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Europawahl: Gehört der Islam seit 2000 Jahren zu Europa?

Frans Timmermanns Foto: Kuhlmann /MSC Lizenz: CC BY 3.0 de 

Ich mag Europa, ich mag die Europäische Union. Sicher, mich nervt der Paternalismus der letzten Jahre, aber ich weiß offene Grenzen und den Euro zu schätzen. Unter dem Strich ist die Europäische Union ein Segen, leider bleibt sie unter ihren Möglichkeiten aber das kann sich ja ändern.

Was ich nicht glaube ist, dass es Leute wie Frans Timmermanns sind, denen solche Änderungen gelingen. Wer bei der ZDF-Wahlarena auf die Frage, ob der Islam zu Europa gehört, antwortet „Seit 2000 Jahren“ sollte nicht als Spitzenkandidat der Sozialisten für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten kandieren, sondern besser einen Nachmittag in der Geschichtsabteilung der nächstgelegenen Stadtbücherei verbringen. Vor 2000 Jahren gab es keinen Islam, diese Religion wurde im frühen 7. Jahrhundert auf der Arabischen Halbinsel gegründet. Davon ab, dass der Islam nicht konstituierend für Europa war, welches sich seit der Aufklärung ohnehin zum Glück von der Religion abgewandt hat, kann man von einem Kommissionspräsidenten etwas mehr als gefühltes historisches Wissen erwarten.

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9 Kommentare zu “Europawahl: Gehört der Islam seit 2000 Jahren zu Europa?

  • #1
    Gerd

    "Davon ab, dass der Islam nicht konstituierend für Europa war, .."

    Er war es, aber im negativen Sinn. Europa hat sich gut 1.000 Jahre lang gegen die Angriffe des Islam verteidigen müssen. Sowas prägt die kollektive Erinnerung.

  • #2
    Thomas Wessel

    Ich hab die Stadtbücherei nebenan, ich hab festgestellt: In Europa lassen sich nach PEW ¾ der Bevölkerung zur Christenheit zählen, dazu kommen Muslime, Juden uvam. Die Religionslosen machen in Europa gut 18 % aus. Eine relevante Zahl, sicher (sie entspricht der, die der SPD vorhergesagt wird). Aber dass sich, wie Du schreibst, Europa „von der Religion abgewandt“ hätte, ist denn doch eher frommer Wunsch. Fromm deshalb, weil Religionskritik das Phänomen, das sie kritisiert, erst einmal wahrnehmen sollte, anstatt sein Verschwundensein zu behaupten wie andere die Existenz Gottes.

  • #3
    Aufrecht

    Frans Timmermans ist der Vertreter einer Partei der Niederlande, die kaum noch existiert. Er hat keine Bürger mehr hinter sich. Er hätte längst abtreten müssen und man kann ihn nicht abwählen. Die EU-Wahl ist eine Farce.

  • #4
    Helmut Junge

    @Thomas Wessel, meine Wahrnehmung der Religion geschieht wie bei den meisten Menschen, die ich kenne, aus den Medien, oder bei Beerdigungen, manchmal bei den Ruhrbaronen. So wie jetzt. In Gesprächen bei Feiern aller Art, sowie in persönlichen Gesprächen, habe ich vor etlichen Jahren zuletzt darüber reden gehört. Ausnahme ist das Verhalten katholischer Priester, bzw. der katholischen Kirche. Diese Ausnahmen sind aber fast alle negativ.
    Zu dieser, meiner Wahrnehmung, paßt ihre Statistik, nach der "¾ der Bevölkerung zur Christenheit zählen" nicht besonders gut.
    Was also hilft diese Statistik, die Frage zu beantworten, ob sich Europa von der Religion abgewandt hat? Auf dem Papier hat sich Europa nicht abgewandt. Aber aus dem Alltag ist die Religion verschwunden. Worauf kommt es denn an?

  • #5
    Thomas Wessel

    @Helmut Junge | Ist nicht „meine“ Statistik, sind Zahlen des Pew Research Centers, die kann man bezweifeln, die Zahlen und die Methoden ihrer Erhebung, dann müsste man aber mit einer anderen Methode andere Zahlen erheben. Unterm Strich bliebe das Ergebnis halbwegs gleich: „Religion“ – was immer das sein mag oder sich selber als solches behauptet – ist weder verschwunden noch im Verschwinden, sie war nie weg. Und ist derzeit eher im Kommen. Das sag ich nicht, weil es mich begeistert, sondern weil die Religionskritik nicht Schritt hält mit dieser Entwicklung. Nichts ist weg, sobald man im eigenen Bekanntenkreis nicht darüber redet. Blick in die Zeitung:

    Kopftuch in der Schule, Kruzifix im Gerichtssaal, Vielehe, Freiheit der Wissenschaft, der Kunst, der Blasphemie … die ganze Wertedebatte … Mit Religion (so kurz vor der Europawahl ist das ein Punkt) muss sich Europa substanziell auseinandersetzen. Also sehr viel anders als – da hat Stefan einen Punkt getroffen – der Historiker Timmermanns. "Substanziell" heißt aber eben auch zu akzeptieren, dass es auch heute überall in Europa das gibt, was man früher "Volksfrömmigkeit" genannt hat.

  • #6
    Helmut Junge

    @Thomas Wessel. Und natürlich ist die Religion im Internet auch "eher im Kommen", wenn ich mich mit einem Pfarrer darüber austausche. Dann bin ich quasi der Motor für religiöse Propaganda. Ich sollte mich jetzt besser raushalten.

  • #7
  • #8
    Thorben Meyer

    Die Mehrzahl der deutschen Christen geht maximal noch zu Weihnachten in die Kirche. Für das Alltagsleben in Europa spielt der Glaube an einen christlichen Gott praktisch keine Rolle (was nicht heißt, dass es keine christlichen Werte mehr geben muss).

  • #9
    Thomas Wessel

    @Thorben Meyer | Gottesdienstbesuchsquoten sind, um die Relevanz von Religion zu messen, irrelevant.

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