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Konstantin Wecker über Krieg, Neoliberalismus und übers Einmischen

Er hat eine Meinung und die sagt er auch. Und das seit vierzig Jahren. Wo andere es sich irgendwann bequem machen, ist er lieber unbequem, singt gegen Krieg und Faschismus. Am 21. März tritt er in der Lichtburg Essen auf, gemeinsam unter anderem mit Stoppok und Bettina Wegner bei der Matinee „KünstlerInnen für den Frieden“. Wer ihn dort sehen und hören will, kann sich hier informieren.

Herr Wecker: Wo sehen Sie die Friedensbewegung heute?

"Nie wieder Auschwitz" – diese unsägliche Begründung von Joschka Fischer für den Jugoslawienkrieg hat der Friedensbewegung den Rest gegeben. Als ich gegen diesen Krieg gesungen habe, habe ich selbst bei meinem Publikum gemerkt, dass plötzlich die Hälfte nicht mehr auf meiner Seite war. Jeder dachte: Schröder und Fischer, das sind doch unsere Leute. Wenn die für den Krieg sind, dann wird es wohl richtig so sein. Das hat viele so sehr überzeugt, dass nur noch ein kleiner Haufen Aufrechter übrig blieb.

Die Friedensbewegung hat es in den letzten zwanzig Jahren in Deutschland nicht ganz leicht gehabt. Das liegt auch an den neoliberalen Think Tanks, die es geschickt geschafft haben, jede Form von Engagement zu desavouieren, ins Lächerliche zu ziehen. Leute wie ich werden zum Beispiel als Gutmenschen bezeichnet. Wenn heute ein paar Leute mit einem Schild dastehen und gegen den Krieg demonstrieren, wird das ins Lächerliche gezogen. Ich finde es bewundernswert, gerade in dieser Zeit, dass es noch Menschen gibt, die durchhalten und sich als Teil der Friedensbewegung betrachten.

Die Neoliberalen und ihre Think Tanks haben in den letzten zwanzig Jahren wahnsinnig viel erreicht und die gesamte Gesellschaft verändert. Sie haben sich Worte angeeignet. Zum Beispiel den Begriff "Reform" - früher dienten Reformen einer gerechteren Gesellschaft, heute machen Reformen die Gesellschaft immer ungerechter. Es ist unglaublich, wie die Neoliberalen es geschafft haben, den Sinn dieses Begriffs umzudrehen.


Er hat eine Meinung und die sagt er auch. Und das seit vierzig Jahren. Wo andere es sich irgendwann bequem machen, ist er lieber unbequem, singt gegen Krieg und Faschismus. Am 21. März tritt er in der Lichtburg Essen auf, gemeinsam unter anderem mit Stoppok und Bettina Wegner bei der Matinee „KünstlerInnen für den Frieden“. Wer ihn dort sehen und hören will, kann sich hier informieren.

Herr Wecker: Wo sehen Sie die Friedensbewegung heute?

„Nie wieder Auschwitz“ – diese unsägliche Begründung von Joschka Fischer für den Jugoslawienkrieg hat der Friedensbewegung den Rest gegeben. Als ich gegen diesen Krieg gesungen habe, habe ich selbst bei meinem Publikum gemerkt, dass plötzlich die Hälfte nicht mehr auf meiner Seite war. Jeder dachte: Schröder und Fischer, das sind doch unsere Leute. Wenn die für den Krieg sind, dann wird es wohl richtig so sein. Das hat viele so sehr überzeugt, dass nur noch ein kleiner Haufen Aufrechter übrig blieb.

Die Friedensbewegung hat es in den letzten zwanzig Jahren in Deutschland nicht ganz leicht gehabt. Das liegt auch an den neoliberalen Think Tanks, die es geschickt geschafft haben, jede Form von Engagement zu desavouieren, ins Lächerliche zu ziehen. Leute wie ich werden zum Beispiel als Gutmenschen bezeichnet. Wenn heute ein paar Leute mit einem Schild dastehen und gegen den Krieg demonstrieren, wird das ins Lächerliche gezogen. Ich finde es bewundernswert, gerade in dieser Zeit, dass es noch Menschen gibt, die durchhalten und sich als Teil der Friedensbewegung betrachten.

Die Neoliberalen und ihre Think Tanks haben in den letzten zwanzig Jahren wahnsinnig viel erreicht und die gesamte Gesellschaft verändert. Sie haben sich Worte angeeignet. Zum Beispiel den Begriff „Reform“ – früher dienten Reformen einer gerechteren Gesellschaft, heute machen Reformen die Gesellschaft immer ungerechter. Es ist unglaublich, wie die Neoliberalen es geschafft haben, den Sinn dieses Begriffs umzudrehen.

Warum machen Sie mit bei „Künstler für den Frieden“?

2003 war ich im Irak. Ich wurde häufiger vorwurfsvoll gefragt, was ich denn da wolle, ich würde doch nicht glauben, dass ich den Krieg verhindern könne. Natürlich wusste ich, dass ich diesen Krieg nicht verhindern kann. Aber es war wichtig, ein Zeichen zu setzen. Seit ich denken, kann engagiere ich mich für den Frieden. Das hat auch mit meiner Familiengeschichte zu tun. Mein Vater hatte den verwegenen Mut, unter Hitler den Kriegsdienst zu verweigern. Er war Antimilitarist, und das hat sich in der Familie fortgesetzt. Ich bezeichne mich selbst als Pazifisten, ganz bewusst, weil ich meine, dass es nur mit dieser Utopie möglich ist, wirklich alle Formen des Kriegerischen und Militärischen zurückzudrängen.

Im Übrigen bin ich nach wie vor der Meinung, dass es zur Rolle und Aufgabe der Kunst und der Künstler gehört, sich politisch einzumischen. Nach Jahrzehnten der neoliberalen Gleichschaltung gehöre ich damit zu den letzten Mohikanern, aber das ist dann eben so. Ich bleibe bei meiner Auffassung: Kunst muss sich positionieren!

Im Mai findet die Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag statt. Inwiefern sehen Sie Atomwaffen als konkrete Bedrohung?

Natürlich fühle ich mich bedroht von Atomwaffen, und zwar in erster Linie durch das einzige Land, das schon einmal Atombomben geworfen hat. Es sind die Vereinigten Staaten von Amerika, die die Katastrophen in Hiroshima und Nagasaki verursacht haben. Ich frage mich, warum das nie erwähnt wird. Heute wird so getan, als wären die USA die Retter dieser Welt, diejenigen, die uns vor dem Bösen bewahren. Alle Länder, die Atomwaffen besitzen, sind eine Bedrohung. Keines dieser Länder denkt doch ernsthaft daran, zunächst einmal vor allem die eigenen Atomwaffen zu vernichten. Es geht doch immer nur darum, dass die anderen keine haben sollen. Jede Atomwaffe ist eine zu viel.

In Afghanistan herrscht seit vielen Jahren Krieg, zurzeit gerät der Iran in den Fokus der internationalen Politik. Was macht für Sie das Wesen des Krieges aus?

Immer wenn die Kriegstrommel gerührt wird, wird gelogen. Es wurde bis jetzt in allen Kriegen gelogen. Es ist das Wesen des Krieges, dass er mit gigantischen Lügen eingeleitet wird. Kein Volk der Welt will gerne Krieg führen. Nur mit Propaganda und Lügen kriegt man die Menschen dahin, dass sie Krieg führen wollen. Ich glaube mittlerweile überhaupt nichts mehr. Ich bin damals in den Irak gefahren, weil ich vor Ort sehen wollte, was wirklich los ist. Viel habe ich darüber gelesen und geahnt, dass es Lügen sind. Als ich selbst dort war, habe ich ein ganz anderes Bild bekommen als das, was unsere Medien gezeichnet haben. Zu dieser Zeit habe ich deshalb auf meiner Internetseite den Bereich „Hinter den Schlagzeilen“ eingeführt. Bis heute veröffentlichte ich dort andere Meinungen als die gängigen und andere Sichtweisen als die vorherrschenden und mache sie den Menschen zugänglich.

Kriege wie in Afghanistan sind deswegen willkommen, wenn man weiß, dass sie endlos sind, und dass man sie nicht gewinnen kann. Was ist denn schon auch ein gewonnener Krieg? Man will Kriege gar nicht gewinnen, weil die Waffenindustrie nur am Leben erhalten werden kann, wenn es ständig Krieg gibt. In der Welt gibt es zwei ganz große Industriezweige: die Pharmaindustrie und die Waffenindustrie. Deutschland ist nach wie vor der drittgrößte Waffenexporteur der Welt, da kann man sich auf Dauer nicht aus den Kriegen heraushalten. Bis zum Irakkrieg galt Deutschland ja noch als Land des Friedens. Das geht jetzt nicht mehr. Das lassen die anderen Länder sich nicht mehr bieten, dass ein Land viel Geld mit Waffen verdient, aber bei den Kriegen nicht mitmacht. Ich finde es so ekelhaft, dass die Bellizisten wieder Wortführer sind, mit ihren scheinmoralischen Argumenten. Um es mit Bertolt Brecht sozusagen: „Krieg wird sein, solange auch nur ein Mensch am Krieg verdient“.

Viele Menschen haben die Hoffnung, dass sich mit Barack Obama die Rolle Amerikas in der Welt verändert. Wie sehen Sie das, nachdem er nun gut ein Jahr im Amt ist?

Obama verkörpert bis heute für viele Menschen Hoffnung. Auch weil er der erste schwarze Präsident ist. Das ist ein Schlag in die Magengrube jedes Republikaners, jedes aufrechten Rechten. Das allein schon ist ein Genuss. Aber man muss auch sehen, dass Obama in ein System eingebunden ist. Dass er kein Friedensfürst ist, war allen klar. In Amerika wird kein Pazifist zum Präsidenten gewählt. Aber es gibt viele Gründe, ihn nach wie vor zu mögen. Im Unterschied zu Bush kann er zum Beispiel ganze Sätze sprechen. Man muss dankbar sein, dass Obama gewählt wurde, und natürlich muss man ihm weiter den Rücken stärken.

Sie beziehen öffentlich und offensiv linke Positionen. Wie ist Ihr Verhältnis zu Parteien, zur Linken insbesondere?

Ich bin sehr froh, dass es die Linke gibt, keine Frage. Aber ich bin kein Mitglied und habe auch keinen Wahlkampf gemacht, das mache ich für niemanden mehr. Früher habe ich für die Grünen Wahlkampf gemacht, zu Petra Kellys Zeiten. Da ging es um die Bewegung und darum, Petra Kelly zu unterstützen. Aber die Grünen haben mich zu sehr enttäuscht. Heute bin ich froh, dass es die Linke gibt und ich bekenne mich auch dazu, sie zu wählen, weil ich keine Alternative sehe. Schon oft in der Geschichte war es so, dass von links wichtige Anstöße kamen, um bestimmte Ideen überhaupt populär zu machen. Aber ich bin auch ein Freund einiger aufrechter Sozialdemokraten. Wenn man irgendwo in die Provinz kommt und dort gibt es einen sozialdemokratischen Bürgermeister, dann muss man den natürlich unterstützen. In Bayern zum Beispiel ist so jemand ja praktisch ein Linksaußen.

Seit Kurzem gibt es das „Institut Solidarische Moderne“, in dem sich zahlreiche Einzelpersonen aus den drei Parteien SPD, Linke und Grüne sowie Gewerkschaften, Wissenschaft, Kultur und Kunst zusammengetan haben. Was halten Sie davon?

Ich werde mich demnächst mit Andrea Ypsilanti, einer der InitiatorInnen, treffen. Die Idee eines linken parteiübergreifenden Think Tanks, der das Ziel hat, der neoliberalen Ideologie etwas entgegenzusetzen, finde ich gut. Die Neoliberalen verkaufen ihre Politik immer als ideologiefrei und alternativlos, dabei sind genau sie es, die gezielte Ideologie betreiben. Ich muss mir diese neue Initiative erst genauer anschauen, um zu sehen, ob ich mich dort einbringen kann. Bisher erscheint mir das sehr soziologisch. Es müsste vielleicht eine Gruppe geben, die sich mit Kultur und Kunst beschäftigt, das fände ich wichtig. Es wurde auf jeden Fall Zeit, dass so etwas ins Leben gerufen wird, und vielleicht kann diese Initiative sich in die gesellschaftliche Meinungsbildung einmischen.

Wie optimistisch sind Sie, dass Ihr Engagement Früchte trägt?

In einem Lied über die Weiße Rose habe ich einmal geschrieben, es geht ums Tun und nicht ums Siegen. Ich glaube nicht, dass ich auch nur annähernd eine friedliche Welt erleben werde, meine Kinder wahrscheinlich auch nicht. Das heißt aber nicht, dass wir diese Ideen nicht weiter tragen müssen. Als Künstler bin ich nichts weiter als ein Mosaiksteinchen. Das waren Künstler und andere engagierte Menschen schon immer. Wahrscheinlich wäre diese Welt aber noch viel schrecklicher, wenn es das über die Jahrtausende nicht immer gegeben hätte. In einem Konzert habe ich erzählt, „vor vierzig Jahren bin ich angetreten, um diese Welt mit meinen Liedern zu verändern. Wenn ich mir die Welt heute anschaue, kann ich nur sagen, ich war es nicht.“ Daraufhin haben mir ganz viele Leute geschrieben, ich hätte bei ihnen ganz persönlich etwas bewirkt, ihnen Kraft gegeben. Manche haben auch geschrieben, ich hätte sie politisiert, ihnen Mut gemacht, zu ihrer eigenen Meinung zu stehen. Und das ist doch schon mal was. Auch wenn ich weiß, dass ich nicht die Welt verändern kann, so ist es doch nicht sinnlos.

Wie viel Unterstützung haben Sie in Ihrem künstlerischen Umfeld?

Es machen nicht mehr sehr viele mit. Ich hoffe, dass sich bei der jungen Generation wieder etwas ändert. Durch die Proteste an den Hochschulen habe ich Kontakt bekommen zu einigen jungen LiedermacherInnen, die dort mitgemacht haben. Insofern habe ich die Hoffnung, dass es wieder mehr Leute gibt, die sich trauen, sich zu engagieren. Aber auch hier habe ich das Gefühl, die neoliberale Vorherrschaft hat einige Künstler abgehalten, sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Es ist erstaunlich, wie wenige sich insgesamt lautstark äußern und engagieren. Ich sage zwar meine Meinung und mische mich ein, aber eigentlich bin ich ja Künstler, und das will ich auch sein, kein Politiker. Nach wie vor glaube ich viel mehr an die Poesie als an die Politik.

Wo ist die Hoffnung für Sie?

Bei Erich Fromm habe ich den schönen Satz gelesen, „Hoffen heißt, auch an etwas weiter glauben, selbst wenn man es zu Lebzeiten nie verwirklichen kann“. Hoffnung hat nichts mit der eigenen Wunscherfüllung zu tun, sondern damit, daran zu glauben, dass eine Idee sich weiter tragen kann. Dazu gehören viele Menschen. Niemand ist alleine wirklich großartig. Das Jahrhundert der Diktatoren hat gezeigt, was einzelne Menschen, die die Welt beherrschen wollten, an Schrecken verbreiten und Katastrophen anrichten können. An einer neuen Idee und an einer neuen Gesellschaft müssen viele Menschen arbeiten. Ein einzelner kann eine Idee weiter befördern und in die Welt tragen, aber nie und nimmer ein System errichten, das ein gerechtes System wäre. Das geht nur durch die Arbeit und die lebendige Kraft vieler Menschen.

Foto: Richard Föhr

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22 Kommentare zu “Konstantin Wecker über Krieg, Neoliberalismus und übers Einmischen

  • #1
    Westerwellenreiter

    Es gibt einige Lieder des Herrn Wecker, die ich wirklich für gelungen halte. Ich schätze ihn also als Künstler.
    Was er zur Politik sagt, ist weniger originell. Da plappert er seit 40 Jahren den linken Mainstream nach.
    Ansonsten ist Herr Wecker ein fähiger kleiner Unternehmer, ein erfolgreicher Selbstvermarkter. Insofern würde er doch bestens in eine neoliberale Partei passen.

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  • #3
    Torti

    Also man kann ja gegen viele Kriege sein aus guten Gründen, wie gegen den Krieg in Irak oder Afghanistan. Aber in Yugoslavien gab es einen versuchten Völkermord an den bosnischen Muslimen. Ohne die Luftangriffe der Nato auf die Serben bei Sarajevo wäre dieser Krieg nicht zu Ende gegangen und die Schuldigen nicht vor Gericht gestellt.
    Herr Wecker hat in dieser Zeit den zugekoksten Gutmenschen gegeben. Wir-haben-uns-alle-lieb-Kokain-Hedonisten halten auch mit Chansons keine Völkermöder, die mit Scharfschützen Zivilisten jagen und in Massen Frauen vergewaltigen, auf. Ein sehr peinliches Interview.

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  • #5
    Hippo

    Ich möchte den beiden Vorrednern entgegnen, dass sie zwar labbern können, aber übersehen haben, dass Herr Wecker seine Sucht überwunden hat und erfolgreich wieder auftritt und seinen Prinzipien treu geblieben ist, etwas was beispielsweise Politiker nicht von sich behaupten können.
    Es gäbe eine bessere Welt, von der alle die Weckers Lieder hören und etwas verstanden haben, träumen.
    Es geht beim Krieg und der Rüstungsindustrie nur ums dazuverdienen und nicht um das Wohl und Wehe der Menschheit.
    Das ist so, war schon immer so und wird sich, wenn nicht von der Träumern die Welt verändert wird so schnell nicht ändern.
    Und ich bin stolz ein (realistischer) Träumer zu sein.

  • #6
    Gudrun Koball

    @ Westerwellenreiter Haben Sie schon einmal auf YouTube geschaut, wie viele Videos Konstantin Wecker seinen Fans völlig kostenlos zur Verfügung stellt? Das spricht nicht unbedingt für marktorientiertes Kalkül und widerlegt Ihre These vom cleveren Selbstvermarkter.
    Dass auch ein Konstantin-Wecker-Konzert nicht kostenlos stattfinden kann, entspingt der Tatsache, dass auch Konstantin Wecker leider an die „Spielregeln“ unserer Gesellschaft gebunden ist und sowohl seine Mitarbeiter als auch seinen Bäcker, Metzger, oder Stromanbieter leider nicht mit gratis-mp3-Dateien entlohnen kann.
    Kein Mensch wirft einem Pfarrer vor, dass er für seinen Dienst ein (recht ordentliches) Gehalt bezieht aber von einem Künstler wird dies gern mal erwartet …
    PS.: Mein Mann ist auch Sänger – keine Chance, an der Supermarktkasse mit einer Opernarie zu bezahlen – die wollen Bares oder eine gut gedeckte Kreditkarte sehen!

    @Torti Sie sollten sich in all Ihrer Abneigung gegenüber Pazifisten und Drogenkonsumenten wenigstens einer korrekten Chronologie befleißigen: In Zeiten des Jugoslawienkrieges war Konstantin Wecker bereits seit vier Jahren clean. Beim Irakkrieg waren es gar schon acht Jahre.
    Ich bin übrigens sehr froh, dass die NATO niemals auf die Idee kam, die Menschen in der DDR mit Luftangriffen von ihren pseudo-sozialistischen Machthabern zu befreien. Das wäre eine ganz schlechte Idee gewesen – und, historisch betrachtet – zudem völlig unnütz! Hat jemand Südafrika bombardiert, weil dort Apartheid herrschte?
    Die Türkei, die selbst einen Völkermord an den Armeniern verleugnet, ist gar selbst NATO-Mitglied.
    Übrigens war der „Gutmensch“ Wecker einer derjenigen, die in Dresden den Aufmarsch von ca. 6.000 (Neo)Nazis erfolgreich verhindert hat, wofür ich ihm sehr dankbar bin, da dies international das Ansehen Deutschlands wesentlich verbessert hat.
    Hat nun eigentlich die Bombardierung Dresdens irgend etwas zur Ausbreitung von Humanismus und Demokratie beigetragen?
    Wissen Sie, dass Konstantin Weckers Vater den Mut hatte, im dritten Reich den Kriegsdienst zu verweigern – diese Geisteshaltung prägte seine Welt-Sicht.

  • #7
    Stefan Laurin

    Was für ein Betroffenheitsgesülze, was für ein elender Beleg intellektueller Stagnation Jeder, von dem sich Wecker enttäuscht fühlt, kann stolz darauf sein.

  • #8
    Gudrun Koball

    @ Stefan Laurin
    Ich danke Ihnen für Ihren sehr durchtdachten und differenzierten, intellektuell fortschrittlichen und lösungsorientierten Beitrag zum Thema.
    Mit Denkansätzen wie dem Ihren, werden wir Finanz- und Wirtschaftskrise sowie die ökologischen und ökonomischen Probleme dieser Welt gewiss rasch bewältigen.
    Ebenso wird es gelingen, die ethnischen und ökonomischen Konflikte, die unserer Rüstungsindustrie ein so reiches Betätigungsfeld bieten, immer wieder neu anzuheizen, um der Rüstungsindustrie, die ja ein unverzichtbarer Bestandteil unserer modernen Volkswirtschaften ist, immer wieder neue Absatzmärkte zu bieten.
    Hunger und Elend in der „3. Welt“ werden sich durch Seuchen, die man ja keinesfalls den überteuerten Produkten der Pharmaindustrie zu Last legen darf, gelegentlich von selbst in Grenzen halten.
    Sie sehen, Sie haben durch Ihren Beitrag erreicht, dass ich mich ab sofort mit den Lösungsansätzen der Regierungen unserer modernen, demokratischen und marktorientierten Regierungen wesentlich besser identifizieren kann!
    Ich danke Ihnen!

  • #9
    Gudrun Koball

    Es muss natürlich heißen:
    „durchdachten“ statt: „durchtdachten“

    und:

    „… Lösungsansätzen der Regierungen unserer modernen, demokratischen und marktorientierten Staaten …“
    anstelle von: „… Lösungsansätzen der Regierungen unserer modernen, demokratischen und marktorientierten Regierungen …“

  • #10
  • #11
    Torti

    @ Gudrun @Hippo
    Also ich stehe lieber auf der Seite der Opfer, als bei Konzerten zu träumen und ihm Schein der Feuerzeuge zu kuscheln. Herr Wecker hat Yugoslavien angesprochen und da ist seine Einlassung, mit Verlaub, eine Beschimpfung und Verhöhnung der bosnischen Muslime. Darauf habe ich mich konkret bezogen.

    Beim Rest Ihrer Aussage ist mir recht schleierhaft, wie Sie die meiner Aussage entnehmen.

    Wenn Ihnen die Poesie und die Statements von Herrn Wecker gefallen, sei es Ihnen gegönnt. Es ist nicht verboten sich mit Klaviergeklimmper und Seelenkotze zu sedieren

    Ich kriege schon beim lesen Blitzherpes im Gehirn.
    Aber das steht mir ja auch frei.

  • #12
    Torti

    @Gudrun
    Was die Kritik an den zeitlichen Abläufen an geht, hier mal die konkreten Daten:

    Die Luftangriffe der Nato in Sarajevo die den Yugoslavienkrieg beendeten fanden am zwischen dem 30.08 und 20.09. 1995 statt.

    Herr Wecker wurde 29.11.1995 wegen Drogenbesitzes verhaftet. Laut eigner Aussage litt er bis zu seiner Verhaftung wegen des starken Genusses von Kokain unter Wahnverstellungen.

    Mit ein bisschen googeln können Sie das nachprüfen.

  • #13
    Gudrun Koball

    @Torti Ich spielte auf den Kosovokrieg vom 24. März 1999 bis zum 10. Juni 1999, an, gegen den sich Konstantin Wecker auch im Rahmen der internationalen Friedensgespräche in Wien besonders engagiert hat.

  • #14
    Arnold Voß

    Er hat vor allem Angst, dass die Amerikaner noch mal eine Atombombe werfen. Na klar! Sowieso! Wer sonst! …..Was für ein Schwachsinn!

    Auf die Idee, dass andere schon längst ihre Erste geworfen hätten, wenn die USA nicht über Atomwaffen verfügen würde, kommt diese Sorte Pazifist erst gar nicht. Dabei könnte einem das mit und ohne Koks einfallen.

    Konstantin, du gehst mir schwer auf den Wecker!

  • #15
    Gudrun Koball

    Dieses Gedicht wurde in der DDR zur Rechtfertigung für die Existenz der NVA und der Sowjetischen Atomwaffen verwendet:

    Bewaffneter Friede

    Ganz unverhofft, an einem Hügel,
    Sind sich begegnet Fuchs und Igel.

    Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht!
    Kennst du des Königs Order nicht?

    Ist nicht der Friede längst verkündigt,
    und weißt du nicht, daß jeder sündigt,

    Der immer noch gerüstet geht?
    Im Namen seiner Majestät

    Geh her und übergib dein Fell.
    Der Igel sprach: Nur nicht so schnell:

    Laß dir erst deine Zähne brechen,
    Dann wollen wir uns weiter sprechen!

    Und allsogleich macht er sich rund,
    Schließt seinen dichten Stachelbund

    und trotzt getrost der ganzen Welt,
    Bewaffnet, doch als Friedensheld.

    Wilhelm Busch

    Wahrscheinlich wurde es in der Bundesrepublik damals genau anders herum interpretiert.

    Und heute ???

    (Das wird mein letzter Beitrag zum Thema sein – ich klinke mich dann mal aus!)

  • #16
    Torti

    @ Gudrun
    Also tut mir leid, Ihr Verhalten ist selten dämlich und infantil. Sachlich falsche Vorwürfe erheben und dann die beleidigte Leberwurst spielen. Zeugt wirklich von Niveau.

  • #17
    Mushroom Valley

    Herr Wecker darf sich gerne zum letzten Mohikaner stilisieren, das macht seine Position nicht weniger Menschenverachtend. Wer Pazifismus zur Staatsideologie erklären will, nimmt in Kauf, dass andere Staaten, paramilitärische Organisationen und auch Rebellengruppen anderswo Zivilisten abschlachten. Und redet euch nicht mit irgendwelchen Verhandlungen heraus – nennt erst mal Beispiele, wo Appeasement funktioniert hat!

    Zwei weitere Fehlgriffe sind Herrn Wecker bei seiner Argumentation noch unterlaufen: 1. Warum sollten sich irgendwelche neoliberale Think Tanks damit beschäftigen, Argumente für irgendwelche Kriege zu produzieren? Oder ist alles, was nicht mit Herrn Weckers Meinung übereinstimmt, neoliberal?
    2. „Man will Kriege gar nicht gewinnen, weil die Waffenindustrie nur am Leben erhalten werden kann, wenn es ständig Krieg gibt.“
    Na klar, weil Waffenindustrie = Kapitalisten und alle Kapitalisten haben die gleichen Interessen. Und wer ist überhaupt dieser „man“? Fischer? Man muss schon sehr in seiner Ideologie verfangen sein, um so zu argumentieren.

  • #18
    Werner Schlegel

    @Stefan Laurin,

    dass Du schon zu Marabo-selig-Zeiten gelegentlich recht zweifelhafte Positionen vertreten hast, sei Dir unbenommen. Das musste das Blatt pluralistisch-demokratisch aushalten, so wie es auch meine Positionen aushalten musste. Frei nach Rosa Luxemburg: Die Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden.
    Aber: Als Journalist solltest Du in der Lage sein, exakt zu recherchieren! Der Hufeisenplan zur Ausrottung aller Nichtserben hat – wie wir heute wissen – nie existiert, sondern war eine Kriegs rechtfertigende Erfindung der NATO. Das in allen Kriegen gelogen wird, bis sich die Balken biegen, sollte auch Dir nicht unbekannt sein. Da zieht sich die blutige Lügenspur von der gefälschten Emserdepesche Bismarcks (1. Weltkrieg), den angeblichen Überfall auf den Sender Gleitwitz („seit 5 Uhrrr 45 wird zurrrrrückgeschossen“), über den „Zwischenfall im Golf von Tonking“ (Vietnamkrieg), den angeblich aus den Brutkästen gerissenen Babys in Kuwait (Fälschung), bis zum „Hufeisenplan“ im Kosovo und den Massenvernichtungswaffenplus 9/11-Beteiligung des Irak. Aber es ist natürlich immer sehr praktisch, den Propagandalügen zu glauben. Das erspart das eigene Nachdenken und vor allem: Man kann sich gemütlich zurücklehnen und muss selbst nichts dagegen tun, (außer zu labern). Mal sehen, welche Rechtfertigung für den Krieg gegen den Iran gebraucht wird. Genug Fälschungen gab’s da ja schon. So Ahmadinedschadmadinedschads Rede „Israels Tilgung von der Landkarte“. Eine 1-A-Übersetzungsfälschung („Versehen“, lautete die offizielle Erklärung), die bis heute nur wenige Medien korrigierten, und die immer wieder auf’s Tablett gelegt wird.
    @Torti: Im übrigen war die NATO ganz froh über die ermordeten Muslime Und diese wiederum waren auch keine Waisenknaben (jeder Soldat ist ein Mörder/Tucholsky).. Weder beim Vergewaltigen, noch beim Ermorden von serbischen Zivilisten. Und genau deshalb ist Wecker im Recht. Man kann nur GEGEN den Krieg sein.
    Ich habe ihn mit Wolfgang Berke (früher „Herne 3“) übrigens schon vor über 25 Jahren interviewt. Er ist seiner Haltung – so wie immerhin auch Stefan – bis heute treu geblieben. Was man von den ganzen neoliberalen Wendehälsen im Lande leider nicht behaupten kann…

  • #19
    werner müller

    konstantin wecker ist irgendwie schon symphatisch. ich finds nett, dass er sich immer wieder engagiert.

    nur sein bild von internationaler politik ist leider zu treu in den plumpen siebziger jahre parolen hängengeblieben. da nuddelt er sich mit altbackenen antiamerikanismen durch. dabei gibt es gute gründe wenig begeisterung fürs us-militär zu haben und kritisch zu medien zu sein.

    nur warum dann nur einseitig? eine formulierung wie „Ich bin damals in den Irak gefahren, weil ich vor Ort sehen wollte, was wirklich los ist. Viel habe ich darüber gelesen und geahnt, dass es Lügen sind. Als ich selbst dort war, habe ich ein ganz anderes Bild bekommen als das, was unsere Medien gezeichnet haben.“ ist so abgrundtiefe plattitüde. da lässt saddam hussein ihn kurz vor dem krieg einreisen, und wecker fährt (lässt sich fahren?) ein bisschen durchs land und meint zum landesexperten geworden zu sein. albern!!!

    oder: „Kein Volk der Welt will gerne Krieg führen. Nur mit Propaganda und Lügen kriegt man die Menschen dahin, dass sie Krieg führen wollen.“ auch das ein zutiefst 70er jahr glaube an das gute volk und ein paar böse verhetzer. im land, in dem das volk 1914 und 39 nicht ohne ernsthafter eigener begeisterung in den krieg zog, und indem rassismen und antisemitismen an den stammstischen normalität darstellen, ist das besonders fragwürdig.

    kritisch sein, muss mensch nicht nur, wenn es herrscher sind, sondern auch wenn die mehrheit irgendwas will.

    ist eben alles nicht so einfach wie wecker das gerne hätte. aber das spricht nun auch nicht sich gegen kriege, armut oder nazis zu engagieren.

  • #20
    Torti

    @ Werner Schlegel
    Da Sie Recherche anmahnen. Sie schreiben von der „gefälschten Emserdepesche Bismarcks (1. Weltkrieg)“.
    Hm… Bismarck 1914.. so..so, Bismarck starb 1898. Schon erstaunlich wie ein Brief aus dem Jenseits den 1. Weltkrieg auslöst.

  • #21
    Stefanie Berg

    @werner müller: du schreibst: „…..oder: “Kein Volk der Welt will gerne Krieg führen. Nur mit Propaganda und Lügen kriegt man die Menschen dahin, dass sie Krieg führen wollen.” auch das ein zutiefst 70er jahr glaube an das gute volk und ein paar böse verhetzer. im land, in dem das volk 1914 und 39 nicht ohne ernsthafter eigener begeisterung in den krieg zog, und indem rassismen und antisemitismen an den stammstischen normalität darstellen, ist das besonders fragwürdig.“ – Auch hier fehlt wie in anderen Beiträgen die historische Genauigkeit. Wer jemals „Im Westen nichts Neues“ von Remarque gelesen hat, konnte bereits für den 1. Weltkrieg die Lügen und die Propaganda, mit deren Hilfe junge Männer für den Krieg begeistert wurden, ziemlich genau nachvollziehen. Und jeder kann eigentlich wissen, dass 1939 die Nazis größte Sorge hatten, dass das kriegsmüde Volk nicht mitziehen würde. Nicht umsonst wurde ja auch die Parole „Wir schießen zurück“ heraus gegeben. Auch zum Thema Antisemitismus und Rassuismus ließe sich noch viel sagen, aber lassen wir es dabei…
    Der von dir zitierte Satz und sein klares Statement zum Irakkrieg – gegen die grüne Klientel in der eigenen Fangemeinde – machen Konstantin Wecker für mich sehr glaubwürdig. Man muss ja seine Musik nicht mögen, aber ihn zum nichtsdazulernenden, naiven Gutmenschen oder immerroten Linken abzustempeln wird dem analytisch scharf denkenden politischen Menschen wirklich nicht gerecht.
    Beste Grüße stefanie

  • #22
    Niklaus Ramseyer

    Lieder müssen die USA rein von ihrem expansiven, erpresserischen und gewalttätigen Hegemonialsystem her (700 Mia Dollers pro Jahr für die schlimmste Kriegsmaschinerie aller Zeiten) als Schurkenstaat bezeichnet werden. (Noam Chomsky: „There is only one roguestate in the world- its the US of A!“) Und wenn das so ist, dann hätten wir an ihrer Spitze doch lieber einen Oberschurken von den Republikanern, der diese „violent nation“ auch richtig repräsentiert. Sonst können sich alle Illusionisten mit dem netten Obama über die brutalen Tatsachen hinwegtäuschen lassen. Dass ausgerechnet der erste schwarze US-Präsident mit seinen Killerdrohnen staatlich organisierte Lynchjustiz weltweit praktiziert und so schon Tausende unschuldiger Zivilisten (Colateral…) umgebracht hat, ist eine üble Ironie der Geschichte. Das ein solcher (feiger weil fern vom gewalttätigen Geschehen im geheizten Büro sitzender) Oberschurke auch noch den Friedensnobelpreis bekommt, ist der Gipfel des Zynismus. Alfred Nobel hat sich bestimmt um Grab umgedreht. Niklaus Ramseyer

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