
Ist die deutsche Gesellschaft gespalten? Wie steht es mit dem Vertrauen in Politik und Medien? Sind die Deutschen dümmer geworden? Wie verlässlich sind Wahlprognosen? Der Demoskop Thomas Petersen weiß, wie unser Land tickt… Von unseren Gastautoren Ellen Daniel und Michael Miersch.
Bei der „Sonntagsfrage“, die nach der Parteipräferenz fragt, wären am nächsten Sonntag Bundestagswahlen, variieren die Ergebnisse von Monat zu Monat oft nur um ein oder zwei Prozentpunkte. Hat das überhaupt eine Aussagekraft?
Thomas Petersen: Unmittelbar vor einer Wahl sind zwei Prozent schon relevant. Aber Sie haben Recht: Zwei Prozent sind im Rahmen von statistischen Zufallsschwankungen immer drin. Das ist wie bei einem Fotoapparat, den man nie 100 Prozent scharf stellen kann. Wir hatten allerdings auch mal die FDP bei 5,5 Prozent, und sie kam auf 4,8. Da ist man als Umfrageforscher zufrieden, aber in der Öffentlichkeit steht man dann natürlich nicht gut da.
Was mich stört, sind die marktschreierischen Schlagzeilen, die einem inzwischen wöchentlich begegnen: „Umfrage-Hammer, SPD schießt durch die Decke“ oder so ähnlich, und dann schaut man hin und stellt fest, dass die Partei ein oder zwei Prozent mehr bekommen hat als bei der letzten Umfrage, der Unterschied also kleiner ist als die Zufallsschwankungen. Diesen irren Eifer erleben wir sogar bei der FAZ. Man will der Öffentlichkeit unbedingt eine Sensation verkaufen. Während es keiner mitkriegt, wenn man wirklich einmal eine Sensation hat.
Zum Beispiel?
Ich hatte schon 2024 festgestellt, dass das Vertrauen der Bürger in Institutionen wie Bundestag, Bundesregierung, Bundesverfassungsgericht und so weiter deutlich zurückgegangen war. Dieser Vertrauensschwund in die Institutionen der Demokratie interessierte damals aber keinen, obwohl ich die Ergebnisse bei einer Pressekonferenz präsentiert habe. Praktisch das gleiche Ergebnis wiederholte sich im Dezember 2025, und plötzlich regten sich alle maßlos auf. Es hat eine Riesenresonanz erzeugt. Timing ist entscheidend. Manchmal bleibt es ein Rätsel, weshalb bestimmte Sachen hochkommen und andere nicht.
Es gibt ein berühmtes Beispiel für solche Konjunkturen der medialen Aufmerksamkeit. Die Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule wurden erst zur Kenntnis genommen, als das Fernsehen berichtete. Dabei stand alles Wesentliche schon elf Jahre vorher in der Frankfurter Rundschau.
Manchmal ist es einfach Zufall. Aber ich kann ein Buch empfehlen, das erhellend ist: „Die Mechanismen der Skandalisierung“ von meinem Hochschullehrer Hans Mathias Kepplinger. Das Buch stammt von 2001, es ist seitdem mehrmals neu aufgelegt worden, Immer mit neuen Beispielen. Ich glaube, niemand hat so gründlich wie Kepplinger über die Mechanismen von Skandalen geforscht.
Manchmal ändert sich an den Fakten nichts, aber die Gesellschaft ändert sich und sieht Dinge kritischer als zuvor. Sexuellen Missbrauch von Minderjährigen zum Beispiel.
Ja. Ich denke aber gerade an einen anderen Fall, an Werner Höfer, der als junger Journalist im Nationalsozialismus einen hetzerischen Artikel geschrieben hatte und nach dem Krieg ein wichtiger Mann beim WDR wurde. In besagtem Artikel hatte Höfer die Hinrichtung eines Künstlers gerechtfertigt. Der Spiegelberichtete über diesen furchtbaren Höfer-Text. Nichts passierte. Erst als der WDR Höfer in den 1980er-Jahren loswerden wollte, zündete der Skandal, und der Gastgeber der damals sehr beliebten ARD-Sendung „Internationaler Frühschoppen“ musste seine Karriere beenden.
Das Besondere am Institut für Demoskopie Allensbach ist, dass es seit 1947 Umfragen durchführt, also bereits seit zwei Jahren vor Gründung der Bundesrepublik. Manche Befragungen werden in Abständen wiederholt. Gab es in diesem langen Zeitraum Kipppunkte in der Gesellschaft? Abrupte Veränderungen des Zeitgeistes?
Ja, solche Kipppunkte gab es. Durch die über lange Zeit wiederholten Umfragethemen lernt man das Atmen des Zeitgeistes erkennen. Der Wertewandel, der Mitte der 1960er-Jahre einsetzte und sich bis Mitte der 1970er-Jahre vollzog, war so ein Kipppunkt.
Das war eine gesellschaftliche Entwicklung, die sehr tief ging. Ich vermute, es hatte etwas mit dem Verarbeiten der nationalsozialistischen Diktatur zu tun. Wenn eine Diktatur endet, wird über die Zeit der Diktatur nicht viel geredet. Die Zeitgenossen wissen ja, wie es war: Sie waren dabei. Das haben wir dann später auch nach dem Ende der DDR beobachtet, und auch aus Spanien gibt es solche Erkenntnisse. Das Bedürfnis nach Kommunikation entsteht erst dann, wenn die erste Generation unter neuen Bedingungen groß geworden ist. Die 1960er-Jahren brachten tiefe Generationenkonflikte hervor, die sich in den folgenden Jahrzehnten fortsetzten und verschärften. Und dann, in den 1990er-Jahren, verschwand dieser Generationenkonflikt in Westdeutschland beinahe über Nacht. 15 Jahre nach der Wiedervereinigung haben wir übrigens ähnliche Hinweise auf Generationenkonflikte in Ostdeutschland gefunden.
Welche Werte haben sich in den Jahren der starken Generationenkonflikte in Westdeutschland gewandelt?
Das zeigte sich, als das Institut Bundesbürger zum Thema Kindererziehung fragte. Die Frage, „Was ist ihnen wichtig in der Kindererziehung?“, stellte das Institut 1967 erstmals. Es wurden häufig die sogenannten Sekundärtugenden genannt: Fleiß, Ehrlichkeit, Ordnung, Sauberkeit, christlicher Glaube und so weiter. 1972 wurde die Frage wiederholt. In diesem kurzen Zeitraum hatten sich die Werte, die Eltern ihren Kindern vermitteln wollten, komplett gewandelt. Höflichkeit und gutes Benehmen rutschten nach unten. Erziehungsziele, die mit individueller Freiheit und Selbstverwirklichung verbunden waren, wurden wichtiger. Weil die Veränderung so stark war, wurde die Frage in den Jahren danach öfter gestellt, und es zeigte sich, dass sich dieser Trend bis in die 1990er-Jahre fortsetzte. Das gute Benehmen wird seither wieder mehr betont. Aber die religiöse Bindung bröckelt ungebremst.
Gab es einen gesellschaftlichen Kipppunkt in jüngerer Zeit?
Ja, bei der Frage „Kann man in Deutschland seine politische Meinung frei äußern, oder muss man da vorsichtig sein?“. Das änderte sich 2021 drastisch. Diese Frage hat das Institut seit 1953 immer wieder gestellt. Über Jahrzehnte haben drei Viertel der Befragten geantwortet, man kann seine Meinung frei äußern. In den 2000er-Jahren fing es an zu bröckeln, da waren es nur noch zwei Drittel. Das war noch nicht so auffällig. Dann aber, zwischen 2017 und 2021, fällt es unter 50 Prozent. Auf dem Niveau ist es geblieben. Seitdem sagt nur noch die Hälfte der Bevölkerung, man könne seine Meinung frei äußern. Das ist meiner Ansicht nach ein Zeichen für eine problematische Veränderung im gesellschaftlichen Klima.
Sie haben gesagt, die Demoskopie registriere das Atmen des Zeitgeistes. Oftmals stürzen sich Medien auf Zeitgeistphänomene, bei denen man sich fragt, ist das wirklich ein großer Trend oder ein Medienhype? Zum Beispiel die Jahre von „Fridays for Future“. Da konnte man überall lesen, sehen und hören, die ganze Jugend sei jetzt vom Thema Klimawandel beherrscht.
Das ist einer der Gründe, warum ich die Demoskopie für eine freie Gesellschaft für notwendig halte. Denn zu uns spricht die Bevölkerung direkt. Und nicht Leute, die glauben, für sie sprechen zu können. Das heißt, wir wissen im Zweifel besser, was die Leute fühlen und denken. Da Journalisten oft eine andere Weltanschauung haben und auch andere Kontakte als die die übrige Bevölkerung, kommt es nicht selten zu Verzerrungen, wenn von gesellschaftlichen Trends berichtet wird, oft auch zu ungewollten Verzerrungen. Wenn ein Promille der Bevölkerung auf der Straße demonstriert, sieht das beeindruckend aus, aber es repräsentiert keine Mehrheit. Ein 60-jähriger Chefredakteur guckt sich das an, findet es irgendwie sympathisch und denkt, das sei die Jugend. Wenn ich in Umfragen gucke, wofür interessiert sich die junge Generation? Dann ist das Thema Nummer eins ihr elektronisches Spielzeug.
Im Jahr 2023 gab es eine Allensbach-Umfrage, die einen Vertrauensverlust gegenüber den öffentlich-rechtlichen Medien offenbarte. War auch das ein Kipppunkt?
Das kann ich noch nicht sagen. Wir müssen erst einmal prüfen, ob das ein statistischer Ausreißer war. Diese Frage muss dringend wiederholt werden. Denn wenn ein Umfrageergebnis von einem Jahr aufs nächste so springt wie dieses, dann klingeln bei mir erstmal Alarmglocken. Leider Gottes gibt es in Umfragen immer wieder mal ein grundloses Flackern. Es könnte also sein, dass bei der nächsten Umfrage zu diesem Thema der Effekt wieder verschwunden ist. Durch Zufall kann man plötzlich ein paar Hundert völlig untypische Personen in der Stichprobe haben. So etwas kann vorkommen, aber meistens erkennt man das. Wenn ich mir diese Zahl angucke, dann halte ich es zwar für unwahrscheinlich, dass es sich um einen statistischen Ausreißer handelt, denn in derselben Umfrage ist das Vertrauen in alle anderen Medien ziemlich stabil geblieben. Der starke Verlust zeigt sich allein bei den Öffentlich-Rechtlichen. Aber ganz sicher kann man erst nach einer weiteren Umfrage sein.
Sind solche erdrutschartigen Veränderungen aus anderen Bereichen bekannt?
Durchaus, es gibt das Phänomen des langsamen, stetigen, unterschwelligen Vertrauensverlustes, der lange nicht bemerkt wird. Das kennt man aus der Marktforschung. Lange Zeit kaufen die Leute immer dasselbe Produkt und dann schleichen sich so langsam Zweifel ein. Irgendwann kommt der Moment, an dem plötzlich sehr viele Kunden das Produkt nicht mehr kaufen und zu einem Wettbewerber überlaufen, der sich die ganze Zeit schon angeschlichen hat.
In einem Aufsatz haben Sie die These vertreten, dass es gar keine gesellschaftliche Spaltung gebe im Sinne von zwei etwa gleichgroßen Lagern, die sich gegenüberstehen. Sondern dass ein Graben existiere zwischen der Meinungselite und der Bevölkerung. Eigentlich könnte man doch erwarten, dass durch die rasant gestiegene Zahl der akademischen Abschlüsse die Kluft zwischen der Bevölkerung und den Meinungseliten geringer wird?
Die Gruppe der akademisch Gebildeten ist nicht homogen. Materialphysiker denken oftmals anders als Soziologen. Sowohl in der Gesamtbevölkerung als auch in der akademischen Welt gibt es immer alles. Leute, die in die Medien gehen, sind allerdings ein spezifischer Menschenschlag. Wie gesprochen wird, wie man sich gegenüber anderen verhält, was man als empörend empfindet und was nicht, welche Lebensentwürfe man akzeptabel findet und welche nicht, was für richtig und falsch gehalten wird: In diesen Fragen zeigt sich ein Graben zwischen Meinungselite und Bevölkerung. Die Menschen, die in der Medienwelt tonangebend arbeiten, sind eine Minderheit, aber eine artikulationsstarke und selbstbewusste Minderheit. Das ist in den führenden Medien so, aber auch in den geisteswissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten und im Kulturbetrieb. Viele Politiker passen sich dem an, weil sie mehr Angst vor den Journalisten haben als vor ihren Wählern. Die genannten Milieus pflegen untereinander Kontakt, bestätigen sich gegenseitig und merken nicht, dass sie von Dreivierteln der Bevölkerung nicht mehr verstanden werden. Sie könnten eigentlich auch wieder Latein sprechen, wie einst.
Man liest immer wieder über Rassismus oder einen „strukturellen Rassismus“ in Deutschland. Geben die Umfragedaten das her?
Nein. Was man feststellen kann, ist eine fast schon rührende Bereitschaft, sich mit Einwanderern auseinanderzusetzen. Die große Einwanderungswelle 2015 und 2016 hat die Bevölkerung zunächst tief erschüttert. Da spielt auch das kollektive Gedächtnis eine Rolle. Nichts hat die Deutschen in den Zeiten ihrer wüsten Religionskriege mehr geeint als der Ruf, die Türken ständen vor Wien. Nun kamen innerhalb kurzer Zeit eine Million Araber. Die Leute waren darüber sehr besorgt, man kann sagen: viele haben geschlottert vor Angst. Das konnte man an den Daten klar ablesen.
Also doch Ressentiments gegenüber Menschen mit dunklerer Hautfarbe?
Gleichzeitig gab es erstaunliche Ergebnisse bei der Frage, ob Menschen bereit wären für ein Flüchtlingsheim in ihrer Nachbarschaft. Da wird mit einem Szenario gefragt: ‚Stellen Sie sich vor, es gibt eine Bürgerinitiative, die so ein Heim in Ihrer Nähe verhindern will und eine andere, die es gutheißt. Wo würden Sie unterschreiben?‘ Erstaunlich viele Leute signalisierten 2015/2016: Ich bin bereit, in meiner Nachbarschaft Flüchtlinge aufzunehmen. Das war ganz anders als 1993, als vom Balkan schon einmal eine große Einwanderungswelle kam. Da gab es eine ziemliche Aggression in der Bevölkerung.
Sehr wenige Leute antworten mit Ja, wenn man sie fragt, ob sie ein Problem damit hätten, wenn ihr Nachbar schwarz ist oder Jude. Jüdisch sein spielt überhaupt keine Rolle. Roma und Sinti und teilweise auch Muslime werden etwas kritischer gesehen. Wenn man sucht, findet man auch Rassisten. Die Zahlen geben aber nicht her, dass wir eine strukturell rassistische Gesellschaft seien.
Wo verlaufen die tiefsten Meinungsgräben? Entlang der Altersgruppen, der Geschlechter, des Bildungsstands, der Schichtzugehörigkeit?
Da gibt es keine eindeutige Antwort, weil es sehr aufs Thema ankommt. Das Alter der Befragten ist heute der am wenigsten trennende Faktor. Ganz anders als in den 1960er, 1970er und 1980er-Jahren, als große weltanschauliche Unterschiede zwischen den Generationen existierten. Heute differenziert der Faktor Alter stark nur noch bei Fragen nach der Mediennutzung und der Computeraffinität. Eher sind es die unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus, bei denen die Meinungen aufeinanderprallen. Was wiederum mit dem Bildungsstand zu tun hat.
Bildung ist ein Reizthema. Allensbach stellt Menschen in Deutschland seit Jahrzehnten Fragen zur Allgemeinbildung. Geben die Zahlen den Kulturpessimisten Recht? Wissen wir immer weniger?
Das ist nicht leicht zu beantworten. Eine gute Bildung bedeutete in den 1960er-Jahren etwas anderes als eine gute Bildung heute. Die Themen verschieben sich, da sind Langzeittrends schwierig zu messen. Aber es gibt ein paar Fragen, die zeitlos sind und die wir bis heute stellen: Hat Martin Luther vor oder nach dem Dreißigjährigen Krieg gelebt? Dreht sich die Erde um die Sonne – oder die Sonne um die Erde? Oder man zeigt Befragten Blätter von vier verschiedenen Laubbäumen und bittet sie, diese dem richtigen Baum zuzuordnen. Rechenaufgaben sind auch dabei, etwa: Wieviel sind eineinhalb plus fünf Zehntel?
Wissen so etwas immer weniger Menschen?
Erstaunlich viele Leute sind der Ansicht, dass sich die Sonne um die Erde drehe. Aber es sind doch Minderheiten. Die Antwort lautet nein. Bei dieser – sehr punktuellen – Messung von Wissen sieht man keine wesentliche Veränderung.
Das ist doch erfreulich.
Man kann es auch als Ohrfeige für unser Bildungssystem betrachten. Es werden immer mehr Leute immer länger auf immer höhere Schulen geschickt, und am Ende wissen sie, zumindest bei diesen Fragen, genauso viel wie die Volksschüler vor 50 Jahren. Natürlich kann man einwenden, dass heute anderes Wissen dazugekommen und wichtiger ist, etwa der Umgang mit Computern, die Grundlogik dahinter, und natürlich muss man nicht mehr jeden Schriftsteller des 18. Jahrhunderts kennen, um gebildet zu sein. Ich hüte mich auch vor allzu weitreichenden Schlussfolgerungen. Aber ein Kompliment an unser Bildungssystem ist es nicht, wenn der Aufwand immer größer wird und das Wissensniveau gleichbleibt.
Dazu kommt, dass ein Mensch, der zum Beispiel in Syrien eine hohe Bildung genossen hat, diese in Deutschland zumindest teilweise entwertet finden wird. Bildungsinhalte sind immer auch kulturell geprägt.
Das wird aber berücksichtigt. Wir erfassen, ob jemand einen Migrationshintergrund hat, also ob die Person selbst oder mindestens ein Elternteil im Ausland geboren wurde. Das ist mittlerweile ein erheblicher Teil der Bevölkerung. Leider sind Menschen mit Migrationshintergrund in unseren Umfragen etwas unterrepräsentiert, da muss man entsprechend gewichten. Es ist aber falsch, anzunehmen, dass sie fundamental anders ticken als die Gesamtbevölkerung. Bei Migrationshintergrund haben viele sofort die kopftuchtragende Frau in Berlin-Neukölln vor Augen. Die allermeisten Migranten sind aber schon lange im Land und als solche auch oft nicht mehr zu erkennen. Die Vorstellung: Da kommen jetzt so viele, und die sind alle völlig anders als wir, ist falsch. Ja, in kultureller Hinsicht sind viele vielleicht anders. Aber die meisten sind ganz normale Leute, die in ihren Wohnungen sitzen, ihrer Arbeit nachgehen und ihre Kinder erziehen.
Ein anderes pessimistisches Statement lautet: Das Leben wird immer gefährlicher. Also das Leben in der Öffentlichkeit, z.B. die Sicherheit auf den Straßen. Wie ist da der Befund der Demoskopen?
Ich glaube, dass ein spezifisch deutscher Hang zum Kulturpessimismus existiert. Dazu gibt es die Allensbach-Frage: Ist das Leben heute gefährlicher als vor 20 oder 30 Jahren? Ist es gleichgeblieben, oder ist es weniger gefährlich? Diese Frage wurde im Lauf der Jahrzehnte immer wieder gestellt. Und jedes Mal sagte eine satte Mehrheit: Es ist gefährlicher als vor 20 oder 30 Jahren. Also entweder ist das Leben in Deutschland seit den 1960er- und 1970er-Jahren kontinuierlich immer gefährlicher geworden. Oder die Leute tragen das als Topos mit sich herum: Oh, es ist alles so gefährlich geworden! Wenn man sich die Lebenserwartung, die Zahl der Verkehrsunfälle und die Verbrechensraten ansieht, spricht eigentlich nicht viel für die Annahme.
Uns erinnert das an die rätselhafte Verklärung des „natürlichen Lebens“ früher.
Ja. Früher haben die Leute noch so natürlich gelebt – und sind jung an allen möglichen Infektionen gestorben. Das ist leider ziemlich tief in der deutschen Bevölkerung drin. Typisch deutsch ist auch, dass man sich demoskopischer Evidenz verschließt, eisern an seiner Meinung festhält und partout nicht davon wegzubringen ist.
Das muss frustrierend sein für einen Demoskopen.
Bisweilen ja. Es gibt zwei typische Reaktionen auf die Präsentation von Umfrageergebnissen: Entweder sagen die Leute, das sei ja völlig klar, das wisse doch jeder, dazu hätte es ja wohl keiner Umfrage bedurft. Oder sie erklären die Ergebnisse für falsch, für völligen Blödsinn. Weil sie einen Onkel haben, der ganz anders denkt, weil sie selbst ganz anders denken und außerdem Leute kennen, die anders denken. Also sei die Umfrage für den Papierkorb. Von keiner Menschengruppe kriegt man so viele Methodenvorträge gehalten, wie von Leuten, die zwar nichts von Methoden verstehen, denen aber ein Ergebnis nicht in den Kram passt. Aber das alles nützt nichts: Das Schöne an der Demoskopie ist: Man kann die Befunde nicht wegdiskutieren. Und sie kann so manche tolle Theorie über die Gesellschaft aus ihren Höhen runterziehen.
Oft hilft die Präsentation der Wirklichkeit aber auch nicht?
Die Leute glauben ihren Vorurteilen und sind ganz empört, wenn man ihnen das Gegenteil vorlegt. Sie hängen an dem, was ihr Weltbild geformt hat. Das hat eine Parallele beim Einschätzen von Risiken und Wahrscheinlichkeiten. Man hat Angst vor den unwahrscheinlichsten Risiken und unterschätzt die ungleich wahrscheinlicheren. Man fürchtet sich vor Konservierungsstoffen in Lebensmitteln, hat aber keine Angst, von verdorbenen Lebensmitteln krank zu werden. Letzteres kommt tatsächlich ziemlich häufig vor und hat oft erhebliche gesundheitliche Folgen.
Das nährt wiederum das Vorurteil über die immer dümmer werdenden Deutschen.
Niemand ist frei von diesen Reflexen, ich auch nicht. Bitte nicht falsch verstehen, ich möchte nicht arrogant über meinen Beruf oder die Bevölkerung sprechen. In den Umfragen erfahre ich auch viel Positives. Die erwähnte hypothetische Frage nach einem Flüchtlingsheim, das in der Nachbarschaft entstehen soll, zum Beispiel. Die Leute waren damals, bei der Einwanderungswelle 2015, wirklich in großer Sorge. Trotzdem wäre es für viele in Ordnung gewesen, wenn ein Flüchtlingsheim vor ihrer Haustür gebaut worden wäre. Da merkt man: Es ist eine Anständigkeit in den allermeisten Leuten.
Wie oft muss ein Allensbach-Interviewer an Türen klingeln, bis er jemanden findet, der Lust hat, sich befragen zu lassen?
Unsere Interviewer arbeiten nach Quoten. Sie kriegen Anweisungen, welche Leute sie befragen sollen: Alter, Geschlecht, soziale Schicht und so weiter. Die Interviewer suchen dann passende Leute. Dabei dürfen sie ausdrücklich ihre persönlichen Netzwerke nutzen. Daher kennen wir die Zahl der Fehlversuche nicht. Früher gab es gelegentlich Adressinterviews, sehr selten auch heute noch. Da mussten die Interviewer eine vorgegebene Liste von Leuten kontaktieren. Da ist der Widerwille enorm groß. Das wissen wir auch von Telefoninterviews, wo nur ungefähr zehn Prozent bereit sind, mitzumachen.
Wächst das Misstrauen?
Ja. Aber nicht seit gestern, sondern seit Jahrzehnten. Dass viele Menschen sich nicht befragen lassen wollen, führt auch gibt auch zu einem methodischen Problem.
Welchem?
Menschen, die zusagen, sind tendenziell andere Typen als die, die es nicht tun. Der Unterschied ist nicht so riesig, dass die Umfrage dadurch nicht mehr repräsentativ wäre. Aber es ist eine gewisse Verzerrung.
Erwischt man vor allem eine Art Meinungselite; Menschen, die gern ihre Ansichten kundtun?
Solche Verzerrungen gibt es, aber sie sind nicht sehr dramatisch. Um sie gar nicht erst aufkommen zu lassen, machen wir bei Bevölkerungsumfragen möglichst keine Adresseninterviews. Bis zu einem gewissen Grad besteht das Problem bei Online-Umfragen. Hier greifen wir auf große Datenbanken mit Zehntausenden von Leuten zu, die sich alle irgendwann bereit erklärt haben, sich ab und zu befragen zu lassen. Und allein das ist natürlich schon eine gewisse Selektion. Der langen Rede kurzer Sinn: Umfragen sind wie jedes Handwerk nicht hundertprozentig perfekt. Aber sie funktionieren trotzdem erstaunlich gut.
Was ist, wenn jemand ohne deutsche Staatsangehörigkeit in Deutschland lebt, also zur Wohnbevölkerung gehört? Wird der auch befragt?
Ja natürlich, Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit gehören genauso zur Gesellschaft. Nicht bei Wahlumfragen, denn diese Gruppe darf ja nicht wählen. Aber eine normale Bevölkerungsumfrage fragt nicht nach der Staatsbürgerschaft. Es gibt Parallelgesellschaften von Eingewanderten, in die wir kaum reinkommen, aber die sind zahlenmäßig sehr klein.
Wird in persönlichen Interviews ehrlicher geantwortet als am Telefon oder online?
Nein, aber auch nicht unehrlicher. Unehrlichkeit ist glücklicherweise ohnehin kein großes Problem bei Umfragen. Persönliche Interviews bieten aber andere methodische Vorteile. Zum einen erreichen wir über die persönlichen Netzwerke der Interviewer Menschen, die wir per Telefon oder online nicht erreichen würden.
Zum anderen kann man in persönlichen Interviews viel detaillierter und länger fragen. Man kann kompliziertere Fragen stellen. Oftmals geben wir den Befragten auch Karten, die sie auf Stapel legen sollen, je nachdem, ob sie der Aussage, die auf der Karte steht, zustimmen. Oder wir zeigen Bilder von Situationen, die sie beurteilen sollen. Man kann also viel mehr machen als online, wo die Geduld schnell am Ende ist.
In den 2000er-Jahren gab es mehrere Umfragen zum Thema Atomkraft, die zu gegenteiligen Ergebnissen führten. Ob sich eine Mehrheit dagegen oder dafür aussprach, hing offensichtlich von der Formulierung der Frage ab. Einmal wurde in der Frage die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten betont, ein anderes Mal die Gefahren radioaktiver Strahlung. Wie gehen Demoskopen mit dem Effekt um, dass eine Frage – vielleicht ungewollt – manipulativ sein kann?
Ganz ausschließen kann man es nie. Natürlich kann man auch Suggestivragen stellen. Manchmal muss man sogar suggestiv fragen. Es gibt keine unanständigen Fragen, nur unanständige Fragezwecke. Aber der Regelfall ist das natürlich nicht. Der Regelfall ist, dass man den jeweiligen Gegenstand so neutral wie möglich abbildet. Bei uns entstehen alle Fragen in einer Fragebogenkonferenz. Wir haben eine eigene Abteilung, die macht nichts anderes als Fragebogen erstellen. Wenn ich eine Umfrage machen möchte, dann gehe zu diesem Team, diskutiere darüber und entwickele gemeinsam mit ihnen die Fragen. Dann wird das Ergebnis noch mal getestet. So werden ungewollte Effekte in der Regel entdeckt.
Ist es ein Problem, dass viele Leute natürlich wissen, welche Antworten sozial erwünscht sind, und welche Antworten signalisieren, dass man ein schlechter Mensch ist? Ist die Scham größer bei persönlichen Befragungen und wird dieser Effekt korrigiert?
Das wird oft behauptet und klingt auch plausibel. Man sitzt beim persönlichen Interview ja einem Menschen gegenüber und nicht einem Computer. Das hat sich in den Umfragen bei uns jedoch nie wirklich niedergeschlagen. Mir ist nie aufgefallen, dass persönliche Interviews stärker moralisch korrekte Antworten erzeugen als andere. Der Effekt wird überschätzt. Wer sich verstellen und das durchhalten will, muss sich darauf konzentrieren. Das ist anstrengend. Das Einfachste ist, seine ehrliche Meinung zu sagen. Bei jedem Interview-Modus, egal ob persönlich, am Computer oder am Telefon, schwindeln manche Leute. Aber es kommt seltener vor, als viele glauben. Es sei denn, es geht um Fragen, die die Selbstachtung betreffen. Ein Klassiker der Umfrageforschung aus diesem Bereich ist die Frage nach dem Alkoholkonsum. Die Angaben der Menschen über ihren Alkoholkonsum lassen sich mit den Absatzzahlen von Bier, Wein und Spirituosen nicht in Einklang zu bringen. Da stößt die Demoskopie an ihre Grenzen. Aber glücklicherweise sind solche Themen selten.
Sexualität ist wahrscheinlich ein auch ein Thema, bei dem heftig geschwindelt wird?
Gar nicht so sehr. Da sind die Menschen ehrlicher, als man vermuten könnte. Ein heikleres Thema ist das Einkommen. Das versuchen wir bei vielen Umfragen mit zu erheben, weil es ja viele andere Themen von Konsum bis Wahlverhalten beeinflusst, wie arm oder wie reich jemand ist. Eine reguläre Bevölkerungsumfrage enthält eigentlich immer auch die Frage nach dem Einkommen. Und die steht ganz am Ende des Fragebogens. Falls ein Befragter wütend wird und sagt, so jetzt reicht’s und raus hier, hat der Interviewer alle anderen Antworten schon im Kasten. Geld ist heikler als Sexualität.
Erstaunlich.
Ich habe vor einigen Jahren eine Umfrage gemacht, da ging es um Drogenkonsum im Straßenverkehr. Der Auftraggeber wolle unbedingt ganz genau wissen, wieviel Alkohol die Leute getrunken haben, bevor sie ins Auto gestiegen sind. Obendrein wollte er noch wissen, mit welchen anderen Drogen im Blut die Leute Auto fahren. Wir haben ihm gesagt, vergiss es. Aber er ließ nicht locker. Also haben wir mit einem „Secret Ballot“ gefragt. Dabei überreicht der Interviewer einen kleinen Umschlag und bittet, den darin enthaltenen Fragebogen auszufüllen und zieht sich währenddessen zurück. Auf dem Umschlag, den der Befragte verschlossen zurückgibt, steht kein Name und keine Adresse. Auf diese Weise wird der soziale Druck eines persönlichen Interviews reduziert. Wir waren überrascht, was da alles zutage kam, eine bunte Palette von Rauschmitteln, sogar halluzinogene Pilze. Die Menschen sind oft auskunftsfreudiger, als man glaubt.
Wie steht es mit Online-Umfragen, die seit einiger Zeit in Mode sind? Da hat man keine Kontrolle, wer die Leute sind, die teilnehmen. Ob nicht Interessengruppen ihre Anhänger dafür mobilisiert haben, oder ob manche gleich mehrmals teilnehmen. Haben solche Online-Umfragen überhaupt irgendeine Aussagekraft?
Nein, das hat oft nur einen Unterhaltungswert und dient der Kundenbindung. Medien machen so etwas gern. Gegen Online-Umfragen generell ist nichts zu sagen. Oft sind sie sogar das Mittel der Wahl. Doch auch hier muss man methodische Regeln einhalten. Online-Umfragen, die auf Internetseiten aufpoppen: „Klick mich, in bin eine Umfrage“, sind so wenig aussagekräftig wie die traditionellen Straßenumfragen im Fernsehen und im Radio, oder wie TED-Abstimmungen. Damit kann man nichts Verallgemeinerbares über die Bevölkerung herausfinden. Es gibt Leute, die behaupten, sie könnten solche Umfragen mit mathematischen Kunststücken allgemeingültig machen. Mit der mir bekannten Mathematik geht das nicht.
Auch nicht, wenn viele Leute, sagen wir mehrere Tausend, teilgenommen haben?
Die Annahme, man muss nur möglichst viele Leute befragen, dann kriegt man bessere Ergebnisse, war der große Irrtum in der Frühgeschichte der Umfragenforschung. Die Zeitschrift. Literary Digest hatte im Jahr 1916 bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl die Idee, schicken wir doch Postkarten an alle unsere Leser und lassen sie ankreuzen, wen sie wählen wollen, Wilson oder Hughes. Die so gewonnene Vorhersage traf ein. Das klappte bei der nächsten und bei den weiteren Wahlen. Und jedes Mal verschickte der Literary Digestmehr Postkarten an noch mehr Menschen. Bis zum Jahr 1936, als die Zeitschrift sensationelle zehn Millionen Postkarten verschickte. Woher hatte die Redaktion so viele Adressen? Sie waren an die Listen der Autozulassungsstellen gekommen und hatten außerdem das gesamte Telefonbuch in die Versandliste aufgenommen, plus die eignen Abonnenten. Zehn Millionen, da konnte eigentlich nichts schiefgehen, das war damals ein Zehntel aller Wahlberechtigten.
Aber es funktionierte nicht?
Ein Mann namens George Gallup, der das Institut for American Public Opinion gegründet hatte, sagte voraus, dass der Literay Digest diesmal falsch liegen würde, er jedoch richtig. So kam es auch. Gallup hatte lediglich 5.000 Amerikaner befragt. Aber er hatte das gemacht, was danach zum Standard wurde. Er sorgte dafür, dass die wenigen Leute, die er befragte, so ausgewählt wurden, dass sie die Zusammensetzung der Gesamtbevölkerung repräsentierten. Wenige bilden das Meinungsspektrum der Gesamtbevölkerung ab. Der Literay Digest dagegen hatte auf das Prinzip „viel hilft viel“ gesetzt. Was war der Fehler? Autos und Telefone waren 1936 Luxusgegenstände, die sich nur die Reichen leisten konnten. Trotz der enormen Zahl an Befragten, gehörten sie fast alle zur Minderheit der Wohlhabenden. Das war so, als würde man heute eine Wahlprognose abgeben auf der Grundlage einer Befragung von Yachtbesitzern. Es nützt nichts, möglichst viele zu befragen, weil ich auch mit dem größten Aufwand immer nur einen kleinen Teil der gesamten Bevölkerung habe. Also muss ich die Gruppe der Befragten so gestalten, dass sie wie die Gesamtbevölkerung zusammengesetzt ist. Dann reichen schon einige Hundert.
Zum Schluss wollen wir noch wissen, was es mit dem Apfelwein-Experiment auf sich hat. Da geht’s darum, wie Menschen Statistiken interpretieren?
Das Experiment hat Gregor Daschmann vor vielen Jahren durchgeführt, heute ist er Professor für Publizistik an der Universität Mainz. Er hatte den Versuchsteilnehmern eine fingierte Statistik vorgelegt, wonach ein hoher Prozentsatz der Frankfurter der Meinung war, der Apfelwein schmecke heutzutage nicht mehr so gut wie früher. Dann wurden den Befragten – ebenfalls fingierte – Straßenumfragen vorgespielt. Vier verschiedene O-Töne, wie man sie aus dem Radio kennt. In der ersten Variante waren alle vier Stimmen der Meinung, der Apfelwein schmecke so gut wie eh und je. Bei der zweiten Variante waren die Meinungen fifty-fifty. Dann waren drei von vier Stimmen überzeugt, der Apfelwein sei tatsächlich schlechter geworden, schließlich urteilten alle vier Stimmen negativ. Alle von Daschmann befragten Personen bekamen die gleiche statistische Vorabinformation, aber es wurden unterschiedliche O-Töne vorgespielt. Dann wurden die Versuchspersonen gefragt, was sie denn nun glaubten: Sei die Bevölkerung mit der Qualität des Apfelweins unzufrieden oder nicht?
Und?
Die Versuchsteilnehmer folgten schlicht der O-Ton-Variante, die sie vorgespielt bekommen hatten. Die vorher gezeigte Statistik war irrelevant. Und zwar folgten die Leute der fingierten Straßenumfrage nach diesem Muster: Wenn alle vier O-Töne den Apfelwein unvermindert gut gefunden hatten, waren auch fast 100 Prozent der Befragten auch dieser Meinung. Wenn sich zwei von vier Stimmen negativ über den Apfelwein geäußert hatten, sagten 50 Prozent, er schmecke schlechter, bei drei von vier Stimmen waren 75 Prozent der Versuchsteilnehmer negativ und so weiter. Die Grafik zu diesem Versuch zeigt eine perfekte Übereinstimmung dieser beiden Kurven.
Noch eine betrübliche Feststellung: Der Mensch als Herdentier?
Ich würde das nicht so negativ interpretieren. Hier verlasse ich meine Kompetenz, aber ich denke, diese starke Orientierung an konkreten anderen Menschen ist evolutionär bedingt. Wenn drei von vier Leuten in meinem Stamm sagen, da hinten lauert ein Säbelzahntiger, bin ich eher auf der sicheren Seite, wenn ich mich dem Urteil anschließe und wegrenne, als wenn ich mit meinen Leuten zu diskutieren anfange. Unsere täglichen Entscheidungen fällen wir oft auf einer sehr dürftigen Basis. Ich möchte ein neues Auto kaufen, der Nachbar hat diesen Autotyp, also frage ich ihn, ob er zufrieden ist. Er sagt ja, also glaube ich: Das ist ein gutes Auto.
Der Meinungsforscher und Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Thomas Petersen gilt als einer der führenden Demoskopen Deutschlands. Seit über drei Jahrzehnten arbeitet er am Institut für Demoskopie Allensbach. Überdies lehrt er an verschiedenen Universitäten und schreibt neben Artikeln für Fachpublikationen immer wieder auch Texte für große Tagezeitungen und populärwissenschaftliche Bücher
Der Text erschien bereits auf dem Blog von Michael Miersch