Kuschelige Kreative

Das Empirica-Institut befragte 48 ausgewählte Unternehmen der Kreativbranche im Ruhrgebiet  nach ihren Bedürfnissen und den Gründen für die Standortwahl. Das Ergebnis: Die Kreativen im Revier mögen es gerne kuschelig und scheuen den Konkurrenzdruck.

Die Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet gilt als einer der Hoffungsträger der Wirtschaft im Ruhrgebiet – zumindest bis zum Ende des bald beginnenden Kulturhauptstadtjahres.

Nun schaute sich das Empricia-Institut im Auftrag der Ruhrgebiets-Wirtschaftsförderung die Kreativen im Revier etwas genauer an.

Nach der Umfrage sind die meisten Unternehmen der Branche klein – nur wenige haben mehr als fünf Mitarbeiter und jeder fünfte Kreative arbeitet von seiner Wohnung aus. Die Schwerpunkte der Kreativwirtschaft im Revier liegen in Dortmund, wo 36 Prozent der Kreativunternehmen des Reviers beheimatet sind, Essen (21%) und Duisburg (15%) folgen auf den Plätzen zwei und drei. Auf den billigen Rängen finden sich dann Bochum (10%) und Dinslaken (6) wieder. In Gelsenkirchen, Oberhausen und Mülheim sind  gerade einmal je 4 Prozent der Kreativen tätig.  

Größtes Segement innerhalb der Kreativwirtschaft im Revier ist nach dieser Untersuchung mit 26 Prozent die Designwirtschaft, gefolgt vom Kunstmarkt (24%) und der Werbung (10%).

Und was lieben die Kreativen? Ein Umfeld mit netten Cafés und Kneipen und billigen Räume. Über sieben Euro den Quadtratmeter möchte und kann kaum jemand zahlen. Die Gründe im Ruhrgebiet zu arbeiten sind eher pragmatisch und zeugen von einem geringen Wachstumspotential:  Man war schon immer hier – und schätzt den Mangel an Konkurrenz, der man ja in Köln oder Berlin begegnen könnte: "Als Gründe für die Zufriedenheit mit dem Standort Metropole Ruhr wurden vor allem die weniger große Konkurrenz durch andere Kreativunternehmen und die dadurch erfahrene erhöhte Aufmerksamkeit genannt."

Eine Branche die den Konkurrenzdruck scheut als Hoffnungsträger der wirtschaftlichen Entwicklung? Warum nicht. Es soll ja auch Fußballprofis mit Schweißallergie geben.

Umfrage als PDF zum Download: Klick

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6 Kommentare

  1. #2 | Torti sagt am 14. Dezember 2009 um 21:42 Uhr

    @Stefan
    Also die Logik der Scheu vor Konkurrenz erschliesst sich mir nicht. Entweder ich bleibe im Revier, arbeite hier an kleineren Jobs und mit, zugegeben, weniger Konkurrenz oder ich gehe nach Berlin, Hamburg oder München und arbeite an grossen Projekten. Aber dann bin ich doch da und nicht hier. Also was will der Autor uns sagen ?

    Ihr hattet hier mal ein Interview mit Jamiri, der hat das sehr schön auf den Punkt gebracht…

  2. #3 | Stefan Laurin sagt am 14. Dezember 2009 um 21:49 Uhr

    @Torti: Das die Ambitionierten das Ruhrgebiet verlassen und die die hier bleiben sich in der Nische wohl fühlen und gar nicht mehr wollen. Mehr zu wollen wäre aber die Grundlage für Wachstum – das könnte ja durchaus hier am Standort realisiert werden – gegen die Konkurrenz, wo immer sie auch sitzt.

  3. #4 | Arnold Voss sagt am 15. Dezember 2009 um 12:26 Uhr

    Stefan, die Prozentzahlen zur Verteilung der Kreativen auf die verschiedenen Ruhrstädte bringen nicht viel. Die Anzahl der Kreativen pro Anzahl der Einwohner der jeweiligen Gemeinde geben die Realität eher wieder. Essen und Dortmund haben nämlich schon deswegen mehr Kreative als z.B. Bochum weil sie jeweils gut doppelt soviele Einwohner haben.

  4. #5 | links for 2009-12-15 « Nur mein Standpunkt sagt am 15. Dezember 2009 um 14:04 Uhr

    […] Kuschelige Kreative » ruhrbarone So sind sie halt, die Kreativen an der Ruhr… (tags: internet) […]

  5. #6 | Franz Przechowski sagt am 15. Dezember 2009 um 20:18 Uhr

    @Stefan
    teile Deine Einschätzung zur Kreativwirtschaft hier im RG in Bezug auf die Agenturszene. Eine Art Lähmung scheint die Armgelenke der hiesigen Werbetrommler befallen zu haben. Bis auf eine oder zwei Ausnahmen hat die restliche Welt keine Wahrnehmung von hier aktiven Agenturen – egal ob es Kommunikations-, Event-, PR- oder Kreativagenturen sind. In keiner Fachzeitschrift, Landesmedienball, Gala, Bunte oder von mir aus auch „Praline“ auch nur eine kleine Pressemeldung. Selbst der Aufschrei über das Verblasen von Ruhr.2010 Etat-Millionen durch KNSK in Hamburg oder über die GREYschen Alltagskreationen aus D´dorf bleiben aus. Man wurschtelt vor sich hin und hadert mit der Ungerechtigkeit der glitzernden Werbewelt, die überall zu Hause ist, nur nicht hier. Ist schon etwas fade hier. Wenigstens eine anständige Klopperei könnte mal passieren…..

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