Ja wo laufen Sie denn?

Für Bild ist das Ruhrgebiet die Wiege der Stars. Mehr als 30 mehr oder weniger Bekannte Künstler die aus dem Revier stammen hat Bild aufgelistet.

Manfred Krug, Herbert Grönemeyer, Christoph Schlingensief und viele andere mehr hat Bild aufgelistet. Für das Blatt steht fest: "Unser Kohlenpott ist die Wiege der Stars." Schön – aber was haben wir davon? Fast alle Genannten Künstler (und noch ein paar andere Stars) wohnen und arbeiten schon längst nicht mehr im Ruhrgebiet. Wir produzieren Kreative vornehmlich für den Export. Das war schon immer so und war noch nie schön –  aber in Zeiten wie diesen, in denen das Ruhrgebiet seine Heil in der sagenumwobenen Kreativwirtschaft sucht ist das doch alles ein wenig peinlich. Im Pott2Null-Interview vor ein paar Jahren antwortete Dieter Gorny, als Ruhr2010 Direktor für die Kreativwirtschaft zuständig auf die Frage: "Wie attraktiv ist denn das Ruhrgebiet für die Kreativen und die so genannte digitale Bohème? Die residieren doch lieber im coolen Berlin" selbstbewußt: "Das Ruhrgebiet als Metropole hat urbane Strukturen, und das zieht kreative Köpfe an."

Leider kann man Gorny in dieser Frage nicht Recht geben: Das Ruhrgebiet zieht, im Gegensatz zu Berlin, keine Kreativen an sondern stößt sie ab. Warum dass so ist?  Ich glaube dass durch die Zersplitterung der Region  an keiner Stelle eine kritische Masse, ein Milieu entstanden ist, dass so stark und attraktiv ist, dass man es nicht verlassen will. Schon ein paar Meter weiter in Köln ist das anders.  Und so lange wir ein solches Milieu an höchstens ein oder zwei Orten nicht zusammen bekommen müssen wir über den Rest gar nicht nachdenken.

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hans castorp
hans castorp
13 Jahre zuvor

nicht alle künstler sind aus dem ruhrgebiet geflüchtet. aber es ist schon richtig: helge schneider in mülheim an der ruhr und wolfgang welt in bochum bleiben leider eher eine ausnahme.

schlingensief hat übrigens letztens, als er in recklinghausen seine mutter besuchte (deutschland deine künstler, ard), gesagt, dass er es sich vorstellen könne, nach recklinghausen zurückzukommen.

Angelika
Angelika
13 Jahre zuvor

„…schlingensief hat übrigens letztens, als er in recklinghausen seine mutter besuchte (deutschland deine künstler, ard), gesagt, dass er es sich vorstellen könne, nach recklinghausen zurückzukommen.“ (siehe oben HC)

Schlingensief kommt aus Oberhausen (verstorbener Vater Apotheker in OB, Abitur am HHG in OB usw.). Im erwähnten Film besucht er seine Mutter in Oberhausen.

Schlingensief und Schneider saßen (erwähnter Film) in einem Lokal in OB zusammen (bzw., wenn ich mich richtig erinnere draußen, vor dem Lokal).

Auch die Herz-Jesu-Kirche (OB!) kam im Film vor, da Sch. das Innere der Kirche nachbaute usw..

Keine Zeit mehr…muss los…

hans castorp
hans castorp
13 Jahre zuvor

Sie haben Recht. Flüchtigkeitsfehler.

Grüße aus Davos.

Perik O'Loso
13 Jahre zuvor

Die Zersplitterung der Region hält die Splitter ja nicht davon ab, sich an einigen Treffpunkten/Clustern/Nuclei oder wie man’s nennen will neu zu formieren. Ich habe zum Beispiel nichts gegen Herne und bin da gern aufgewachsen; es war mir aber immer klar, dass man nix wird, wenn man ausschließlich dort bleibt. Dann folgt man halt dem Sog aus Bochum.
Mit einem starken Kreuzviertel, Bermuda/Viktoriaviertel, Rüttenscheid und Dellviertel/Innenhafen hast Du doch 4x potenziell kritische Masse. Das muss man noch ein bisschen pampern und immer schön laut in die Welt posaunen, und diese 4 genannten „Kreativkerne“ sind ja wiederum verschieden genug, zwischen sich Reibungsenergie aufzubauen.
Ob die in BILD genannten TV-Gesichter unbedingt das Profil „kreativ“ erfüllen, sei übrigens mal dahingestellt.

Andreas Lichte
13 Jahre zuvor

Hallo Stefan,

du schreibst: „»Kreativkern« in Unna …“

klär mich bitte auf, was du damit meinst, bin vielleicht nicht mehr auf dem Laufenden:

Lichte, Andreas ist in Unna geboren, lebte dort bis zu seiner Flucht nach Berlin …

TomD
13 Jahre zuvor

Das Ruhrgebiet hat das beschissenste Marketing der Welt, das ist
sein Problem. Mal in „A40-Geschichten von hier“ von Frank Goosen reinhören. Der hat da eine Szene mit einem Ruhri und einem Bayern. Das ist keine Satire. Wenn ich das hier den Eingeborenen vorspiele kucken die nur ungläubig und fragen „Ja mei, habt’s ihr echt ka Kohlen mehr?“ Und das „boah ist das aber grün hier“ habe ich schon mit eigenen Ohren gehört. Aber solange man weiter vom „Kohlenpott“ redet, wird sich das auch nicht ändern. Na ja, geschenkt. Hier in dem Kaff hier mit 11.000 Einwohnern haben maximal 5 Leute Kühe, aber trotzdem rennen bei der Maifeier alle außer mir mit Lederhose rum. Auch ein Image, das weiter gepflegt wird.

Ciao
Tom

blindschleiche
blindschleiche
13 Jahre zuvor

Boah glaubse,

watt is mit Uwe Lyko (alias Herbert Knebel), den Du mit seiner Frau Guste hier in Essen beim Bummeln triffst, mit Hagen Rether kannze in Rüttenscheid frühstücken, Dr. Ludger Stratmann ist hier abends beim Bier präsent. Helge Schneider (bereits von hans castorp angesprochen) macht immer wieder gerne rüber von Mülheim nach Steele und, und, und.

Nee, also Essen – darfste einfach nich vergessen.
😉

Michael Kolb
Michael Kolb
13 Jahre zuvor

Falscher thread, aber besserer Anknüpfungspunkt…

Sehr geehrte Blindschleiche,
diesen Ton bin ich ja nun so ganz und gar nimmer nich von Ihnen gewohnt, was aber das (jeder ein eigenes ;)) gemeinsame Bier nur noch attraktiver macht 🙂 Was war noch gleich die Essener Hausmarke? Stauder? Egal!
@all
Was verdammich hat „Szene“ mit „marketing“ zu tun? Ich dachte immer, „Szenen“ würden sich einfach so entwickeln und später vom „marketing“ verwurstet? Wie auch immer… (an den ersten Adressaten: ne, das ist keine Phrasedrescherei, darin verfalle ich erst später)
Man liest dem Artikel ja an, daß die Kreativen hier (ja, ich schreibe aus dem Pott) bleiben würden, gäbe es nur nicht die vermalledeite Zersplitterung, das ist, meiner Meinung nach, Noppes, das ist schade, aber trotzdem Noppes! Auch in einer Ruhrstadt würden die Kreationis… äh… die Kreativen weiterhin das Weite suchen. Welcher Kirchturm-OB zwingt den bitteschön die Kreativen, Kirchturmdenken auch beizubehalten? Ich erinnere von „damals“ ein Interview mit Rudolf Platte in dem gesagt wurde er sei ja Dortmunder, ziemlich entrüstet sagte er sinngemäß: „Nein, ich bin Hoerder“ (wie man seinem Wikipedia-Artikel auch immer noch entnehmen kann, also nicht die Geschichte mit „entrüstet“, sondern die mit dem Geburtsort Hoerde).
Heute findet sich auf dieser Seite auch ein Beitrag über ein seit fast zehn Jahren verlassenes Bad. Wo sind die Kreativen, die sich diesen Raum erobert haben? So wie ich „Szene“ verstanden habe sind Räume wie dieser normalerweise ein Kristallisationspunkt. Und was ist passiert? Nix! Aber dafür die Zerslitterung verantwortlich machen? Ne, das geht nun wirklich nicht!
So, ich habe jede Menge Unfug geschrieben, aber keine Phrasen gedroschen, ist doch auch schon was

Eva
Eva
13 Jahre zuvor

@ Stefan: Wenn Du nicht nur zu Kurzbesuchen bei Freunden nach Köln kommen würdest, sondern so wie ich dort arbeiten würdest, kämst Du wahrscheinlich ganz schnell dahinter, dass Köln keineswegs die wunderbare Metropole mit Strahlkraft für Ruhris ist, als die Du sie anpreist. Ein Blick hinter die Kulissen offenbarte mir, dass Köln kaum hinter dem Ruhrgebiet zurücksteht, was Filz, Korruption und provinzielle Rückständigkeit anbelangt.

Der Grund dafür, dass kreative und höher qualifizierte Ruhris wegziehen, dürfte eher darin liegen, dass das Ruhrgebiet kaum berufliche Perspektiven bietet. Hier gilt ganz besonders, dass der Prophet im eigenen Lande nichts gilt. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Abschied aus der Heimatregion bei einigen Ruhris nicht ganz freiwillig erfolgte.

blindschleiche
blindschleiche
13 Jahre zuvor

Manchmal werde ich das Gefühl nicht los, dass die genannte Zersplitterung des Ruhrgebiets gewollt ist. Egal, ob es um die Dreifaltigkeit der Regierungspräsidenten – bezeichnender Weise mit (Aus-) Sitzen in Düsseldorf, Arnsberg und Münster – oder um die Kirchturmspolitik der an ihren Sesseln klebenden Ober- und UnterbürgermeisterInnen geht, der Traum von einer Ruhrstadt wird sich wohl nie erfüllen.

Dazu kommt das offensichtlich gewollte Nord-Süd Gefälle der Ruhrstädte, im Norden die Besitzlosen ? im Süden die Habenden. Durch einfaches Scoring werden Menschen dauerhaft stigmatisiert, Kitas und Schulen betonieren obendrein diese Demarkationslinien. Manchmal schäme ich mich, wenn hier in Heidhausen die Straßen gleich zweimal in der Woche gekehrt werden und meine Freunde aus Altendorf berichten, dass dort die Bürgersteige in Schmutz erstickten, würden sie dort nicht selbst zum Besen greifen. Wen wundert?s, dass es in den Nordstädten eine Abstimmung mit den Füßen gibt??

Gestern holte ich einen Geschäftsfreund vom Essener HBf ab. Aus dem Parkhaus (Südseite) kommend, fragte ich zunächst Passanten, wo denn heute der Bahnhofseingang wäre. Sie deuteten auf einen mit Abfällen übersäten Weg. Baumwurzeln lugten hervor und machten den Gang zu den tristen Betontreppen obendrein zur Stolperfalle, wobei ein penetranter Uringestank mein ständiger Begleiter war. Oben, am Gleis 1 angekommen, hingen die Kabel lose aus den Dächern und der Blick auf eine total vergammelte Hausfassade hob da auch nicht mehr meine Stimmung. Meine Oma sagte immer, ein Bahnhof ist wie eine Diele: Die Visitenkarte der Bewohner. – Gut, dass Oma diese Visitenkarte nicht mehr sehen kann.

Hier war die Rede vom Marketing. Welches Marketing vermag dieses Negativ-Image zu kaschieren? Gerade flattert mir das ?Blaue Branchenbuch? ins Haus. Vorletzte Seite. Werbung für Thaiboxen? 🙁

Noch eine Anmerkung für den sehr geehrten Herrn Michael Kolb:

Das Bier wird getrunken. Auch wenn es dann ?Birra? heißt, von Stauder gebraut ist und wir es bei meinem Lieblingsitaliener oral zu uns nehmen.
😉

Lawrence
Lawrence
12 Jahre zuvor

Frage an Blindschleiche:

Wo kann man Hagen Rether beim Frühstücken antreffen? Oder wo treibt er sich sonst so in Rüttenscheid herum?

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