Eintracht Frankfurt hat sich vom Problemklub zum Aushängeschild entwickelt

Stimmung sah im Frankfurter Waldstadion früher auch schon mal so aus. Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

Man muss kein ausgewiesener Fan von Eintracht Frankfurt sein um sich in diesen Tagen für den Klub aus Hessen zu begeistern. Am Donnerstag schlug die Eintracht im heimischen Waldstadion den englischen Vertreter West Ham in der UEFA Europa League im Rückspiel des Halbfinales mit 1:0 und zog nach dem 2:1-Erfolg im Hinspiel souverän in das Finale um den Cup ein. Für die Eintracht wird es das erste europäische Finale seit 1980 sein. Eine sporthistorische Leistung also.

Vorbildhafter noch als die Leistung der Mannschaft auf dem Platz war dabei wieder einmal der Auftritt der Anhängerschaft, die das Stadion in der Mainmetropole in eine gigantische Fußballparty verwandelte. Insbesondere diese Entwicklung begeistert einen als neutraler Beobachter, waren die Fans der Eintracht in den vergangenen Jahren häufig doch noch alles andere als vorbildlich.

Ich erinnere mich persönlich noch sehr gut an Auftritte im damaligen UEFFA Cup, welche die Frankfurter Eintracht zu Beginn der 1990er-Jahre absolvierte. Als ich von 1992 bis 1994 meine Berufsausbildung in Frankfurt absolvierte und als begeisterter Fußballfan bei dieser Gelegenheit natürlich auch einige Spiele der Eintracht im alten Waldstadion besuchte. Insbesondere ein aus meiner Sicht gruseliger Auftritt gegen den damaligen spanischen Spitzenklub Deportivo La Coruna ist mir da noch gut in Erinnerung. Im November 1993 schlugen die Frankfurter vor gerade einmal 12.000 Besuchern den Gast von der Iberischen Halbinsel mit 1:0. Die Stimmung im weiten Rund war für mich als Dortmunder damals eine unglaubliche Enttäuschung. Als Fußballfreund aus dem Ruhrgebiet war die ‚Begeisterung‘ rund um die Eintracht, die damals noch ein Anwärter auf die Deutsche Meisterschaft war, erschreckend gering. Ich weiß noch, wie ich damals über die ‚Nichtunterstützung‘ der Fans im Stadion schimpfte und mich die schwache Zuschauerresonanz bei so einem Spitzenspiel entsetzte.

Auch nach meiner Zeit in Frankfurt behielt ich die Entwicklungen rund um die Eintracht aus alter Verbundenheit zur Stadt natürlich immer mit im Auge. Als ich im Mai 2011 mit dem BVB die Deutsche Meisterschaft im Stadion feiern durfte, ging es beim letzten Saisonspiel daheim gegen die Hessen (3:1). Die Gäste fielen im Westfalenstadion bei dieser Gelegenheit eher als ‚Partycrasher‘ auf den Rängen auf, als auf dem Platz. Pyroalarm und abschreckende Plakate wie ‚Eintracht Frankfurt – Deutscher Randalemeister‘ im Gästeblock auf der Nordtribüne sind mir davon noch bis heute lebhaft in Erinnerung.

Es folgte der unschöne Auftritt der Frankfurter Ultras beim Empfang auf dem Frankfurter Römer nach dem DFB-Pokalsieg 2018, als sich aufplusternde Fanvertreter vor den Augen eines Millionenpublikums im TV versuchten die Regie bei den Feierlichkeiten zu übernehmen und allen Ernstes bestimmen wollten, was auf dem Balkon vorgehen sollte bzw. dürfte.

Hier zeigten sich Fehlentwicklungen, die mich damals erneut sehr verschreckt haben. Die Anhänger sind für den Klub natürlich wichtig, dürfen jedoch aus meiner Sicht niemals das Sagen im Verein haben.

Die Eintracht hatte hier offenkundig in den Jahren zuvor Fehlentwicklungen zugelassen, die sich auch zeigten als Andi Möller 2019 zum Nachwuchs-Chef des Vereins werden sollte, die Anhänger sich aber massiv dagegen wehrten und eine Einbindung ihres Ex-Spielers in die Strukturen des Vereins verhindern wollten, da er sich ihrer Meinung nach nicht genug mit dem Klub identifizierte.

In den vergangenen Jahren fielen die Anhänger aus Frankfurt jetzt meist positiv auf. Tolle Choreographien auf den Rängen, massiver Support der Mannschaft in den Stadien quer durch Europa. Das gefiel dann schon eher.

Inwieweit diese Entwicklung von Nachhaltigkeit geprägt sein wird, bleibt erst einmal abzuwarten. Der Wandel bei den Fans vom Main wird sich erst wirklich beweisen müssen, wenn die Feiertage auf der ganz großen Bühne vorbei sein werden und er sich auch im ‚grauen Alltag‘ zeigen muss.

Denn abgesehen von den begeisternden Auftritten im Europapokal zeigte sich die Mannschaft im Ligaalltag ja fast durchgängig eher als Mitläufer und die wirtschaftliche Kluft zu den Großen im nationalen und internationalen Fußball ist jenseits der derzeitigen Euphorie-Welle zuletzt ja auch eher noch größer geworden.

Aber meine Hoffnung auf eine dauerhaft gestiegene Begeisterung und vorbildliches Fanverhalten rund um die Eintracht, sie lebt… Das ist gut! Gerade in diesen Tagen, wo die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine es einem schwer machen, echte Fußballfeste voller Leidenschaft und Euphorie zu feiern.

 

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12 Kommentare

  1. #1 | Walter Stach sagt am 6. Mai 2022 um 13:28 Uhr

    Robin,
    vorbildliche Eintracht-Fans?

    Gehört in diese Kategorie auch das „Erstürmen“ des Spielfeldes nach Spielschluss?
    Ich gehe davon aus, daß sich damit die UEFA befassen muß. Alle Spieler, vor allem die der Gastmannschaft . wurden unnötig, sinnlos, gedankenlos „in Angst versetzt“.

    Und so nebenbei zur Vorbildfunktion:
    Die Eintracht-Fans haben gestern eine leider nicht ungewöhnliche Praxis der Fans in den Stadien in extremster Form dargeboten, nämlich das „Niederpfeifen/ das Ausbuhen“ jedes Spieler der gegnerischen Mannschaft sobald der „am Ball war“. Als Fußballer, der sehr viel von Fairness hält -auf dem Platz und auf den Rängen-, ist das für mich keineswegs vorbildhaft!

    Ansonsten:
    Ein großer Erfolg für die Eintracht.

    Der -berechtigter -Platzverweis relativ früh im Spiel hat der Eintracht zweifellos geholfen

    „Man“ darf gespannt sein auf das Endspiel gegen die Rangers, einer Mannschaft, die zumindest was den Kampfgeist, die Laufbereitschaft und die sog. Zweikampfhärte angeht es nach meiner Wahrnehmung mit der Eintracht aufnehmen kann. Die Eintracht scheint mir etwas spielstärker zu sein als die Rangers.

    Im übrigen und bitte bei aller verständlchen Euphorie ob der Endspielteilnahme der Eintracht in einschlägigen Kommentaren nicht gänzlich „ausklammern“:

    Es war auch gestern zu beobachten, daß die sportliche Qualität in den beiden Halbfinal-Spielen der Champ.lig sich „mehr als deutlich“ von der in den Halbfinalspielen der Euro-Lig abhebt. Damit müssen „wir Fußball-Fans“ in Deutschland uns momentan leider abfinden.

    „Unangebrachtes Meckern“ meinerseits über den großartigen Erfolg der Eintracht?
    Könnte so ausgelegt werden. Sei es drum.

  2. #2 | thomas weigle sagt am 6. Mai 2022 um 16:58 Uhr

    Andy Möller ist weg. Seine Anstellung war ein grober Fehler. Er war zuvor auch am Bieberer Berg tätig. Nicht nur das kam nicht gut am Riederwald. Und erinnerlich ist mir sein Statement in Dortmund, dass er beim BVB bleiben würde. Kurze Zeit später war er weg. Oder erinnere ich das falsch? „Ob Mailand oder Madrid,Hauptsache Italien.“ Oder sagte er Spanien? Wie auch immer, Möller hat in Frankfurt für viel unguten Lärm gesorgt, zusammen mit einem Herrn Gerster.
    Die Neunziger waren in der zweiten Hälfte teilweise unterirdisch. Ich erinnere besonders einen trostlosen Auftritt im fast leeren Waldstadion gegen Bayer Uerdingen. Und in GT haben`se auch verloren-in Gütersloh, das muss man sich mal vorstellen. Dann war ich mal in Meppen. Das Ergebnis tut nichts zur Sache, muss man nicht wissen,war aber schlimm. Die guten Zeiten begannen mit Heribert Bruchhagen. Ihm hat der Verein viel zu verdanken.
    Das aktuelle Kapitel deutsche Klubs in Europa könnte man unter die Überschrift stellen: „Einer kam durch.“

  3. #3 | Walter Stach sagt am 6. Mai 2022 um 19:13 Uhr

    Thomas Weigle,
    „Einer kam durch“…..
    Ja, und dazu Gratulation auch an Dich als Eintracht Fan -nicht trotz, sondern auch wegen meiner „Meckerei“ unter -1-.

  4. #4 | SvG sagt am 6. Mai 2022 um 23:10 Uhr

    Jetzt müssen die aber auch den Sack zumachen, mit Tabellenplatz 12. bleibt sonst nur die Ehre… Die ja weder satt noch reich macht.

  5. #5 | Thorsten sagt am 7. Mai 2022 um 01:45 Uhr

    Der Autor dieses Blogs scheint großer Pyro-Gegner zu sein. Das ist legitim. Das Zünden von Bengalos ist sicher nicht ungefährlich und außerdem eine Ordnungswidrigkeit (keine „Straftat“, wie Polizeisprecher es immer wieder behaupten und damit einmal mehr ihr juristisches Halb- bis Unwissen zur Schau stellen). D. h. es ist verboten.

    Eine Straftat wird es erst, wenn man jemanden versehentlich (fahrlässige Körperverletzung) oder sogar entweder direkt vorsätzlich oder bedingt vorsätzlich mit einer solchen Bengalfackel verletzt.

    Und da kommen wir zum eigentlichen Thema: wie viele Verletzte bei Fußballspielen hatten wir in den letzten Jahren durch Bengalos und auch sonst durch Fangewalt? Und wie viele Verletzte durch Polizeigewalt stehen dem gegenüber?

    In Frankfurt spielt sich zurzeit ein Machtkampf zwischen Ultras und Polizei/Innenministerium ab. Mit dem Ende der Corona-Beschänkungen kehrten die Ultras in die Nordwestkurve zurück. Dort haben sie ein Mikrofon nebst Anlage für ihre Capos. Nachdem Bengalos gezündert wurden, schaltete die Polizei zeitweise oder auch dauerhaft die Anlage ab.

    Und hier stellt sich die Frage: bestand ein Zusammenhang zwischen den Ansagen über die Anlage und den brennenden Bengalfackeln? Nein.

    Hatte die Abschaltung der Anlage damit gerechtfertigte präventive Gründe, um weitere Ordnungswidrigkeiten zu verhindern? Nein.

    Die Polizei hat sich stattdessen hier zur Justiz aufgespielt. „Ihr zündet Bengalfackeln, und wir bestrafen Euch dafür direkt!“

    D. h. die Polizei bestraft einen Block mit vielen tausend Leuten für Taten Einzelner.

    Sie spielt den Richter. Sie missachtet die Gewaltenteilung.

    Was ist nun schlimmer? Eine Polizei, die ihre Grenzen nicht kennt? Oder doch ein paar brennende Bengalfackeln?

    Hätte die Frankfurter Polizei nicht ihren Kindergarten mit der Mikrofonabschaltung gebracht, wären vorgestern beim Europa League-Halbfinale im Waldstadion mit Sicherheit nicht einmal halb so viele Bengalfackeln gezündet worden.

    Anzumerken ist noch: bei der Choreo vor dem Spiel wurden tausende Stofffahnen geschwenkt, zwischen ihnen brannten viele weiße Bengalfackeln. Nicht eine Stofffahne fing Feuer. Als Eintracht-Ultras versuchten, eine geklaute Blockfahne aus West Ham mit einer Bengalfackel anzuzünden, mühten sie sich ewig ab. Sie glimmte nur. Es scheint, dass Bengalfackeln nicht so gefährlich sind, wie es immer versucht wird, uns weis zu machen.

  6. #6 | Thomas Schweighäuser sagt am 7. Mai 2022 um 09:13 Uhr

    Es ist immer wieder anrührend, wenn aus dem Ruhrgebiet über „Problemfans“ anderer Vereine berichtet wird. Sie sollten sich am vorbildlichen Verhalten der Fans des BVB (Steinwürfe auf Kinder 2017), von Schalke 04 (Hetzjagden gegen Spieler 2021) oder des VfL Bochum (Becherwürfe gegen Linienrichter 2022) ein Beispiel nehmen.

  7. #7 | Thomas Schweighäuser sagt am 7. Mai 2022 um 09:19 Uhr

    PS: Wohne selbst im Ruhrgebiet (resp. an dessen Rand).

  8. #8 | Walter Stach sagt am 7. Mai 2022 um 13:55 Uhr

    Robin,#
    Thomas Weigle,

    ich habe nicht nur zum Sieg der Eintracht gratuliert und Thomas zugestimmt in der von ihm gemachten Anmerkung “ Einer kam durch“, sondern gleichzeitig „ein wenig gemeckert“ über die fußballerische Qualität des Spieles und über das Fan-Verhalten. Letzteres trotz allem positiv zu werten, weil Fans in DO, auf Schalke -sh. 6-sich oftmals ähnlich „unfair“ gegenüber gegnerischen Mannschaften und gegnerischen Fans verhalten haben, ist mir nicht möglich.

    Aber…..
    Ausdrücklich hinweisen will ich, weil ich „gemeckert“ habe auf einen Kommentar zu den Fans der Eintracht im allgemeinen, zu ihrem Verhalten vor, während und nach dem Spiel gegen Westham in der TAZ *) von Martin Krauss. Überschrift nebst Unterzeile:

    „Unser Platz ist hier“
    -Fußball erzählt immer etwas vom Leben. Der Triumph der Frankfurter Eintracht erzählt von Demokratie-

    Erscheint mir zwar „leicht übertrieben“, aber erwähnenswert, sozusagen als „Abbitte“ meinerseits gegenüber den Eintracht-Fans nach meiner Meckerei.

    *)
    taz. am wochenende, 7./8. mai 2022, S.4o leibesübungen

  9. #9 | thomas weigle sagt am 7. Mai 2022 um 19:00 Uhr

    @ Walter Stach Als Fans auf den Block mit den West Ham Fans zulief, forderte derStadionsprecher „alle Offenbacher weg da.“ Es half,denn wer will schon „Oxxenbacher“ im Frankfurter Stadtwald sein? Wobei ich den Niedergang des OFC bedauere, Derbys sind das Salz in der Fußballsuppe. Das hier näher zu erläutern,hieße wohl nach Athen zu tragen.
    Wie auch immer das Finale ausgeht,als Fan der SGE hat man in den letzten sechs Jahren viel Schönes erlebt:
    16 erfolgreiche Relegtion,17 Pokalendspiel,18 Pokalsieger,19 Halbfinale EL, 20 DFB-Pokalhalbfinale, 21 EL-Quali, 22???

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  11. #11 | Krasses Imageproblem: Fans wünschen sich eine Bundesliga ohne Leipzig, Hoffenheim und Wolfsburg | Ruhrbarone sagt am 25. Juli 2022 um 11:24 Uhr

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