Durchstechen der Biontech-Preise ist durchsichtiges Ablenkungsmanöver

Ursula von der Leyen Lizenz: CC BY-SA 3.0 de

Dass die Preisforderung von Biontech durchgestochen wurde, ist ein durchsichtiges Ablenkungsmanöver.


Aus den Verhandlungen zwischen Biontech und der EU sind geheime Papiere durchgestochen worden, aus denen hervorgeht, dass Biontech 54,08€ pro Impfdosis haben wollte und insgesamt die Lieferung von 500 Millionen Dosen angeboten hat. Das hätte also alles in allem 27 Milliarden Euro gekostet. Das versucht man jetzt zu skandalisieren, die Forscher von Biontech sollen als gierige Profiteure da stehen.

Dem möchte ich gerne zwei Zahlen entgegenhalten: Ende letzten Jahres habe ich 60 Euro für die jährliche Grippeimpfung gezahlt. Knapp 12€ davon als Eigenanteil. Rund 60 Milliarden Euro hat die Bankenkrise von 2008 allein in Deutschland gekostet.

Es ist vollkommen offensichtlich, dass die Preisverhandlungen durchgestochen wurden, um die Biontech-Leute zu desavouieren. 60 Milliarden wurde deutschen Banken 2008 in den Arsch geblasen, europaweit wurde 1 Billion in die Bankenrettung gesteckt. Wolfgang Schäuble hat dafür Griechenland und halb Europa gnadenlos unters Spardiktat gezwungen.

Ich sage es mal in aller Deutlichkeit: Wer 2008 die Spendierhosen anhatte und für eine Bande gieriger Typen, die sich verzockt haben, die Geldkoffer aufgemacht hat, der braucht sich jetzt wegen 27 Milliarden Euro, wo es für uns alle buchstäblich um Leben und Tod und für Unternehmer, die nichts falsch gemacht haben, um die wirtschaftliche Existenz geht, nicht auf einmal als sparsame schwäbische Hausfrau gerieren und dann noch versuchen Forscher und Impfstoffhersteller als Krisenprofiteure zu diffamieren.

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17 Kommentare

  1. #1 | Lehmbruck sagt am 19. Februar 2021 um 07:05 Uhr

    Man kann natürlich sagen: Was sind schon 108 €, um eine Person gegen Corona zu impfen, gegen die Folgen des Lockdown? Dennoch gilt auch hier: Der Staat darf sich nicht von der Privatwirtschaft erpressen lassen. Er hat die Forschung subventioniert, also sollte er Impfstoffe nicht zu einem unangemessenen Preis abkaufen. Was Israel macht, eine Art Schmiergeld zur orioritäten Belieferung drauflegen und Daten verhökern, ist im Grunde Bestechung – dass Netanjahu da weniger sensibel ist als Europa, verwundert nicht.

  2. #2 | Stefan Laurin sagt am 19. Februar 2021 um 07:09 Uhr

    @Lehmbruck: Netanjahu hat sich für seine Bevölkerung Impfstoff besorgt. Johnson für die Briten auch. Dort sind immer mehr Menschen geschützt. Hier war man geizig – bei anderem Kram ist man es nicht – und die Menschen laufen ungeschützt in die dritte Welle. Angesichts der Kosten der Pandemie war der Preis lächerlich und davon ab: Wer den ersten Impfstoff hat, kann damit auch gerne reich werden. Er hat etwas geleistet und es sich verdient.

  3. #3 | Jens sagt am 19. Februar 2021 um 07:57 Uhr

    Im Übrigen ist es auch verteilungspolitisch fair, wenn die reichen Länder den teuren Impfstoff wählen, den ärmeren Ländern also nicht die vergleichsweise biligen Impfstoffe wegnehmen.

  4. #4 | ccarlton sagt am 19. Februar 2021 um 08:04 Uhr

    #1: Erpressung? Man muss im Zuge der Förderung nur eine spätere Gegenleistung vertraglich festhalten. Was Trump getan hat. Andernfalls gilt Angebot und Nachfrage und wem der Preis zu hoch ist, der kann sich wie die EU später beliefen lassen. Was angesichts der Kollateralschäden von Lockdowns schön blöd ist.

    Die israelischen Behörden stellen Daten zur Verfügung, damit der Impfstoff verbessert werden kann. Da die Daten anonymisiert sind, ist das ist in Sachen Datenschutz unbedenklich. Der Vorwurf, dass Netanjahu Daten verhöckert ist durchsichtiger Versuch vom Versagen der EU abzulenken.

  5. #5 | Lehmbruck sagt am 19. Februar 2021 um 12:02 Uhr

    @Stefan Laurin: Ich möchte übrigens keineswegs das Zaudern der Europäischen Kommission und die Fehler von der Leyens verteidigen. Nur: Die Pandemie muss global bekämpft werden, weil in jedem Land, in dem sich das Volk durchinfiziert, sich leichter Mutanten bilden, die vor Grenzen nicht Halt machen. Das ist die Lehre, die wir aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien ziehen müssen.

    Deshalb muss man m.E. kein Kommunist sein, um eine Aufhebung des Patentschutzes und globale Entwicklungshilfe für die Impfstoffproduktion für den richtigen Weg zu halten. Wenn der Westen sich hier nicht mehr engagiert, kaufen wirtschaftlich am Boden liegende Länder wie Iran, aber auch das prosperierende Vietnam, dessen Partei Corona gut gemanaged hat, halt bei Putin und Xi den Impfstoff ein und begeben sich aus der Not heraus in Abhängigkeiten, eine Allianz undemokratischer Regime, die den geopolitischen Einfluss von Europa und den USA nicht unbedingt stärkt.

  6. #6 | paule t. sagt am 19. Februar 2021 um 17:00 Uhr

    Bei Patenten für Medikamente ist es wie bei allen Dingen, systembedingt, im Kapitalismus: Verluste, hier die Kosten für die vorher notwendige Forschung, werden soweit irgend möglich sozialisiert – das gilt schon für die Forschung an konkreten Medikamenten, bei denen staatliche Förderung gerne mitgenommen wird und über Kooperationen gerne die Ressourcen staatlicher Forschungseinrichtungen und Krankenhäuser genutzt werden; erst recht trifft es natürlich auf die Grundlagenforschung zu, ohne die keinerlei konkrete Erfindungen denkbar wären, sowie die wissenschaftliche Ausbildung der Mitarbeiter.
    Gewinne dagegen, hier aus dem Verkauf der Medikamente, werden dagegen privatisiert; und bei Dingen, auf die die Gesellschaft nicht verzichten kann oder will, wie eben notwendigen Medikamenten, wird das System von Angebot und Nachfrage schlicht ausgehebelt, und es können fast beliebige Preise aufgerufen werden (sodass Politiker:innen, die offenkundig um 200% überhöhte Preise wegverhandeln wollen, hier als "geizig" geschmäht werden können).

    Das ist gar kein moralischer Vorwurf an die beteiligten Unternehmen; so funktioniert das System nun einmal. Und dieses ganze System beruht auf einer einzigen Fiktion, nämlich der, dass eine neue Erfindung (hier ein Medikament), die tatsächlich aus einer welt- und jahrhunderteumgreifenden Gemeinschaft von Forscher:innen sowie der sie tragenden Gesellschaft hervorgeht, _eine:n_ benennbaren Urheber:in hätte, dem/der das Eigentum daran zugeschrieben werden könnte.

    Und je absurder diese Fiktion in einer immer vernetzteren und immer voraussetzungsreicheren Wissensgesellschaft wird, desto mehr verschiebt sich ihr Effekt vom Nutzen (der Finanzierung des letzten Teils der Forschung) zum Schaden: Denn Patente beschränken ja die Nutzung der Erfindung und behindern dabei auch, dass andere Forscher:innen wiederum auf diesen Ideen aufbauende neue Erfindungen machen.

  7. #7 | Wolfram Obermanns sagt am 19. Februar 2021 um 17:30 Uhr

    "Durchstechen der Biontech-Preise ist durchsichtiges Ablenkungsmanöver"
    Die Nennung von Fakten ist nur dann ein Ablenkungsmanöver, falls man nicht von einer vorgefassten Meinung abweichen will.
    Für andere und jedenfalls für mich sind Fakten zunächst mal Fakten, deren Relevanz ich gerne selbst beurteilen und nur ungern dem Wunschdenken anderer überlassen möchte.

    Stichwort Bankensuventionen: Wer bei dem Thema ein nachhaltiges Interesse hat, diese Branche nicht künstlich zu mästen, der sollte sich mal die strenge Korrelation von Staatsverschuldung und Bankengewinnen anschauen. Die Korrelation zeigt sich nicht nur für die dauerkriselnde Deutsche Bank, die letztes Jahr das erste mal wieder Gewinne ausweisen konnte, sonder global.

  8. #8 | Helmut Junge sagt am 19. Februar 2021 um 18:05 Uhr

    @Lehmbruck, " die Pandemie muß global bekämpft werden ". Das ist völlig klar.Allerdings lernt man in jedem 1.Hilfe Kurs, daß derjenige, der retten will, zunächst einmal selber eine sichere Position haben muß. Wenn nicht, müssen beide gerettet werden. Er nämlich auch. Aber wir in der Eu haben ohne Impfstoff keine sichere Position. Wir schwimmen selber noch ohne Hilfsmittel.
    Zweitens: wer den Patentschutz auflösen will, redet ja nicht über sich, sondern über die Leistung anderer Menschen. Deren Eigentum will man verschenken, nicht das eigene.
    Das klappt aber nur ein einziges mal, denn dann sagt der sich, dem das passiert ist, daß er sich nicht noch einmal quält, um danach abkassiert zu werden. Der läßt dann selber auch andere machen. Aber so funktioniert das nicht. Denn vielleicht schon ein halbes Jahr später wird gegen eine andere Krankheit wieder ein Wirkstoff zu entwickeln sein. Wer macht das dann?
    Wenn der Staat dafür, daß er Fördergelder zahlt, direkt auch Eigentümer des zu entwickelnden Produktes wird, kassieren zwar alle, aber die notwendige Arbeit liegen liegen. Die notwendige Arbeit muß sich für die Erfinder lohnen. Sonst lassen alle ihre beine schaukeln. Selbst im Kommunismus wird es sich für die Erfinder lohnen müssen. Sonst funktioniert der ganze schöne Kommunismus nicht.
    So was soll ja schon gelegentlich vorgekommen sein.

  9. #9 | Peter Mohr sagt am 19. Februar 2021 um 22:06 Uhr

    Für jedes Medikament gibt es Preislisten und es ist doch immer viel von Transparenz die Rede. Somit verstehe ich nicht die Aufregung über die Bekanntgabe des Preises. Die geschwärzten Vertragspassagen sind schon zurecht von Abgeordneten des Europaparlaments kritisiert worden.

  10. #10 | Lehmbruck sagt am 19. Februar 2021 um 23:19 Uhr

    @Peter Mohr: Das sehe ich ganz genau so. Die EU hat Regeln, Großbritannien hat das nie eingesehen. Deshalb sind sie jetzt raus, und wenn das Supermarktregal leer ist, dann ist halt das Supermarktregal leer.

    @Helmut Junge: Natürlich soll sich die Arbeit lohnen, und dafür reicht das, was die EU hat zahlt, definitiv aus. Wie beim Fußball, gibt es auch in der Pharmaindustrie maßlose Gier, der man eine Grenze setzen muss.

  11. #11 | paule t. sagt am 20. Februar 2021 um 00:20 Uhr

    @ #8 Helmut Junge, Zitat: "Wenn der Staat dafür, daß er Fördergelder zahlt, direkt auch Eigentümer des zu entwickelnden Produktes wird, kassieren zwar alle, aber die notwendige Arbeit liegen liegen."

    Warum sollte die Arbeit liegen bleiben? Sie wird doch immer noch bezahlt. Nur legt nicht mehr der/die Arbeitende die Höhe der Bezahlung fest (wenn er durch die Dringlichkeit des Bedarfs ein Quasimonopol besitzt), sondern der/die Bezahlende, bzw. sie wird verhandelt.

    Im einfachsten Fall der staatlichen Förderung von Medikamentenforschung stellt der Staat an Universitäten, Krankenhäusern und Forschungseinrichtungen die enstsprechenden Wissenschaftler:innen zu angemessenen Gehältern ein und fertig. Dazu müsste er eine Menge Geld in die Hand nehmen, was er aber bei den Medikamentenpreisen wieder spart. Mein Bild von Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen ist eigentlich so positiv (wie insgesamt mein Menschenbild), dass sie nicht nur dann ordentlich arbeiten, wenn sie marktabhängige Maximalgewinne erzielen können, sondern wenn sie fair und angemessen für ihre Arbeit bezahlt werden. M.E. macht zB ein Christian Drosten keine schlechtere Arbeit als etwa ein Uğur Şahin.

  12. #12 | DAVBUB sagt am 20. Februar 2021 um 12:21 Uhr

    Die EU-Kommission wirft Nebelkerzen, um vom eigenen Versagen abzulenken.
    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/biontech-wehrt-sich-gegen-wucherpreis-berichte-17207979.html

  13. #13 | Helmut Junge sagt am 20. Februar 2021 um 19:56 Uhr

    @Lehmbruck,,,,,,,"Wie beim Fußball, gibt es auch in der Pharmaindustrie maßlose Gier, der man eine Grenze setzen muss."
    Bitte glauben Sie mir, daß es beim Fußball nicht um mein Leben geht. Insofern finde ich den Vergleich unpassend. Aber die gleiche "maßlose Gier" sehe ich auch. Der Preis pro Impfung hängt auch vom Nachfrager ab. Israel und die USA sollen lt. Biontec sehr viel weniger bezahlen, und der Preis wäre derzeit deutlich niedriger. Das kann ich nicht beurteilen, weil ich nicht dabei war und jetzt jeder erzählen kann was er will. Aber ehrlich gesagt, wären mir, weil es mein Leben betrifft, bei einem privaten Kauf, also wenn ich das Vakzin selber kaufen könnte, die Impfung auch nicht für Hundert Euro zu teuer. Die Einbußen der Lebensqualität, sind erheblich. Die Verluste unserer Volkswirtschaft sind mehrfach höher. Etliche fürchten um ihre wirtschaftliche Existenz.
    Was hilft mir mein Haß und meine Verachtung der Gier, wenn ich tot bin?
    Aber ich wäre dafür, daß die Politik das beseitigt. Nur wenn dann sofort. Wenn nicht sofort, dann eben bezahlen.Nicht aber erst etliche Menschen sterben lassen und dann doch bezahlen. (Weil man bemerkrt, daß man ja doch nichts machen kann)

  14. #14 | Helmut Junge sagt am 20. Februar 2021 um 20:08 Uhr

    @paule t. warum ich das denke? Es geht um Einsichten aus meiner persönlichen Lebenserfahrung. Die kann ich niemanden vermitteln. Jeder muß sich sine eigenen Lebenserfahrungen zusammenbasteln. Aber ich habe gute Teams und schlechte Teams erlebt. Und meine Beobachtung war, daß es in guten Teams immer einige Leute gab, die extrem wichtig für den Erfolg waren. Wenn diese Leute fehlten, ging es bergab. Das können Sie mir glauben, oder glauben es mir nicht. Ich glaube mir jedenfalls.

  15. #15 | Emscher-Lippizianer sagt am 21. Februar 2021 um 13:09 Uhr

    Der Verweis auf die böse, gierige Pharmaindustrie ist doch ein sicheres Zeichen dafür, daß diejenigen, die sich einen entsprechenden Aufschrei ("Viel zu teuer") erhoffen, von allem den Preis, aber von nichts den Wert kennen. Welchen Wert hat es, Deutschland (Europa) aus dem Lockdown zu holen und welchen Preis ist man bereit dafür zu bezahlen?
    Die lächerliche Summe von 27 Mrd. Espreranto-Dollar ist ein Vogelschiß in der Finanzgeschichte der letzten 15 Jahre.
    Aber zusätzlich zur Unfähigkeit der konsequenzenlos Verantwortlichen sollte man eine andere niedere Eigenschaft nicht unterschätzen: Mißgunst.
    Es kann doch nicht sein, daß wir 27 Mrd. ausgeben für…
    – eine Firma der bösen Pharmamafia
    – eine Firma, bloß weil die im letzten halben Jahr ein paar Überstunden gemacht hat
    – eine Firma, die von Menschen geleitet wird, die nicht in mein nationalistisches Weltbild passen
    – …
    Bitte das Passende einsetzen.

  16. #16 | DAVBUB sagt am 21. Februar 2021 um 15:52 Uhr

    @10:"Wie beim Fußball, gibt es auch in der Pharmaindustrie maßlose Gier, der man eine Grenze setzen muss."
    Daß gilt doch für alle Bereiche des Lebens: Handwerker, die vor fünfzig Jahren eher auf den unteren Stufen der sozialen Leiter standen, verdienen sich z.Zt. eine goldene Nase. Aus dem "…armen Dorfschulmeisterlein…" ist im Laufe der vergangenen zweihundert Jahre der jenseits jeder Leistungsbewertung gut bezahlte Lehrer geworden. Das läßt sich erweitern, aber es gilt doch: Jeder nimmt, was er kriegen kann.

  17. #17 | BITTANTE Jean-Pierre sagt am 22. Februar 2021 um 11:18 Uhr

    Sehr gutes Presse Artikel !

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