DFB-Elf: Pfiffe für Manuel Neuer in Nürnberg – Na und?

Bundestrainer Joachim 'Jogi' Löw; Lizenz: CC; Quelle: Wikipedia; Foto: Steindy
Bundestrainer Joachim ‚Jogi‘ Löw; Lizenz: CC; Quelle: Wikipedia; Foto: Steindy

Bundestrainer Joachim Löw echauffierte sich, wie man ausführlich hören und lesen durfte, also gestern mächtig über die Pfiffe gegen Torhüter Manuel Neuer, welche diesem nach seinem krassen Fehler zum 1:3-Anschlußtor der Kasachen im Länderspiel in Nürnberg entgegenschlugen.

Schon während der Begegnung konnte man das Unverständnis des Coaches über die hämische Reaktion vieler Fans gegenüber dem ‚eigenen‘ Torwart förmlich sehen.

Nach dem Spiel wurde er in Interviews dann auch verbal sehr deutlich: „Der Fehler ist passiert, das muss man ihm ankreiden. Was ich nicht gut finde, ist dass das Publikum ihn dann auspfeift. Er ist Torhüter der Nationalmannschaft, hat in den letzten Jahren hervorragende Leistungen gebracht. Aber wenn er einen Fehler gemacht hat, muss man nicht die ganze Zeit pfeifen. Dass er für den Rest des Spiels durch das Publikum mit Ironie begleitet wird, finde ich unsportlich.“

Diese damit zur Schau gestellte Dünnhäutigkeit des Bundestrainers vermag ich allerdings so nicht zu teilen. Solche Unmutsbezeugungen der Fans mögen für ihn als verantwortlichen Trainer im Einzelfall zwar nur schwer nachvollziehbar sein, Missfallensbekundungen gegenüber einzelnen Spielern sind allerdings das gute Recht der Fans.

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Goethe und der eisige Schweinezyklus, oder leider doch keine Palmenplage auf Grönland.

Brunnen in Essen. Ende März 2013
Brunnen in Essen. Ende März 2013

In ein paar Tagen haben wir Ostern. Sie wissen doch bunte Eier im Gras verstecken, Frühlingsblumen blühen, und endlich wärmer. Sogar wärmer, als es uns Goethe, ein bekannter deutscher Dichter vormachen wollte. Was sagte Goethe? In seinem Stück Faust (1. Teil) ließ er Doktor Faust sagen: „vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden, belebenden Blick“. Von unserem Gastautor Helmut Junge.

Jetzt erst? Eigentlich hatte mich das immer gewundert, denn ich kannte es nicht anders, als das Flüsse meist den ganzen Winter über eisfrei blieben. Aber man weiß doch, wo Goethe sich damals gerade aufgehalten hat. Ja, aber heute, nur wenige Tage vor Ostern ist es dort, im Osten immer noch lausig kalt. Dass dort die Bäche bis Sonntag eisfrei sind, ist unwahrscheinlich. Es ist also kälter, als zu Goethes Zeiten. Auerbachs Keller müsste wohl kräftig geheizt werden.

Dabei war das Klima ganz anders geplant. Seit Jahrzehnten reden die Meteorologen davon, dass die Erde sich aufheizt, wir also Energie sparen müssten, um den CO2 Anteil in der Atmosphäre, der für die Aufheizung sorgt, zu verringern. Ich bin vermutlich nicht der einzige, der sich aufgrund dieser Prognose eine größere Zahl mediterraner Pflanzen besorgt hat, und darauf gewartet hat, dass diese Erwärmung endlich stattfindet, damit ich diese Pflanzen nicht jeden Winter in den Keller schleppen muß. Das war zweimal im Jahr echte Knochenarbeit, mit den schweren Töpfen die steile Treppe hinunter zu gehen und im Frühjahr wieder hinauf.

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Pro NRW bürgert sich aus

Vor kurzem haben wir an dieser Stelle über die Kampagne „Gesicht zeigen!“ berichtet. Es ging darum, dass Prominente auf Plakaten abgedruckt wurden, auf denen dann Sätze standen wie: „Ich bin Jude – Wenn du was gegen Juden hast“. Nun hat sich Pro NRW entblödet, die Kampagne zu adaptieren – schließlich lautete ein Slogan des Originals „Ich bin Türke – Wenn du was gegen Türken hast“. Das gleiche gibt’s dann nochmal mit „Muslima“. Geht natürlich gar nicht, dachte sich Pro NRW und forderte Anhänger und Sympathisanten via Facebook auf, Fotos einzusenden. Darunter wird dann der Satz „Ich bin Deutscher – Wenn du was gegen Deutsche hast“, gesetzt. Etwa so, wie dieser nette Herr im Nazi-T-Shirt:

ProKopp

So sinnfrei die Original-Aktion auch war: Pro NRW hat sie nicht verstanden. Der Clou liegt darin, dass sich Menschen, die nicht zu einer diskriminierten Gruppe gehören, sich mit dieser solidarisieren. Sie gehören aber eben nicht dazu. Findet keine Diskriminierung mehr statt, wird auch dieses Ausleihen der Identität einer Gruppe obsolet. Man nimmt seine alte Identität wieder an. Wenn „du“ also z.B. nichts gegen Juden hast, ist Ulrich Wickert auch kein Jude mehr.

Gemünzt auf die Pro NRW-Version wird es nun restlos gaga. Was will uns die Partei damit sagen? Wenn man nichts gegen Deutsche hat, sind auch die Menschen auf den Pro NRW-Fotos plötzlich keine Deutschen mehr – oder wie? Das passt wohl eher nicht zum Selbstbild des stolzen Nationalisten. Andererseits ist es sehr zuvorkommend, dass die rechte Splitterpartei sich und ihren Anhang auf diesem Wege quasi selbst ausbürgert.

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Die Mutter aller Schlachten der Öko-Panikmacher

Für Panikmacher läuft es gerade nicht gut: Die Erderwärmung kommt nicht richtig voran, ein paar Leute warnen sogar vor einen neuen Eiszeit und die Internationale Energieagentur geht durch die Einführung unkonventioneller Fördermethoden von neuen, großen und abbaubaren Mengen Gas und Öl aus. Eine Meldung der Energy Watch Group hielt gestern  gegen den neuen Optimismus.

Mit dem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ hat der   Club of Rome 1972 eine Art Bibel der Öko-Bewegung vorgelegt. Das Mantra: Öl, Gas und Kohle werden knapp, das mit dem Wirtschaftswachstum geht nicht mehr so weiter, der Kapitalismus stösst an seine natürlich Grenzen, wir müssen umkehren. Für viele der damals gerade mit diversen Revolten gescheiterten 68er eine frohe Botschaft: Das Ende des Kapitalismus stand also doch bevor, dass die Gründe dafür nicht aus  dem Marxismus sondern der tendenziell rechten Öko-Ecke kamen, war da kaum mehr als ein Schönheitsfehler.

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Räumlich verlegte Lebensmittelpunkte

wodkaundolivenAdrian Kasnitz erzählt in seinem Debütroman die Geschichten zweier Migrationsfamilien aus Polen und Griechenland in der westfälischen Provinz. Von unserem Gastautor Daniel Kasselmann.

Adrian Kasnitz‘ Protagonist Moritz ist neu in Berlin und treibt einsam und haltlos durch die Stadt. Der Grund seines Kummers, den er immer wieder mit Alkohol betäubt, bleibt bis zum Schluss im Verborgenen. Als er sich in die Kellnerin Ella verguckt, erzählt er ihr bruchstückhaft von dem Haus in der westfälischen Provinz, in dem er aufwuchs, und seinen migrantischen Bewohnern. Es sind insbesondere zwei Familien, die Bodanskis aus dem polnischen Diwitten und die kretischen Konstantinidis, die über drei Generationen als Migrationsgeschichten im Mittelpunkt des Hauses und Moritz‘ Geschichten stehen. Von der Elterngeneration in den Heimatländern über die Hintergründe der Emigration der Kindergeneration nach Deutschland, deren Ankunft, Einleben und Leben in der neuen Welt bis hin zur Enkelgeneration, zu der auch Moritz gehört.

„‘Es war ein ganz gewöhnliches Haus mit richtigen Menschen, die es bewohnten, real people sozusagen.‘ Er erinnerte sich an die Namensschilder, die Klingelknöpfe, Namen, die entweder in Blech graviert, in einen Plastikstreifen gestanzt oder auf Pappe geschrieben waren. All die unbürgerlichen Namen, die in alle Himmelsrichtungen aus diesem Land hinauswiesen. Warum gab es dieses Haus nicht mehr? Wohin waren all diese Menschen verschwunden?“

Moritz erzählt minutiös, in epischer Länge und als Ella schließlich müde heimgehen will, bietet er an, sie zu begleiten. Auf dem weiten Heimweg erzählt er weiter, bis sie bei ihr ankommen. Am nächsten Morgen verlässt er sie und streift weiter durch die Stadt; eine Rentnerin auf einer Parkbank, ein Wirt und ein Kind sind nun die flüchtigen Bekanntschaften, welche die Geschichten von ihm zu hören bekommen. Als er irgendwann in dem Café Ella wiederbegegnet und zu Ende erzählt, erschließt sich erst auf den letzten Seiten der Grund seines Kummers.

Die Zumutung, die Kasnitz dem Leser aufbürdet besteht darin, dass man zwar einerseits Moritz‘ akribische Erinnerungen über den faszinierenden Mikrokosmos des Hauses in der Provinz mit seinen Bewohnern und ihren Migrationsgeschichten genießt, sich aber dabei ständig fragt, was ihn so schmerzt, dass er dermaßen manisch dazu getrieben wird, jeder Zufallsbekanntschaft, davon zu

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NRW: Rot-Grün vor dem ersten Schritt zu öffentlich-rechtlichen Verlagen

Marc Jan Eumann
Marc Jan Eumann

Morgen Vormittag wird NRW-Medienstaatssekretär Jan Marc Eumann sein Konzept einer Journalismusstiftung öffentlich vorstellen. Die Opposition hat politische und rechtliche bedenken und bereitet Klagen vor.

Sie soll die Fortbildung von Journalisten sichern, Recherchestipendien vergeben und staatsfern sein: Morgen wird Marc Jan Eumann einen Entwurf der im rot-grünen Koalitionsvertrag vereinbarten Journalismusstiftung vorstellen. Sie ist nicht weniger als ein Angriff auf die Unabhängigkeit der Verlage, sie ist der Versuch, den Einfluss politischer Organisationen, von WDR, ZDF und anderer „gesellschaftlich relevanter Gruppen“ auf die unabhängigen Medien auszuweiten. Hinter der so harmlos daherkommenden Stiftungsidee steckt der Versuch, die unabhängigen Medien langfristig in eine dem öffentlich-rechtlichen System ähnliche Struktur zu überführen, in der Verbandsfunktionäre und Politiker entscheiden, was guter und was schlechter Journalismus ist.

Die Stiftungspläne von SPD und Grünen sind dafür ein Einstieg: Klein und harmlos kommt er daher: Der Stiftungsetat von 1,6 Millionen im Jahr soll über die Haushaltsabgabe finanziert werden und aus dem Etat der Landesanstalt für Medien (LfM) kommen. Eumann konnte offenbar weder im Landeshaushalt noch bei den Verbänden das Geld für seine Stiftung zusammen bekommen. Nun muss der Zwangsgebührenzahler für Eumanns politische Vorstellungen zahlen. Eumann wird das gelegen kommen – hat er doch mehrmals erklärt, dass die Haushaltsabgabe mittelfristig nicht nur zur Finanzierung der schwächelnden öffentlich-rechtlichen Sender verwendet werden soll. In seinem Buch „Journalismus am Abgrund – Wie wir in Zukunft Öffentlichkeit finanzieren“ schreibt er:

Das war immer so. Die Rundfunkgebühr (bald: Haushaltsabgabe) ist für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Aber heute auch schon für die Rechtsaufsicht über den kommerziellen Rundfunk, wahrgenommen von den Landesmedienanstalten, und heute auch schon für die Filmförderung. Das macht klar: Die Rundfunkgebühr kann mehr, wenn wir wollen.

Eumann will nichts anderes als den Einfluss von Verbänden und Parteien auf die Medien ausweiten.   Er nennt es staatsfern – dabei sind viele dieser Organisationen

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Fußball: Die WM 2022 in Katar droht endgültig zu einer Farce zu werden.

Seit Bekanntgabe der FIFA-Entscheidung, dass die Fußball-WM 2022 in Katar stattfinden soll, im Jahre 2010, hagelte es von vielen Seiten heftige Kritik. Nun kommt offenbar etwas Bewegung in die Sache. Nachdem vor wenigen Wochen in einigen Medien bereits darüber spekuliert wurde, dass die WM 2022 aufgrund der fortgesetzten Kritik evtl. noch einmal ganz neu vergeben werden müsste/könnte, erklärte das lokale Organisationskomitee, welches das Turnier bisher eigentlich für einen (üblichen) Sommer-Termin geplant hatte, am gestrigen Freitag nun seine grundsätzliche Bereitschaft das Ereignis 2022 dann erstmalig vielleicht doch in die Wintermonate zu verlegen, um der extremen Hitze im Gastgeberland hierdurch etwas aus dem Wege zu gehen.

Was auf den ersten Blick noch wie eine recht vernünftige Überlegung klingt, belegt aber, aus meiner Sicht, bei näherer Betrachtung nur, dass die grundsätzliche Entscheidung das Weltereignis in ein Nicht-Fußball-Land wie Katar zu vergeben, damals doch eine recht unüberlegte ‚Schnapsidee‘ war.

Jetzt, wo weltweit immer mehr Leuten in der Fußballszene langsam klar zu werden scheint, welchen Quatsch man da in Zürich 2010 beschlossen hat, versuchen die Funktionäre, noch immer scheinbar ohne ein wirklich überzeugendes, vernünftiges Konzept für Katar, das ‚Schlimmste‘ noch irgendwie abzuwenden, um zumindest das Turnier selber doch noch in dem Emirat belassen zu können.

Das nun erfolgte offene Eingeständnis

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Pro NRW: Die Einsamkeit des Markus Beisicht

Markus Beisicht - Pro NRW Politiker
Markus Beisicht – Pro NRW Politiker

Heute beendete Pro NRW seine Hetztour gegen Asylbewerber mit drei Kundgebungen in Köln. In der Pro NRW Hochburg bekam die Partei gerade einmal knapp 40 Anhänger auf die Straße. Nach den Morddrohungen der Salafisten gegen den heute in Köln anwesenden Pro NRW Führer Markus Beisicht zeigt diese Zahl nur eins: Die Erbärmlichkeit dieser Partei und ihrer Anhänger.

Es hat schon fast den Charakter eines Naturgesetzes: Wird ein Mitglied einer Gruppe bedroht, erfährt es Solidarität, werden selbst eher passive Anhänger aktiv und schließt man die Reihen. Egal ob Partei, Gewerkschaft oder Fußballfans – jede auch nur halbwegs intakte Gruppe funktioniert so. Pro NRW nicht. Neun Funktionäre von NRW stehen wohl einer Todesliste der Salafisten. Die Polizei verhaftete vier radikale Islamisten während der Vorbereitungen eines Mordanschlags auf Pro NRW Chef Markus Beisicht. Und was passierte heute auf dem Abschluss der Pro NRW-Hetztour gegen Asylbewerber in Köln? Nichts – gerade einmal knapp 40 Anhänger konnte die Partei mobilisieren – und das ist Köln, ihrer Hochburg. Selten hat sich eine Partei, haben sich die Anhänger eine Gruppe als so erbärmlicher, schwacher Haufen erwiesen. Solidarität mit Beisicht? Ein Zeichen des Zusammenhaltes? Fehlanzeige. Beisicht mag sich im Moment in seiner medialen Aufmerksamkeit sonnen, er mag es genießen, das die Polizei Personenschützer für ihn abgestellt hat, er wird sich wichtig fühlen – aber angesichts dieser geringen Anhängerzahl die heute mit ihm zusammen auf die Straße ging, müsste ihm klar geworden sein: Selbst den eigenen Leuten ist sein Schicksal egal, niemand steht zu ihm, niemand unterstützt ihn, keiner steht ihm  bei. Beisicht ist einsam. Er ist vielleicht am Ende seines politischen Weges angekommen, denn eine Partei, die hinter ihm steht ist Pro NRW nicht. Die Gruppe ist nur ein aufgeblasenen Nichts. Für Beisicht ist die Party vorbei.