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Gaspreise können fallen – wenn Sie das wollen

Sie zahlen viel Geld für ihre Gasheizung? Das könnte sich bald ändern. Denn der Mechanismus, der bislang bei Millionen Kunden für schlechte Laune sorgte, könnte bald Geschichte sein. Jahrelang wurden das Gas durch die Bindung an den Ölpreis Jahr für Jahr automatisch teurer. Nun ist das Gasgewerbe im Umbruch. Millionen Menschen - vielleicht auch Sie - könnten davon profitieren.

Tatsächlich steht die Ölpreisbindung auf der Kippe. Derzeit untersucht der Bundesgerichtshof etwa gleich in zwei Verfahren, ob Versorger automatisch die Tarife für Heizungsgas anheben dürfen, wenn die Preise für Schweröl steigen. Gleichzeitig bricht auch an den Großhandelsmärkten die Ölpreisbindung auf. Immer mehr Importeure versuchen, ihre Langfristigen Verträge entsprechend zu ändern. Sie wollen das Gas billiger weiterverkaufen. Der Grund für die unerwartete Bewegung: Neben neuen gesetzlichen Bestimmungen bringt der einsetzende Wettbewerb auf dem freien Markt erste Erfolge. Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen sagt bereits: „Die Ölpreisbindung hat sich überlebt.“

Um zu verstehen, wie rasant sich die Bedingungen verändern, muss man zunächst nach Argentinien blicken. Dort diskutierte auf der Welt-Gaskonferenz im Oktober der Chef von Europas größtem Gasimporteur E.on Ruhrgas, Bernhard Reutersberg, mit dem Vorsitzenden des russischen Staatskonzerns Gazprom, Alexej Miller, auf offener Bühne. Unerwartet war vor allem die Schärfe mit der Reutersberg eine Flexibilisierung der Lieferverträge verlangte. In einer sich ändernden Welt könne es nicht sein, dass man starr an überholten Mechanismen festhalte, sagte er vor hunderten Gasmanagern.

Der Hintergrund der Ansprache ist schnell erklärt: Zunächst wurde der Gashandel in England und Holland liberalisiert. Gleichzeitig sorgten gesetzliche Bestimmungen in Großbritannien dafür, dass große Mengen Gas auch tatsächlich über die Börsen gehandelt werden müssen.

Sie zahlen viel Geld für ihre Gasheizung? Das könnte sich bald ändern. Denn der Mechanismus, der bislang bei Millionen Kunden für schlechte Laune sorgte, könnte bald Geschichte sein. Jahrelang wurden das Gas durch die Bindung an den Ölpreis Jahr für Jahr automatisch teurer. Nun ist das Gasgewerbe im Umbruch. Millionen Menschen – vielleicht auch Sie – könnten davon profitieren.

Tatsächlich steht die Ölpreisbindung auf der Kippe. Derzeit untersucht der Bundesgerichtshof etwa gleich in zwei Verfahren, ob Versorger automatisch die Tarife für Heizungsgas anheben dürfen, wenn die Preise für Schweröl steigen. Gleichzeitig bricht auch an den Großhandelsmärkten die Ölpreisbindung auf. Immer mehr Importeure versuchen, ihre Langfristigen Verträge entsprechend zu ändern. Sie wollen das Gas billiger weiterverkaufen. Der Grund für die unerwartete Bewegung: Neben neuen gesetzlichen Bestimmungen bringt der einsetzende Wettbewerb auf dem freien Markt erste Erfolge. Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen sagt bereits: „Die Ölpreisbindung hat sich überlebt.“

Um zu verstehen, wie rasant sich die Bedingungen verändern, muss man zunächst nach Argentinien blicken. Dort diskutierte auf der Welt-Gaskonferenz im Oktober der Chef von Europas größtem Gasimporteur E.on Ruhrgas, Bernhard Reutersberg, mit dem Vorsitzenden des russischen Staatskonzerns Gazprom, Alexej Miller, auf offener Bühne. Unerwartet war vor allem die Schärfe mit der Reutersberg eine Flexibilisierung der Lieferverträge verlangte. In einer sich ändernden Welt könne es nicht sein, dass man starr an überholten Mechanismen festhalte, sagte er vor hunderten Gasmanagern.

Der Hintergrund der Ansprache ist schnell erklärt: Zunächst wurde der Gashandel in England und Holland liberalisiert. Gleichzeitig sorgten gesetzliche Bestimmungen in Großbritannien dafür, dass große Mengen Gas auch tatsächlich über die Börsen gehandelt werden müssen. Die Norweger zogen deshalb eine neue Pipeline durch die Nordsee, um am interessantesten Gasmarkt der Welt teilhaben zu können. Allerdings sorgten zeitweilige Überangebote in Britannien für fallende Preise. Das Gas wurde weiterverkauft an holländische Handelsplätze, die über Pipelinen mit England verbunden sind. Gleichzeitig setze auch in Deutschland der Gashandel über Börsen ein. Das half nun neuen Wettbewerber Gas auf dem freien Markt einzukaufen – ohne langfristige Verbindungen – und hierzulande um Endkunden zu buhlen. Neben kompletten Newcomern ohne Erfahrung drängten auch holländische Unternehmer mit jeder Menge Know-How ins Geschäft. Die Versorger in Deutschland reagierten und machten eigene Billigangebote.

Damit war die Grundvoraussetzung für den freien Wettbewerb geschaffen: zunächst der freie Einkauf über Börsen und Handelsplätze, an denen große Mengen Gas zur Verfügung stehen und dann der Kampf um Endkunden.

Noch ist der freie Markt holperig und zäh. Preisentwicklungen an den Börsen werden langsam nachvollzogen. Die meisten Kunden scheuen sich ihren Anbieter zu wechseln, obwohl der Tariftransfer ähnlich unkompliziert ist, wie im Stromhandel. Dazu gibt es immer noch vertragliche Bindungen, die den Wettbewerb behindern. So fußen etwa die Verträge von Millionen Gasheizern immer noch auf den alten Mechanismen der Ölpreisbindung.

Doch laut Verbraucherschützer Krawinkel besteht hier Hoffnung, dass sich das bald ändert. Derzeit verhandelt beispielsweise der Bundesgerichtshof über die Ölpreisbindung in etlichen Gaslieferverträgen für Endkunden. Der Bund der Energieverbraucher hält diese Klauseln für unzulässige Preistreiberei. Die Verbraucherschützer glauben, es gehe den Versorgern nur darum, eigene Risiken aus dem Gashandel abzuwälzen. Steigt der Importpreis über die Ölpreisbindung in den Langfristigen Lieferverträgen, könnten die Mehrkosten dank der angegriffenen Verträge auf die Verbraucher abgewälzt werden. Sollte der BGH diese Klauseln aufbrechen, könnten Millionen Verbraucher auf sinkende Preise hoffen.

Denn auch auf den Großmärkten stehen die Tarife unter Druck. Der Grund: Europa wird derzeit von Gas überschwemmt. Die Internationale Energieagentur IEA rechnet bereits damit, dass sich aufgrund der Situation schon in den kommenden Monaten völlig neue Preismechanismen herausbilden. Die Gründe für das Überangebot sind vielfältig. Zunächst können dank neuer Fördertechniken alte Gasfelder in der Nordsee länger profitabel ausgebeutet werden. Nur ein Beispiel: der Energiekonzern E.on erschließt seit Oktober ein bislang nicht wirtschaftliches Gasfeld vor der Küste Englands. Dabei bohren die Techniker ein kilometerlanges Loch in dichtes Gestein tief unter dem Meeresspiegel, legen Sprengladungen und blasen nach den Explosionen in die entstehenden Felsrisse mehrere Milliarden Reiskorngroße Glasperlen, damit sich die Lücken nicht mehr schließen. Aus dem so aktivierten Gestein kann das bislang gebundene Gas ausströmen und kostengünstig gefördert werden. Ähnliche Projekte gibt es überall in Europa.

Dazu kommt auch das einsetzende Geschäft mit Flüssiggas in Südeuropa. Gas aus Asien kann dort per Schiff angeliefert und in die Pipelinennetze eingespeist werden. Gleichzeitig hat die Wirtschaftskrise auch noch die Nachfrage nach Gas gedrosselt. Unternehmen verbrauchen schlicht weniger Energie, um zu heizen oder zu produzieren.

Damit steht der grundsätzliche Mechanismus für sinkende Preise: Neue günstige Quellen und eine sinkende Nachfrage sorgen an den Spotmärkten für ein Überangebot. Wenn nun der Ölpreis anzieht, interessiert das im Gashandel niemanden mehr. Wer auch immer versucht, sein Gas entsprechend der Ölpreise teurer zu verkaufen, findet an den Börsen keine Abnehmer mehr. Er wird schlicht unterboten.

Unter dieser Situation leiden vor allem die großen Energiekonzerne. Sie sind mit langfristigen Importverträgen an Konzerne wie Gazprom gebunden. Zieht der Ölpreis an, müssen sie mehr Geld nach Moskau überweisen. Zudem haben sie Mindestabnahmemengen in ihren Verträgen stehen. Wird das Gas nicht gebraucht, interessiert das die Russen nicht. E.on Ruhrgas und andere Riesen sollen trotzdem Milliarden Euro überweisen.

Kleine Versorger ohne Importverträge freut das. Sie kaufen auf dem Spotmarkt billiges Gas ein und verkaufen es in Deutschland weiter. Wie Schnellboote jagen sie den großen Tankern die Kunden ab. Die Verbraucher freut das. Jeder der den Anbieter wechselt, kann sich günstig mit Gas für den Winter eindecken.

Damit geraten aber die Konzerne noch stärker unter Druck. Sie müssen nicht nur Gas zu überhöhten Preisen in Russland kaufen, sie verlieren zudem Kunden an Wettbewerber.

Um aus der Zwickmühle zu entkommen, setzen Riesen wie E.on Ruhrgas oder die italienische ENI nun Gazprom massiv unter Druck. Sie fordern eine Flexibilisierung der Lieferverträge, um ebenfalls an das günstige Gas an den Börsen zu kommen. In seltener Offenheit forderte etwa E.on-Chef Wulf Bernotat Mitte November die Russen öffentlich auf, von ihrer starren Haltung abzuweichen und E.on zu erlauben, bis zu 10 Prozent über die Spotmärkte handeln zu lassen. Die Energieagentur IEA folgert: „Sollten die großen Exportländer einknicken, wären tiefere Preise die Folge.“

Tiefere Preise, die laut Verbraucherschützer Krawinkel an die Endkunden weitergeben würden.

Drei Schritte zu einer billigeren Gasrechnung:

Schritt 1: Notieren Sie sich Ihre bisherige Kundennummer und die Nummer ihres Gaszählers sowie den Namen Ihres bisherigen Lieferanten. Suchen Sie sich einen neuen Anbieter aus – etwa über Preisvergleiche im Internet. Geben Sie Ihrem neuen Anbieter die Daten durch.

Schritt 2: Ihr neuer Gasanbieter übernimmt die Wechselformalitäten. Die Umstellung erfolgt in etwa vier bis zehn Wochen. Die Rechnung erhalten Sie in Zukunft vom neuen Versorger. Zähler und Leitungen verbleiben aber im Besitz des örtlichen Netzbetreibers, der auch weiterhin die Zählerstände ablesen lässt.

Schritt 3: Der Wechsel geschieht, ohne dass Sie es merken. Per Gesetz ist es unmöglich, dass sie eine Sekunde ohne Gas dastehen. Sollte es beim Wechsel zu einer zeitlichen Verzögerung zum neuen Anbieter kommen, ist der lokale Grundversorger verpflichtet, Sie zu beliefern. Der Wechsel ist für Sie kostenfrei.


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