Frieden ist nicht die Abwesenheit von Krieg

Die Ukraine ist ein souveräner Staat, kein Spielball der russischen Armee

Schaut man sich den offenen Brief an, der in der EMMA veröffentlicht wurde, und betrachtet danach die Umfrage von infratest dimap bezüglich der Zustimmung zur Lieferung schwerer Waffen in die Ukraine, muss man sich fragen, wie der Hälfte der Bevölkerung, angeführt vom Urinstein der zeitgenössischen „Prominenz“, angesichts ihrer Einstellung nicht jedes Mal kotzen muss, wenn sie in den Spiegel schaut.

Angesichts dessen, was in diesem Brief gefordert wird, fällt mir keine Einleitung ein. Legen wir also direkt los:

Wir hoffen darum, dass Sie sich auf Ihre ursprüngliche Position besinnen und nicht, weder direkt noch indirekt, weitere schwere Waffen an die Ukraine liefern

Die russische Armee beginnt einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Grund sind die Wahnvorstellungen eines scheiternden Diktators. Die Tatsache, dass die Armee, die mit einer absoluten Übermacht die Ukraine überfallen hat, das Land bisher nicht erobern konnte, verdankt sie zum einen ihrer Inkompetenz. Denn ein Diktator, der zwischen zwei Kriegen an der Macht bleiben will, muss seine Kriegsmaschinerie inkompetent halten. Den weitaus größeren Verdienst an der Verteidigung der Ukraine hat das ukrainische Volk selbst, das sich ihrem Aggressor nicht ergeben hat, sondern kämpft. Unterstützt und in Teilen überhaupt erst ermöglicht wird diese Widerstandskraft durch den überraschenden aber geschlossenen Zusammenhalt des Westens und die militärischen Hilfen, die von dort kommen. Die militärische Unterstützung gibt der Ukraine ihre Stärke. Und hier kommt die intellektuelle Blutgrätsche der pseudomoralischen Schickeria, in Gestalt eines weiteren offenen Briefes.

Und die Abwesenheit von Krieg ist nicht Frieden

Wenn es nach den Unterzeichnern des Briefes aus der EMMA geht, sollen wir der Ukraine diese Stärke nehmen. Alles um des Friedens Willen. Aber allein der Gedanke, dass das Gegenteil von Krieg der Frieden sei, ist absolut abwegig. Das Gegenteil von Krieg ist erstmal nur kein Krieg. Und das ist auf keinen Fall zwingend besser als Krieg und es ist erst recht kein Frieden. Wir sehen jetzt bereits täglich die Berichte der russischen Armee, die aus dem Begehen von Kriegsverbrechen eine Art Wettbewerb gemacht hat. Während die russische Armee vergeblich versuchte, die Ukraine unter ihre vollständige Kontrolle zu bekommen, blieben sie ihrer bisherigen Kriegstaktik, die sie in zahllosen Konflikten perfektionieren konnte, treu. Im Folgenden also nur eine unvollständige Liste der bisher begangenen Kriegsverbrechen. Erweiterungen – insbesondere durch den Einsatz von Giftgas – sind vorbehalten. Ergänzungen sind in den Kommentaren gerne erbeten:

Wer glaubt, dass Putin einen atomaren Krieg anzetteln wird, aber nicht glaubt, dass die russischen Soldaten eine entmilitarisierte, befriedete Ukraine weiter mit Folter, Entführungen, Vergewaltigungen, Deportationen, kurz: Dem russischen Playbook des Terrors überziehen werden, lebt so fern ab jeglicher Realität, dass die Typen, die behaupten, von Aliens entführt worden zu sein, im Vergleich dazu, wie erfrischend normale Gesprächspartner wirken.

Was verhindert diesen Terror zuverlässig? Die Gewissheit, dass russische Flugzeuge von den erbarmungslosen Armen der heiligen St. Stinger empfangen werden. Die Gewissheit, dass die russische Artillerie von ihren westlichen Gegenstücken Willkommen geheißen wird und die Gewissheit, dass russische Soldaten von den ukrainischen Truppen mit 1.800 Joule, verpackt in 5,56 × 45 mm in die Hölle katapultiert werden, während ihre Körper den ukrainischen Sonnenblumen als Düngemittel dienen.

Dich, lieber Leser, widert diese Vorstellung von Krieg an? Dann ist dein Adressat Putin. Nicht die Ukraine. Denn die Ukraine sich selbst zu überlassen, oder sogar eine absolut widerwärtige Täter-Opfer-Umkehr zu betreiben, so wie es die Unterzeichner des offenen Briefes tun, wenn sie die Schuld für die Eskalation bei den Verteidigern suchen, bedeutet, die Ukraine zu opfern, sowie den Russen den Weg nach Moldau zu ebenen. Und wer ist danach dran? Vielleicht Finnland? Für die Unterzeichner des offenen Briefs ist das egal, der temporäre Frieden ist wichtiger:

Wir warnen vor einem zweifachen Irrtum: Zum einen, dass die Verantwortung für die Gefahr einer Eskalation zum atomaren Konflikt allein den ursprünglichen Aggressor angehe und nicht auch diejenigen, die ihm sehenden Auges ein Motiv zu einem gegebenenfalls verbrecherischen Handeln liefern

Diese Abartigkeit mit der Angst vor einem atomaren Weltkrieg zu rechtfertigen, ist nicht viel mehr als ein Feigenblatt, das die Wohlstandsverwahrlosung derer verbergen soll, die sich solche Gedanken zu eigen machen.

 

Weltkrieg? Also bitte.

 

Die Lieferung großer Mengen schwerer Waffen allerdings könnte Deutschland selbst zur Kriegspartei machen. Und ein russischer Gegenschlag könnte so dann den Beistandsfall nach dem NATO-Vertrag und damit die unmittelbare Gefahr eines Weltkriegs auslösen

Na da haben wir es doch. Letztendlich steht hinter diesem Brief die Angst, man könne mit der Waffenlieferung zur Kriegspartei werden. Schrecklich muss die Vorstellung sein, dass das sorgenfreie, friedliche Leben in Deutschland enden könne. Vorbei wäre die Zeit, in der man sich mitten in Europa auf seinen Thron moralischer Überlegenheit zurückziehen konnte, um von dort der Welt zu erklären, wie schön der Frieden ist, der sich nach dem Zusammenschluss der europäischen Union ergeben hat und wie schön diese demilitarisierte Traumwelt doch ist. Denn plötzlich wären Waffen und militärische Stärke kein Relikt aus patriarchalen Zeiten mehr, sondern ein Eckpfeiler des Lebens in Freiheit. Und wenn es eine Sache gibt, die ich über unsere zeitgenössischen Geister, die niemand rief lernen durfte, dann dass die Konfrontation mit der Realität für diese Menschen ein Horrorszenario ist, das um jeden Preis verhindert werden muss. Und wenn das bedeutet, dass man den Ukrainern das Recht auf Selbstverteidigung verwehrt, dann ist das halt so:

Wir teilen auch die Überzeugung, dass es eine prinzipielle politisch-moralische Pflicht gibt, vor aggressiver Gewalt nicht ohne Gegenwehr zurückzuweichen. Doch alles, was sich daraus ableiten lässt, hat Grenzen in anderen Geboten der politischen Ethik.

Nun ist die Antwort auf meinen Vorwurf klar: Niemand spricht der Ukraine das Recht auf Selbstverteidigung ab. Sie soll es nur aus eigenen Mitteln bewerkstelligen.

Diese Idee ist absolut entlarvend. Es ist ein Satz, der das eigene Nichtstun im Angesicht dieses Krieges noch moralisch aufzuladen versucht, indem er andeutet, es ginge nur um den Schutz der eigenen Bevölkerung. Entsprechend schlechte Neuigkeiten habe ich für alle, die dieser Idee etwas abgewinnen können: Wir sind längst Kriegspartei. Wir wurden es in dem Moment, in dem Russland angriff. Und wir sind es erst dann nicht mehr, wenn die russische Armee aufgehalten wurde. Dementsprechend gibt es auch keine Friedensverhandlungen, in denen beide Seiten „etwas“ bekommen können. Ein russischer Sieg – egal in welcher Hinsicht – öffnet das Tor zu weiteren Kriegshandlungen in anderen Ländern oder weiteren Teilen der Ukraine.

Damit haben wir die größte Gefahr dieses Krieges gefunden. Es ist nicht der Einsatz von Atomwaffen, es ist die Gefahr, dass andere Länder der gleichen pseudopazifistischen Versuchung erliegen könnten, wie es Deutschland gerade tut. Wir haben uns an tote Zivilisten gewöhnt, weil wir sie nur im Fernsehen sehen und weil sie Teilen der Bevölkerung scheiß egal sind. Was bedeutet schon das Ende eines Volkes und seiner Identität, wen interessiert schon der Offenbarungseid Deutschlands als Kern einer Wertlosengemeinschaft, was sind schon ein paar tote Ukrainer, solange dafür der Traum vom Frieden aufrechterhalten wird? Sollen Selenski und Melnyk doch zusammen mit ihrer Ukraine verrecken. Was erdreisten sich die beiden auch, uns nicht als unterwürfige Bittsteller vor die Füße zu fallen, sondern im Angesicht der Auslöschung der Ukraine Forderungen zu stellen und dadurch die größte Kränkung zu begehen, die man einem Deutschen antun kann: Ihm und seiner Hypermoral den Spiegel vorzuhalten.

Wenn mehr Länder diesem Beispiel folgen und die Ukraine am Ende zu Verhandlungen und Gebietsabtretungen drängen, dann ist der Krieg auf dem Papier zwar vorbei. Das Leid der Bevölkerung beginnt aber erst. Das Interesse der Welt schwindet, die Journalisten verlassen das Land, aber die russischen Soldaten werden bleiben und tun, was sie schon seit bald 10 Jahren in der Ukraine tun. Und die russische Armee wird in ein paar Monaten in Moldau stehen, während wir wieder an dem Punkt beginnen, an dem wir bereits am 24.2.2022 standen. Und während wir uns wieder in billiger, durchschaubarer Selbstgeißelung üben, wird das Baltikum dem nächsten Opfer von Putins Fleischwolf bedingungslos zur Seite stehen, zusammen mit allen anderen Ländern, die eine gemeinsame Geschichte mit Russland teilen – denn die Gräueltaten der Russen sind dort ins kollektive Gedächtnis gebrannt.

 

Und jetzt zu dir, lieber Leser:

Es gibt zwei Gründe, weshalb du auf diesen Artikel geklickt hast. Entweder, um deine Meinung bestätigt zu bekommen – in dem Fall kannst du jetzt aufhören zu lesen, der Job ist erledigt – oder um mir zu erzählen, was für ein widerlicher Kriegstreiber ich bin. Grundlage für diese Sicht auf die Dinge dürfte der Versuch sein, deine persönliche Angst vor einem Atomkrieg zum Maßstab der Regierungshandlung aufzubauschen. Deine eingebildete Angst vor einem hypothetischen Szenario wiegt für dich schwerer als das reale Leid, das der ukrainischen Bevölkerung von niemand anderem als der russischen Armee in diesem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe und dem Moment, in dem du diese Zeilen liest und jedem Moment dazwischen, davor und bis zum Ende des Krieges zugefügt wird. Und dieser Krieg endet nicht durch ominöse Sicherheitsgarantien. Gerade der Ukrainekrieg zeigt deutlich, dass diese Garantien das Papier nicht Wert sind, auf dem sie stehen. Dieser Krieg endet für die Ukraine, für Moldau, Polen, Finnland, für alle Staaten, die auf Putins Speiseplan stehen genau dann, wenn die russische Armee besiegt ist. Und besiegt wird sie nicht am Verhandlungstisch – denn da will die russische Armee gar nicht hin. Dort wird das Ende nur festgehalten. Also hör damit auf, deine angeblichen Sorgen über ukrainische Zivilisten oder einen Atomkrieg vorzuschieben, weil du einen Mechanismus suchst, der Realität Herr zu werden.

Zum Abschluss möchte ich dem offenen Brief noch etwas blanken Zynismus entgegnen:

Und sollte der 3. Weltkrieg doch kommen, dann lernt die Welt vielleicht endlich ihre Lektion. Nämlich, dass Faschismus immer zu bekämpfen ist. Bedingungslos. Das radioaktive Ödland, das dann einst als Europa bekannt war, wird hoffentlich als Mahnmal dienen, für das Schicksal, das der Welt droht, wenn sie Faschisten um jeden Preis befriedigen will.

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25 Kommentare

  1. #1 | Robert Müser sagt am 30. April 2022 um 17:18 Uhr

    Es ist zum Verzweifeln:

    Einem Teil der deutschen Bevölkerung ist der Krieg eigentlich egal, solange der billige Sprit im SUV u.ä. ohne Tempolimit auf der Autobahn verballert werden kann. Auch wird das Fehlen von Mehl und Öl im Supermarkt als traumatische Erfahrung wahrgenommen.

    Diese Denkfaulen folgen der Maxime „Lieber rot als tot“, so lange ihre Lebenweise nicht gestört wird. Sollen doch die renitenten Ukraine endlich dem Agressor geben, was der haben will. Völkerrecht? Egal, was interessiert uns das, ist ja nur Ostblock!

    Der andere Teil der Bevölkerung schaut eher mit Sorge auf die Ereignisse in einem Land, was uns geografisch näher liegt als wir denken. Diesem Teil der Bevölkerung wird auch langsam klar, dass die vermeintliche Wohlfühlarena Deutschland mehr bedroht ist als man bisher gedacht hat. Dieser Teil der Bevölkerung hat aber auch keine so rechte Idee, wie man aus diesem Situation herauskommt, ohne in der Katastrophe zu landen.

    Dann gibt es da noch selbstliebten Eliten in ihren Elfenbeintürmen, die einen verschwurbelten Brief aus dem lila Lummerland durch Gegend schicken:
    Alle Menschen fassen sich an die Hände und tanzen den großen Friedenstanz.

    Der Onkel aus dem Osten wird sich vor lauter Lachen über so viel Naivität nicht mehr einkriegen (im wahrsten Sinne des Wortes) und zur Bestätigung seines Friedenswillens weitere Krankenhäuser einäschern.

  2. #2 | Angelika sagt am 30. April 2022 um 18:43 Uhr

    „…Auch wird das Fehlen von Mehl und Öl im Supermarkt als traumatische Erfahrung wahrgenommen…“

    Nein.
    Auch wenn es weniger überspitzt formuliert wäre.
    Es stimmt nicht.

    „…in einem Land, was uns geografisch näher liegt als wir denken…“

    So ging es mir.
    Klar, die Europakarte kannte ich auch vorher, aber an einen Satz, der mir in den ersten Tages des Krieges begegnete, musste ich immer wieder denken:
    – Zwischen Österreich und der Ukraine liegt nur die Slowakei. –

    Und österreichische Bekannte waren dann auch viel früher sehr besorgt wegen all dem, was sich da anbahnte.

  3. #3 | SvG sagt am 30. April 2022 um 20:52 Uhr

    @ 1; Robert Müser: „…, in einem Land, was uns geografisch näher liegt als wir denken.“
    Das ist aber auch nicht so einfach mit der Geographie. Ich wurde kurz nach dem Mauerbau und der Errichtung des eisernen Vorhangs geboren. Die Landkarte, die ich lernte, hatte zwei Ebenen: die rationale, in der der Ostblock auch zu Europa gehörte, sowie eine gefühlte, in der alles östlich der Oder-Neiße-Linie Feindesland war. Wenn auch Polen mir aus familiären Gründen näher war, war es doch auch Teil des von der Sowjetunion regierten Machtblockes, dessen letztes Ziel, wie ich damals glaubte, die Unterjochung des Westens war. Was ja auch so zu sein scheint. Selbst heute noch spreche ich manchmal von der „Zone“, was mir idR bewußt wird, während ich es ausspreche. Kindliche Prägungen sind nicht so leicht abzuschütteln.

  4. #4 | nussknacker56 sagt am 30. April 2022 um 21:07 Uhr

    Kreativ bei diesen Unterzeichnern sind lediglich ihre jeweiligen Rationalisierungen, mit denen sie ihre politische Feigheit kaschieren und diese als Friedensappell parfümieren. Dass Alice Schwarzer hier mitmacht, lässt meine bisherige Wertschätzung für sie ziemlich tief sinken. Ungeachtet einiger Unregelmäßigkeiten (Steuer) habe ich sie immer gegen ihre sowohl linken als auch rechten Hasser verteidigt und ihre relative Eigenständigkeit geschätzt. Letztere hat sie nun aufgegeben.

    Trotz unnötiger Plattheiten („Urinstein“) und zynischen Anmerkungen stimme ich im Wesentlichen dem Kern der Aussagen von Sebastian Schmalz zu. Wir müssen die Ukraine unterstützen womit und wie immer es geht und dürfen uns von den Drohungen der russischen Kriegsverbrecher und Aggressoren nicht einschüchtern lassen.

    Alles andere liefe in letzter Konsequenz auf eine Preisgabe sämtlicher grundlegenden Werte hinaus.

  5. #5 | Werntreu Golmeran sagt am 30. April 2022 um 22:19 Uhr

    Wer Alexander Kluge, Martin Walser, Gerhard Polt, Juli Zeh, Edgar Selge, Antje Vollmer und Ranga Yogeshwar als „Urinstein“ beleidigt sagt mehr über sich selbst aus als über die, die er versucht zz beschmutzen.

  6. #6 | ke sagt am 30. April 2022 um 23:07 Uhr

    Es ist die Generation „Ich mache Zivildienst“ etc., und die Polizei ist grundsätzlich böse.

    Jeder sollte doch im schon im Kindergarten gelernt haben, dass man Gewalt früh unterbinden muss. Nur muss man dafür notfalls auch Gewalt anwenden. Bei bewaffneten Blöcken/Gegner ist das nun nicht so einfach wie im Kindergarten. wo ein wegtragen reicht.

    Ja, es ist kaum zu ertragen, dass allein der Gedanke, maximal 100 km/h zu fahren, um Sprit zu sparen oder aber nicht so stark zu heizen, so dass man nicht im T-Shirt in der Wohnung sitzen kann, Angstschweiß verbreitet. Ebenso muss man sich fragen, wieso insbesondere unsere Industrie die Abhängigkeit vom russischen Gas nicht unterbunden hatte. Gibt es kein Risikomanagement in den Unternehmen? Dann bleibt offen, wo unser riesiges BW-Budget hingeflossen ist. Wir sind in der weltspitze bei den Militärausgaben.

    Insgesamt lehnte sich Deutschland zu sehr in den Lehnstuhl und ignorierte viele Entwicklungen. Die Zeche zahlen wir aktuell. Es zeigt sich aber auch, dass uns die Merkel-Regierungen in diese Lage hingeführt haben und insbesondere der Bereich Bundeswehr katastrophale Ergebnisse erzielte.

    Hier hätten viele der Unterzeichner früh reagieren müssen. Dass man Angegriffenen hilft, die sich dann noch selber verteidigen wollen, ist eine Selbstverständlichkeit. In Afghanistan hatte man gesehen, was passiert, wenn die Bevölkerung sich eben nicht komplett dagegenstellt. Vielleicht war diese schnelle Übernahme eines Landes auch ein Baustein, der zum Angriff führte.

    Dann bleibt offen, wie die Destabilisierungsversuche in anderen Ländern von den UnterzeichnerInnen bewertet werden. Domino sollten sie alle gespielt haben.

  7. #7 | Bülent Zünbüldere sagt am 1. Mai 2022 um 00:13 Uhr

    So sehr ich selber auch Angst habe vor einem Atomkrieg.Aber jetzt ist nicht die Zeit für irgendwelche Frieden Freude Eierkuchen Spielchen.İch habe schon in den 90er Jahren mir gedacht,wenn der russische Bär wieder zu sich kommt,dann wird es sehr ungemütlich werden.Wsrum ausgerechnet ein atheistischer Ex KGB Mann plötzlich ein lupenreiner russischer Nazi werden konnte mit dem Segen der orthodoxen Kirche ist mir zwar ein Rätsel,aber leider die Realität.Die historische Chance ist verpasst worden den Russen die Mitgliedschaft in der NATO anzubieten.Jetzt ist es zu spät dafür.Die Ukrainer sind angegriffen worden.Nach meinem Verständnis der Weltgemeinschaft müssen alle Länder die noch irgendetwas auf die Weltgemeinschaft geben jetzt mit allem was Sie haben den Ukrainer beistehen.Koste es was es wolle.Sämtliche Handelsbeziehungen müssen sofort eingestellt werden.Alle die noch irgendwie Geschäfte mit dem Putin Regime tätigen gehören bestraft.Deutschland hatte schon seit 40 Jahren sich von seiner Erdöl und Erdgasabhängigkeit befreien können.Die Auto Lobbyisten haben leider ganze Arbeit geleistet.

  8. #8 | Don Giovanni sagt am 1. Mai 2022 um 10:43 Uhr

    #4 Ich darf Sie daran erinnern, dass Alice Schwarzer 1990/91 gegen die internationale Intervention (oder den Krieg) gegen den Irakkrieg argumentiert hatte, Kuwait hätte doch einst zum Irak gehört.
    #5 Wenn ich Ihnen auch zustimme, dass die Wortwahl des Autors gegen diese Herrschaften verfehlt ist (sie wäre es übrigens auch, wenn es sich um Lieschen Müller und Hans-Guck-in-die-Luft handelte, gell?)
    Ich wähle daher genau für diese „Prominenten“ die Bezeichnung feige, von Niedertracht gekennzeichnete Kleinbürger in falschem Diorgewande, die die fff-Gesellschaft (Oskar Lafontaine) sehr gut widerspiegeln, und für die Selenski und – wie sollte es auch anders sein – die USA die eigentlichen Kriegstreiber und verantwortlich für die Toten sind.
    Warum musste ich bei der Lektüre beider „offenen Briefe“ eigentlich immer an den Namensvetter eines Schweizer Komponisten und Intendanten der Hamburger Staatsoper in den Sechziger Jahren denken?

  9. #9 | Angelika, die usw. sagt am 1. Mai 2022 um 10:44 Uhr

    #7
    @Bülent Zünbüldere

    „…Wsrum ausgerechnet ein atheistischer Ex KGB Mann plötzlich ein lupenreiner russischer Nazi werden konnte mit dem Segen der orthodoxen Kirche ist mir zwar ein Rätsel,aber leider die Realität…“

    Kyrill I (Patriarch), Wladimir Michailowitsch Gundjajew, war auch beim KGB. Putin und Kyrill kennen sich aus der Zeit.

    Kyrill I und Putin verbindet u.a. Homophobie. Und sie stehen damit in der russischen Gesellschaft nicht allein. Die traditionelle Familie, das traditionelle Bild der Geschlechterrollen usw. und nur das kann dazu beitragen das Russland erhalten bleibt, dass es Russland gut geht usw.. So die Denkrichtung.

  10. #10 | Leonia Bavariensis sagt am 1. Mai 2022 um 11:17 Uhr

    Ich gehöre der gleichen Generation an, die zu den Unterzeichnern dieses offenen Briefes gehören und empfinde seinen Inhalt als zutiefst zynisch.
    Auch ich habe gegen den Krieg der USA in Vietnam und gegen den Nato-Doppelbeschluss auf der Straße gestanden, aber mittlerweile bin ich um viele Jahrzehnte älter. Auch ich hatte nach dem Ende der Sowjetunion auf dauerhaft friedliche Zeiten gehofft. Aber ich habe mich leider 2014 mit meinem geliebten Vater hart anlegen müssen, weil er Putins Anektion der Krim als logisch in seinem Interesse stehend verteidigt hat; und das obwohl meine Eltern nach dem Krieg aus der damalig sowjetisch besetzten Zone flüchteten und die Großeltern im Osten zurückblieben und nur mit dem üblichen widerlichen DDR-Prozedere Wiedersehen möglich waren. Und ich habe Freunde in den ehemals zum Ostblock zählenden Staaten gewonnen, die gleich mir ganz klar die Gefährlichkeit dieses ehemaligen Geheimdienstlers nie aus den Augen verloren haben.
    Wer jetzt derartige Texte mit Relativierung der russischen Aggression verbreitet, braucht mir bitte niemals mehr Betroffenheit zu jedweder anderen Aggression zu heucheln.

  11. #11 | Walter Stach sagt am 1. Mai 2022 um 11:22 Uhr

    „Es ist wichtig, sich zu fragen, wie wir in diese Lage gekommen sind und was daraus zu lernen ist. Nur auf die Gegenwart zu schauen und eine hochmoralische Haltung einzunehmen ist gefährlich. All die Groß- und Mittelmächte, ob sie nun früher oder später in der Moderne angekommen sind, haben sich entsetzlicher Verbrechen schuldig gemacht von Sklaverei und Imperialismus bis hin zu Angriffskriegen und Völkermord. Tun wir in diesem späten und entscheidenden Stadium der Geschichte der modernen Welt nicht so, als wäre jemand unschuldig.“

    Das sagt der prominente indische Denker Pankay MIshra (Essayst und Schriftsteller in seiner letzten Antwort in einem SPIEGEL-Interview.*

    Alle Antworten von Mishra auf die Spiegel-Fragen sind be- und nachdenkenswert und machen deutlich, wie begrenzt -wie beschränkt- oftmals die zu dieser Thematik/Problematik hier gestellen Fragen und die dazu gegebenen Antworten sind.

    DER SPIEGEL Nr.18/3o.4.2022 S. 80/81

  12. #12 | Don Giovanni sagt am 1. Mai 2022 um 12:40 Uhr

    #10 Ja, Herr Stach,
    aus meiner begrenzten Sicht sind die von Ihnen zitierten Zeilen sehr interessant, als sie in ihrer Zerfahrenheit in etwa bem Habermaßschen Lavieren entsprechen: Irgendwie seien alle irgendwie einmal schuldig gewesen (Tamerlan auch!?), und man solle sich deshalb nicht so moralisch echauffieren. So fasse ich das Zitat – das wohl auch Ihrer Meinung widerspiegelt, Herr Stach – zusammen.
    Abgesehen davon, dass eine gewisse „Initiative zur Weltoffenheit“ zur Verteidigung Mbembes den breiten Relativierungspinsel schwang: Laut Gilbert (Gilbert, G.M, Nürnberger Tagebuch, Frankfurt/M, Fischer, 1962) sollen u.a. Göring, Keitel und Rosenberg sehr amüsiert gelächelt haben, als Rudenko von dem „verbrecherischen Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen“ sprach. Zudem: Angriffkriege galten bis 1945/46 völkerrechtlich nicht als Verbrechen und trotzdem saßen die Nazis zu recht in Nürnberg auf der Anklagebank und wurden zu recht auch in diesem Punkt (Anklagpunkt 1: Vorbereitung und Durchführung eines Angriffskrieges) verurteilt! (Historische und direkte Vergleiche waren übrigens nicht zugelassen!) Und nicht, weil sie Nazis waren, sondern weil sie nebem dem Angriffskrieg weiter Verbrechen ungeheuersten Außmaßes begangen hatten.
    Was Sie mit dem Zitat zu beabsichtigen scheinen, ist offenbar das Verbreiten eines – verdeckten Wahataboutismus, der in seiner direkten Form wohl wesentlich auf die USA – dem Lieblingsfeind aller, wahren, differenziert empfindenden Menschenfreunde (die allerdings entscheiden, wer in diese Kategorie fällt) – zielt.
    Man hätte allerdings nicht diesen „Denker“ zitieren müssen, sondern im Käsmannstil die Evangelisten, die Jesus den Spruch in den Mund gelegt hatten „Wer von Euch ist ohne Schuld, der werfe den ersten Stein“.
    Also, so die Lehre, die hier offensichtlich gezogen werden soll: An den Verhandlungstisch und – da ja kein Druckmittel vorhanden – williges Erfüllen aller Forderungen des Großen Vorsitzenden in Moskau.
    Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren, dass sowohl in dem „offenen Brief“ als auch im Zitieren des indischen Denkers zumindest kryptisch eine gewisse Kritk an der Haltung sowohl Israels als auch Taiwans liegt, das ja bereits auf dem Speiseplan Chinas steht. Israels Renitenz schürt in den Augen der „Weltoffenen“ ja allein den Nahostkonflikt, wie auch demnächst Taiwan durch seine Weigerung „Heim ins Reich“ zurückzukehren.
    Diese Denkweise trifft man übrigens auch (ich betone „auch“) in der SPD.

  13. #13 | Christian Vogel sagt am 1. Mai 2022 um 13:51 Uhr

    Schade, dass auf die Überschrift nicht weiter eingegangen wird. Das wäre wirklich noch einmal einen eigenen Beitrag wert. Man muss den Mut der Unterzeichner bewundern ihren Namen für diesen Schwachsinn herzugeben. Der Artikel zeigt die Schwachstellen auf. Danke so weit. Von Dieter Nuhr habe ich nichts Besseres erwartet, der war schon immer selber sein größter Fan. Alice Schwarzer, Bildzeitungskolumnistin……., kann frau intellektuell noch tiefer sinken ? Ja frau kann.
    Angst vor dem 3. Weltkrieg ? Scholz und Habeck haben nicht wirklich Angst vor dem 3. Weltkrieg, den haben wir längst und wir sind auch alle daran beteiligt. Jeder Kassenbon ist auch ein Stimmzettel. Direkt, oder indirekt haben wir alle mit abgestimmt, dass die Welt so ist wie sie ist. Wir tragen alle Mitverantwortung. Eine Jeans ist mehr als einmal um die Welt geflogen und hat 8.000 l Wasser verbraucht bevor sie bei uns auf dem Ladentisch ist. Anteil Arbeitslohn für die Produktion am LadenVK: 1% Quelle:https://www.praxis-umweltbildung.de/dwnl/kleidung/info_jeans.pdf Wir hätten deutlich weniger Energie und Umweltprobleme, wenn wir uns diesen Schwachsinn sparen würden. Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht nächstes Jahr an Jeff Bezos und der höchste Orden, den die chinesische Regierung für Wirtschaftsförderung verleihen kann, ebenso. Wer heute immer noch bei Amazon bestellt muss krank im Kopf sein. Nur die allerdümmsten Kälber…..
    Zurück zum Thema: Scholz, Habeck und Kollegen haben Angst davor, dass Russland uns den Gashahn zudreht, der Eine mehr, die Andere weniger, je nach Resthumanismus in der Persönlichkeitsstruktur. Nachricht von Wladimir an Olaf über Gerhard: Haltet die Füße still, sonst….. Wie anders ist es erklärbar, dass Gerhard S. sich überhaupt noch traut öffentliche Absonderungen verlautbaren zu lassen. Weil er eine Rolle spielt. Die größte Feigheit unserer Politik besteht darin, die vermeintliche Angst vor dem 3. Weltkrieg vorzuschieben, um das Gasembargo zu vermeiden. Wir tauschen ukrainische Menschenleben gegen Gas. Wir sollten unsere Währung umbenennen, von EURO in UKRAINO. Wir haben Euro, aber wir kommunizieren nicht als Euro(pa). Die ganze Diskussion um schwere Waffen sollte eine Gesamteuropäische sein und jeder sollte so viele schwere Waffen liefern wie er kann… Wo will Putin denn zuerst hinschießen lassen, wenn er weiss dass ALLE zurückschießen…….Lawrow sieht Russland nicht im Krieg mit der Nato…… Warum wohl…… Im Idealfall darf sich Russland im Krieg mit allen Menschen der freien Welt sehen. Die müssen dann aber auch mal Ihre Stimme erheben, so wie diese Musiker hier:
    https://copinternational.bandcamp.com/album/come-together
    https://www.youtube.com/watch?v=tObkIXX_8ok
    Das Gegenteil eines „Come Together“ für Frieden, Freiheit, Demokratie, Menschlichkeit und Solidarität können wir jetzt in EMMA lesen. Saudummes und ultrafeiges Wegducken vor einer m.E. nicht mal wirklich existierenden Bedrohung. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten der Reaktion: Shitstorm, so wie hier, oder Networking für eine gute Idee wie Come Together. Warum also nicht Come Together auf dieser Plattform für Deutschland hosten, auf Facebook hosten, mithelfen……

    Christian Vogel für WorldPeaceCaféBerlin
    https://www.facebook.com/World-Peace-Caf%C3%A9-Berlin-Project-By-Jhora-386057338107547

  14. #14 | Angelika, die usw. sagt am 1. Mai 2022 um 17:27 Uhr

    #13
    @Christian Vogel

    „…Direkt, oder indirekt haben wir alle mit abgestimmt, dass die Welt so ist wie sie ist…“

    – könnte aus einer Sonntagspredigt sein

    – ist ein Allgemeinplatz.

    – stimmt/stimmt nicht. Und größtenteils stimmt es nicht.

    Ich habe mir mein Geburtsjahr (11 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges) nicht ausgesucht. Mein Denken ist beeinflusst von Menschen, die als Erwachsene oder Kinder den Krieg erlebten.

    Mein Konsumverhalten ist geprägt von Gedanken wie , , >wer weiß schon, was es demnächst zu kaufen gibt>, usw.. Wäre ich z.B. 1970 oder im Jahr 2000 geboren worden, wie würde ich dann denken/handeln in Bezug auf Konsumverhalten? Was wären dann meine Maßstäbe?

    Der Euro …
    Nun es gibt ein Buch mit dem Titel „Weltkrieg der Währungen: Wie Euro, Gold und Yuan um das Erbe des Dollars kämpfen“ (Autor Daniel D. Eckert). Die Ukraine wurde angegriffen. Es hatte sofort Auswirkungen auf Rubel, Dollar, Euro, Yuan, Yen, Gold (Rohstoffpreise usw.). Ich fragte den Autor halb scherzhaft, ob er denn schon an einem neuen Kapitel für eine Neuauflage des Buches arbeite. Es bietet sich ja an…

    Dem Dollar geht es nicht schlecht momentan.
    Aber da ist die Verschuldung der Amerikaner. China hat durchaus Fäden in der Hand.

    Der Yen ist kein sicherer Hafen mehr.

    Die Immobilienblase in Deutschland könnte (bald) platzen. Wie sieht es mit der Bedienung der Kredite aus, wenn Firmenpleiten eine höhere Arbeitslosigkeit zur Folge haben? Fällt das Kartenhaus der überzogenen Preise bald zusammen?

    Wie können technische Innovationen (Energiewende) gestemmt werden bei Lieferkettenproblemen, Inflation usw.?

    Nur Schilder hochhalten mit Slogans über Freiheit, nur Songs singen u.ä. löst gar nichts.
    Gegen Massenarbeitslosigkeit helfen keine Songs.

  15. #15 | Helmut Junge sagt am 1. Mai 2022 um 17:28 Uhr

    „Scholz und Habeck haben nicht wirklich Angst vor dem 3. Weltkrieg, den haben wir längst und wir sind auch alle daran beteiligt.“
    Nein, wir haben keinen Weltkrieg @ Christian Vogel .
    Wie kommen Sie darauf?
    Sowohl im WK1 als auch im WK2 hat es auf allen Kontinenten und in allen Meeren geknallt.
    Darum heißen diese Kriege Weltkriege. Und das gilt es zu verhindern.
    Kaufen Sie sich einen Globus und drehen ihn mal.

  16. #16 | Thomas Schweighäuser sagt am 1. Mai 2022 um 20:18 Uhr

    Wer von einer „demilitarisierten Traumwelt“, in welcher die Deutschen angeblich lebten, schreibt und zugleich auf einen Wikipedia-Artikel verlinkt, in dem die Kriegsbeteiligung der Deutschen im 21. Jahrhundert dokumentiert wird, wer weiter behauptet, „Waffen und militärische Stärke“ seien „ein Eckpfeiler des Lebens in Freiheit“, während der verlinkte Artikel vor allem beweist, dass die Kriege des 21. Jahrhunderts eben diese Freiheit nicht gebracht haben, auch wenn sie von Staaten des Westens unter hohen Opfern der Zivilbevölkerung geführt wurden, den kann man wohl kaum ernstnehmen. Wer zudem vom Baltikum und „allen anderen Ländern, die eine gemeinsame Geschichte mit Russland teilen“ schreibt und davon, dass „die Gräueltaten der Russen (…) dort ins kollektive Gedächtnis eingebrannt“ seien, und verschweigt, dass die Niederlage der Roten Armee 1941 Massenmorde an den baltischen Juden zur Folge hatte, der hält wohl auch zum Banderafan Melnyk.
    Es sind solche Artikel, die deutlich machen, dass die Bellizisten nichts so sehr fürchten wie ein Ende des Krieges, könnte es ihnen doch zum Bewusstsein bringen, was sie vom sicheren Schreibtisch aus in die Welt pusteten.

  17. #17 | Walter Stach sagt am 2. Mai 2022 um 18:10 Uhr

    „Wir werden unweigerlich schuldig“

    So lautet die Überschrift eines Gastkommentars des Soziologen Hartmut Rosa -Friedrich Schiller Uni Jena -bei SPIEGEL-onlie -2.5/15.o9 Uhr- zur Problematik der Waffenlieferungen Deutschlands an die Ukraine.

    Für mich gleichermaßen lesens-, bedenkens- und nachdenkeneswert wie das von mir unter 1o erwähnte SPIEGEL-Interview mit Pankay Mishra, einem der bekanntesten Intellektuellen Indiens.

    Nicht nur „gut so“, wenn es noch möglich ist, diese und ähnliche Gedanken hierzulande zu publizieren, sondern für mich sogar wohltuend in einer medialen Welt hierzulande, die nach meiner Lebenserfahrung noch nie in Deutschland seit 1945 so einseitig, so radikal, so frei von Zweifeln und bar jeglicher Skrupel der Militarisierung , der Priorisierung des Militärischen in Gesellschaft und Staat das Wort redet. Deshalb mein Bemühen, u.a. hier bei den Ruhrbaronen auf einschlägige Wortmeldungen aufmerksam zu machen. „Vergebliche Liebesmüh“? Mag sein; sei es drum.

  18. #18 | Don Giovanni sagt am 2. Mai 2022 um 21:11 Uhr

    #17
    „… noch nie in Deutschland seit 1945 so einseitig, so radikal, so frei von Zweifeln und bar jeglicher Skrupel der Militarisierung , der Priorisierung des Militärischen in Gesellschaft und Staat das Wort redet.“
    Na, übertreiben wir da nicht ein Ideechen, Herr Stach? Meiner Auffassung nach kann von einer Priorisierung des Militärischen in Gesellschaft und Staat überhaupt nicht die Rede sein, wenn man eine zuschandenregierte Armee wieder kampffähig und bündnisfähig machen möchte.
    Die von Ihnen beklagte Einseitigkeit rührt doch daher, dass hier ein Staat in einem veritablen Angriffskrieg (vom Aggressor „Spezialoperation“ genannt) vernichtet, bestenfalls zu einem willenlosen Vasallenstaat verwandelt werden soll, und zu befürchten steht, dass dies nicht die letzte „Spezialoperation“ gewesen sein wird.
    Neutral beiseite stehen, nur um sein Gewissen zu beruhigen (meine Unschuld ist mir viele Opfer – anderer! – wert oder: vorsicht wir könnten alle schuldig werden, so der Jenaer), gleichzeitig aber den Angriff zu verurteilen, ist irgendwie zynisch: „Stoppt den Krieg“, liest man jetzt sehr häufig. Frage: Wer soll ihn stoppen? Und, wie schafft man in einer derartigen Situation „Frieden ohne Waffen“?
    Leute wie Sie, sind bereit, ein Land und dessen Bevölkerung, ihre Freiheit, Selbstbestimmtheit etc zu opfern und seinem Untergang bedauernd (?) zuzuschauen, die Hilferufe zu ignorieren und mit Ratschlägen zu nerven, nur um eines guten Gewissens willen. Aber, da Putin und seine Mann*innen ja keine Nazis sind, ist Zurückhaltung natürlich geboten.
    Natürlich – Herr ex Gotha – haben viele Kriege keinen Frieden gebracht und z. B. der Afghanistaneinsatz der BW und anderer Truppen endete in einem Desaster und hat die jetzige Friedhofsruhe dort nicht verhindern können. Wenn man aber in der Geschichte stöbert, hat ein Angreifer oder Eroberer erst aufgegeben, wenn er mit Waffengewalt dazu gezwungen wurde, Der Ritterorden in Tannenberg (Grunwald) und am Peipussee, die Kreutritter durch Saladin, die Mauren bei Poitiers oder die Osmanen bei Wien etc., wir können auch die raubzüge Tamerlans auf dem indischen Subkontinent anführen, Herr Stach (Geschichte Golbal) oder die Auseinandersetzungen in China etc. Stets herrschte nach den Auseinandersetzungen eine Weile Ruhe (Frieden), um dann wieder Spannungen und schließlich neue Kriege ausbrechen zu lassen. Jüngstes Beispiel: Als das Dritte Reich und Japan besiegt waren, herrschte eitel Frieden nur für kurze Zeit. Bereits auf der Potsdamer Konferenz zeigten sich erste Spannungen. Der Rest ist bekannt, und auch das Friedensgesäusel der DKP-gesteuerten Friedensfeunde, die kennenzulerne ich das Missvergnügen hatte.
    Zudem, #16 Herr ex-Gotha: Geschickt gemacht, ihr Beispiel vom Baltikum ist insofern perfide, als es indirekt sagen will, dass auch die sozialistische Sowjetrepublik Ukraine zwischen 1941 und 43/44 williges Personal zur Judenvernichtung stellte. Das wollten Sie doch damit sagen, gelle? Dazu passt ja auch die Aussage Lawrows über den Juden Selenski und das jüdische Blut Hitlers, die Ihnen – und anderen Putinfreunden (weil sie in ihm den würdigen Nachfolger der Generalsekretäre der KPdSU als gütige herrschende Macht des Sowjetreiches von Wladiwostock bis Schwanheide oder Marienborn zu erblicken glauben) – sicher Balsam für die Seele ist.
    Allerdings ist Ihnen ein kleiner Fehler unterlaufen: Die Rote Armee hat nie eine Niederlage erlitte, sondern sich siegreich kämpfend bis zu Wolga zurückgezogen, um dann die „Hitlerfaschisten“ innerhab von gut zweieinhalb Jahern endgültig zu besiegen, so die offizielle Lesart vor 1992 und wieder ab ca. 2014, passend dazu die vielen hübschen Kriegsfilmen aus Moskwa Film Produktionen.
    Ja, ja, manche(r) sich jetzt als Friedenstaube gebärende Anhänger*in des „Roten Zarenreiches“ (SPIEGEL) empfand am 24. 02.2022 ein „klammheimliche Freude“ über die „Spezialaktion“, die jetzt dem -Frust über den Dilettantismus der russischen armee (vor allem ihrer Führung) und die Frechheit der Ukrainer, sich äußerst effektiv zu wehren. Ein wenig spürt man dies auch an Ihren Äußerungen, Herr Gotha, die schon mal elegenter, wenn auch inhaltlich nicht besser waren.

  19. #19 | SvG sagt am 2. Mai 2022 um 22:15 Uhr

    @ 17: Walter Stach: Medwedjew hat es doch ganz klar ausgesprochen: Ziel der russischen Politik ist eine „eurasische Zone von Portugal bis Wladiwostok“. Zuerst soll die Ukraine einkassiert werden; wenn es gut läuft, Transnistrien und Moldawien gleich mit. Weißrußland ist schon im Sack, nach einer Ruhephase geht es dann weiter.
    Währenddessen können Sie ja weiter in aller Ruhe Ihr Groupietum der großen Denker pflegen.
    Politische Macht kommt aber immer noch vor allem aus den Läufen von Gewehren.

  20. #20 | Thomas Schweighäuser sagt am 3. Mai 2022 um 06:56 Uhr

    @Don Giovanni (ich nehme an, das ist nicht der richtige Name): Man ist kein Putinfan, wenn man kein Banderafan ist, und wer von den „Gräueltaten der Russen“ schreibt, die Massaker an den Juden im Baltikum aber verschweigt, der stimmt wohl auch dem ukrainischen Botschafter zu, der in der Nacht den deutschen Krieg gegen den „jüdischen Bolschewismus“ zu einem „Überfall auf die Ukraine“ umbenannte.
    So viel Geschichtsverdrehung war selten, auch Lawrow macht da keine Ausnahme. Das stößt in Deutschland natürlich auf große Begeisterung.

  21. #21 | Arnold Voss sagt am 3. Mai 2022 um 10:49 Uhr

    @ Thomas Schweighäuser

    Deutschlands Bandera heißt übrigens Stauffenberg. Er war Nazi, Rassist und Antisemit und hat das Attentat auf Hitler einzig und allein begangen, weil er – mit anderen Offizieren – keine Siegeschance mehr für Deutschland sah und einen Neuanfang ohne Hitler suchte. Deutschland dagegen feiert ihn bis heute als Widerstandskämpfer gegen den Hitler-Faschimus.

  22. #22 | xtnbb sagt am 3. Mai 2022 um 21:41 Uhr

    Das Wort zum Mittwoch

    Interessant und erfreulich was unwidersprochen bleibt. Eine Ohrfeige für die Ausführungen des Autors. Den „3.Welt Krieg“ haben wir seit Beginn unserer Kolonialisierungen. Einfach mal auf eine geopolitische Afrika und Asien-Karte schauen, wo sich Russen und Chinesen überall eingenistet haben. Wir werden es schwer haben, diese Länder auf unsere Seite zu ziehen, um Russland politisch so umfassend wie möglich zu isolieren und damit mehr Blutvergießen zu vermeiden. Irak, Syrien, Saudi-Arabien, willkürliche Grenzziehungen und Einflußnahmen auf die uns – kapitalistisch – opportunen Regierungen seit WW 1, sind uns längst zum Verhängnis geworden. Israel und Palästina seit WW 2 ein stabiler Unsicherheitsfaktor für dauerhaften Frieden in der ganzen Welt.
    Das Gegenteil von Vielfalt ist Einfalt und die regiert hier Autoren und Kommentatoren. >Danke # Angelika für deinen Offenbahrungseid.
    Der 3. Weltkrieg existiert – MIT NEUEN WAFFEN – mindestens seit Putin’s 5. Kolonne, die Querdenker, Europas Gesellschaften zu destabilisieren versuchen.
    Ansonsten, so wie ich es befürchtet habe: Viel Gelaber, keine Bereitschaft zu persönlichem Engagement. Schade. Ich werde euch nicht vermissen.

  23. #23 | Don Giovanni sagt am 4. Mai 2022 um 09:45 Uhr

    #22 xtnbb (um Herrn Schweighäuser zu paraphrasieren: „Ich nehme an, es handelt sich um ein Pseudonym, wie in meinem Fall).
    Frage: Muss man sein „persönliches Engagement“ wie eine Monstranz vor sich hertragen, um in Ihren Augen berechtigt zu sein, etwas zum Ukrainekrieg beitragen zu dürfen? Woher wissen Sie, dass weder der Autor des Artikels noch einige der Kommentatoren sich“persönlich“ engagieren, und was geruhen Sie als „persönliches Engagement“ gelten zu lassen?
    Ansonsten kann ich mich des Eindruck nur sehr schwer erwehren, sie nutzen die Gelgenheit hier, den Israel-Plästinenserkonflikt in (un)guter antizionistischer und postkolonialistischer Tradition als den wahren Störer des ewigen „Weltfriedens“ („stabiler Unsicherheitsfaktor“ für einen dauerhaften Frieden in der Welt“) hinzustellen.
    Nennen Sie mir einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Nahostkonflikt und dem Überfall Putinrusslands auf die Ukraine, der sich sicher wahrscheinlich längst zum Weltkrieg ausgeweitet hätte , wäre er – wie beabsichtigt und von der Schar von Putinisten nicht nur hierzulande erhofft – zum Blitzkrieg à la Polen 1939 (wo Adolf und Josef noch gemeinsame Sache machten) geworden. Dann hätte China sicher bereits versucht, Taiwan zu verschlucken, wie einst Japan nahezu zwei Drittel des Pazifikraumes einschließlich Chinas.
    Dass dies bisher noch nicht geschehen ist, ist der geschickten (in den Augen der Friedensfreunde unverschämten) Verteidigung der Ukrainer (mit Unterstützung anderer, vorwiegend westlicher Staaten) sowie einer mehr und mehr wachsenden Entschlossenheit in vielen Staaten, auch vorübergehende Unbill einmal in Kauf zu nehmen.
    Einen gewissen Komfortverlust (der den jetzt drohenden weit übersteigen dürfte) ist man ja ohnehin bereit, in Kauf zu nehmen, um die Welt/den Globus vor dem Verglühen zu retten. Ein gutes Gewissen und eine flauschige Wohlfühlstimmung wären garantiert.
    Das einstige Ziel der Grünen, hohe Benzinpreise um die 5 Euro und ein sonstiger konsumreduzierender Preisantstieg sind ja unerwartet in unmittelbare Nähe gerückt, womit sich das ausschweifende Leben der Massen (nicht das der sich für die hehren Ziele der Menschheit einsetzenden Eliten, versteht sich) sicher in bälde erheblich zugunsten von Natur und Erdklima erheblich reduziert.

  24. #24 | Angelika, die usw. sagt am 4. Mai 2022 um 11:49 Uhr

    #22
    Hi, xtnbb!

    Ölembargo.
    Es geht auch u.a. um kasachisches Öl.

    https://twitter.com/gerhard_mangott/status/1521755364924002305?s=20&t=6A0_WeuixWe6-nBvHBmOWw

  25. #25 | Niemand sagt am 4. Mai 2022 um 11:57 Uhr

    Ein durch und durch wunderbarer, ehrlicher und treffender Artikel. Danke.

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