Der Konflikt um die Ukraine ist auch eine Dekolonisationskrise

Blick auf Kiew Foto: Andriy155 Lizenz: CC BY 3.0


Es ist gut, dass in den vergangenen Jahren mehr über den Kolonialismus, seine Geschichte, die in der Zeit von den Kolonialmächten begangenen Verbrechen und seine Folgen diskutiert wird. Dass diese Debatte von den Anhängern der postkolonialen Bewegung missbraucht wird, um ausschließlich den Westen in all seinen Aspekten zu denunzieren wird an dem dröhnenden Schweigen zum aktuell größten postkolonialen Konflikt deutlich.

Die Kriegsdrohungen Russlands gegen die Ukraine, der Aufmarsch russischer Militärkräfte an den Grenzen des Landes, ist eine Dekolonisationskrise. Dass russische Kolonialreich zerfiel in großen Teilen erst mit dem Ende der Sowjetunion ab 1991. Die russische Kolonisation verlief anders als die Frankreichs oder Großbritanniens. Russland ist eine Landmacht, seine Marine war bis zum Ende des zweiten Weltkriegs vergleichsweise schwach. Das Land hat kaum ganzjährig eisfreie Zugänge zu einem der großen Meere. Die Kolonisation des Russischen Reichs bestand, mit Ausnahme Alaskas, vor allem aus Eroberungen auf der eurasischen Landmasse. Sie erstreckte sich zeitlich über Jahrhunderte. Auch da folgt sie der Kolonisation anderer Mächte. Die Ukraine wurde zum Beispiel 1667 eingenommen, Sibirien schrittweise schon ab 1547, Kirgisistan erst 1865. Die Sowjetunion gelang es dann, das russische Reich zu erhalten und wieder herzustellen. Polen wurde 1939 zusammen mit Deutschland erobert. Die Sowjetunion kam so wieder an die Gebiete Ostpolens, die es bei der Zerschlagung Polens und anschließende Aufteilung zwischen Russland, Preußen und dem Habsburger Reich ab dem 18. Jahrhundert erhalten und durch die Gründung Polens nach dem Ersten Weltkrieg verloren hatte.

Russland, vor allem seitdem Putin an der Macht ist, versucht den Verfall des einstigen Reiches zu stoppen. Wo es geht, wie in Weißrussland, werden Vasallenregierungen unterstützt. Das ganze ehemalige Reich physisch zurückzuerobern ist unrealistisch. Dem Kreml reicht die indirekte Herrschaft, ein klassisches Werkzeug der kolonialen Politik fast aller Mächte.

Wie die meisten Kolonialmächte beutete Russland und später die Sowjetunion seine Besitzungen nicht nur aus, sondern leistete auch Entwicklungsarbeit. Frauen wurden in den asiatischen Teilen des Reiches vom Schleier befreit, Eisenbahnlinien gebaut und die Elektrifizierung vorangetrieben. Bei der Entwicklung hat die Sowjetunion als Kolonialmacht mehr geleistet als Großbritannien oder Frankreich. Es hat aber auch mit dem Holodomor, dem Völkermord an den Ukrainern in den 1930er-Jahren im Rahmen der Zwangskollektivierung mindestens 4,5 Millionen Menschen verhungern lassen und auch die anderen stalinistischen Verbrechen kosteten Millionen Leben.

Putin will nicht, dass sich die Ukraine dem Westen annähert. Er will sie als Vasallenstaat, vielleicht will er sich auch erobern. Die militärischen Mittel dazu hat er nur so lange, wie die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft hoch sind. Zieht man die ab, ist Russland wirtschaftlich endgültig ein Zwerg. Schon heute liegt es, gemessen am Bruttoinlandsprodukt nach Einwohnern, nur auf Platz 65.

Wenn wir über Putin, Russland und die Ukraine reden, reden wir also über einen postkolonialen Konflikt. Der passt nicht ganz ins Bild, weil sowohl die Täter als auch die Opfer „Weiße“ sind und der offensichtliche Aggressor nicht ein demokratisches, westliches Land ist.

Aber Geschichte und Gegenwart sind nun einmal komplizierter, als es uns die Propaganda postmoderner Aktivisten versucht einzutrichtern.

 

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24 Kommentare

  1. #1 | thomas.weigle sagt am 4. Februar 2022 um 15:44 Uhr

    Der ehemalige Vize der Historikerkommission UdSSR-DDR, Dolmetscher in Nürnberg und beim Alliierten Kontrollrat, sowie Mitglied der sowj. Akademie der Wissenschaften,Michael S.Voslensky beschreibt in seiner Buch "Das Geheime wird offenbar" auch den "Zusammenbruch des letzten Kolonialreiches" und schreibt: "Doch keinerlei Umbenennungen", gemeint ist die Gründung von Soejetrepubliken, "konnten etwas am Kern der Sache ändern: Die Sowjetunion hatte die Kolonialreiche des zaristischen Russlands übernommen und war eines der Kolonialreiche der Erde. Es war das größte aller Imperien. die Kolonien befanden sich nicht jenseits der Meere und Ozeane, sondern grenzten unmittelsbar an das Mutterland, was dem Imperium zusätzliche Stabilität verlieh. Die übrigen Imperien der Erde begannen in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts rasch zu zerfallen, aber das letzte Kolonialreich-die Sowjetunion-exitierte weiter." ( "Das Geheime wird offenbar",S.359).
    Als hochrangiges Mitglied der Dolce-Vita-Fraktion,(Nomenklatura) wusste Voslensky mit Sicherheit,worüber schrieb. Das süße Leben der Nomenklatura, die völlig getrennt und abgehoben lebte-von normalen Sowjetbürgern nämlich- beschreibt er im gleichnamigen Buch.

  2. #2 | Helmut Junge sagt am 4. Februar 2022 um 18:36 Uhr

    Das heutige Gebiet von Deutschland war teils römische Kolonie, genuso wie Griechenland, Nordafrika, Britannien, Spanien, Frankreich usw. Rußland und die Ukraine hatten die mongolische Herrschaft zu erdulden. Der Balkan die Osmanen. Auch die USA war mal Kolonie. Mir fällt kein einziges Land der Erde ein, das nie Kolonie war. Manchmal liegt diese Zeit nur weiter zurück.
    Viele der Länder, die einmal Kolonie waren, haben irgendwann einmal selber andere Länder zu Kolonien gemacht. Vermutlich sogar alle. Wir können nur nicht soweit in die Vergangenheit gucken, weil es keine schriftlichen Aufzeichnungen gab. Seit fünfhundert Jahren gibt es den Buchdruck. Dadurch sind Berichte aller Art so häufig gedruckt und nachgedruckt worden, daß manch ein Bericht bis heute erhalten ist. Deshalb wissen wir über die Zeit vor 500 Jahren, sofern sie von schriftkundigen Europäern aufgezeichnet wurde, auch viel mehr, als über die gesamte Zeit davor. Über die gesamte Zeit, und zusätzlich über alle Teile der Welt, die Europäer kennen gelernt haben.
    Deshalb wissen wir viel über die Art und die Gründe der europäischen Eroberungen gut bescheid.
    Und entsprechend der Auswahl heutiger Europäer aus dem riesigen Arsenal der früheren Aufzeichnungen gibt es auch heutige Sekundärliteratur. Es entspricht dem heutigen Zeitgeist, den Aspekt der Kolonialisierung und der Sklaverei herauszustellen. Alles was nicht dazugehört, und alles wasdavor geschah, verschwindet dagegen aus dem Gedächtnis.

  3. #3 | Arnold Voss sagt am 5. Februar 2022 um 14:03 Uhr

    Die Nationen Europas hatten nach 45 im militärischen Windschatten der USA die große historische Möglichkeit gemeinsam den ehemaligen und zukünftigen Imperien dieser Welt, einschließlich den USA, ein eigenes demokratisches und zugleich militärisch abgesichertes Gewicht entgegenzustellen, ohne selbst länger Kolonialmacht zu sein. Sie haben diese Chance nicht genutzt. Den Preis für dieses gemeinsame Versagen wird ganz Europa in den kommenden Jahrzehnten bezahlen, und da ist die Ukraine Krise erst der Anfang.

  4. #4 | Helmut Junge sagt am 5. Februar 2022 um 18:21 Uhr

    Ich glaube, daß die Idee zu eigenen europäischen Streitkräften noch nicht sehr alt ist. Zu den Zeiten der EWG gab es den Gedanken vermutlich gar nicht. Und die EU? Solange von ihren Heimatstaaten gelenkten Kommissare Entscheidungen treffen, sind es eben diese Heimatländer, die die Entscheidungen treffen. Da erwarte ich nichts.

  5. #5 | discipulussenecae sagt am 5. Februar 2022 um 18:39 Uhr

    Bei der Lektüre des des Artikels fielen mir die russische Besetzung/ Kolonialisierung Ost-Finnlands (Stichwort Winterkrieg) und der arabische Sklavenhandel im Mittelmeer (Stichwort Barbaresken-Korsaren) ein.

    Aber Weiße können ja niemals Opfer sein, da sie als Weiße immer schon Täter waren, sind und bleiben werden. Daher auch das berühmte Wort von der "ekligen weißen Mehrheitsgesellschaft" (Stichwort Sarah-Lee Heinrich )

    Von China will ich gar nicht erst anfangen.

    Nun ja. Schöne woke Welt. Wenn die Dummheit sich mit Ignoranz paart und das Ergebnis zum Prinzip erhebt.

  6. #6 | Richard Heller sagt am 5. Februar 2022 um 18:47 Uhr

    #3

    Das war aber die Geschäftsgrundlage der NATO: Sie wurde gegründet, um die USA drin zu halten, die Russen draußen zu halten und die Deutschen unten zu halten. Hat funktioniert. Und die USA sollten etwas deutlicher daran erinnert werden, dass der bisher einzige Fall von Art. 5 des NATO-Vertrages einen Angriff auf die USA betraf und Deutschland sofort und ohne zu Zögern seine Pflichten erfüllt hat.

  7. #7 | thomas.weigle sagt am 5. Februar 2022 um 23:26 Uhr

    Ich habe in der Schule gelernt,dass die Idee einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft oder so, bereits von der damaligen franz. Regierung um1950 konkret vorgeschlagen wurde,etwa zeitgleich mit der Montanunion. Die USA und GB stimmten einige Zeit später zu. Der Plan scheiterte aber letztlich an innerfranzözischen Widerständen. Es war einfach zu kurz nach 45. Als Ausgleich quasi ging man dann an die Gründung der EWG.

  8. #8 | thomas.weigle sagt am 6. Februar 2022 um 13:14 Uhr

    Der Vertrag über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft(EVG) wurde Ende Mai 52 von den späteren EWG-Gründungsmitgliedern unterzeichnet,scheiterte aber später in der französischen Nationalversammlung,

  9. #9 | Werntreu Golmeran sagt am 6. Februar 2022 um 23:53 Uhr

    Ja, Kolonialisierung ist oft zweischneidig. Man schaue nur nach England. Viele Schotten haben ähnlich die Schnauze voll, wie die Ukrainer. Gerade viele der Jüngeren wurden als EU-Bürger geboren und sind nicht gewillt, sich ihre europäischen Bürgerrechte auf Dauer nehmen zu lassen. Die Waliser haben einen Corbynista zum Chef gewählt und der Irlandkonflikt schwelt seit über 800 Jahren.

    Und die wohl unter dem Stocholmsyndrom leidende Innenministerin schreckt nicht davor zurück, Bürger, die schon in GB geboren sind, abzuschieben, obwohl ihre Eltern aus den Dominios stammten und Jahrzehnte im Glauben gelassen wurden, britische Staatsbürger zu sein (Windrush Scandal).

  10. #10 | Manuel sagt am 7. Februar 2022 um 17:13 Uhr

    Wenn Putin behauptet, die Ukraine sei kein Staat und Russen und Ukrainer seien ein Volk, klingt das nicht nach Postkolonialismus, oder? Die Geschichte dieser beiden modernen Staaten geht viel weiter zurück als bis zur Rückeroberung 1667. Herr Laurin, googeln Sie bitte mal "Kiewer Rus". Zarenreich und Sowjetunion waren Kolonialisten, aber vor allem im Kaukasus, Sibirien und Zentralasien. Der westliche, europäische Teil wurde immer als ein Kulturraum angesehen. Und man kann schlecht sein "eigenes Volk" kolonialisieren.

  11. #11 | Stefan Laurin sagt am 7. Februar 2022 um 17:42 Uhr

    @Manuel: Der Kiewer Rus war ein skandinavisches Fürstentum.

  12. #12 | Manuel sagt am 7. Februar 2022 um 18:29 Uhr

    @Stefan Laurin Können Sie so nennen. Belarus, Ukraine und Russische Föderation beziehen sich alle drei historisch und kulturell auf die Kiewer Rus. Die orthodoxe Kirche und ihre Spachen sind in dieser Zeit verwurzelt. Deshalb finde ich, dass man hier nicht von Kolonialismus sprechen, wenn Russen und Ukrainer eine jahrtausendealte gemeinsame Geschichte haben unf Kiew auch noch älter ist als Moskau.

  13. #13 | Stefan Laurin sagt am 7. Februar 2022 um 18:46 Uhr

    @Manuel: Große Teile der Ukraine und Weißrusslands waren Teil des polnisch-litauischen Reiches. Russen und Ukrainer haben auch keine jahrtausendelange Geschichte miteinander, weil es vor Jahrtausenden weder sowas wie Russen noch Ukrainer gab. Diese Begriffe sind alle noch nicht so alt. Vielleicht sollten sie etwas mehr lesen, bevor sie hier kommentieren. Ein gutes Buch zum Thema: Norman Davis: Verschwundene Reiche. Sich auch einmal mit dem Begriff "Ethnogenese" zu beschäftigen, wäre eine gute Idee. Danach können sie wieder kommen, aber wir sind ein Blog und keine Nachhilfeschule für ungebildete Putinfans.

  14. #14 | Manuel sagt am 7. Februar 2022 um 22:31 Uhr

    @Stefan Laurin Putinfan bin ich nicht, absolut überhaupt nicht, also total das Gegenteil.
    Danke für den Lektüretipp.
    Freilich gab es die Begriffe damals noch nicht. Das ändert nichts an der Tatsache, dass auf den heutigen Territorien damals ein gemeinsames Reich existierte. Das Fürstentum Polen-Litauen kam erst einige Jahrhunderte später.
    Wenn zwei heutige Staaten aus einem gemeinsamen Reich hervorgegangen sind und kulturelle, sprachliche und religiöse Gemeinsamkeiten haben, wie können Sie dann von Kolonialismus sprechen? Nennen Sie mir einen anderen Kolonialisten und seine Kolonie, auf die dies zutrifft.
    Lektüretipp für Sie: Vladimir Putin: Über die historische Einheit der Russen und Ukrainer. Veröffentlicht auf kremlin.ru im Juli 2021
    Nein, ich teile keinen einzigen Satz dieses Aufsatzes. Jedoch hilft er ungemein, die gegenwärtige Krise zu verstehen.

  15. #15 | Arnold Voss sagt am 7. Februar 2022 um 22:54 Uhr

    @ Richard Heller # 6

    Es gab gute Gründe uns Deutsche erstmal unten zu halten. Nazis saßen nach 45 noch zuhauf in deutschen Amtsstuben und Parlamenten und es gibt bis heute einen langen braunen Strang beim Verfassungsschutz, der auf dem rechten Auge blind war und blind geblieben ist.

    Ich hatte auch nichts dagegen, dass die Russen rausgehalten wurden, bzw. bin ich heilfroh, dass ich nicht in der DDR, sondern in der BRD groß geworden bin. Da konnte ich gegen die imperiale Politik der USA demonstrieren, so viel ich wollte, ohne das Jemand einmarschiert ist, bzw. mich die eigenen Behörden ins Gefängnis gesteckt haben.

    Und Deutschland ist wirtschaftlich nicht unten geblieben, sondern hat sich wieder zu einer der größten ökonomischen Mächte der Welt entwickelt, ohne dass es die USA verhindert hat, geschweige denn verhindern wollte. Auch miltärisch hätte es stärker werden können als es heute ist, ohne dass es die USA gestört hätte. Aber das wollte es gar nicht, denn es hätte eine weltpolitische Verantwortung bedeutet, die bislang in Deutschland Niemand ernsthaft zu übernehmen bereit war.

    Um es sarkastische in einem Satz zu formulieren: Die Deutschen führen entweder Weltkriege oder sie halten sich, wenn irgendwie möglich, ganz raus. Irgendwo dazwischen wäre nach 45 die Lösung gewesen, und das in enger militärischer Kooperation mit anderen eurpäischen Ländern außerhalb des russischen Imperiums. So wäre eine Äquidistanz zu den USA und Russland möglich geworden, die zugleich eine stärkere Stimme im Rest der Welt bedeutet hätte.

  16. #16 | Stefan Laurin sagt am 7. Februar 2022 um 23:07 Uhr

    @Manuel: Es waren Stämme, keine Reiche. Die bildeten sich erst nach der Christianisierung.

  17. #17 | Kai sagt am 8. Februar 2022 um 08:13 Uhr

    #14:
    Ich muss, gestehen, ich bin verwirrt.

    'Polen-Litauen war ein von 1569 bis 1795 bestehender Staat in Mittel- und Osteuropa'
    'Die beiden namensgebenden Länder, das Königreich Polen und das Großfürstentum Litauen, wurden bereits 1386 in einer Personalunion zusammengeführt.'
    ' Das Gebiet umfasste in seiner größten territorialen Ausdehnung um 1618 den größten Teil des Staatsgebietes des heutigen Polen, das heutige Litauen, Lettland und Belarus, sowie Teile des heutigen Russland, Estland, Rumänien, Moldau und der Ukraine.'
    Alles Wikipedia.

    Du schreibst: 'Das ändert nichts an der Tatsache, dass auf den heutigen Territorien damals ein gemeinsames Reich existierte. Das Fürstentum Polen-Litauen kam erst einige Jahrhunderte später.'

    Wann genau war denn dann "damals", im Mittelalter? Welches Reich war das? Wann kommt Russland als Teil dieses "gemeinsamen Reiches" ins Spiel? Was ist für welche Definition relevant und warum?

  18. #18 | Manuel sagt am 8. Februar 2022 um 09:24 Uhr

    @Stefan Laurin Ich möchte hier nicht über die Definition von Stämmen und Reichen streiten. Mein Punkt ist: Der Kreml blickt auf die Ukraine nicht wie auf eine Kolonie, sondern betrachtet sie als das Herz der russischen Zivilisation. Das ist für die Ukraine viel gefährlicher! In Putins Vorstellung würde sich die Ukraine vollständig assimilieren, weil sie weder ein Staat noch ein eigenes Volk ist. Der Begriff Russkiy Mir spielt hierbei eine zentrale Rolle.

  19. #19 | Manuel sagt am 8. Februar 2022 um 11:13 Uhr

    @Kai Ich gebe hier die Ideologie des Kremls wieder, nicht meine eigene Meinung. Und danach sind Russen und Ukrainer ein Volk, das auf die Kiewer Rus zurückgeht. Die Kiewer Rus wurde in Kiew gegründet, deshalb muss die Ukraine zum modernen Russland dazugehören. Dass die Westukraine zwischenzeitlich zu anderen Reichen gehörte, wird dabei natürlich ausgeblendet.
    Ich kann nochmals Putins Aufsatz empfehlen. Dieser ist sehr aufschlussreich zu diesem Thema.

  20. #20 | thomas.weigle sagt am 8. Februar 2022 um 12:00 Uhr

    @ Arnold Voss Glaubst du, die 1954 an Frankreich gescheiterte EVG hätte einen wirksamen Schutz gegen imperiale bzw weltrevolutionäre Ambitionen Moskaus geboten?

  21. #21 | Kai sagt am 8. Februar 2022 um 12:13 Uhr

    #19:
    Ah, OK. Und warum ist aus deiner Sicht die "Meinung des Kremls", welche Du in #10, #12, #14 argumentativ als Faktum zu belegen versuchst, relevant im Kontext obigen Artikels? Das erschliesst sich mir nicht.

  22. #22 | Manuel sagt am 8. Februar 2022 um 14:38 Uhr

    @Kai Weil die "Meinung des Kremls" nicht in die Schablone (De)kolonisation passt. Das Verhältnis von Russland zu Ukraine ist ein völlig anderes, wie ich in #10, #12, #14, #19 argumentativ zu belegen versuche.

  23. #23 | Kai sagt am 8. Februar 2022 um 16:51 Uhr

    @Manuel.

    Aha. Soso. Na dann.
    :p

  24. #24 | Helmut Junge sagt am 8. Februar 2022 um 19:18 Uhr

    @Manuel, fast alle Europäer sprechen die Sprache der yamnaja-Kultur, die sich vor ca. 5000 Jahren über den eurasischen Kontinent ausgebreitet hat. Und die war ursprünglich in der Ukraine und östlich davon in Rußland beheimatet. Wir Europäer tragen auch etwa 40% genetischen Anteil von denen in uns herum. Nur sagt das nichts über den derzeitigen Konflikt aus.
    Aus meiner Sicht wird dieser Konflikt zu 90% von rein bauchgefühl getriebenen Menschen diskutiert. Von beiden Seiten. Hie Welf, hie Waibling. Oder hi USA (egal welcher Präsident), hi Rußland (egal welcher Präsident) Ein Nachdenken was für uns Europäer gut ist, kommt einfach nicht vor.
    Ich weiß nicht, wie es kommt, daß sich hochintelligente Menschen, selbst bei Gefahr der physischen Vernichtung , so ihren Haßgefühlen hingeben. Mir sind solche Gefühls-und Betroffenheitsausbrüche völlig fremd.

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