Ex-Vertrauter von Verteidigungsministerin: „Armee ist an Schreibtisch gebunden“

Rekrutengrundausbildung in der Bundeswehr, hier Panzergrenadiere in Stallberg im Herbst 2006. Foto: Daniel Budde Lizenz: CC BY-SA 3.0


Mehr Geld für die Bundeswehr zu fordern ist das Eine. Dieser Wunsch ist ja auch in der Ampel-Koalition von Olaf Scholz Konsens, auch wenn sein Fraktionsvorsitzender Rolf Mützenich eine starke deutsche Armee eigentlich ablehnt. Nico Lange, für viele Jahre engster Vertrauter der ehemaligen CDU-Vorsitzenden und Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, meldet sich nun aber mit einer klaren Ansage zu Wort.

Nico Lange, von 2019 bis 2021 Leiter des Leitungsstabes im Bundesministerium der Verteidigung, findet in der aktuellen Ausgabe vom „Economist“ eine klare Erklärung, was sich in der deutschen Armee ändern muss.

„Es ist notwendig, viel Geld für die Bundeswehr auszugeben“, sagt Lange. Und macht klar: „Aber was man wirklich ändern muss, ist die bürokratische Kultur.“ Lange, der selbst als Zeitsoldat gedient hat, sagt, die Armee sei an den Schreibtisch gebunden. „Wir machen viel Aufhebens davon, die Ukrainer im Umgang mit unseren ‚modernen‘ Waffen zu schulen, während wir von ihnen lernen sollten, wie man auf dem Schlachtfeld improvisiert und die Initiative ergreift.“

Lange wird die Bundeswehr von außen weiter begleiten. Laut einem Bericht vom „Spiegel“ soll Lange eine Reihe von Bürgerdialogen unter dem Titel „Zeitenwende“ organisieren. Dabei sollen verschiedene Fragen beantwortet werden: Was bedeutet die Zeitenwende für Deutschland? Wie wird eine neue Europäische Sicherheitsordnung aussehen? Welche Rolle muss Deutschland übernehmen?

Bundestag und Bundesrat haben einem Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro für die Ausstattung der  Bundeswehr zugestimmt. „Unser Ziel ist eine leistungsfähige und fortschrittliche Bundeswehr, eine Bundeswehr, die ihren Kernauftrag, die Landes- und Bündnisverteidigung, erfüllen kann, weil sie ausreichend ausgestattet ist“, so Kanzler Scholz.

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3 Kommentare

  1. #1 | Wolfram Obermanns sagt am 15. August 2022 um 15:57 Uhr

    Mein Wehrdienst fand Mitte der 80’er statt.
    Ich erlebte den Bund als Gurkentruppe. Aus Gesprächen mit „Leidensgenossen“ weiß, das geht nicht nur mir so.
    Veraltetes, wenig funktionales Gerät, das zu Phantasiepreisen beschafft worden ist, war auch damals Gang und Gäbe.
    Dies dürfte ein Setting gewesen sein, das austariert zwischen Bündnispflicht und Besorgnis der Nachbarn als zeitgemäß erschien.

    Der Zeitenwandel, der dort ansteht, ist in seinem umfassenden Charakter noch nicht beschrieben.

  2. #2 | Karla Trim sagt am 15. August 2022 um 16:53 Uhr

    Wir machen viel Aufhebens davon, die Ukrainer im Umgang mit unseren ‚modernen‘ Waffen zu schulen, während wir von ihnen lernen sollten, wie man auf dem Schlachtfeld improvisiert und die Initiative ergreift.“

    „..lernen wie man auf dem Schlachtfeld improvisiert und die Initiative ergreift.““
    Wie so eine Improvisation auf dem Schlachtfeld aussieht..?
    Zahlreiche Lehr-Fotos dazu kann man finden in dem Buch „Krieg dem Krieg“ von Erich Friedrich
    „..1924 erstmals erschienen, mutet es dem Betrachter Fotos entsetzlich entstellter und verstümmelter Soldaten zu. Die lakonischen, den Topos soldatischer Heldenmythen entlarvenden Kommentare Friedrichs verstärken die Wirkung der Bilderdokumentation, die wir Heutigen als kaum erträglich empfinden. “
    (4,50 Euro bei der bpb)
    https://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/218196/krieg-dem-kriege/

  3. #3 | Taner Aydın sagt am 15. August 2022 um 16:57 Uhr

    Interessant ist doch, dass die Türkei trotz deutlich geringerem Budget eine bessere und schlagkräftigere Armee hat als alle EU-Staaten. Daran sollten Sie sich in Deutschland ein Beispiel nehmen.

    Ihr Taner Aydın

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