„Judensonntag“ jeden Tag

Berlin-Tiergarten, 10. November 1938 | Copyfraud Jean-Pierre Dalbéra cc 2.0

Und nirgends Welcome Places. Über die Angst im deutschen Alltag und ihre Zuschauer. Und die Kirche, die EKD

„Ich gehe nicht mehr ins Fitnessstudio“, sagt Felix Lipski (86), Bochumer. Als Kind ist er an der Hand seiner Mutter dem Morden im Ghetto von Minsk entkommen, hat zusammen mit Partisanen in belarussischen Wäldern gelebt, hat überlebt. Wurde Chirurg, der Menschenleben gerettet hat, vor mehr als einem Viertel Jahrhundert ist Felix nach Bochum gekommen. Sein Querenburger Fitnessstudio hat er, der Mediziner, regelmäßig aufgesucht. Jetzt nicht mehr. „Aus Angst.“ Vor Angriffen auf ihn? „Angst davor, dass mir niemand helfen würde.“

Amit Peled ist Cellist, international renommiert. Am 23. Juli saß er vor seinem Konzert für die International Summer Academy in Wien zusammen mit der Pianistin Julia Gurvitch und dem Violinisten Hagai Shaham im Restaurant „Ramazotti“, es liegt nur wenige Schritte von dem Konzertsaal entfernt. Die drei Israeli bestellen, der mehrsprachige Peled fragt auf Hebräisch, „was wollt ihr essen, Pizza oder Pasta“, daraufhin werden sie vernehmbar aufgefordert, das Restaurant zu verlassen. „Was uns am allermeisten schockierte“, sagt Peled

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Warum der vorzeitige Abgang von U23-Coach Tullberg die BVB-Fans zutiefst enttäuscht

Am Stadion des BVB in Dortmund. Foto: Robin Patzwaldt

Als Borussia Dortmund an diesem Wochenende offiziell bestätigte, dass Mike Tullberg sein letztes Spiel als Trainer der U23 gegen Gladbach II bestreiten würde, brach eine Welle von Enttäuschung über die Fan-Szene des BVB herein.

Für viele Anhänger war er mehr als nur ein Trainer – ein Hoffnungsträger für die Nachwuchsförderung, der Werte und Nähe zum Klub verkörperte. Umso schmerzlicher erscheint es, dass dieser Abschied nicht in Ruhe, sondern mitten im Saisonstart erfolgte.

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Der Phoenix See in Dortmund: Eine Schein-Erfolgsgeschichte

Am Phoenix See in Dortmund. Foto(s): Robin Patzwaldt

Als 2010 die Flutung des Phoenix Sees begann, wurde das Projekt als Jahrhundertchance für Dortmund gefeiert. Wo zuvor ein gigantisches Stahlwerksgelände lag, sollte ein Ort entstehen, der Arbeit, Natur und Lebensqualität verbindet – ein Vorzeigeprojekt für den Strukturwandel im Ruhrgebiet.

Heute, über ein Jahrzehnt später, bleibt von dieser Vision kaum etwas übrig. Der Phoenix See ist kein Symbol des Aufbruchs, sondern ein Denkmal für Fehlplanungen, falsche Prioritäten und einseitige Stadtpolitik.

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Warum die Vertragsverlängerung mit Trainer Niko Kovač der richtige Schritt beim BVB ist

Bei der Vorstellung von Trainer Niko Kovac in Dortmund im Februar. Foto: Robin Patzwaldt

Borussia Dortmund hat am heutigen Dienstag die vorzeitige Verlängerung des Vertrags mit Niko Kovač bis 2027 bestätigt – und sendet damit ein starkes Signal. Diese Entscheidung ist nicht nur ein Vertrauensbeweis, sondern Ausdruck einer neuen strategischen Klarheit im Verein.

Kovač, der bei seiner Vorstellung im Februar noch mit sehr viel Skepsis im Umfeld empfangen wurde, hat in den vergangenen Monaten eindrucksvoll gezeigt, dass er mehr ist als ein kurzfristiger Feuerwehrmann. Er hat eine taumelnde Mannschaft

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Der abgesagte Wahlkampf – und die verpasste Chance des BVB

Hans-Joachim Watzke. Archiv-Foto: BVB

Das kommt überraschend! Nun doch kein Wahlkampf, keine inhaltliche Kontroverse auf offener Bühne, kein Ringen um den richtigen Weg – Borussia Dortmund bekommt doch keinen offenen Wettbewerb um das Präsidentenamt.

Amtsinhaber Reinhold Lunow hat am Freitag seinen Verzicht erklärt. Damit bleibt die spannendste Frage der letzten Monate unbeantwortet: Wie viel Demokratie und innerer Streit ist beim BVB eigentlich noch gewollt?

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Warum der Allwetterzoo in Münster deutlich attraktiver ist als die Zoos im Ruhrgebiet

Zu Besuch im Allwetterzoo Münster. Archiv-Foto(s): Robin Patzwaldt

Ich habe in den letzten Jahren so einige Zoos im Ruhrgebiet besucht: Duisburg, Dortmund, Gelsenkirchen. Einige davon habe ich auch hier im Blog kurz vorgestellt. Jeder hat seine Vorzüge und Kritikpunkte. Und trotzdem: Jedes Mal, wenn ich im Allwetterzoo in Münster bin, merke ich wieder, warum er für mich der schönste von allen ist.

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BVB vor Präsidentenwahl: Watzke gegen Lunow – klarer Vorsprung in erster Umfrage

Hans-Joachim ‚Aki‘ Watzke will BVB-Präsident werden. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Seit Mittwoch ist es offiziell: Borussia Dortmund steuert auf einen Wahlkampf um das Präsidentenamt zu, der auf den ersten Blick nach Emotionen und Spannung pur klingt.

Im November entscheiden die Mitglieder neu über die Vereinsführung. Herausforderer ist niemand Geringerer als Hans-Joachim „Aki“ Watzke, langjähriger Geschäftsführer und Vereinsikone, der gegen den amtierenden Präsidenten Reinhold Lunow antreten wird. Der BVB bestätigte die Kandidatur am Mittwoch offiziell – und leitete damit den Wahlkampf ein.

Die Ausgangslage wirkt wie ein echter Zweikampf um die Macht beim BVB. Doch die erste Stimmungslage deutet auf einen deutlichen Favoriten hin.

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Dortmunder Musikszene im Fokus: 1978–1998

Im Schatten der Clubs und Musiker – eine Reise in den Dortmunder Underground | Grafik: Florian M. Grass

Von Punk über Heavy Metal bis zu Momentaufnahmen aus legendären Dortmunder Clubs wie dem Checoolala, dem Memphis oder dem alten FZW – die Ausstellung „DortmUnderground 1978–1998“ präsentiert mit einem umfangreichen Katalog bedeutende Zeugnisse und Chroniken einer besonderen Ära.

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Ein Großer des Ruhrgebiets sagt leise Lebewohl – Zum Tod von Frank Mill

Frank Mill. Quelle: Wikipedia, Foto: Christophe95, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Es gibt Fußballer, die durch ihre Tore unvergessen bleiben. Und dann gibt es solche, die sich durch ihre Persönlichkeit, ihre Bodenständigkeit und ihren unermüdlichen Einsatz in die Herzen der Menschen spielen – Frank Mill war beides. Am heutigen 5. August 2025 ist der frühere Nationalspieler und gebürtige Essener im Alter von 67 Jahren verstorben. Nach einem schweren Herzinfarkt Ende Mai hatte er wochenlang im künstlichen Koma gelegen. Nun ist der Kampf verloren – und mit ihm geht eine der prägenden Figuren des deutschen Fußballs der 80er- und frühen 90er-Jahre.

Geboren und aufgewachsen in Essen, war Frank Mill so etwas wie das personifizierte Ruhrgebietsgefühl auf dem Fußballplatz: schnörkellos, leidenschaftlich, nahbar. Seine Profikarriere begann bei Rot-Weiss Essen, wo er sich mit 74 Toren in 120 Spielen schnell einen Namen machte. Es folgten Stationen bei Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund, wo er mit dem Pokalsieg 1989 ein echtes Karriere-Highlight feiern konnte. Später ließ er seine Laufbahn beim damaligen Zweitligisten Fortuna Düsseldorf ausklingen.

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Rückkehr mit Perspektive: Warum Jadon Sancho dem BVB guttun könnte

Jadon Sancho. Archiv-Foto: BVB

Borussia Dortmund hat sich in den vergangenen Jahren als Sprungbrett für einige der vielversprechendsten Talente Europas etabliert. Spieler wie Ousmane Dembélé, Jude Bellingham, Christian Pulisic, Jadon Sancho oder Erling Haaland kamen jung, entwickelten sich rasant – und verließen den Verein häufig, bevor sie zu echten Führungsspielern reifen konnten. Die Bilanz: gute Transfererlöse, aber ein Kader, dem es immer wieder an Persönlichkeit, Konstanz und echter Siegermentalität fehlte.

Das Resultat war eine Mannschaft, die in der Bundesliga häufig hinterherlief und in Europa zwar für Aufsehen sorgte, aber den ganz großen Sprung ebenfalls verpasste. Die individuelle Klasse war oft da – aber eben nicht die Reife und die Mentalität, um konstant auf höchstem Niveau zu bestehen. In Dortmund entstand so ein schleichender Umbruch ohne echte Achse, ohne Köpfe, die ein Team tragen.

Umso interessanter ist nun die Aussicht

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