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Die Galgen hoch, die Reihen fest geschlossen (II)

Quefront & russische Propganda helfen beim Entstehen eines neues Terrorismus. (Foto: Karl-Ludwig Poggemann/ Flickr/ cc-by-sa)

Querfront & russische Propganda helfen beim Entstehen eines neues Terrorismus. (Foto: Karl-Ludwig Poggemann/ Flickr/ cc-by-sa)

Terroranschläge, Attentate und terroristische Vereinigungen entstehen nicht aus dem Nichts. Nichts entsteht aus dem Nichts. Im zweiten Teil der dreiteiligen Artikelserie zur Entstehung einer neuen terroristischen Bewegung in Deutschland geht Sebastian Bartoschek der Frage nach, aus welchen Organisationen, Parteien und Strömungen sich eine neue terroristische Bedrohung zusammensetzt.

Zunächst einmal gilt es, sich zu bedanken. Für all den Zuspruch, die Ablehnung und die Diskussionsbereitschaft zum ersten Teil dieser Artikelserie. In verschiedenen sozialen Medien bin ich mit Leserinnen und Lesern in den Austausch getreten und habe manch einen interessanten Gedanken gelesen, den ich mit aufgenommen habe.

Ich habe auch gelernt, dass wenn ich von einer „Terrororganisation“ spreche, ich eigentlich eine „terroristische Organisation“ meine. Mir war neu, dass die „Terrororganisation“ eine Top-Down-Aktion und die „terroristische Organisation“ eine Bottom-Up-Aktion bezeichnet. Ich nehme solche Hinweise gerne an, so sie wertschätzend angetragen werden. Das wird nach diesem zweiten Teil noch mehr notwendig sein, da ich bestimmt Begriffe aus Politikwissenschaft und Extremismusforschung so benutzen werde, dass es dem einen oder der anderen in den Fingern jucken wird, mich hinsichtlich der Verwendung der Begriffe zu korrigieren. Wie gesagt: gerne. Ich wünsche mir aber, dass die Debatte über einzelne Begriffe nicht die Debatte über die Inhalte, die ich benennen möchte, überlagert.

Denn wie real die Bedrohung durch einen neuen Terrorismus ist, sehen wir nicht nur daran, dass es derzeit mehrere Dutzend rechtsextremer Taten gegen Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte an jedem Tag gibt, sondern auch an dem feigen Attentat, das sich letzten Samstag in Köln ereignet hat, und in der fortschreitenden Verrohung diesen Montag in Dresden.

Die Art des Anschlags in Köln ist leider nur der nächste folgerichtige Schritt, wobei ich zur Ausführung der Vorgehensweise erst im dritten Teil meiner Artikelserie kommen werde. Allerdings möchte ich hier schon anmerken, dass im Sinne des Verbreitens von Terror (Schrecken) es immer sinnhafter ist, lokale Repräsentanten eines Staates anzugreifen, weil dadurch die Verletzlichkeit einer demokratischen und freiheitlichen Gesellschaft maximal aufgezeigt wird.

Auch in diesem Artikel gilt, wann immer etwas kursiv gesetzt ist, bezeichnet es die Gedankenwelten, die ich der neuen terroristischen Bedrohung und ihren Mitgliedern zuordne.

Wobei auch „Mitglieder“ der falsche Begriff ist, aber dazu auch nächste Woche mehr. Worum soll es denn nun hier gehen?

Ich werde eine Listung von Initiativen, Parteien und Strömungen präsentieren, aus deren Umfeld und partieller Verschmelzung ich diejenigen kommen sehe, die mit Waffengewalt gegen Andersdenkende, Migranten, Repräsentanten des Staates sowie Medien und Wirtschaft vorgehen werden.
Dabei sei darauf hingewiesen, dass insbesondere bei benannten Symbolpersonen es sich nicht um Menschen handelt, bei denen ich davon ausgehe, dass sie eben jenen Terrorismus selbst unterstützen werden, gleichwohl sehe ich sie als geistige Wegbereiter.

Verschwörungstheoretiker („Aluhüte“): Einen besonders relevanten Fall von Aluhüten bilden die Reichsbürger, weswegen sie hier auch einen eigenen Absatz bekommen werden. Es gibt sehr viele Verschwörungstheorien. Im Rahmen meiner wissenschaftlichen Arbeit habe ich allein 95 untersucht. Typisch für einen Verschwörungstheoretiker ist, dass er durch das Glauben an eine Verschwörungstheorie Komplexität reduziert und den Erhalt eines geschlossenen Weltbildes ebenso für sich verbuchen kann, wie er sich in die Lage versetzt, alles den Kategorien gut oder böse zuordnen zu können. Vor dem Hintergrund der immer größer werdenden Informationsmengen, die gerade auch über die sozialen Medien auf den Menschen einwirken, ist dies eine Strategie, die für die einzelne Person zwar erfolgversprechend, gesamtgesellschaftlich aber fatal sein kann. Dabei wird stets das illegitime oder illegale Wirken einer Verschwörung vermutet. Für die hier gegenständlichen Betrachtungen sind meines Erachtens insbesondere jene Aluhüte interessant (neben den Reichsbürgern), die an die Existenz von Chemtrails glauben oder eine große Impflüge wittern. Beide Gruppen gehen davon aus, dass entweder der Staat selbst oder Organisationen, die ein ähnliches Machtpotenzial haben, systematisch Menschen entweder töten oder krank machen wollen oder letzteres zumindest in Kauf nehmen. Das Ganze wird gedeckt von einer wirtschafts-politischen Verschwörung, in der insbesondere den großen Pharmaunternehmen eine besondere Bedeutung zukommt. Wer Medikamente verkauft, hat kein Interesse daran, dass die Menschen gesunden, sondern nur daran, dass er weiter Medikamente verkaufen kann. Impfungen und Chemtrails sind letztlich Krieg der herrschenden Klasse gegen das eigene Volk. Aluhüte sind am stärksten im Internet und insbesondere in den sozialen Medien. Sie haben ihre eigenen Blogs, Gruppen und verabreden sich gezielt zu Aktionen gegen den Mainstream und die Lügenpresse, die alles dafür tun, dass die Wahrheit nicht ans Licht kommen kann. Sie stellen nur Fragen, wollen Menschen zum Aufwachen bringen und wollen dem Einzelnen dabei helfen, ein selbstbestimmtes und glückliches Leben führen zu können, für das „die Verschwörer da oben“ verschwinden müssten. Aluhüte gefallen sich in einem pseudo- oder parawissenschaftlichen Duktus, sie rezipieren unkritisch Propagandamedien wie RussiaToday und sind schnell anschlussfähig zu pseudopazifistischen, antiamerikanischen, antiwissenschaftlichen und teilweise auch antisemitischen Ressentiments, wobei insbesondere letztere gerne als antizionistisch benannt werden. Gesamtgesellschaftlich irrelevante Gruppen, wie die Antiimperialisten im linken Spektrum (die deswegen auch nicht separat betrachtet werden) sind hier einzuordnen. Sie erweitern die antiamerikanische Sicht auf einen antiimperialistischen Standpunkt, der sich gegen die Unterdrückung aller Menschen richtet, die erst aufgehoben ist, wenn in einer weltumspannenden Volksgemeinschaft Freiheit durch Kommunismus herrscht.

Reichsbürger: Lange Zeit nur verlacht, sind Reichsbürger nicht in der Lage, zu verstehen, dass aus der Tatsache, dass die BRD das Deutsche Reich ist, nicht resultiert, dass die BRD nicht existiert. Reichsbürger argumentieren in Rückgriff auf juristische Spitzfindigkeiten, ohne Bezug zur Wirklichkeit. Sie sind entweder davon überzeugt, dass Deutschland noch unter Besatzungsrecht steht und/oder dass die BRD nur eine Firma ist, wie unzweifelhaft an den „Personalausweisen“ erkannt werden kann, da diese im Gegensatz zu den „Personenausweisen“ der Vergangenheit uns Deutsche als Personal ausweisen. Unverstehbar ist für sie zudem, dass die BRD Finanzagentur GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main eine hundertprozentige Bundestochter ist, die Finanzgeschäfte des Bundes koordiniert und tätigt. Für Reichsbürger sind die gewählten Repräsentanten der Bundesrepublik vor allem Marionetten der Besatzungsmächte und der dahinterstehenden Kräfte, ohne Legitimation durch’s Volk. Ebendies gilt für die Staatsanwaltschaften, Gerichte und Finanzbehörden der (nicht existenten) BRD, die keinerlei Autorität haben, Recht über deutsche Reichsbürger zu sprechen. Es gab in der Vergangenheit Anschläge einzelner Reichsbürger auf Repräsentanten des Staates, die bisher glimpflich verliefen. Anders als die an anderer Stelle beschriebenen Aluhüte, sind Reichsbürger nicht nur im Internet und den sozialen Medien miteinander vernetzt und aktiv, sondern auch außerhalb derer tätig. Aus ihrer Sicht werden die Menschen in diesem Land von einer beherrschenden Kaste, auf deren Gestaltung der Bürger keinen Einfluss haben kann, und die auch ohne Legitimation sind, letztlich ausgenutzt, sei es, um zur Erhöhung des Wohlstandes dieser Kaste beizutragen oder aus noch dunkleren Motiven. Wie auch bei Mitgliedern der anderen hier beschriebenen Gruppen zeigen sich auch Reichsbürger in der Lage, paradox und kognitiv dissonant zu handeln, so beispielsweise der bekannte Reichsbürger Xavier Naidoo, der trotz Nichtanerkennung des Staates der BRD trotzdem seine Gerichte nutzt, um gegen diejenigen vorzugehen, die ihn als Antisemiten bezeichnen.

 

Islamhasser: Jede Religion ist in einer freiheitlichen Gesellschaft zu kritisieren, noch mehr Menschen, die im Namen eines Fundamentalismus, der sich auf eine Religion beruft, Gewalttaten begehen. Allerdings finden sich unter den Islamkritikern sehr wohl Personen, die den Islam strukturell mit dem Islamismus gleichsetzen. Sie können sehr gut dahingehend (miss?)interpretiert werden, dass Maßnahmen gegen den Islam stets gerechtfertigt sind. Unter den Islamkritikern gibt es sehr wohl auch radikale Religionskritiker, die jede Art von Religion ablehnen. Bei den hier ansonsten beschriebenen Kreisen wird dieser Aspekt jedoch nicht beachtet, sondern nur die radikale Islamfeindschaft betont. Mitunter sind radikale Islamkritiker gesamtgesellschaftlich gut anschlussfähig, wie beispielsweise Hamed Abdel-Samad. Es macht deswegen aus Sicht von Organisationen wie der rechtsextremen AfD Sinn, ihn zu hofieren, um sich in der Bürgerlichkeit der Partei zu bestärken. Unklar bleibt derzeit letztlich, wieso einige Islamkritiker eben jenen Mechanismus nicht durchschauen oder ob sie sich trotz des Durchschauens in rechtsextremen Kreisen präsentieren. In jedem Fall legitimieren sie so letztlich so demokratie- und freiheitsfeindliche Gruppierungen durch ihre Präsenz.

Eine bekannte Kombi bei PEGIDA. (Foto: @diaphanoskopie)

Eine bekannte Kombi bei PEGIDA. (Foto: @diaphanoskopie)

Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes („PEGIDA“): Seit über einem Jahr marschiert dieser fremdenfeindliche Haufen durch Dresden. Galionsfiguren sind insbesondere der verurteilte Straftäter Lutz Bachmann, der schon einmal als Hitler in den sozialen Netzwerken postet sowie Kathrin Oertel, wobei letztere nach internen Streits im Januar 2015 scheinbar von der Bewegung zurücktrat. Ähnlich wie einige rechtsextreme Parteien hat PEGIDA ein Punkteprogramm, das auf den ersten Blick nicht als so fremdenfeindlich wirkt, wie es die gesamte Bewegung ist. Die Bewegung versteht sich selbst als nicht rechtsextrem, sie bewegt jeden Montag Tausende von Menschen in Dresden. Die Etablierung regionaler Spinoffs gelang PEGIDA dabei ebenso wenig wie das Mimikry als besorgte Islamkritiker. Bei PEGIDA treffen sich die Erfolglosen dieser Gesellschaft, die sich selbst vielleicht als nationalkonservativ, aber nicht als rechtsextrem einstufen würden. Sie sagen nur die Sachen, die in der Mainstream-Presse nicht mehr gesagt werden dürfen, stellen sich die Fragen, die sich kein Journalist in Deutschland mehr traut zu stellen. PEGIDA ist ein Sammelbecken verschiedener Strömungen. Die Stärke liegt im Erzeugen einer Referenzgruppe, innerhalb derer man sich gut fühlen kann, die es auch versteht, gezielt in den sozialen Medien Stimmung zu machen. Allein über die Masse täuscht PEGIDA eine gesellschaftliche Relevanz vor, die sie jedoch in der Breite nicht hat. Die Stärke von PEGIDA in Dresden liegt darin, dass man es nach wie vor schafft zumindest vor sich selbst den Anschein von Bürgerlichkeit zu wahren, auch wenn man diesen Rahmen schon lange verlassen hat. Die von PEGIDA stark angegriffene Lügenpresse wusste lange Zeit nicht, wie sie mit dem Phänomen umgehen sollte, vor allem vor dem Hintergrund, selbst im Fokus der Angriffe zu stehen. Dies hat sich zumindest in Teilen der deutschen Presse geändert, die die rechtsextreme Bewegung mittlerweile deutlicher benennt. Nach wie vor ist PEGIDA ein Dreh- und Knotenpunkt für rechtsextreme, rechtsradikale, nationalistische Kreise sowie Identitäre. Außerdem gelingt PEGIDA gutes „Wording“: Aufmärsche werden nicht als solche, sondern als Abendspaziergänge bezeichnet. Durch die Wahl solcher Begriffe macht sich PEGIDA über die Lügenpresse lustig, die sie versucht als rechtsextremes Sammelbecken zu verunglimpfen. Die PEGIDA-Versammlung und das Umfeld können und werden zukünftig der Rekrutierung von Gewalttätern dienen.

 

Die Alternative für Deutschland („AfD“): Die AfD ist eine vorübergehende Erscheinung, allerdings eine mit derzeit großem Impact. Trotz des bayreuthreifen Abtritts von Bernd Lucke zehrt die AfD bis heute von ihrem Image als nationalkonservativ aber nicht rechtsextremistische Partei, die vor einigen Jahren noch als „Professorenpartei“ bezeichnet wurde. Diese Beschreibung war zwar damals schon unzutreffend, gab es doch immer Personen wie Beatrix von Storch und rechtsextreme Töne aus den Untergliederungen, doch konnte dies lange Zeit nach außen anders dargestellt und nach innen anders vertreten werden. Mit dem Fortgang von Lucke ist die AfD real im rechtsextremistischen Spektrum angekommen. Personen wie Gauland, Adam oder Petry stehen offen für fremdenfeindliche Positionen ein. Dabei sagen sie nur, was eine Mehrheit der Deutschen denkt, ihnen aber aufgrund von political correctness und Genderwahn verboten wird auszudrücken. Es ist eine Partei der anständigen Revolutionäre, die Deutschland wieder zu dem machen wollen, was es einmal war. Hier treffen sich Menschen, denen Heimat und Verbundenheit noch etwas bedeuten. Wie paradox die AfD ist, ist gut an ihrer Vorsitzenden Frauke Petry aufzeigbar. Diese verteidigt eine idealisierte konservative Sicht auf Ehe und Treue ebenso, wie sie mit Blick auf Flüchtlinge benennt, dass es unverständlich ist, dass hauptsächlich männliche Migranten kämen, die ihre Familien im Stich ließen. Paradox ist dies deswegen, da Petry selbst einräumen musste, ihren Mann mit einem Parteifreund betrogen zu haben und Kind eines Vaters ist, der alleine die DDR in Richtung BRD verließ und, wie eben viele Flüchtlinge aus Syrien, Frau und Kind zunächst im anderen Land zurücklassen musste. Die von Petry hierauf gezeigte Kritikimmunisierung erscheint symptomatisch. Kognitive Dissonanz führt nicht zum Start eines Reflexionsprozesses, sondern wird durch Umdeutung und Negierung aufgelöst. Dies zeigt sich auch im Umgang mit Andersdenkenden. Wenn man sieht, wie viele Menschen gegen PEGIDA und Fremdenfeindlichkeit demonstrieren, dann wäre es falsch zu glauben, dass vielleicht etwas falsches an PEGIDA ist. Vielmehr müssen diese Gegendemonstranten zentralistisch von einer Art Antifa e.V. oder ähnlichen Linksextremen organisiert und gelenkt werden. Denn: Genderwahn und Willkommenskultur sind keine mehrheitsfähigen Positionen in Deutschland! Die Tatsache, dass fast alle deutschen Medien durch die Bank anders berichten, als es der Sache der AfD dient, spricht dafür, dass all dies Medien von Linken Journalisten dominiert werden, von denen sich niemand traut, gegen den politisch korrekten Mainstream anzuschreiben. Die AfD wird mittelfristig (nächste 10 Jahre) von keinerlei Relevanz mehr sein. Sie wird sich entweder aufgrund interner Querelen selbst zerlegen oder durch die eindeutige Verortung im rechtsextremen Spektrum unattraktiv werden, vielleicht vergleichbar mit der Geschichte der Republikaner. Bis dahin ist die AfD aber gefährlich, weil sie den Brandstiftern und zukünftigen Terroristen einen parteipolitischen Legitimierungsrahmen anbietet, der ermöglicht, rechtsextremistische Aussagen vor sich selbst als Teil der bürgerlichen Mitte zu verstehen. Insbesondere die Verknüpfung zu PEGIDA ist evident.

 

Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas („ENDGAME“): Ein inhaltliches PEGIDA-Spinoff, das sich antiamerikanischen und prorussischen Gedanken verschrieben hat. In Art und Auftreten deutlich radikaler und aggressiver als PEGIDA, trifft sich hier eine Melange von prorussischen, antiamerikanischen und antiisraelischen Aluhutträgern, die klassische Verschwörungstheoriemotive bedienen. Auch Geschichtsrevisionismus wird hier betrieben, ebenso wie sich mitunter Reichsbürger finden. Deutschland wird erst dann frei sein, wenn es von den US-Marionetten in der Regierung befreit und nicht mehr Mitglied von EU und NATO ist. Natürlicher Verbündeter in diesem Kontext ist Russland sowie geostrategische Feinde der USA hochgehalten werden. ENDGAME spricht insgesamt nicht so viele Menschen wie PEGIDA an, doch ist es in den sozialen Medien stark darin, Meme zu verbreiten, die mit Zitaten, Karikaturen und Bildern an einer Verzerrung von Fakten arbeiten. Eine große Nähe zu Querfront ist gegeben. Die Annektion der Ostukraine wird verteidigt.

Wenn Islamkritiker sich vor den rechtsextremen Karren spannen lassen. (Quelle: Facebook)

Wenn Islamkritiker sich vor den rechtsextremen Karren spannen lassen. (Quelle: Facebook)

Die identitäre Bewegung („Identitäre“): Die Identitären sind Deutschland im Vergleich zu Ländern wie Frankreich de facto bedeutungslos. Ihre stark verkopft und letztlich völkisch argumentierenden Schriften wollen in Deutschland nicht so recht zünden und die Überzeugung, dass es aufgrund der Überfremdung und der Geburtenpolitik, insbesondere der Muslime in Deutschland, perspektivisch zu einem Bürgerkrieg kommen wird, den die eingeborenen Völker Europas verlieren werden, wenn sie ihn nicht früh genug führen, überzeugt nur wenige, es sei denn in der besonderen Spielart, die der Alarmist und Verschwörungstheoretiker Udo Ulfkotte bedient. Es fehlt auch an Identifikationsfiguren, die sich offen der Identitären zuordnen lassen. Was die Identitären jedoch beherrschen, ist der Umgang mit den neuen Medien, und eine zeitgemäße Optik, die sich in der Gestaltung ihrer Werbematerialien und Internetpräsenzen gut beobachten lässt. Morgenluft witterten die Identitären unlängst im Rahmen der Anti-TTIP-Demos,. TTIP ist nämlich der nächste Schritt, die kulturelle Identität Europas zu untergraben. TTIP ist Teil eines Wirtschafts- und Kulturimperialismus der USA. Interessanterweise haben die Identitären jedoch bisher noch wenig Einfluss im Bereich der Islamkritik oder von Pegida – auch wenn sie bei den Spaziergängen stets vertreten sind.

 

Querfront: Ein historisch vorbelasteter Begriff, mit dem die Strategie umschrieben wird, zwischen verschiedenen, auf den ersten Blick stark unterschiedlichen politischen Lagern, eine Verknüpfung herzustellen. Ideologischer Vorzeigedenker dieser Bewegung ist Jürgen Elsässer. Dieser bereitet den ideologischen Rahmen dafür, um reaktionäre linke wie rechte Kreise im Dienst für das unterdrückte Volk in diesem Land zu befreien und in eine bessere Gesellschaft zu führen, in der auch die herkömmlichen rechts-links-Unterschiede überwunden wurden. Elsässer toleriert dabei auf Veranstaltungen explizit antisemitische Ressentiments und Überzeugungen. Er zeigt sich gerne mit prominenten Extremisten, sei es dem Aluhut Ken Jebsen oder dem Reichsbürger Xavier Naidoo. Zentrales Publikationsorgan ist dabei „Compact“. Es werden antiimperialistische, rechtspopulistische, antiamerikanische und Aluhut-Positionen vertreten. Die Querfront-Bewegung ist in den sozialen Medien de facto ohne Einfluss, doch ist sie wiederum erfahren in der Organisation von Veranstaltungen, Kongressen, und Tagungen, verfügt über gute Vernetzung zu bekannteren Personen und bietet zudem den ideologisch-intellektuellen Rahmen, in dem sich ein neuer Terrorismus verorten kann, ohne sich selbst als links- oder rechtsextremistisch wahrnehmen zu müssen.

 

Hooligans gegen Salafisten („HOGESA“): Eine islamfeindliche, homosexuellenfeindliche sowie allgemein fremdenfeindliche Gruppierung, die sich insbesondere aus gewaltbereiten Hooligans zusammensetzt. Nach den gewalttätigen Übergriffen in Köln im Oktober 2014 schreckt HOGESA durch sein hohes Aggressions- und Gewaltpotenzial ab. Dadurch entsteht auch keine offene Anschlussfähigkeit zu Gruppen wie PEGIDA oder Parteien wie der AfD. Allerdings finden sich hier gewalterfahrene Personen, darunter viele Straftäter, die mit dem Herz am richtigen Fleck, ohne zu starke Verkopfung für die Sache des Volkes und den Schutz unserer Gesellschaft eintreten wollen.

 

Klassische Naziparteien: Egal ob NPD oder DIE RECHTE, nach wie vor gibt es klassische rechtsextremistische Parteien. Sie vertreten mehr oder minder unverhohlen offen nationalsozialistische Ideologie. In einigen Bundesländern und Kommunalparlamenten bringen sie es damit zu einem gewissen Erfolg. Ihr offener Antisemitismus und ihre ungebrochene Verherrlichung des Dritten Reiches machen sie jedoch insgesamt für viele andere Gruppen unattraktiv. Dies erkennend, betten sie zunehmend Rassenkonzepte eher in den Rahmen völkischen Denkens und leihen sich Ideologie bei den Identitären. Insbesondere Kader haben dabei erkannt, dass antisemitische Ressentiments gut in antikapitalistische Rahmen einbettbar sind, um mehrheitsfähiger zu werden. Gleichwohl fallen die „Fußsoldaten“ auf durch vielfältige Straftaten, allerdings eben auch außerhalb des Bereichs des politischen Extremismus, auf. Diese Parteien verfüge über große Netzwerke und werden aus der staatlichen Parteienfinanzierung bedacht. Welche „Projekte“ oder „Organisationen“ aus diesen Geldern letztlich perspektivisch unterstützt werden, ist gut zu verschleiern, wodurch in diesem Umfeld so etwas wie eine Infrastrukturbasis entstehen kann, die eine weitere Radikalisierung übernimmt.

 

Wahrscheinlich gibt es noch einige kleinere und vielleicht sogar mittelgroße Organisationen und Strömungen, aus denen sich ein neuer deutscher Terrorismus speisen wird, die ich hier nicht gewürdigt habe. Für Hinweise bin ich wie stets dankbar. Mehr als um Vollständigkeit ging es mir hier jedoch darum, aufzuzeigen, wo die Spezifika der einzelnen Gruppierungen liegen.

Klar wird, dass die Schnittmenge darin besteht, dass die Personen, die sich einem neuen deutschen Terrorismus zuwenden, sich selbst nicht als rechtsextrem definieren und mitunter auch nicht im klassischen rechts-links-Spektrum klar verortet werden können. Vielleicht ist es besser von Demokratiefeindlichkeit oder reaktionären Haltungen oder Autoritarismus zu sprechen. Gerne können mir auch Diagramme zugesandt werden, die die beschriebenen Gruppen als Mengen aufgefasst mit ihren Schnittmengen auf einer sinnvollen Skala wie dem „politischen Kompass“ anordnen.

Gemeinsam ist allen Gruppen, dass sie die BRD sowie ihre demokratisch legitimierten Repräsentanten ablehnen und bekämpfen. Dabei gehen sie davon aus, dass diese keinerlei Legitimierung durch das Volk haben und sogar gegen die Interessen des eigenen Volkes handeln. Da es keine echten Wahlen gibt, ist das einzige was hilft, ein revolutionärer Zustand und eine aktive Bekämpfung der Volksfeinde in Politik und Wirtschaft. Dabei darf getrost ignoriert werden, was in den Medien über die Haltungen der oben beschriebenen Gruppen veröffentlicht wird, sind sie doch Teil des Machterhaltungsapparates, um das Volk im Schlaf zu halten. Ein Volk, das dermaßen eingelullt ist, braucht letztlich einige Volkskämpfer, denen egal ist, ob sie im Allgemeinen verunglimpft werden oder nicht. Freiheitskämpfer werden immer von denen verunglimpft, gegen die sie kämpfen.

Nach der Standortbeschreibung und der Beschreibung der Akteure sowie ihrer Gemeinsamkeiten werde ich im dritten Teil meiner Reihe in der nächsten Woche beschreiben, wie eine neue terroristische Vereinigung aussehen wird, die auf Grundlage der beschriebenen Situation und sich aus den hier beschriebenen Gruppen speisend generieren wird/generiert.

Wie immer freue ich mich über angeregte Diskussionen unter diesem Artikel.
Ich lese alle Kommentare, schaffe es aber nicht, auf jeden einzelnen einzugehen.

 

Nachtrag:  Die gesamte Artikelserie kann als eBook hier erstanden werden.

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43 Kommentare zu “Die Galgen hoch, die Reihen fest geschlossen (II)

  • #1
    Arnold Voss

    Und wieso tauchen z.B. die Salafisten nicht in der Aufzählung auf, Sebastian? Sie werben hier für den Islamischen Staat. Stattdessen wird Hamed Abdel Samad, einer ihrer schärfsten Kritiiker, bei dir als Symbolfigur für einen möglichen Terrorismus von unten genannt, weil er bei der AFD geredet hat.

    Und noch was: Jeder Religionskritiker ist in der Regel auch Islamkritiker. Ist also Jemand wie ich jetzt auch ein Wegbereiter eines neuen Terrorismus, während die kritisierten Religionsfanatiker jeder Art es nicht sind?

    Ich fasse es nicht , Sebastian.

  • #2
    Sebastian Bartoschek Beitragsautor

    Der "neue deutsche Terrorismus", dem ich mich widme, speist sich schlicht nicht aus dem Salafismus. Natürlich gibt es den Salafismus, und er ist Becken eines eigenen, islamistischen Terrorismus, der – auch von mir – an anderer Stelle immer wieder benannt wird, und vor dem gewarnt wird. Aber so, wie ich nicht in jedem Artikel über Rechtsextremismus vor Linksextremismus warnen muss, brauche ich hier auch nicht genauer auf Salafismus einzugehen, wenn ich etwas anderes beschreibe.

    Zu Hamad Abdel-Samad verweise ich auf meine Ausführungen in dem Artikel – und auf die zahlreichen Beispiele (auch zu finden bei den Ruhrbaronen), bei denen er vor einem rechtsextremen Publikum auftrat und sich bejubeln ließ – ich empfehle dazu auch einen unlängst erschienen Kommentar im Spiegel.

    Dass Abdel-Samad lange Zeit an der Seite von Pirincci stand, ist für mich dann noch eine Randgeschichte.

    Ich habe es lange Zeit auch nicht gefasst, Arnold!

  • #3
    Arnold Voss

    Soll das ein Witz sein? Die meisten Salafisten in Deutschland sind deutscher Staatsangehörigkeit, Sebastian. Ihr Haupthetzer sind deutsche Konvertiten. Und was Abdel-Samad betrifft. Lese einfach seine Bücher. Diesen Mann als Symbolfigur eines neuen deutschen Terrorismus zu bezeichen ist Unsinn. Kann es sein, dass du auf dem religiösen Auge blind bist?

  • #4
    Thorsten Stumm

    @Arnold Voss
    Bei dem Begriff " Islamkritiker" in der Aufzählung muss ich auch schlucken. Den halte ich für völlig daneben in der Reihung. Denn ich finde hier ist Islamphobie gemeint. Ahmad Mansour z.B. ist Islamkritiker und kein geistiger Wegbereiter irgendeiner Gewalttat….

    Nach Definition von Bartoschek bin ich als Religions- und damit Islamkritiker auch Teil der Querfront und ein geistiger Wegbereiter von terroristischen Gewalttaten von Rechts…da sind wir dann schon zwei…. 🙂

  • #5
    Sebastian Bartoschek Beitragsautor

    @Arnold: ich warne vor islamistischen Terror, in meinem Posting und in anderen Artikeln. Ich halte Vorträge über die Gemeinsamkeiten von Religionen und Verschwörungstheorien. Alle frei im Netz verfügbar. Und du kommst mit der Frage, ob ich auf dem "religiösen Auge blind" sei? Die Antwortet lautet: Nein.

  • #6
    Arnold Voss

    Sebastian, noch mal audrücklich gefragt: Bin ich als Atheist und Religionskritiker ein Wegbereiter des neuen deutscnen Terrorismus?

  • #7
    Sebastian Bartoschek Beitragsautor

    Lieber Thorsten, ich habe deinen Hinweis überdacht – und den Begriff "Islamkritiker" in der Einleitung durch "Islamhasser" ersetzt. In der Tat trifft er besser was ich meine. Vielen Dank für diesen Hinweis.

  • #8
    Sebastian Bartoschek Beitragsautor

    Lieber Arnold, ich kenne dich nicht. Ich weiss nicht, was aus deinem Atheismus und deiner Religionskritik erwächst. Oder kennen wir uns doch persönlich – und ich kann dich gerade nicht zuordnen? Also: ich sehe mich, mit den zur Verfügung stehenden Infos, nicht in der Lage, Deine Frage auf Dich bezogen elaboriert zu beurteilen. Was meinst Du selbst?

  • #9
    Arnold Voss

    Du kennst mich genauso wie ich dich. Nicht persönlich, sondern durch die vielen Äußerungen bei den Ruhrbaronen, weil ich fast von Anfang an selber einer bin. Ich verweise also, genau wie du, auf diese Infos. Ich warne dort, genau wie du, vor dem islamistischen Terror, ja vor jeder Art von Terror.

    Deine Anfangsfrage lässt mich aber vermuten, dass du es für möglich, ja sogar wahrscheinlich hältst, dass aus Religionskritik und Atheismus ohne weiteres Terrorismus entstehen kann. Sonst hättest du den Begriff Islamkritiker von vorne herein duch Islamhasser ersetzt. Deswegen finde ich es gut, dass du Thorsten Stumms Anregung aufnimmst.

    Aber wieso gehören deutsche Salafisten bei dir nicht zu Deutschland, bzw. zu einem möglichen neuen deutschen Terrorismus?

  • #10
    Sebastian Bartoschek Beitragsautor

    Nach dem was du hier so schreibst, Arnold, kann ich deine oben gestellte Frage nur verneinen. Aber wie gesagt, das ist ja nur eine Facette.

    Und nochmal: es gibt eine salafistische Gefahrenlage in Deutschland, auch von Deutschen ausgehend. Aber über diese Facette, diese Strömung, schreibe ich (diesmal) nicht.

  • #11
    matthes

    Arnhold, Sebastian, ihr seid m.M.n. beide ein Stück auf dem Holzweg.
    Sebastian: Wer die "Islamkritiker" aus dem Pegida-Umfeld ohne Anführungszeichen als solche bezeichnet, ist ihnen schon auf den Leim gegangen. Denen geht es kein Stück um Religionskritik, deren "Islamkritik" ist nur ein Chiffre für die Ablehnung aller kulturellen Einflüsse, deren Wurzeln nicht in Mitteleuropa liegen. Wäre es anders, kämen sie nicht umhin, sich mit den alttestamentarischen Wurzeln dessen, was ihnen angeblich am Islam nicht passt, zu befassen. Und schon wäre es Essig mit dem unbedingten Abfeiern der christlich-abendländischen Kultur. (Wie weit angeblicher Anspruch und Wirklicheit auseinander liegen, zeigt z.B. der Umgang dieser Kreise mit Feminismus oder LGBT-Themen.)
    Arnhold: Islamistischer und nationalistischer Terror mögen auf psychologischer Ebene vergleichbare Motive (und im gemeinsamen Antisemitismus auch einen Anlass zu kurzfristigen Allianzen) haben, aber die Unterschiede sind zu groß, als dass eine gemeinsame Behandlung zielführend wäre. Geburt und Abstammung als ausgrenzendes Moment – einer der Kernpunkte völkischer Ideologien – kommt im Islamismus zumindest in der Theorie nicht vor. (Dass Islamismus und arabischer oder türkischer Nationalismus in der Praxis dann doch oft harmonieren, steht auf einem anderen Blatt, ist aber für die Situation in Deutschland irrelevant, siehe Vogel, Lau und Co.)

  • #12
    Harald

    Danke für die detaillierte Auflistung! Was ich nicht ganz nachvollziehen kann ist die Aussage, dass Querfrontler in den Sozialen Medien "de facto ohne Einfluss" sind. Ich verweise in diesem Zusammenhang nur auf die unsägliche anonymous.kollektiv-Seite auf Facebook. Auch denn von deren knapp 1 Mio. Likes die Hälfte von fandealer stammen, bleibt immer noch eine ordentliche Reichweite. Und in den letzten Jahren werden ja praktisch nur noch compact-Artikel verbreitet.
    Ich halte deshalb ganz im Gegenteil die Querfront für sehr dominierend in den Sozialen Netzwerken, gerade weil man sich ja immer wieder sehr anschlussfähiger Themen bedient (Friedensbewegung, Veganismus, …)

  • #13
    Arnold Voss

    Matthes, danke für die Anregung. Aber ich habe Sebastian so aufgefasst, dass es ihm um jede Art von zukünftiger Terrorismusgefahr in Deutschland geht. Dazu zählt für mich eben auch der religiös motivierte. Und da für mich deutsche Salafisten genauso zu Deutschland gehören wie die anderen deutschen Muslime, sollte auch dieser Gefahrendherd bei seiner Analyse dazu gehören.

    Antireligiöser Hass, erst recht wenn er sich nur gegen eine bestimmte Religion richtet, ist genauso gefährlich wie religiöser Hass auf alle Ungläubigen. Deswegen ist der Begriff des Islamhassers für mich auch treffender als der des Islamkritikers. Und zwar in beide Richtungen. Zum einen um die zu enttarnen, die letzteren als Deckmantel für ihren Hass benutzen, zum anderen um die zu schützen, die als Religionskritiker keinen Hass verbreiten.

    Das ist auch der Grund, weswegen ich einen Mann wie Abdel-Samad in Schutz vor denen nehme, die ihm von der faschen Seite zujubeln. In seinen Reden, Diskussionsbeiträgen und Büchern, zumindest in denen von denen ich weiß, gibt es – im Gegensatz zu denen eines Pirincci – keinen einzigen antireligiösen Hetz- und Hassbeitrag. Im Gegenteil.

    Ansonsten gilt für mich, dass der religiöse Hass egal welcher Religionsangehöriger nicht umstandslos von der jeweiligen Religion selbst abgetrennt werden kann. Es mag irgendwann eine Religion ohne religiösen Hass geben, aber es gibt keinen religiösen Hass ohne Religion. Genauso wenig wie es je einen Alkoholismus ohne Alkohol geben wird.

    http://www.ruhrbarone.de/da-der-glaube-grenzenlos-ist-darf-es-die-religionsfreiheit-nicht-sein/97471

  • #14
    spaetburgunder

    Was für ein sprachliches Geschwurbel … bitte: der Inhalt, der durchaus sinnvoll sein mag (nach dem gerade noch lesbaren 1. Teil), hat ein sorgfältiges Lektorat (oder überhaupt eines) verdient. Und nicht eine Predigt, aus der man nach zwei Absätzen aussteigt!

  • #15
    Frank Nulischk

    Gute Auflistung, mir fehlen aber noch meine "Freunde" von der OPPT-Fraktion:
    https://www.psiram.com/ge/index.php/OPPT
    Stichworte: juristische vs. natürliche Personen, Geburtsurkunden, Strohmannkonten.
    OPPT geht aus der Freemen on the Land-Bewegung hervor:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Freemen_on_the_Land
    Vor Gericht etc. verhalten sich "souveräne" OPPTler ähnlich wie Reichsbürger.

  • #16
  • #17
    Matze

    Ich muss den "Querfront" – Teil kritisieren. Ich glaube, der Autor hat nur ein paar Informationen zusammengetragen, um alle Gruppen beisammen zu haben. Die anderen Berichte wirken viel umfangreicher und besser recherchiert. Dabei hatte ich mich während des Lesens des ansonsten sehr guten Textes gerade auf den "Querfront" Bereich gefreut, denn er ist für uns alte Friedensbewegten derzeit das größte Thema.

    Vielleicht dazu meine Erfahrung und meine Meinung: Seit ein paar Jahren müssen wir in unserer täglichen Arbeit ständig aufpassen, dass keine Querfrontler einwirken. Völlig zurecht wurde gleich der Name Elsässer genannt. Das stimmt soweit.
    Tatsächlich ist die Querfront aber sehr viel komplexer.

    Wenn wir früher für Frieden demonstrierten, dann waren antiamerikanische Sätze schon vorhanden. Dabei bezog es sich jedoch eher auf die Administrationen und einzelne ranghohe Militärs. Pro-Palästinensischer Antisemitismus war übrigens auch schon vorhanden, wurde aber gruppenintern argumentativ möglichst gering gehalten. Im großen und ganzen ging es den Beteiligten darum, Waffen abzuschaffen und Kriege zu vermeiden.

    Die Querfront kam plötzlich, schnell und völlig unerwartet. Am Anfang kamen sie tatsächlich alle "Hand-in-Hand", Elsässer, Jebsen und Co. Zu diesem Zeitpunkt gab es aber noch kein deutschsprachiges Format von Russia Today. Allerdings sind uns die "neuen" schnell aufgefallen.
    Nunmehr sind unterschiedliche Strömungen festzustellen, die kaum noch einen gemeinsamen Konsens finden. Elsässer hat sich bereits zum kompletten Nationalsozialisten (Selbstbezeichnung: Nationalbolschewik) gewandelt. Er verlegt ein Magazin, welches die Flüchtlinge als US-Waffe gegen Europa diffamiert. Dieser Strom ist für unsere Friedensarbeit längst nicht mehr so gefährlich, da es keine Anschlusspunkte gibt.
    (Die Aussage, dass sich Elsässer gerne mit Jebsen und Naidoo zeigt, ist veraltet. Die Protagonisten scheinen von tiefen Gräben getrennt.)
    Anders verhält es sich mit den Jebsen-nahen Friedensmahnern. Diese müssen wir tatsächlich genauer betrachten.
    Einerseits wünschen die Gruppen wirklich "Frieden" und dieser gemeinsame Konsens könnte verbinden. Wir unterscheiden uns jedoch in der Analyse über die Gründe der Kriege.
    Während wir sämtliche Bestrebungen sämtlicher Staaten als potenziell kriegerisch betrachten, ist in der Querfront eine Mischung aus "USA ist Schuld", "Russland sei friedlich" und "Deutschland sei nicht souverän" zu erkennen. Es wird völlig verkannt, dass auch Putin seine Interessen mit massiven Mitteln vertritt und dass auch Deutschland ein agierender Interessenvertreter ist.
    Der Antisemitismus ist bei vielen stark vertreten. Beinahe alle sehen eine große Weltverschwörung von Bänkern als Ursache. Sofort erkennt man, dass diese Erklärung zu einfach für eine Komplexe Ursache ist. Warum ist diese "Bänkerverschwörung" antisemitsch? Nun bei den meisten wird zwar "Bänker und CIA und USA sind schuld" gesagt – aber offensichtlich "Juden und Mossad und Israel sind schuld) gedacht und unterschwellig verbreitet. Es gibt auch einzelne, die es genau so aussprechen. Bei einigen Querfrontlern fällt völlig unverblümt eine krude Theorie, dass Israel hinter allem stünde.
    Man erkennt den Antisemitismus auch an der Auswahl der Beispiele. Möchte man eine Bank als Ursache nennen, dann wählt man lieber "Goldmann Sachs" statt "Deutsche Bank". Als Superreicher wird lieber "Rothschild" erwähnt, als der laut Forbes Liste viel reichere "Kamprad". Die Liste ließe sich beliebig weiterführen. Ähnlich wie Pegida treffen sich diese Mahner an Montagen. Man trifft übrigens viele klassische "Aluhüte" auf ihren Demonstrationen.

    Bei Jebsen persönlich ist das ganze noch viel subtiler. widerspricht er sogar explizit antijüdischen Äußerungen und spricht sich gegen PEGIDA aus. Ich glaube, er ist selber auf den Trick hereingefallen, bei denen aus den uralten antisemitischen Verschwörungstheorien einfach die Worte "Juden" durch Worte wie "Illuminaten" oder "Reichste Familien der Welt" ersetzt worden sind. Unbestritten ist, dass ein Kapitalist natürlich sein Kapital mehren möchte. Sonst wäre er kein Kapitalist. Er sieht also eine versuchte Machtübernahme der Superreichen. Vorwerfen kann man ihm, dass ein Teil seiner Zuhörer oder Teilnehmer in den Gruppen sozialen Netzwerken die Theorien wieder dechiffrieren und die "Superreichen" wieder durch "Juden" ersetzen. Er trägt meiner Meinung nach die Verantwortung dafür, dass seine Worte beim Zuhörer antisemitsche Reaktionen hervorrufen, selber wenn man den Fall annimmt, dass er kein Antisemit sei. Somit sind wir in der Friedensbewegung derzeit seht wachsam, ob Antikapitalisten wirklich Antikapitalisten sind uns keine Antisemiten. *

    "Xavier Naidoo" ist dagegen die gefährlichste Strömung in der Querfront. Er ist immer noch im Fernsehen als "guter lieber Mensch" zu sehen. Und wir alle erinnern uns an seine "letzte Warnung" an die Rechtsradikalen. Viele erkennen in ihm nicht den Reichsbürger, sondern den Antirassisten.
    Damit hält es sich eine Tür bei einigen auf. In mir persönlich entsteht die Sorge, dass er die Tür nutzt, um seine kruden Reichsbürgertheorien in das linke Lager einfließen zu lassen. Man darf nicht denken, dass wir immun gegen rechte Einflüsse wären. Ich dachte es einst, die Querfront hat jedoch das Gegenteil bewiesen.

    Zusammengefasst halte ich die "Elsässers" für nicht-mehr-Querfront-fähig. Die "Jebsens" sind "Querfront-fähig". Es gibt normale Linke unter ihnen, mit denen man diskutieren sollte. Erfahrungsgemäß sind sie sogar gewillt, sachlich zu diskutieren. Aber es gibt auch klassische Antisemiten unter ihnen, die nicht "die russische Seite auch betrachten" sondern "Russland zu 100% Recht geben" wollen. Sie sind eine große Gefahr für alle Linken. Sie bezeichnen uns im übrigen als "Linksfaschisten". Hier ist die Diskussionsbereitschaft deutlich geringer. Die "Naidoos" sind auch "Querfront-fähig" und nicht gewillt zu diskutieren. Fakten sind uninteressant und Antisemitismus allgegenwärtig.

    Das ist meine Meinung. Ich halte die Herren Elsässer und Naidoo für viel gefährlicher als den Herrn Jebsen. Wie in jeder Gruppierung unterscheiden sich hier die Meinungen natürlich. Daher hoffe ich auch auf eure Meinungen zu dem Thema. Allerdings habe ich mich aus der Not heraus mehr mit KJ als mit JE oder XN befassen müssen. Denn die beiden anderen suchen nicht den Schulterschluss zu uns.

    Randnotiz: Im Rahmen der Flüchtlingshilfe habe ich noch keinen der dreien getroffen.

    *Kleine Anekdote am Rande. Zu Beginn der PEGIDA Aufmärsche tauchte Ken Jebsen inmitten unserer Gegendemonstration auf. Er ging sogar bis hinein in eine Gruppe, die man als Antifaschisten erkennen konnte. Ein Freund, früher aktiverer Antifaschist, der sich sehr mit Antisemitismus beschäftigt, sagte daraufhin relativ laut: "Ich hab es euch immer gesagt. Er ist kein Antisemit. Er ist einfach nur ein Idiot!"

  • #18
    seal67

    Danke für diesen tollen Artikel. War wirklich interessant zu lesen aber eine kleine Anmerkung hätte: Reichsbürger sind nicht nur davon überzeugt, dass die BRD ein Besatzungskonstrukt ist und hängen sich am Personalausweis oder der BRD-GmbH auf. Reichsbürger lehnen das GG grundsätzlich ab, da es in ihren Augen keine Verfassung ist, die vom ganzen Volke nach Art. 146 GG gewählt wurde. Sie halten die Verfassung von 1871 oder die Weimarer Verfassung für weiterhin existent und akzeptieren diese nur als Verfassung. Des weiteren schreiben sie eigene und versuchen diese bei den ehemaligen Besatzungsmächten Deutschlands zu legitimeren. Sie denken immer noch, dass Deutschland im Krieg ist, da es laut ihrer Überzeugung keinen Friedensvertrag gibt, obwohl es den 2+4-Vertrag gibt. In ihrer Vorstellung hat Deutschland nie die vollständige Souveränität erlangt.
    Auch gründen sich paramilitärische Gruppierungen wie das DPHW, horten Waffen und Sprengstoffe und gehen sogar gegen Angestellte das Staates (Gerichtsvollzieher) vor und fesseln diesen, so das die Polizei diesen befreien muss. So wie es bei ihnen dargestellt ist, sind die Reichsbürger mit den Aluhüten gleichzusetzen. Es gibt Schnittmengen, das ist korrekt, trotzdem sind die Reichsbürger eine viel gefährlichere Spezies als die Aluhüte. Das wird leider nicht so deutlich.

  • #19
    Dirk Heidelberg

    Danke, ein guter Artikel.
    Ergänzen möchte ich jedoch, dass HOGESA vom Verfassungsschutz mindestens sehenden Auges mitgegründet wurde. DIe Brisanz und Beteiligung von Nazis muss den Behörden daher bekannt gewesen sein, auch wenn diese das immer abgestritten haben. Ein Gründer von HOGESA wurde vom Verfassungsschutz bezahlt. -> http://www.spiegel.de/sport/fussball/koeln-verstorbener-hooligan-war-hogesa-gruender-und-v-mann-a-1057505.html

    Inhaltlich widersprechen möchte ich bei dem Begriff "Islamkritiker". Hamed Abdel Samad ist kein Islamkritiker. Das war er vielleicht mal. Inzw. ist er längst einer der bedeutendsten Islamhasser und Geschichtsrevisionisten für den muslimischen Raum in Deutschland. Er setzt immer wieder den Islam grundlegend mit Faschismus gleich. Daher lässt er sich nicht nur von Islamhassern instrumentalisieren, sondern ist selbst einer.

    Das führt mich auch zu einer Frage an den Psychologen Bartoschek: Warum setzen sich gefühlt oft Leute aus den betroffenen Kreisen selbst an die Spitze der jeweiligen Kritiker/Hasser? Beim Thema Muslime sind dies Akif Pirincci und Hamed Abdel-Samad, welche sich besonders hervortun, obwohl sie aus entsprechenden Kulturkreisen stammen, die sie so sehr beschimpfen. Beim Thema Juden sind dies Ken Jebsen und Evelin-Hecht Galinsky, welche beide aus jüdischen Familien stammen und dennoch kaum eine Gelegenheit zum Meckern auslassen.
    Ist das selektive Wahrnehmung meinerseits und eine absolute Ausnahme oder könnte da mehr hinter stecken?

  • #20
    Matze

    Lieber Dirk Heidelberg,

    sie haben in ihrem letzten Absatz etwas erwähnt, was mir so noch nie aufgefallen ist. Aber tatsächlich hätte ich noch ein weiteres Beispiel. Prof. Zuckermann aus Tel Aviv. Lesen sie gerne seine Bücher, diese bestätigen Ihre Wahrnehmung.

  • #21
    DagmarSchatz

    Danke für die gute Zusammenfassung. Bloß eines: "Bei PEGIDA treffen sich die Erfolglosen dieser Gesellschaft…" Ich fürchte, das ist ein Trugschluss. Ich habe von guten dresdner Freunden, die, wie ich unlängst mit Schrecken feststellen musste, ebenfalls mit PEGIDA sympathisieren, gehört, daß bei Pegida ein Querschnitt der Gesellschaft mitläuft. Bei dem, was man so im Fernsehen sieht (wie ich vor Ort war, habe ich mich nicht hingetraut…), hatte ich auch den Eindruck. Das "Erfolglos" vermittelt nämlich den Eindruck, als sei Pegida ein Phänomen einer bestimmten sozialen Schicht. Ich fürchte, wenn so eine Einschätzung nicht richtig ist, führt sie gefährlich in die Irre.

  • #22
    Sebastian Bartoschek Beitragsautor

    Ja, das stimmt, seal67.
    Und tatsächlich ist mir all dies bekannt – und ich merke gerade meinen Denkfehler, nämlich, dass dies auch den anderen bekannt sein müßte. Hm. Ich schau mal, ob ich mich nochmal an den Absatz mache. Danke!

  • #23
    seal67

    Bitte schön, Herr Sebastian Bartoschek. Vielleicht sollten sie noch darauf Aufmerksam machen, dass es diese VT schon seit der Gründung der BRD gibt. Sie aber erst im Zuge von PEGIDA und AfD einer breiten Öffentlichkeit sichtbar wurde. Aus dieser Masse von BRD-Lossagern und GG-Ablehnern rekrutiert sich, neben den Nazis, ein großer Teil der Spaziergänger.
    Auch sollten sie vielleicht erwähnen, dass es sich bei den Reichis um eine heterogene Masse, die mit ihren jeweiligen Exil-Regierungen und Verfassungen in Konkurrenz zu einander stehen.

  • #24
    Klaus Lohmann

    @#19 Dirk Heidelberg: Durch den VS mitgegründet ist sicher teilweise richtig, aber wenn man das ganze Umfeld hinzuzieht, so fielen die Anregungen des V-Manns wohl auf einen mehr als aufnahmewilligen und durch jahrelange Indoktrination gut vorbereiteten Boden. Die Idee mit den "völlig hohlen" Hools als eine Art "SA-Nachfolge" (und z.B. als "Ordner" bei Nazi-Demos) ist wesentlich älter als die HOGESA-Gründung, siehe z.B. hier: http://de.indymedia.org/2005/04/112148.shtml aus 2005.

  • #25
    Arnold Voss

    @ Dirk Heidelberg # 19

    Helfen sie mir,Dirk. Wo genau setzt Hamed Abdel Samad den Islam g r u n d l e g e n d mit dem Faschismus gleich? Hätten sie da ein Zitat? Und was meinen sie mit Geschichtsrevisionismus? Und wo und wie betreibt Hamed Abdel Samad ihn genau? Auch da wäre ich ihnen für einen konkreteren Hinweis dankbar. Meines Wissens geht es ihm bei seinem neuen Buch um die Gemeinsamkeiten von Islamismus und Faschismus.

    Und ja, habe ich das jetzt richtig verstanden? Wenn jemand gegen seinen eigenen Kulturkreis meckert, sollte er zum Psychologen gehn?

    Ach und noch was, sind sie auch für die Fatwah gegen Hamed Abdel Samad, wegen seines Buches?

  • #26
    Arnold Voss

    Und für alle die, die Hamed Abdel Samad nicht für einen Religionskritiker sondern für einen Religionshasser halten, oder noch keine Meinung dazu haben zur eigenen oder erneuten Urteilsfindung das folgende Video:

  • #27
    b

    Ich find den Font in den anderen Artikeln deutlich lesbarer. Ob’s an den Serifen liegt oder ob es eine andere Grösse bzw. andere Abstände sind, keine Ahnung. Ansonsten danke für den Abriss, die Bandbreite (haha) an Idioten reicht (zum Glück) noch nich ganz für ein Quartettspiel.

  • #28
  • #29
    Arnold Voss

    Und noch ein Video zum gleichen Thema mit einer durchaus spannenden und kontroversen Diskussion mit u.a. Hamed Abdel Samad und einem Salafisten bei Maischberger:

  • #30
    Deutschlandkritiker

    Herauszustreichen wäre, dass der Impuls zur Konstitution einer Querfront stets von Protagonisten aus dem rechten Spektrum ausging und nach wie vor ausgeht. Es handelt sich um eine Taktik, die eigenen – rechten – Positionen gesellschaftsfähig zu machen und mit der Hilfe von linken, eben aus taktischen Gründen temporär bzw. vorgeblich Verbündeten, die auf diese Taktik hereinfallen, den eigenen Einfluss auszuweiten, indem behauptet wird, derlei Positionen seien gar nicht rechts, die traditionellen Links-Rechts-Schemata seien überholt o. ä.

    Solche Querfrontbestrebungen sind bereits in den Dreißiger Jahren seitens des Dunstkreises um den zeitweiligen Reichskanzler Kurt von Schleicher angeregt worden. Tatsächlich hat es zwischen KPD und NSDAP zeitweise eine Zusammenarbeit gegeben; insbesondere in Bezug auf die antisemitische Rhetorik passte zwischen einige KPD-Politiker und die NSDAP kein Blatt Papier. Vor Verfolgung und Vernichtung geschützt haben solche Anbiederungen gegenüber den künftigen Machthabern übrigens niemanden: Im Rahmen großangelegter Massenverhaftungen infolge des Reichstagsbrands wurde zur Kommunistenjagd geblasen, innerhalb weniger Tage erfolgte die Einrichtung der ersten Konzentrationslager, in der "Nacht der langen Messer", besser bekannt als "Röhmputsch", hat man dann auch jenen sogenannten "nationalrevolutionären" Kräften um Schleicher den Garaus gemacht.

  • #31
    Sebastian Bartoschek Beitragsautor

    Der historische Kontext ist bekannt. Zumindest mir. Ich wollte ihn durch "historisch vorbelastet" andeuten, aber nicht vertiefen, weil ich dies hier den falschen Rahmen fand.

  • #32
    Sebastian Brüning

    Eine bisher sehr gelungene Reihe, die ich in nächster Zeit sicher häufiger verlinken werde. Leider ist es so, dass dieses Thema gerade für die älteren, nicht-Social Media affinen Menschen kaum zu erschließen ist. Vielleicht gelingt das ja über diese Artikel. Jedenfalls ist eine Analyse in der Tiefe in der aktuellen Medienlandschaft selten zu finden. Daumen hoch!

  • #33
    Mike A.

    Erwähnt werden sollte noch, dass Elsässer nicht nur Putin toll findet, sondern auch Kontakt zu Alex Dugin, einem russischen neofaschistischen "Philosophen" der von einem großrussischen Reich träumt, hat. Dieser Dugin wird von einigen als graue Eminenz Putins gesehen.
    Eine andere wichtige Person ist Götz Kubitzschek, Chefredakteur der neurechten Zeitschrift "Sezession", Besitzer des Verlags "Antaios", Redner bei Pegida und Gründer des Thinktanks "Institut für Staatspolitik" (IfS).
    In diesem "Institut" kommen dann so lustige Gestalten wie Jürgen Elsässer und der Goebbelsimitator der AfD, Björn Höcke zusammen.
    Die die "die Linke"-Politiker D. Dehm und S. Wagenknecht der
    @Matze: Jebsen ist ein eindeutiger Antisemit und ich denke das weiß er auch. Er benutzt die klassischen Tricks: Umdeutung des Begriffs, da nicht nur Juden Semiten sind, habe der Begriff gar nichts mit Juden zu tun. Juden die Araber hassen sein Antisemiten. Er redet von gefährlichen Zionisten und wenn man mal sein Video "zionistischer Rassismus" anguckt, dann wird einem schlecht. Es trieft nur so vor sekundärem Antisemitismus.
    Und warum er beim öffentlich-rechtlichen Radio rausgeflogen ist, dürfte ja bekannt sein.
    Das Elsässer für Jebsen zu rechts ist, bezweifele ich, schließlich arbeitet Jebsen auch mit Blood-and-Honour-Kader Sven Liebich zusammen.
    Viel interessanter auf die Querfront bezogen sind die Band die Bandbreite, die anscheinend für links gehalten wird und Jebsens Sidekick, Pedram Shahyar, der ehemaliges Mitglied der mitlerweile aufgelösten Organisation "Linksruck" ist, eine trotzkistische, antisemitische Gruppe, die auf Grund ihrer autoritären Strukturen teilweise als Sekte bezeichnet wurde.

  • #34
    Mike A.

    *Dass die "die Linke"-Politiker D. Dehm und S. Wagenknecht Teil der Querfront sind bzw ihr nahe stehen, dürfte ja bekannt sein.

  • #35
    Dieter

    Selten so einen unreflektierten Stuss gelesen. Schnell Kritiker mit Hasser auszutauschen zeigt wie unreflektiert Du von Anfang an mit Begriffen, deren Bedeutung Du nicht verstanden hast rumhantierst.

    Dann die wirklich gefährliche Salafistenbewegungen aussen vor lassen und dann noch das Bild von RT – Hat fast schon was von Bild Niveau. Ebenso schlecht recherchiert, denn das was Du hier homogene Querfront nennst, ist komplett verstritten und hat bis auf ein paar gemeinsame Links, wenig gemein. Ein Elsässer und ein Jebsen kommunizieren nur noch via Anwalt. Und ein Naidoo gehört eher zu den Reichsbürgern. Deine unreflektierte Russlandphobie solltest Du mal therapieren lassen.

    Kurz: Alles gefährliches Halbwissen. Geh wieder Alkoholiker behandeln, aber versuche Dich lieber nicht an den großen gesellschaftlichen Linien, die Dir in Deiner kleinbürgerlichen Sichtweise einfach zu groß sind….

  • #36
    Alreech

    Zitat
    "Gemeinsam ist allen Gruppen, dass sie die BRD sowie ihre demokratisch legitimierten Repräsentanten ablehnen und bekämpfen."

    Genau diese Gemeinsamkeit kann ich beim Besten Willen nicht erkennen.
    Gerade AfD und Pegida beziehen sich in ihrem Selbstbild immer noch positiv auf das Grundgesetz.

    Was ebenfalls fehlt ist die Erwähnung von terroristischen Aktionen die seit Jahren stattfinden.
    Z.B. Brandanschläge gegen Fahrzeuge, die damit begründet werden das sie der deutschen Heereslogistik (dhl) oder Schauspielern die Militarismus und Imperialismus propagieren (Til Schweiger) oder Journalisten mit inakzeptablen Meinungen gehören.
    Wenn sich die Situation weiter anheizt dürften solche Aktionen zunehmen.

  • #37
    Klaus Lohmann

    @#35 Dieter: "Und ein Naidoo gehört eher zu den Reichsbürgern"

    Ist mal wieder der Aluhut vor die Augen gerutscht oder spielen die "großen gesellschaftlichen Linien" verrückt?

    "Wie auch bei Mitgliedern der anderen hier beschriebenen Gruppen zeigen sich auch Reichsbürger in der Lage, paradox und kognitiv dissonant zu handeln, so beispielsweise der bekannte Reichsbürger Xavier Naidoo.."

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  • #39
    Matze

    @Mike A.

    "Er benutzt die klassischen Tricks: Umdeutung des Begriffs, da nicht nur Juden Semiten sind, habe der Begriff gar nichts mit Juden zu tun. Juden die Araber hassen sein Antisemiten."
    Ja diese Begriffsumdeutung kenne ich von Antisemiten. Das wäre ein Indiz. Ich muss aber gestehen, dass ich nicht alle seine Aussagen kenne,

    "Und warum er beim öffentlich-rechtlichen Radio rausgeflogen ist, dürfte ja bekannt sein."
    Ja. Wobei ich weiterhin glaube, dass er seine Aussagen nicht bei vollem Bewusstsein getroffen hat.

    "…schließlich arbeitet Jebsen auch mit Blood-and-Honour-Kader Sven Liebich zusammen."
    Auch das wusste ich nicht. Wo denn genau. Ich weiß, dass Sven Liebich einst versuchte, sich "Links" einzubringen. Allerdings war er noch zu vielen wohlbekannt. Aber eine Verbindung zu Herrn Jebsen kannte ich bislang nicht.

    "Viel interessanter auf die Querfront bezogen sind die Band die Bandbreite, die anscheinend für links gehalten wird" –
    Ja, das unterschreibe ich. Für mich ist die Bandbreite ein Teil der Strömung, die ich als "die Naidoos" bezeichne.

    "Und Jebsens Sidekick, Pedram Shahyar, der ehemaliges Mitglied der mitlerweile aufgelösten Organisation "Linksruck" ist, eine trotzkistische, antisemitische Gruppe, die auf Grund ihrer autoritären Strukturen teilweise als Sekte bezeichnet wurde."
    Da muss ich passen. Der sagt mir jetzt gar nichts. Aber an Linksruck kann ich mich gut erinnern. Ja gegen die kann man einiges anbringen und meiner Meinung nach haben sich dort Antisemiten eingenistet, um die antikapitalistischen Tendenzen zu antisemitischen Tendenzen zu machen. Wobei es auch bei Linksruck nicht alle Antisemitisch waren. Das wurde besonders in der Kontroverse zur Hamas deutlich. Da habe ich eine große Diskussion miterlebt, als der latent antisemitische Teil offen positiv über die Hamas referierte. Für uns Pazifisten ist dagegen ein/e Terror(organisation) genauso zu verurteilen wie reguläre Kriege(r). Ich empfand Linksruck als richtig deutliche Querfront.

    Also du hast mehr Informationen über Herrn Jebsen als ich. Dennoch vermute ich weiterhin, dass er eher den Titel "denn sie wissen nicht was sie tun" tragen sollte denn den eines sich seinen Taten bewussten Antisemiten. (Wobei das eine nicht besser ist als das andere). Herrn Elsässer halte ich dagegen für einen sich in allem bewussten, schaumschlagenden, selbstgefälligen und aufmerksamkeitssüchtigen Nationalsozialisten.

    P.S.: Aber schön, mal wieder auf der Ebene diskutieren zu können – mit Argumenten und Hintergründen. Da wir derzeit sehr genau auf die latenten Rassisten aus dem vermeintlich bürgerlichen Lager achten, müssen wir meistens stumpfe Parolen lesen.

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  • #41
    Mechthild Mühlstein

    Es ist problematisch, daß Du die antiimperialisten des linken spektrums bei den »aluhüten« einordnest. Diese gruppe ist tatsächlich gesellschaftlich eher nicht relevant, weshalb es nicht aufgefallen wäre, wenn Du sie weg gelassen hättest. An diese stelle passen die nicht.

    Imperialismus bedeutet doch nichts anderes, als daß staaten ihre herrschaft auf gebiete außerhalb ihrer staatsgrenzen ausdehnen, um sie für sich nutzbar zu machen. Etliche »aluhüte« hätten da bestimmt nicht unbedingt etwas gegen, wenn es dann bloß Deutschem interesse dienlich wäre und nicht den interessen der USA bzw. irgentwelcher vermeintlichen »eliten«, der »jüdischen weltverschwörung« und wer sonst noch in frage käme, die welt ins unglück zu stürzen.

    Linke hingegen betrachten die welt und sehen, daß die lebensverhältnisse, die den menschen durch die imperialistische politik aufgenötigt werden für die meisten unbekömmlich sind. Dies begründen sie unter anderem mit dem interessengegensatz von kapital und arbeit. Und das ist etwas völlig anderes als der glaube an verschwörung.

    Wissenschaftlich geht es nicht in ordnung, diesen leuten generell <i>pseudopazifistische, antiamerikanische, antiwissenschaftliche, antisemitische ressentiments</i> zu unterstellen. Die haben keineswegs einfach einen <i>erweiterten antiamerikanismus</i>, sondern eine kritik an ihrem <i>eigenen staat</i>, die sich dann auf die anderen, die ähnlich handeln, übertragen läßt.

    Du hast eine erstaunliche neukreation erschaffen, nämlich die »weltumspannende volksgemeinschaft«. Die strebt ganz bestimmt kein kommunist an. Allerdings hast Du, gemäß der totalitarismustheorie, die kommunisten in richtung faschismus verschoben.

    Die »volksgemeinschaft« war bei den Deutschen faschisten ein zentrales thema. Die wollten die gegensätze in der kapitalistischen gesellschaft nicht abschaffen, sondern versöhnen. Die kommunisten hielten das für keine schlaue idee. Deshalb waren sie 1933 die ersten, die eingesperrt wurden.

    Was wolltest Du mit diesen paar zeilen eigentlich sagen? Durch die ungenaue betrachtung hast Du aus einem guten artikel einen eher mäßigen gemacht. Mit terror ist aus dieser ecke wohl eher auch nicht zu rechnen.

    Und noch kurz zur querfront: Elsässer ist so dreist zu behaupten, die rechts-links unterschiede wären überwunden. Mit seiner »volksinitiative gegen das finanzkapital« hat er sich nicht an die NPD angenähert, er vertritt ihr damit ihr programm.

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