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Fußball: Die TSG 1899 Hoffenheim demontiert sich weiter kräftig selbst

Hoffenheim Trikot 2

Fast könnte man ja glauben erst heute sei der erste April, wenn man nun liest, dass die TSG 1899 Hoffenheim sich (erneut) von ihrem Trainer und dem Manager getrennt hat. Marco Kurz und Andreas Müller wurden aber tatsächlich heute von ihren Ämtern im Kraichgau entbunden. Der 43-jährige Markus Gisdol wird der neuer Cheftrainer in Hoffenheim, bereits der Vierte in dieser Saison.

Damit zieht der abstiegsbedrohte Erstligist erneut die Reißleine, versucht offenbar mit diesem radikalen Schnitt den Abstieg in die zweite Liga um jeden Preis noch abzuwenden.

Mir verschlägt das Vorgehen, ehrlich gesagt, eher die Sprache. Schon häufiger habe ich mich hier bei den Ruhrbaronen in dieser Saison mit den Entwicklungen in Hoffenheim beschäftigt. Inzwischen scheint es mir fast so, als würde der Club wirklich fast alles unternehmen wollen um am Ende in ein Lehrbuch zu kommen, welches die Beispiele aufzählt, wie man es im Profifußball eben nicht machen sollte.

Als der Club 2008 in die erste Bundesliga Aufstieg, da war mir sein Konzept zwar nicht sympathisch, aber zumindest gab es damals noch Eines!

Unter Coach Ralf Rangnick gelang es das von Dietmar Hopp zur Verfügung gestellte Geld innerhalb weniger Jahre in einen etwas künstlich anmutenden, aber doch beachtlich erfolgreichen Erstligisten zu verwandeln. Das gefiel mir zwar persönlich nicht, verlangte einem aber zumindest Respekt ab. Alles lief scheinbar generalstabsmäßig ab in Hoffenheim. Spätestens mit dem Abschied von Ralf Rangnick setzte dann jedoch vor ca. 2 Jahren dort eine Negativentwicklung ein, deren Ende noch immer nicht abzusehen ist. Das damals vorhandene Konzept wurde inzwischen von so vielen Personen ‚umgearbeitet‘, dass im Verein inzwischen schon fast das blanke Chaos zu herrschen scheint. Und wer nun gedacht hätte, dass nach der Ablösung von Markus Babbel Ende 2012 wieder ein ruhigeres Arbeiten möglich wäre, der sieht sich nun auch abermals ent- und getäuscht.

Ich halte den erneuten raschen Führungswechsel sowohl im sportlichen als auch im wirtschaftlichen Bereich, welcher durch die Trennung von Müller und Kurz nun erneut stattgefunden hat, für den endgültigen, sprichwörtlichen Offenbarungseid des ‚Projekts‘ TSG 1899 Hoffenheim.

Wie gering muss die Überzeugung von den Qualitäten der jeweils frisch verpflichteten Protagonisten gleich von Beginn ihrer Tätigkeit an wohl gewesen sein, wenn man sie schon nach 4 Monaten wieder entlässt? Entweder bin ich von den verpflichteten Leuten und ihren Eigenschaften und Talenten nun überzeugt, oder eben nicht.

Und je öfter ich die Verantwortlichen innerhalb so weniger Jahre austausche, je mehr geht von dem ehemals erfolgreichen Konzept verloren. Jeder neue Trainer und Manager nimmt, logischer Weise, Veränderungen vor. Geschieht das aber so häufig, wie jetzt in Hoffenheim, dann verliere ich doch nicht nur jede Glaubwürdigkeit, ich muss mich auch nicht wundern, wenn ich mit einer charakterlosen Mannschaft im Tabellenkeller ende.

Mehr Ruhe und ein eventuell geordneter Neuaufbau in Liga 2 hätten der TSG sicher besser zu Gesicht gestanden als dieser erneute, panisch anmutende, Personalwechsel.

Dieser spielt doch auch nur wieder allen Gegnern und Skeptikern des Projekts Hoffenheim in die Karten, die sich auch heute wieder insgeheim diebisch freuen werden, dass man Erfolg eben doch nicht (immer) so einfach kaufen kann.

Und mal ganz ehrlich, auch ich wäre nicht traurig wenn der Club mal wieder für einige Zeit im Unterhaus verschwinden würde. Die jüngsten Entwicklungen dort lassen das Szenario, jedenfalls für mich, wohl eher wahrscheinlicher, als unwahrscheinlicher werden. Markus Gisdol, dem ehemaligen Schalker-Co-Trainer, kann man für die nächsten Wochen von hier aus persönlich nur gute Nerven und ein ‚dickes Fell‘ wünsche. Er wird beides brauchen!

Zum Thema:

http://www.ruhrbarone.de/fussball-1899-hoffenheim-entlaesst-trainer-markus-babbel/

http://www.ruhrbarone.de/fussball-droht-das-projekt-1899-hoffenheim-zu-scheitern/

 

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8 Kommentare zu “Fußball: Die TSG 1899 Hoffenheim demontiert sich weiter kräftig selbst

  • #1
    Andreas

    @ Robin Patzwaldt

    Ralf Rangnick: vielleicht ist er ein noch besserer Trainer, als ich sowieso schon dachte – was meinst du?

  • #2
    Robin Patzwaldt

    @Andreas: Ich bin kein ausgesprochener Fan von Rangnick. Seine Ausstrahlung gefällt mir nicht besonders. Aber seine Arbeit scheint ganz offensichtlich hohe Qualität zu haben. Das hat man zuletzt ja auch bei Schalke wieder gesehen, als er Struktur in den Riesenkader brachte.
    Man muss aber bedenken, dass er in Hoffenheim zu Beginn seiner Zeit in der 1. Liga noch quasi aus dem Vollen schöpfen konnte.
    Das hatte sich dann zeitweise geändert, dann war plötzlich von einem Jugendkonzept die Rede, dann setzte man doch wieder auf Erfahrung usw..
    Aber keine Frage, Rangnick ist wohl ein ziemlich Guter.

  • #3
    Andreas

    @ Robin Patzwaldt #2

    Der Kader von Hoffenheim hat sich ja nicht von einem Tag auf den anderen massiv verschlechtert. Und selbst heute ist er – auf dem Papier – nicht so schlecht, wie der Tabellenstand nahelegt, oder?

    Woran liegt‘s also, dass kein erfolgreiches Team entsteht? An denen, die regelmässig – rekordverdächtig – ausgetauscht werden?

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Andreas: Vermutlich nicht. Ich vermute, dass neben einigen ‘unglücklichen’ Spielerverpflichtungen einfach dort das Motto gilt: Zuviele Köche verderben den Brei. Wobei die Köche hier dann wohl Trainer und Teammanager sind. 😉
    Die ständigen Richtungsänderungen von Talentförderung und langsamen Aufbau, dann wieder hektisch hin zu namhaften und teuren Verpflichtungen, und dann rasch wieder retour, tun wohl ein Übriges dazu. Aber ich beobachte das ja auch nur aus der Ferne. Fest steht aber für mich, wesentlich besser wäre es sicher: Sich in Ruhe erst einmal wieder ein Konzept überlegen von dem man dann auch wirklich überzeugt ist, dann das dazu passende Personal suchen, und dann in Ruhe an der Umsetzung dieses Konzepts arbeiten. Im Nachhinein wirken die kurzfristigen Entlassungen bzw. Trennungen von Stanislawski, Kramer und Co. ja fast schon belustigend. Wievielter in der Tabelle war man denn damals? Dorthin würde man sich doch heute in Hoffenheim sicher wieder zurückwünschen….

  • #5
    Martin Böttger

    Nach meiner Lektüre in diversen Medien müsste man auch die ungute Rolle mancher strippenziehender Spielerberaterkonzerne im Hintergrund näher beleuchten, die immer dann besonders dicke Provisionen einstecken können, wenn Spieler den Verein wechseln. Und das hat Hoffenheim ja nun wirklich ordentlich befeuert. Also kein Mitleid!
    Und die nächste Sponsorblase Leipzig (mit Rangnick!) ist auch gerade schon wieder auf dem Weg von der 4. in die 3. Liga. Rot-Weiss-Essen, dessen “Auswärtsspiel” beim FC Kray am Wochenende 10.000 Zuschauer begleitet haben, bleibt dagegen viertklassig – aber mit einem schicken neuen Stadion. Wir habens ja.

  • #6
    Bochumer

    Keine traene fuer hoppenheim. Es taete dem fussball gut, wenn dieses kunstprodukt verschwindet.

  • #7
  • #8
    Robin Patzwaldt

    @Uwe: Das stimmt wohl. Babbel wurde mit seinem ‘Königstransfer’ allerdings so gar nicht glücklich. Für Wiese selber kann es ja jetzt eigentlich auch nur noch bergauf gehen. 😉

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