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Das Kraftwerk ‚Datteln 4‘ soll 2020 in Betrieb gehen: Wann reagieren #FridaysforFuture und Co.?

Demo am Kohle-Kraftwerk in Datteln im Jahre 2010. Archiv-Foto: Brigitte Patzwaldt

Es gibt Dinge im Leben, die sind einfach nicht zu verstehen. Und zwar nicht, weil sie etwa zu kompliziert wären, sondern schlicht und einfach weil sie jegliche Logik vermissen zu lassen scheinen. In diese schwer zu akzeptierende Kategorie von Ärgernissen fällt seit Jahren schon das Kraftwerk ‚Datteln 4‘.

Da baut ein Konzern ein riesiges Kohle-Kraftwerk an einen nicht gerichtsfesten Standort, und zwar nach eigenen Bekunden von Anfang an auf eigenes Risiko. Als Gerichte das Projekt ein paar Jahre später dann tatsächlich stoppen, bemühen sich Politik und Stadtverwaltung plötzlich die vom Gericht monierten Probleme zu ‚heilen‘, indem die Rahmenbedingungen, des zuvor auf eigenes Risiko in die Landschaft gesetzten Meilers, der Realität anzupassen versuchen.

Das alleine ist ja schon schlechter ein Witz, und wurde in den vergangenen Jahren hier im Blog auch schon etliche Male thematisiert. Geändert hat das Alles freilich bisher nichts.

Dann kam den Vorhabenträgern plötzlich auch noch der geplante Kohleausstieg der Bundesregierung dazwischen. Spätestens hier hätte allen Beteiligten klar sein müssen, dass ‚Datteln 4‘ ein Milliardengrab werden würde, man die noch immer nicht abgeschlossene Bautätigkeit doch besser mal beendet, sich vielleicht in einem Entschädigungsverfahren mit der Bundesregierung auf ein für alle Seiten gesichtswahrendes Ende des Dramas einigt.

Doch auch dazu kam es nicht. Der Uniper-Konzern, inzwischen Rechtsnachfolger des ursprünglichen Bauherren E.On, verbaute am strittigen Standort munter weitere Millionenbeträge, obwohl doch längst klar war, dass mit diesem Bau wohl auf ewig ein großes finanzielles Desaster verbunden sein wird.

Gestern dann die Nachricht, dass ‚Datteln 4‘, trotz der Kohleausstiegspläne, im kommenden Sommer tatsächlich wohl ans Netz gehen soll. Branchenkreise bestätigten offenbar der F.A.Z. eine entsprechende Meldung der Nachrichtenagentur Reuters.

Darin wurde unter Berufung auf einen Regierungsvertreter berichtet, dass der vom Energiekonzern Uniper errichtete Steinkohlemeiler im Norden des Ruhrgebietes ‚planmäßig‘ im Sommer 2020 in Betrieb genommen werden könne, so die Frankfurter Allgemeine.

Als interessiertem Beobachter der Abläufe in Datteln stellt sich da doch jetzt zusätzlich die Frage, warum die zahlreichen Kohlekritiker, die im Zuge der jüngsten Klimadebatten, die in diesen Zeiten doch ständig und überall Alarm machen, davon offenbar bisher gar keine Notiz nehmen?

Müssten die Umweltschützer von ‚Fridays for Future‘ und/oder ‚EndeGelände‘ nicht schier verrückt werden, wenn in Zeiten des angekündigten Kohleausstiegs in Deutschland  eine solche Anlage im Kreis Recklinghausen erst noch ganz neu in Betrieb genommen werden soll?

Warum lässt man die paar verbliebenen Anwohner in Datteln bei ihrem Kampf gegen diese unglaublichen Entwicklungen vor deren Haustür schon so lange fast vollständig im Stich?

Das Beispiel ‚Datteln 4‘ steht doch mindestens genauso für die von vielen Klimaaktivisten und Kohlegegnern kritisierte ‚Arroganz‘ der Konzerne und Politiker wie andere Projekte.

Zudem droht auch ‚Datteln 4‘, als ein echter energiepolitischer Dinosaurier, ab dem kommenden Jahr die Umwelt zu verpesten. Dazu noch an einem Standort, den es so nie hätte geben dürfen und für den übrigens auch ein Wäldchen geopfert wurde, als vor über zehn Jahren die Bauarbeiten für das von Anfang an kritisierte Projekt begannen.

Was sagen die zahlreichen Aktivisten in diesem Lande überhaupt dazu?

Wie gesagt, manche Dinge im Leben kann man einfach nicht verstehen….

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9 Kommentare zu “Das Kraftwerk ‚Datteln 4‘ soll 2020 in Betrieb gehen: Wann reagieren #FridaysforFuture und Co.?

  • #1
    thomas weigle

    Vielleicht fragst Du dich mal sich selbst mal, wieso Du und die anderen erwachsenen D4-Gegner es in all den Jahren es nicht geschafft haben D4 zu verhindern, statt jetzt polemisch Forderungen an die zu stellen, denen Du sonst bei jeder Gelegenheit mit derbster Ablehnung begegnest.

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Thomas: ‚derbste Ablehnung‘? Nur weil ich mir erlaube auch bei Leuten die grundsätzlich aus meiner politischen Richtung kommen ebenfalls kritisch zu bleiben und Dinge zu hinterfragen?

    Und zum Thema warum die Kritiker von Datteln 4 im Laufe der Zeit so viel Schwung verloren haben, habe ich hier auch schon mehrfach geschrieben. Hier zum Beispiel:

    https://www.ruhrbarone.de/was-ist-von-den-kritikern-des-kraftwerks-datteln-4-zukuenftig-noch-zu-erwarten/74496

  • #3
    Ke

    Ein modernes Kraftwerk gehört auch ans Netz.
    Alles andere ist weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll

  • #4
    Andreas Flenker

    Zitat @ke:
    „Ein modernes Kraftwerk gehört auch ans Netz.“

    Bevor sie öffentlich so einen Dünnpfiff von sich geben, sollten sie sich erst ausreichend informieren.

    Datteln 4 ist technisch gesehen nach derzeitigem Stand absolut k e i n modernes Kraftwerk !

    Es sei denn, sie beurteilen die Fassadenpanelle.

  • #5
  • #6
    Helmut Junge

    Sich Hals-über Kopf von neuen Technologien abhängig machen, alles gutreden was damit verbunden ist, und nicht einen Gedanken daran verschwenden, daß auch diese Technologien ihre Tücken haben, ist typisch für unsere aufgeregte Zeit. Zumindest in Deutschland. Wie schlecht das ist, können wir ab 2020, also im kommenden Jahr erleben, wenn die ersten Windräder abgebaut und verschrottet werden müssen. Jetzt "warnt ausgerechnet das Umweltbundesamt vor einem Entsorgungsproblem von ausgedienten Rotoren. Doch damit nicht genug: Bei den Betreibern klafft eine 300-Millionen-Euro-Lücke. (Welt)
    https://www.welt.de/wirtschaft/article202835056/Windrad-Schrott-Das-70-000-Tonnen-Problem-der-Energiewende.html
    Also müssen einige der Verantwortlichen in unserer Republik lernen, zu denken, was passiert WENN. Also folgerichtig auch daran denken, daß nichts unendlich lange gut geht. Beim Vergleich zwischen "CO2-Schleudern" und "sauberer Energie" hat man schlicht vergessen, daß diese neuen Verfahren nur eine beschränkt kurze Laufzeit haben und dann entsorgt werden müssen. Daß sie also eigentlich gar nicht so sauber sind, wie sie von Anbietern und manch einer interessierten politischen Partei angepriesen werden. Bei der Photovoltaik ist es übrigens ebenso.
    Übrigens haben die jeweiligen Anlieger nicht nur was gegen Kohlekraftwerke, sondern auch gegen Windräder, sie sind ja sogar gegen Stromleitungen in ihrer Nähe, wenn diese Leitungen nicht ihnen selber zugute kommen, sondern andere Gebiete versorgen sollen.

  • #7
    ke

    @6 H Junge
    Worin liegt eigentlich das Problem, die Windräder weiterzubetreiben? Es heißt immer, wenn die Förderung ausläuft, werden sie abgebaut.
    Die alten Mühlen stehen seit Jahrhunderten. Haben die Räder Materialermüdungen?

    Ich kann das nicht einschätzen. Normalerweise sind abgeschriebene Kraftwerke erst richtig wirtschaftlich.

  • #8
    Helmut Junge

    @Ke, angeblich hält die Konstruktion der Flügel nicht länger. Vielleicht gilt auch die Betriebserlaubnis nicht mehr nach dieser Zeit. Aber das weiß ich nicht.
    Wir müssen bei einem Vergleich der Technologien jedenfalls von unverhältnismäßig kurzen Laufzeiten der onshore Windkraftanlagen ausgehen. Zumindest im Moment.

  • #9

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