witzig und fannah sein zu wollen, den der Verein inzwischen von seiner Homepage gelöscht hat, ging erwartungsgemäß daneben. Das hat ihnen nun auch ihr Verein klar gemacht und die beiden dafür offiziell ’sanktioniert‘.

Es war allerdings längst nicht das erste Mal, dass das BVB-Fanradio/TV in die Negativschlagzeilen geriet. Schon in den vergangenen Jahren sorgte Ex-Profi Dickel mit wechselnden Kollegen an seiner Seite für unschöne Diskussionen, beleidigte das Netradio/TV beim Kommentieren der Spiele Gegner und sogar Offizielle.

Es ist nun müßig die beiden aktuellen Vorfälle aus Dortmund und Gelsenkirchen direkt miteinander zu vergleichen, wie es viele Anhänger der Revier-Rivalen gerade tun. Das eine war eine gut vorbereitete Rede eines erfahrenen Vereinsverantwortlichen, das andere das scheinbar leichtfertige Gerede zweier Moderatoren einer Testspiel-Liveübertragung. Was ist nun ’schlimmer‘? Wer will das beurteilen?

Beide Vorfälle zeigen uns allerdings auf schmerzhafte Art und Weise, wie groß das Problem des latenten Rassismus und Extremismus in unserer Gesellschaft noch immer/schon wieder ist.

Und viel bedenklicher stimmen einen in beiden Fällen zudem die Reaktionen bzw. Nichtreaktionen der Umwelt auf das Gehörte.

Im Falle von Tönnies spendeten die rund 1.600 bei seiner Rede in Paderborn anwesenden Zuhörer nach dem Gesagten sogar zögerlichen Beifall. Im Falle von Owomoyela und Dickel dauerte es trauriger Weise etliche Tage bis der Vorfall, der sich bereits am 27. Juli beim Testspiel der Borussen gegen Udinese Calcio ereignete, überhaupt in eine größere Öffentlichkeit geriet, obwohl auch hier tausende Fans live zugehört haben werden.

Ist die Gesellschaft in diesem Lande inzwischen so sehr gewöhnt an solche Aussetzer, dass es keinen direkten Protest gegen solche Positionen mehr gibt? Sind solche Äußerungen im Jahre 2019 dermaßen ’normal‘, dass sich niemand mehr direkt dagegen zu positionieren, seinen Unmut laut und direkt kund zu tun mag? Oder wie sonst sind diese Nicht-Reaktionen, der fehlende Protest, auf die frisch gehörten Aussagen von Tönnies, Dickel und Owomoyela zu erklären?

Diese scheinbar weit verbreitete Akzeptanz solcher rassistischer Ausfälle erscheint hier das noch größere Problem zu sein, als das Gesagte einiger Weniger, welches einem deutlich mehr Sorgen machen muss als die Aussagen selber.

Rassismus scheint, trotz der unbestrittenen Bemühungen in beiden Vereinen und in der gesamten Gesellschaft, im Jahre 2019 vielfach akzeptiert, als relativ normal empfunden zu werden. Und das ist das eigentlich Traurige an beiden Fällen.

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7 Kommentare zu “BVB-TV/Netradio: Warum vergingen eigentlich so viele Tage, bis der neue Skandal öffentlich wurde?

  • #1
    Klaus Lohmann

    Wenn Typen wie Sigmar Gabriel ihren "Prosecco-Fütterern" ala Tönnies wider besseren Wissens eine Absolution als Nicht-Rassist erteilen (https://www.deutschlandfunk.de/rassismus-vorwuerfe-rueckendeckung-fuer-schalke-boss.2851.de.html?drn:news_id=1035369), dann *ist* Rassismus wieder hoffähig geworden – auch mit Hilfe der verkappten Altrassisten aus der SPD-Ursuppe der nationalsozialistischen Arbeitertrupps.

  • #2
    Nina

    @1 Klaus, ich gebe Dir Recht und doch wieder nicht. Was Tönnies gesagt hat war rassistisch. Ob er deswegen ein Rassist ist, glaube ich nicht. Ich finde da sollte man tatsächlich nicht so schnell sein.
    Nichtsdestotrotz finde ich die brühwarme "Solidaritätswelle" von Gabriel und Konsorten völlig daneben. Und wenn ein Herr Kubicki seinen Auftritt wittert und zwar den "Ton" ablehnt aber augenscheinlich nicht den Inhalt Tönnies Entgleisung, dann wächst mein Unbehagen und ich hoffe, die FDP verliert weiter und weiter bis der Eiswürfel ganz eingeschmolzen ist.
    Ich muss fast schmunzeln, worüber diese Sandkasten-Liga _eigentlich_spricht. Was schwingt denn in diesen Aussagen alles mit? Alles, was keiner geradeaus sagen will. Ich höre da heraus "Schuld sind die Afrikaner! Es sind einfach zu viele, kein Wunder, die nutzen auch jede Gelegenheit ohne Kondom zu ******." (Hier habe ich mich selbst zensiert wegen Anstand und so).
    Ich kann gar nicht sagen, wie müde ich werde angesichts dieser Liga Tönnies, Kubicki & Co.

  • #3
    Klaus Lohmann

    @Nina: Wie Jemand vor mir schon formulierte: so eine Rede vor 1600 geladenen Gästen schüttelt sich auch ein Tönnies nicht mal locker aus dem Taschentuch, er bereitet und schreibt sie vor – inkl. den applausbringenden Pointen, zu denen der rassistische Spruch wohl auch gehören sollte. Ergo gehören offensichtliche, da aktuell leicht widerlegbare, aber von Braunen gern verbreitete diskriminierende Vorurteile gegenüber fremden Völkern und Nationen, ja gegenüber einem ganzen Kontinent zu seinem "Arsenal" an Argumenten und braunen "Bonmots" zwecks Auslebens narzisstischer Neigungen als "Volksredner" und des unsäglichen "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!"-Relativismus.

    Das ist kein rassistischer "Ausrutscher", so denkt und redet ein Rassist, der mit solchen Herrenwitzchen "für die große Runde" aufgewachsen ist. Und so wurde es mir auch von Bekannten aus der Gegend rum um Rheda-Wiedenbrück kolportiert, die den Rindswurst-Fürsten ab und an mal ohne Medien im Anschlag trafen.

  • Pingback: Tönnies, Dickel & Owomoyela: In der Realität keine klare Kante gegen Rassismus bei S04 und BVB | Ruhrbarone

  • #5
    Yilmaz

    Absiolut ekelhafter Vorgang und ich erwarte jetzt auch, dass Watzke Verantwortung übernimmt und zurücktritt.

  • #6
  • #7
    Nina

    @3 Klaus: Hätte Tönnies seine Rede _inhaltlich_gut vorbereitet, dann hätte er sich eingehender mit den Themen Klimawandel, Ursachen, Optionen der Gegenregulation beschäftigen müssen. Das hat er ganz offensichtlich nicht getan. Sonst wüsste er, dass nicht Kinderreichtum sondern Transport und Energiewirtschaft die Verursacher sind. Und er wüsste, dass auch afrikanische Regierungen handeln, siehe Äthiopien, ein beeindruckendes Beispiel:
    https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/aethiopien-pflanzt-354-millionen-baeume-in-zwoelf-stunden-weltrekord-a-1279624.html

    Nicht das rassistische Ressentiment ist der eigentliche Skandal, sondern die Tatsache, dass ein Typ, nur weil er erfolgreicher Unternehmer und Geldspender ist, völlig dumpf und ohne Kenntnis in der Öffentlichkeit über Dinge reden darf, von denen er schlichtweg keine Ahnung hat. Und alle applaudieren.
    Die alte Devise "Erst denken, dann sprechen." ist eine Tugend und ein Wert. Ganz offensichtlich teilt jemand wie Tönnies diesen Wert nicht. Es ist schlichtweg gemein, auf Kosten anderer diesen Unsinn zu verbreiten.

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