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#duisburgimpft: Medialer Impf-Booster im Krieg gegen COVID-19

Das Corona Center Duisburg im TaM: Ende September fällt hier der Vorhang; Foto: Peter Ansmann

Das Corona Center Duisburg im TaM: Ende September fällt hier der Vorhang; Foto: Peter Ansmann

Seit dem Frühjahr 2020 hält die Coronakrise an: Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie trifft die Menschen auf der ganzen Welt. Das öffentliche Leben stand zwischenzeitlich still. Nach einem anfänglichen Run auf Impfstoff, der einen kritischen Verlauf einer COVID-19-Erkrankung und einen weiteren massiven Anstieg der Infektionszahlen verhindert, ist es zwischenzeitlich ruhiger in den deutschen Impfzentren geworden. Auch in Duisburg.

Die Stadt Duisburg kämpft jetzt mit der Kampagne #duisburgimpft gegen diesen Trend und steigende Infektionszahlen an.

#duisburgimpft

Nach der Freigabe von Impfterminen für alle Menschen in Deutschland, zuvor waren ja nur Anmeldungen für besonders gefährdete Personengruppen möglich, war der Run auf die Impfungen groß. Der früheste Termin wurde, nachdem meine Freundin und ich uns registriert hatten, für irgendwann im August vorgeschlagen. Der Impfstoff war knapp und ein begehrtes Gut, was auch am Besucherandrang vor dem Corona Center Duisburg, das im Theater am Marientor untergebracht ist, zu sehen: Lange Schlangen vor dem Impfzentrum, großer Andrang auf das Schnelltestzentrum.

Impfungen und Testungen: Das Corona Center Duisburg ist gut aufgestellt; Foto: Peter Ansmann

Impfungen und Testungen: Das Corona Center Duisburg ist gut aufgestellt; Foto: Peter Ansmann

Ein Arbeitskollege bekam seine Impfung, mit dem Vakzine von Johnson & Johnson, Ende Juni bei einer Impfaktion in Marxloh: Auch hier standen die Menschen Schlange. Wer in einem Hotspot – wie z.B. Marxloh, Hochfeld, Bruckhausen oder Neumühl – lebte, war klar im Vorteil. Zumindest beim Thema Corona-Schutzimpfung.

Diese Bilder gehören inzwischen der Vergangenheit an: Einen Impftermin bekommt man heute ohne Schwierigkeiten. Die Nachfrage nach dem einst so begehrten Impfstoff hat deutlich nachgelassen. Die neue Strategie im Krieg gegen das Virus sind – in Duisburg – Impfungen vor Ort, in den Stadtteilen.

Die Kampagne #DuisburgImpft der Stadt Duisburg rührt dabei in den sozialen Medien unterstützend die Werbetrommel für die Impfung. Die Aktion wirkt dabei überzeugend und professionell. Man hat aus den Fehlern der missglückten #duisburgistecht-Kampagne gelernt und etwas geschaffen, das den Nutzer zum mitmachen und teilen einlädt.

Corona Center Duisburg: Testungen und Impfungen

Das Corona Center Duisburg, das im Juni 2020 im Theater am Marientor als Testcenter startete , ist seit Februar 2021 auch Impfzentrum: In kürzester Zeit wurde aus dem Musicaltheater das kommunale Zentrum beim Kampf gegen die Seuche. In der ehemaligen Kantine ist ein Labor untergebracht, im Foyer wird getestet, im Zuschauerraum können frischgeimpfte Kunden auf Sitzplätzen, bei Wahrung des Sicherheitsabstandes zur nächsten Person, nach der Impfung einige Minuten verweilen und bei einem eher unspannenden Imagefilm über die schönen Seiten von Duisburg, der dort in Dauerschleife läuft, gegen den Schlaf ankämpfen. Für die  Mitarbeiter, die dort Aufsicht haben, wohl einer der anstrengendsten Aspekte ihrer Tätigkeit: Irgendwann träumt man wohl nachts von diesem Werbefilm.

Testungen und Impfaktionen in den Stadtteilen, wie hier in Wanheimerort; Foto: Peter Ansmann

Testungen und Impfaktionen in den Stadtteilen, wie hier in Wanheimerort; Foto: Peter Ansmann

Die aktuelle Lage ist, wenn man Mitarbeitern der ersten Stunde zuhört, wohl wesentlich ruhiger als beim Start der Impfaktionen. Überstunden und hektische Pausen waren die Regel und nicht Ausnahme. Was auch auffällt, ist das gute Verhältnis der Mitarbeiter untereinander. Die Gefahr einer möglichen Ansteckung bei Infiziertem, der Stress der ersten Monate hat die Menschen die hier arbeiten zusammengeschweißt. Man duzt sich, der Grundton ist sehr freundlich. Das Zusammenspiel zwischen Feuerwehr, medizinischen Personal und Logistikern – teilweise über Personalagenturen beschäftigt – läuft präzise wie ein Schweizer Uhrwerk. Man fühlt sich als Team , das funktioniert.

Star Wars: Imperial gute Atmosphäre im Corona Center

Auch wenn heute weniger los ist als beim Start, ist aktuell wieder mehr Andrang im Corona Center Duisburg zu spüren. Ein Grund dafür ist die – in meinen Augen – sehr gelungene, Kampagne #duisburgimpft, mit der die Stadt in den sozialen Medien über die Wichtigkeit der Impfungen informiert. Weitere Gründe dürften die eingeführte 3G-Regel und die Schulimpfungen – die seit dem 23. August laufen – sein.

"Das sind nicht die Ungeimpften die wir suchen."; Foto: Peter Ansmann

“Das sind nicht die Ungeimpften die wir suchen.”; Foto: Peter Ansmann

Aufmerksamkeit in den Medien und eine etwas andere Atmosphäre als sonst brachte, am 15. August 2021, der Besuch einer Star-Wars-Gruppe: Im Outfit von imperialen Wachen, Sturmtruppen und TIE-Fighter-Piloten patrouillierte eine Kostümgruppe im und am Impfzentrum. Kopfgeldjäger Boba Fett war ebenfalls zugegen, auf Rebellen wurde komplett verzichtet: Was ein Zufall sein kann oder damit zusammenhängen könnte, dass (Corona-) Rebellen eher ungern gesehen werden.

Nach der Impfung konnte man sich mit den Figuren aus dem Star-Wars-Universum ablichten lassen: Dieses Angebot wurde mit Begeisterung von den Impflingen aufgenommen.

Und, wo ich schon “Corona-Rebellen” erwähnt habe: Auch Querdenker brauchen schon mal Schnelltests. Die Professionalität der Security, für die ein externer Dienstleister zuständig ist, fällt hier positiv auf. Eine kurze Diskussion mit einem Kunden, der die Maske unter der Nase trägt und den Security-Mitarbeiter provoziert, eskaliert nicht und endet nicht damit, dass der Quertreiber am Ende liebevoll fixiert auf dem Boden liegt. Die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma wirken zu keiner Zeit mit der Situation überfordert.

Der Betrieb im Corona Center funktioniert auch in anderen Bereichen reibungslos und äußerst professionell: Während im Foyer in Kabinen Abstriche genommen werden, läuft einige Meter weiter die Auswertung. Im Hintergrund werden die Nierenschalen, in denen die Tests gelagert wurden, desinfiziert.

Das Corona Center Duisburg (CCD) im Februar 2021; Foto: Peter Ansmann

Das Corona Center Duisburg (CCD) im Februar 2021; Foto: Peter Ansmann

An Desinfektionsmitteln wird im Corona-Center nicht gespart: Desinfektionsmittel-Spender für die Kunden und die Mitarbeiter gibt es an jedem Ein- und Ausgang, auf den WCs und den Fluren. Alle paar Stunden werden diese desinfiziert und neu aufgefüllt. Bei Corona-Tests vor Ort wird das Equipment, nach der Wiederkehr ins Zentrum, gründlichst gereinigt.

Andere Arbeiten, die hier täglich anfallen, ist das Packen vom Impfkisten für Impfungen und die Vorbereitung von Corona-Tests außerhalb des CCD.

Ob diese Aktionen nach der bevorstehenden Schließung des Zentrums, Ende September, so reibungslos wie bisher weiterlaufen können, wird man beobachten müssen. Die zentrale Lagerung und Logistik an einem Standort bietet klare organisatorische Vorteile.

23. August 2021: Schulimpfungen begannen in Duisburg

Seit letzten Montag finden verstärkt Impfungen für Schüler statt: Kinder und Jugendliche werden von den Schulen im Stadtgebiet via Bus zum freiwilligen Impftermin gebracht.

Zwischen 9 und 16 Uhr können sich Schüler an dem 12. Lebensjahr  – mit begleitenden Lehrern oder Eltern – von der Schule zum Impfzentrum und zurück transportieren lassen. Ein von einem Erziehungsberechtigten unterschriebener Einwilligungsbogen ist dabei mitzubringen.

Busse bringen die Impflinge zum Corona Center Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Busse bringen die Impflinge zum Corona Center Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Busse erscheinen in regelmäßigen Abständen vor dem Zentrum, vollbesetzt sind sie leider nicht immer. Am improvisierten Pausenunterstand ziehen hin und wieder Schüler, aus der falschen Richtung kommend, vorbei und fragen nach dem Impfzentrum. Freundlich werden sie dorthin geschickt.

Bernhard Wolf, der Leiter des Pandemiezentrums, zog am ersten Tag eine positive Bilanz über die Schulimpfungen: “Wir sind ganz zufrieden. 307 Schüler, Kinder und Jugendliche, wurden heute geimpft.”

Ähnlich sieht es Dirk Jelleßen (Feuerwehr Duisburg und Zivilschutzamt) und verbindet sein Resümee der bisherigen Impfungen mit einem indirekten Appell, die großartige Chance der Impfung wahrzunehmen: “Die Schülerimpfungen laufen gut. Es könnten aber mehr kommen.”

Kämpft an vorderster Front gegen COVID-19: Dirk Jelleßen von der Feuerwehr Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Kämpft an vorderster Front gegen COVID-19: Dirk Jelleßen von der Feuerwehr Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Die Ruhrbarone hatten ein paar Fragen zur Kampagne #Duisburgimpft, zum Impfangebot in Duisburg und zu den Impfungen von Kindern und Jugendlichen. Bernd Wolf, der das Corona Center in Duisburg leitet, gab uns Antworten.

Ruhrbarone: Seit wenigen Tagen geht die Stadt Duisburg mit dem Hashtag #Duisburgimpft in die Offensive und wirbt verstärkt für Impfungen gegen das Corona-Virus. Wieso startet diese Kampagne zum jetzigen Zeitpunkt?

Bernd Wolf: Über lange Zeit war der Impfstoff Mangelware und der Bedarf größer als das Angebot. In den vergangenen Wochen hat sich das geändert: Mittlerweile gibt es ausreichend Impfstoff, jedoch ist der Impffortschritt langsamer geworden. Viele Menschen in Duisburg haben sich bereits impfen lassen, jedoch gibt es noch immer eine große Zahl an Duisburgerinnen und Duisburger, die sich bislang nicht haben immunisieren lassen.

“Auch weil es derzeit so einfach und schnell wie noch nie ist, sich impfen zu lassen, ist das ein guter Zeitpunkt für eine Impfung.”

Mit der Kampagne möchte der Krisenstab noch einmal für die Impfung und ihre Bedeutung bei der Bekämpfung der Pandemie sensibilisieren. Auch weil es derzeit so einfach und schnell wie noch nie ist, sich impfen zu lassen, ist das ein guter Zeitpunkt für eine Impfung.

Ruhrbarone: Bei meiner Anmeldung zu einem Impftermin, nach der Freigabe der Terminvergabe für alle Bürger, konnte ich einen Termin für frühestens Mitte August buchen. Seit mehreren Wochen ist der Andrang auf das Impfangebot zurückgegangen, was auffällt wenn man den Andrang vor zwei Monaten mit heute vergleicht. Wurden diese, damals gebuchten Termine, alle wahrgenommen? Wenn nein, wieso nicht?

Bernd Wolf: Seit Beginn des Impfbetriebes gibt es Menschen, die ihren Termin im Impfzentrum nicht wahrgenommen haben. Die Quote schwankt immer wieder und ist momentan gering. Es ist schon seit einigen Wochen möglich ohne Termin das Impfzentrum aufzusuchen. Trotzdem legen einige Menschen Wert darauf immer noch einen Termin zu vereinbaren. Hierzu sind die Terminportale der Kassenärztlichen Vereinigung nach wie vor offen. Die einzelnen Gründe für ein Fernbleiben zu einem vereinbarten Termin kennen wir nicht.

Bernd Wolf, Geschäftsführer Corona, Leiter des Pandemiezentrums in Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Bernd Wolf, Geschäftsführer Corona, Leiter des Pandemiezentrums in Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Ruhrbarone: Was sind die Gründe für das Nachlassen der Impfbereitschaft?

Bernd Wolf: Wir verfolgen hier die öffentliche Darstellung und Diskussion in den Medien. Die Gründe für das Nachlassen der Impfbereitschaft im Einzelnen kennen wir im Impfzentrum nicht, aber vermutlich sind diese ähnlich denen, die landesweit zum Tragen kommen.

Ruhrbarone: Haben die Impfungen vor Ort, in den Stadtteilen, zu einer Zunahme der Impfungen geführt?

Bernd Wolf: Ja, über jede Impfung freuen wir uns. Die Impfangebote wurden teilweise gut, teilweise weniger gut angenommen.

Ruhrbarone: Wie läuft es bei den Impfungen von Jugendlichen unter 16 Jahren?

Bernd Wolf: Die Impfungen verlaufen reibungslos. Bisher wurde ausschließlich an Wochenenden mit der Anwesenheit von Kinderärzten ein Impfangebot gemacht. Jetzt ist die Anwesenheit eines Kinder- und Jugendarztes nicht mehr zwingend erforderlich. Daher können Kinder und Jugendliche jederzeit zum Impfzentrum kommen und sich impfen lassen.

Ruhrbarone: Wieso ist die Impfung dieser Altersklasse wichtig?

Bernd Wolf: Für die Eindämmung der Pandemie ist eine große Anzahl an immunen Menschen erforderlich, damit die Verbreitung des Virus eingedämmt wird. Die Idee ist, dass ein infizierter Mensch nicht mehr auf andere Menschen trifft, die noch angesteckt werden könnten. Deshalb ist es wichtig, so viele Menschen zu impfen wie möglich. Für Menschen ab 12 Jahren ist nun ein Impfstoff freigegeben und deren Impfung empfohlen worden, damit tragen diese Altersgruppen nun auch zur Immunisierung bei.

Ruhrbarone: An den letzten Wochenenden fiel das Corona Center Duisburg durch interessante Gäste, aus dem Star Wars Universum, auf. Ist nach diesen Aktionen ein Anstieg der impfwilligen Besucher zu erkennen?

Bernd Wolf: Einen deutlichen Anstieg kann so eine Einzelaktion leider nicht bewirken. Vielleicht hat der eine oder andere Fan hierdurch den Weg zum Impfzentrum gefunden, wir haben darauf gesetzt. Insgesamt war es eine sehr gelungene Initiative der Weltraum-Freunde, die wir sehr gerne unterstützt und mitgetragen haben. Alles, was auf die bestehenden Impfangebote aufmerksam macht, kann uns nur helfen, die Pandemie zu bekämpfen.

Ruhrbarone: Wegen der sich verbreitenden Delta-Variante des Corona-Virus wird seit Wochen in den Medien über eine dritte „Booster-Impfung“ berichtet. Was hat es damit auf sich? Wie stehen Sie zur dritten Impfung? 

Bernd Wolf: Eine dritte und auch weitere Impfungen werden als Auffrischungsimpfungen zur Stabilisierung der Immunität eines Menschen fachlich und öffentlich diskutiert. Diese Diskussion ist noch nicht abgeschlossen, verbindliche Empfehlungen wurden bisher nicht gegeben. Die dritte Impfung ist vom Ministerium für Arbeit und Gesundheit NRW bereits für einzelne Personengruppen freigegeben worden. Hier werden wieder, wie zu Beginn der Impfkampagne, besonders gefährdete Menschen, z. B. in Alten- und Pflegeheimen oder Einrichtungen der Eingliederungshilfe, angesprochen.

In diesem Sinne, als Schlusswort:

“Auch weil es derzeit so einfach und schnell wie noch nie ist, sich impfen zu lassen, ist das ein guter Zeitpunkt für eine Impfung.”

#DuisburgImpft:

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3 Kommentare zu “#duisburgimpft: Medialer Impf-Booster im Krieg gegen COVID-19

  • #1
    Enno

    Dass die Impfung vor schweren Erkrankungen und Tod schützt, darf inzwischen bezweifelt werden.

    Das ZDF schreibt am 11.8.2021 über Israel: „Vom Impfweltmeister zum Inzidenzweltmeister?“. Von 400 Covid Patienten sind 240 vollständig geimpft, 140 komplett ungeimpft. Bei einer Impfrate der gesamten Bevölkerung von ca. 60% kann man daraus eine relative Risikoreduktion des Impfstoffs gegen die Deltavariante berechnen. Die ist weit entfernt von den versprochenen 95% aus der BionTech Zulassungsstudie. Entweder ist der Impfstoff bei weitem nicht so wirksam wie versprochen oder die Mutationsrate des Virus ist so hoch, dass man mit dem Impfen sowieso nicht hinterherkommt ?

  • #2
    Sonja

    @Enno

    Ja, die Mutationsrate ist ein Faktor. Trotzdem ist die Impfung aktuell der beste und einzige Schutz.

    Deshalb haben wir heute bessere Zahlen als vor einem Jahr. Deshalb gibt es keinen Lockdown mehr, außer für Impfverweigerer.

    https://www.welt.de/vermischtes/live230889917/Corona-aktuell-Epidemiologe-Wieder-absoluter-Normalzustand-naechsten-Sommer.html

  • Pingback: Infiziert mit Corona und geimpft: Für den leichten Verlauf sind wir BioNTech dankbar | Ruhrbarone

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